Und die Großen lässt man laufen von Maj Sjöwall, Per Wahlöö

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1970 unter dem Titel Polis, polis, potatismos!, deutsche Ausgabe erstmals 1972 bei Rowohlt.
Ort & Zeit der Handlung: , 1950 - 1969.

  • Stockholm: Norstedt, 1970 unter dem Titel Polis, polis, potatismos!. 231 Seiten.
  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 1972. Übersetzt von Hans-Joachim Maass. ISBN: 3-499-42264-6. 267 Seiten.
  • Berlin: Volk und Welt, 1988. Übersetzt von Hans-Joachim Maass. ISBN: 3353003436. 218 Seiten.
  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 2000. Übersetzt von Hans-Joachim Maass. ISBN: 3-499-22956-0. 267 Seiten.
  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 2006. Übersetzt von Hans-Joachim Maass. ISBN: 978-3-499-26602-7. 267 Seiten.
  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 2008. Übersetzt von Hedwig M. Binder. ISBN: 978-3-499-24446-9. 286 Seiten.

'Und die Großen lässt man laufen' ist erschienen als TaschenbuchHörbuch

In Kürze:

Viktor Palmgren ist tot. Der Konzernchef hat in Malmö mit einigen Geschäftsfreunden im Hotel Savoy zu Abend gegessen und sich gerade zur Tischrede erhoben, als ein Mann in den Speisesaal tritt, auf Palmgren zugeht, einen Revolver zieht, schießt und den Raum ohne sonderliche Hast durch ein offenes Fenster wieder verlässt. Kommissar Martin Beck vernimmt die Zeugen: Keiner von ihnen hat den Mörder gekannt, keiner kann ihn genau beschreiben. Doch als er sich mit Palmgren beschäftigt, kommt Überraschendes zu Tage: Hinter der Fassade von Immobilienhandel hatte der Konzernchef das meiste Geld mit Waffengeschäften verdient …

Das meint Krimi-Couch.de: »Kaum spannend, aber jede Menge Sozialkritik« 70°

Krimi-Rezension von Peter Kümmel

Der bekannte Konzernchef Viktor Palmgren hat sich mit seinen engsten Mitarbeitern zu einem Geschäftsessen im Savoy Hotel in Malmö getroffen. Als er aufsteht, um eine kurze Ansprache zu halten, kommt ein Mann in den Saal, zieht eine Waffe und schießt Palmgren von hinten in den Kopf. Dann klettert er in der allgemeinen Verwirrung aus dem Fenster und kann unerkannt entkommen.

Palmgren wird ins Krankenhaus gebracht und kann der Polizei noch mitteilen, dass er den Täter gesehen, aber nicht erkannt hat. Er stirbt am nächsten Tag. Obwohl es einige Augenzeugen gab, kann keiner davon eine genaue Täterbeschreibung liefern. Die vage Beschreibung könnte auf einen Mann passen, der kurz nach der Tat auf der Fähre nach Kopenhagen beobachtet wurde und am nächsten Tag von Kopenhagen nach Stockholm flog. Die Polizei in Stockholm wurde rechtzeitig vor der Ankunft des Flugzeugs informiert, doch vermasselte die Streifenwagenbesatzung ihren Einsatz und erreichte den Flughafen nicht rechtzeitig.

Da die Polizei in Malmö kaum Spuren hat und der Fall politisch von größter Wichtigkeit ist, wird Unterstützung aus Stockholm angefordert. Kommissar Martin Beck von der Rikspolis wird nach Malmö geschickt, um dort Per Månsson zu unterstützen. Als man sich näher mit dem Mordopfer befasst, erfährt man, dass Palmgren nicht nur – wie allgemein bekannt war – mit Heringen und mit Immobilien gehandelt hat, sondern auch Waffengeschäfte mit verschiedenen afrikanischen Saaten gemacht hat. Da bestanden genügend Möglichkeiten, sich Feinde zu machen. So vermutet die Polizei politische Motive.

Auch die Abteilungsleiter Hampus Broberg und Ole Hoff-Jensen sowie Palmgrens rechte Hand Mats Linder, die allesamt an dem Geschäftsessen teilnahmen, stehen im Verdacht, in den Mord verwickelt zu sein. Broberg und seine angebliche Sekretärin Helena Hansson, die sich als Callgirl entpuppt, werden in Stockholm festgenommen, nachdem Broberg vermutlich Devisen ins Ausland schmuggeln wollte.

»Und die Großen läßt man laufen« ist der erste Band der Reihe, in dem sich politische Motive finden. Doch bleiben die weitgehend an der Oberfläche.

Für mich ist Beck-Krimi Nummer 6 nach den beiden hevorragenden Vorgängern eine kleine Enttäuschung. Wirkliche Spannung kommt so gut wie überhaupt nicht auf. Man hat so den Eindruck, dass die Ermittler in diesem Krimi völlig außer Form waren. Kein Wunder bei den hohen Temperaturen in diesem schwedischen Sommer, wo die halbe Bevölkerung im Urlaub weilt und die Beamten einsatzbereit sein müssen.

Vermisst habe ich vor allem den Humor, der sich von Buch zu Buch steigerte und die Flachsereien zwischen den Polizisten. Die Ironie ist fast schon Zynismus gewichen. Irgendwie wirkt alles etwas müde. Beck und Månsson gehen die Sache sehr langsam an, auch Kollberg und Larsson scheinen nicht so recht in Form zu sein. Man wundert sich ein wenig, dass die engten Mitarbeiter des Ermordeten nur sehr oberflächlich befragt werden. Nur die Streifenpolizisten Kvant und Kristiansson, denen wir ja schon mehrmals begegnet sind, sorgen mal wieder für einen Riesenklops.

Dafür findet sich diesmal besonders viel von dem, für das die Krimis aus Schweden allgemein bekannt geworden sind und das man gerne mit »Sozialkritik« bezeichnet. Kritisiert wird vor allem das Wirtschaftssystem. Wenn ein Betrieb keinen Gewinn mehr abwirft, dann wird er eben einfach dicht gemacht. Was aus den kleinen Mitarbeitern wird, das interessiert doch kein Schwein. Die weit auseinander klaffenden Unterschiede der Gesellschaftsschichten werden hier mehr als deutlich. Und auch am Polizeiapparat lässt das Autorenteam diesmal kein gutes Haar.

Im Privatleben von Martin Beck hat sich endlich etwas getan. Nachdem seine Ehe schon lange in der Krise steckte, ist er endlich ausgezogen und lebt nun alleine, was ihm sichtlich gut tut. Ansonsten gibt es auch in Sachen Weiterentwicklung der Stammbesetzung wenig Neues zu erwähnen. Åsa Torell, die wir schon aus zwei Büchern kennen, ist nun – wie man bereits vermuten konnte – auch Polizistin und spielt diesmal eine größere Rolle.

Am Ende kann keiner so recht zufrieden sein, wie der Titel schon vermuten lässt. Der wirkliche Täter ist das eigentliche Opfer des Kriminalfalles, der wie alle Sjöwall/Wahlöö-Krimis bisher hauptsächlich durch einen Zufall gelöst werden konnte. Und bei den Kriminalbeamten, die den Fall recht schnell lösen konnten, bleibt auch ein schlechter Beigeschmack zurück.

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Till zu »Maj Sjöwall, Per Wahlöö: Und die Großen lässt man laufen« 14.01.2007
Jeder Krimi dieser Reihe ist sehr gut. Die Story in diesem Band gefällt mir sehr gut und ist meiner Meinung nach sehr realistisch. Hier geht es weniger darum den Mörder zu fassen, sondern einen authentischen Einblick in das Schweden der 70ger Jahre zu werfen. Ein sehr gutes Buch, sehr flüssig geschrieben; man kann sich in die agierenden Personen reinversetzen, dies macht das Buch aus.
Linn zu »Maj Sjöwall, Per Wahlöö: Und die Großen lässt man laufen« 01.06.2004
Ich kann die Enttäuschung des Rezentienten nicht teilen. Ich war auch von diesem Band des Krimiduos sehr zufrieden und habe gebannt jede Seite ihn mich eingesaugt. Es war ein heißer Sommer, aber Kunst ist auch daraus etwas Großes zu schaffen und das ist Sjöwall und Wahlöö geglückt. Schade nur, daß der Originaltitel nicht beibehalten wurde. Aber der hätte dem deutschen Publikum wohl wenig zu gesagt: Polizei, Polizei, Kartoffelbrei.
SilkeS. zu »Maj Sjöwall, Per Wahlöö: Und die Großen lässt man laufen« 13.03.2003
Der erste Krimi der Reihe, der mir wirklich gefallen hat und der mich nicht vorkam wie zähes Kaugummi!
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