Die Männer im Schatten von Marc Graas

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2009 bei Edition St. Paul.
Ort & Zeit der Handlung: Luxemburg, 1990 - 2009.

  • Luxemburg: Edition St. Paul, 2009. ISBN: 978-2879637266. 256 Seiten.

'Die Männer im Schatten' ist erschienen als

In Kürze:

Der Psychiater D’Allo, seine Patientin Isabelle Bailleux und Kommissar Frascetti geraten in dunkle Machenschaften, die man im kleinen Luxemburg nicht für möglich halten würde.

Das meint Krimi-Couch.de: »Altbacken« 55°

Krimi-Rezension von Sabine Bongenberg

Hätte der Psychiater D’Allo sich an die alte Berufsregel gehalten, dass es unweigerlich zu Verstrickungen und Ärger führt, wenn man sich zu sehr in das Privatleben seiner Patienten einmischt, hätte er sich eine Menge Ärger erspart. So aber unterstützt er seine Patientin Isabelle Bailleux bei der Suche nach ihrem verschwundenen Vater und gerät dabei unversehens in Mordermittlungen, die bis in die Nazizeit und in die Nachkriegszeit hinein reichen. Nicht nur, dass sich der Arzt dabei selbst in höchste Gefahr bringt. Er muss vielmehr erkennen, dass auch im kleinen Staat Luxemburg die Welt längst nicht so in Ordnung ist, wie sie zu sein scheint und die Schatten der Vergangenheit bis in die jetzige Zeit hinein ragen.

Grundsätzlich kann man zu Marc Graas’ Erstlingswerk sagen, dass ihm hier ein relativ solider Krimi gelungen ist, der aber einerseits an der Vorhersehbarkeit und andererseits an eigenwilligen Konstruktionen krankt. So lernt der Leser Hyppolyte Houllard kennen, der sich – nachdem er sich aus mehreren Gründen jahrelang in Chile versteckt hatte – in seiner Heimat Luxemburg auf die Suche nach seiner mittlerweile erwachsenen Tochter Isabelle begibt. Obwohl diese anfänglich dem ihr fremden Vater mit Ablehnung begegnet, faszinieren sie doch seine Berichte über die Zeit aus dem durch die Nazis besetzten Luxemburg. Isabelle kann es daher nicht fassen, dass sich ihr Vater nach dem ersten Kontakt nicht mehr bei ihr meldet und bittet daher ihren Psychiater um Hilfe bei der Suche nach dem Vermissten.

Dieses Konstrukt ist natürlich an den Haaren herbeigezogen – Warum sollte eine Frau plötzlich wegen ein paar alten Kriegsgeschichten Gefühle für einen Mann entwickeln, den sie ansonsten nicht kennt? Andererseits fiel dem Autor wohl kein anderes Stilmittel ein, um dieses Ermittler-Duo auf die Fährte der kriminellen Altnazis zu setzen, auf die bereits frühzeitig nicht nur mit einem Holzpfahl sondern eher mit der gesamten Holzhandlung hingewiesen wird. Die beiden Helden schlagen sich daher nicht nur mit einer nachvollziehbarerweise ungläubigen Polizeitruppe herum, werden gelegentlich ohne Sinn und Verstand zusammengeschlagen und verschleppt und erleben schließlich den vorhersehbaren Show-Down in einer Hommage an den »Marathon-Mann«.

Trotz dieser ganzen Entwicklungen ist das grundsätzlich glückliche Ende vorprogrammiert, doch konnte Graas es nicht lassen, hier noch eine zusätzliche Ebene – nämlich die der Unterwanderung des gesamten Luxemburger Staates durch die Nazis – ins Spiel zu bringen. Wenn auch der Klappentext des Buches darauf hindeutet, dass die Aushöhlung des Staates durch die Rechten eigentlich das Herzstück des Buches ausmacht, offenbart sich diese weitere Verwicklung nur in einer Unterhaltung des – vorher zweifelnden und jetzt vollkommen überzeugen – Chefermittlers der Polizei mit einem seiner ranghöchsten Vorgesetzten und einem anschließenden Gespräch mit dem Helden.

Wodurch sich die Machenschaften der Nazis und deren Verwerflichkeit darstellen, kann in dieser Kürze natürlich nicht zum Ausdruck gebracht werden, so dass sich der Leser immerhin über die weitere Zukunft von Luxemburg keine größeren Gedanken machen muss. Und das ist ja auch schon etwas.

Sabine Bongenberg, August 2010

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Patrick Müller zu »Marc Graas: Die Männer im Schatten« 17.11.2014
Solide, unterhaltsam und gute Einblicke in eine luxembourgische Welt, die man mit leichter Ironie zur Kenntnis nehmen sollte. Trotzdem, empfehlenswert und charmant. Gute Unterhaltungslektüre, deren wahren Bezug ich mir durchaus vorstellen kann, auch wenn hier stilistisch eine etwas konstruierte Methodik gewählt wird, die ich aber bei einem Erstwerk nachsehen würde.Freue mich auf weitere Stories. Patrick Müller, Saarwellingen 2014
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