Die Meere des Südens von Manuel Vazquez-Montalban

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1979 unter dem Titel Los mares del sur, deutsche Ausgabe erstmals 1985 bei Rowohlt.
Ort & Zeit der Handlung: Spanien / Barcelona, 1970 - 1989.
Folge 4 der Pepe-Carvalho-Serie.

  • Barcelona: Planeta, 1979 unter dem Titel Los mares del sur. 287 Seiten.
  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 1985 Tahiti liegt bei Barcelona. Übersetzt von Bernhard Straub. ISBN: 3-499-42698-6. 179 Seiten.
  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 1992 Tahiti liegt bei Barcelona. Übersetzt von Bernhard Straub. überarbeitete und erweiterte Neuausgabe. 215 Seiten.
  • München; Zürich: Piper, 2001. Übersetzt von Bernhard Straub. überarbeitet von Anne Halfmann. 240 Seiten.

'Die Meere des Südens' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Pepe Carvalho, Flaneur und Bonvivant, Kommunist und Feinschmecker, muß nicht mehr nur treulosen Ehefrauen nachspionieren – endlich wieder ein lukrativer Fall aus der unheiligen Allianz von Politik und Kapital: Der reiche Unternehmer Stuart Pedrell hat sich für immer in die Südsee verabschiedet, doch ein Jahr später liegt er auf einem Baugelände bei Barcelona – erstochen. Offensichtlich hat er keinen Tag in der Südsee verbracht. Als einziges Indiz findet sich in seiner Tasche ein Zettel mit einer merkwürdigen Notiz. Pepe Carvalho steht vor einem großen Rätsel, denn es ist alles viel komplizierter, als die Polizei ahnt.

Das meint Krimi-Couch.de: »Alles geschieht beiläufig« 15°

Krimi-Rezension von uh

Pepe Carvalho wird von der reichen Witwe des ermordeten Bauunternehmers Stuart Pedrell beauftragt, den Mord an ihren Mann aufzuklären. Die Leiche des Mannes wurde erstochen auf einem Bauplatz am Rande einer künstlich geschaffenen Trabantenstadt – einem Stadtteil von Barcelona – aufgefunden. Als einzigen Hinweis fanden die Ermittler einen Zettel in der Tasche des Toten, auf dem steht: »Mich bringt keiner mehr in den Süden.« Offenbar eine Passage aus einem Gedicht.

Aber was hat diese Aussage zu bedeuten? Wollte der Industrielle doch vor fast einem Jahr seinem bürgerlichen Leben den Rücken kehren und sich als Abenteurer im Süden verdingen. Hat er den Süden jemals gesehen oder endete seine Reise bereits wenige Kilometer von seiner Villa entfernt, mitten in einer armseligen Arbeitersiedlung?

Pepe Carvalho macht sich mit Eifer an die Sache. Seine Ermittlungen führen ihn zunächst von einem Kochtopf zum nächsten. Als dann noch die verstoßene Tochter des Industriellen auftaucht und in seinem Bett landet, wird die eigentliche Geschichte zwischen facettenreichen Schilderungen über die labile politische Lage des Landes nach der Franco-Ära, der ewigen Jagd nach den kulinarischen Superlativen und den amüsanten Schlafzimmergeschichten mit all den vielen Frauen in Carvalhos Leben regelrecht aufgerieben.

Nach mehr als der Hälfte des Buches kehrt der Autor jedoch zu seiner Kernhandlung zurück und Pepe begibt sich mitten hinein in die Höhle des Löwen. Er erfährt, dass sich Pedrell zu Lebzeiten in dem Arbeiterviertel einquartiert hatte, um denen nahe zu sein, die er als Unternehmer ausbeutete. Am Ende des Buches stellt sich heraus, dass gerade dieser Umstand und die Liebe zu einer einfachen Frau seinem Leben ein Ende setzte. Und er starb in der künstlichen und unwirtlichen Umgebung, die er selbst geschaffen hatte.

Pepe Carvalho ist ein Lifestyle-Detektiv wie es im Buche steht. Er bewegt sich in der Welt der Haute Cuisine mindestens genauso sicher, wie er auch im Bett seinen Mann steht und wie in der Literatur, die er zuweilen auch zum Anfeuern seines Kamins benutzt. Mich hätte interessiert, ob »Die Meere des Südens« ebenfalls dort gelandet wären …

Der Autor schreibt zwar in einer anregenden und auch zum Teil lesenswerten Weise, jedoch reicht dies bei Weitem nicht aus, um über eine recht einfach gestrickte und teils müde entwickelte Geschichte hinwegzutäuschen. Vielleicht sehen das manche anders, aber ich erwarte bei einem Kriminalroman Spannung. Die habe ich leider komplett vermisst. Alles geschieht so beiläufig, dass ich mich des Eindruckes nicht erwähren kann, es ist eigentlich völlig gleichgültig, was dem armen Pedrell angetan wurde. Ich quälte mich regelrecht durch die Seiten.
»Ein alter Mann und wenig mehr«, ansonsten bleibt mir nicht viel in Erinnerung.

Das meinen andere:

»In Zeiten schriller, actionbesessener Krimis ist dies eine wohltuende, weil temperierte Kriminalerzählung.« (Süddeutsche Zeitung)

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Barbara zu »Manuel Vazquez-Montalban: Die Meere des Südens« 23.11.2007
Auf das Buch bin ich über Andrea Camilleri gekommen, der seinen Commissario Montalbano zu Ehren von Vazquez Montalban so genannt hat. In den Büchern wird dann immer wieder auf den Detektiv Pepe Carvalho verwiesen. Und genau wie Camilleris Montalbano liebt er gutes Essen und die Frauen. Im Gegensatz zu den Montalbano-Krimis, die einen von Anfang an nicht mehr loslassen, war für mich der Einstieg in Montalbans Buch recht zäh. Aber dann entwickelt sich eine spannende Story, die aber mehr die sozialen Verhältnisse Barcelonas schildert, als dass es sich wirklich um einen Kriminalroman handelt.
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