Endstation für neun von Maj Sjöwall, Per Wahlöö

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1968 unter dem Titel Den skrattande polisen, deutsche Ausgabe erstmals 1971 bei Rowohlt.
Ort & Zeit der Handlung: Schweden / Stockholm, 1950 - 1969.

  • Stockholm: Norstedt, 1968 unter dem Titel Den skrattande polisen. 240 Seiten.
  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 1971. Übersetzt von Eckehard Schulz. ISBN: 3-499-42214-X. 218 Seiten.
  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 2000. Übersetzt von Eckehard Schulz. ISBN: 3-499-22954-4. 269 Seiten.
  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 2005. Übersetzt von Eckehard Schulz. ISBN: 3-499-26530-3. 269 Seiten.
  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 2008. Übersetzt von Paul Berf. Vorwort von Kjell Ola Dahl. ISBN: 978-3-499-24444-5. 299 Seiten.

'Endstation für neun' ist erschienen als Taschenbuch

Das meint Krimi-Couch.de: »Kann in allen Belangen voll überzeugen« 85°Treffer

Krimi-Rezension von Peter Kümmel

Die Streifenpolizisten Kvant und Kristiansson werden spätabends von einem Passanten auf einen Doppeldecker-Bus aufmerksam gemacht, der neben der Straße, an einen Zaun geprallt, dasteht. Im Bus finden sie ein Bild des Grauens vor: offenbar war hier ein Geistsgestörter am Werk. Neun Menschen finden sie niedergeschossen vor, nur einer davon ist noch am Leben. Einen der Ermordeten erkennen die Polizisten wieder, es handelt sich dabei um Åke Stenström, einen jungen Beamten der Kriminalpolizei aus dem Team von Kommissar Martin Beck.

Schon bei einem einzelnen Mordfall ist es für die Polizei nicht immer einfach, das Motiv zu finden. Nun steht sie zunächst einmal vor dem Problem, herauszufinden, wem der Anschlag mit der Maschinenpistole überhaupt gegolten hat. Zunächst einmal müssen die Insassen identifiziert werden. Das gelingt erst nach und nach bis auf eine Ausnahme. Bei einem Mann ist das Gesicht nicht mehr zu erkennen. Die meisten der Passagiere sind Durchschnittsbürger. So konzentrieren sich die weiteren Nachforschungen der Polizei zunächst auf die Identifizierung des Unbekannten, auf Gösta Assarsson, der in Rauschgiftgeschäfte verwickelt war sowie auf Åke Stenström, der gegenüber seiner Freundin Åsa oftmals vorgab, dienstlich unterwegs zu sein, obwohl er frei hatte und überdies meist bewaffnet war.

Da sich die Kriminalbeamten in der Zeit, in der wenig zu tun ist, gelegentlich mit alten ungeklärten Fällen befassen, lässt dies darauf schließen, dass Stenström auch privat in einem alten Mordfall ermittelt hat. Doch um welchen Fall ging es dabei? Hatte er vielleicht schon mehr herausgefunden, als dem Mörder lieb war? Oder galt der Anschlag doch dem nicht identifizierten Opfer?

Spätestens nach dem vierten Beck-Roman hat man sich an die zuweilen etwas merkwürdige Übersetzung wie »beide waren dienstfrei«oder »die Uhr war viertel nach zwölf« gewöhnt, und ich bin überzeugt, wenn ich alle zehn Bände hintereinander lesen würde, dann würde ich die Uhr zukünfig genauso ablesen.

»Endstation für neun« ist der erste Band der Reihe, der furios startet und den Leser gleich mit mehr Action konfrontiert als alle vorhergehende Romane zusammen genommen aufweisen.

Natürlich verlaufen auch hier die Ermittlungen wieder nach altbekanntem Schema: Fakten zusammentragen, Hypothesen aufstellen und auf den Zufall warten. Doch immerhin gibt es bei neun Opfern Ansatzpunkte zur Genüge und demzufolge auch wesentlich mehr Arbeit und natürlich auch mehr Spuren, die in die falsche Richtung führen. Zumindest aber merkt auch der Leser, dass diesmal mehr Handlung als bislang in das Buch gepackt wurde, das mit 218 Seiten jedoch nur unwesentlich umfangreicher ist als seine Vorgänger.

Doch nicht nur mehr Action und mehr Handlung sind hier zu bewundern. Die vierte Roman der Beck-Reihe ist endlich auch der erste, der mit einer gut durchdachten Geschichte aufwarten kann und nicht ganz so geradlinig verläuft wie die bisherigen. Abwechslung ist insofern vorhanden, dass jeder Krimi – sofern er sich nicht über Monate hinzieht – in einer anderen Jahreszeit spielt. Diesmal bekommt der Leser ein wenig von der Atmosphäre der Weihnachtszeit mit.

Natürlich wird der Leser auch wieder mit den persönlichen Problemen der Polizisten konfrontiert. Die Charaktere der Mitarbeiter von Kommissar Beck werden immer ausgeprägter. Insbesondere Kollberg mit seinem etwas brummigen Wesen wird mehr und mehr zum Sympathieträger, während Becks Privatleben doch gleichmäßig langweilig bleibt. Auch Gunvald Larsson, der bei seinen Kollegen nicht so beliebt ist, macht auf den Leser mit seiner Prinzipientreue einen positiven Eindruck. Mit Stenströms Freundin Åsa Torell wird wieder eine Figur eingeführt, von der zu vermuten ist, dass sie auch in den kommenden Bänden noch eine Rolle spielen wird.

Das Autorenteam lässt die Kriminalbeamten mittlerweile wesentlich lockerer miteinander umgehen als zuvor, wo alles ein wenig steif wirkte. So ist das Ganze auch wesentlich humorvoller geworden. Und mit dem sehr lebensecht dargestellten Einar Rönn hat das Team wieder Zuwachs bekommen. Schließlich ist es auch gerade dieser Rönn, der entscheidend zur Lösung des Falles beiträgt, indem er Stenströms Schritte nachvollzieht.

»Endstation für neun« ist der erste Krimi der Kommissar-Beck-Reihe, der in allen Belangen zu überzeugen weiß.

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gili zu »Maj Sjöwall, Per Wahlöö: Endstation für neun« 19.07.2011
Ich habe in den 70er Jahren begonnen, die Sjöwall/Wahlöö-Krimis zu lesen, immer einer nach dem anderen. Der Beste von allem war klar "Endstation für Neun". Der "Trick" mit der Idendifikation des Autos, der schliesslich die Lösung brachte, ist allerbste Sahne. Ich habe den Roman, der auch verfilmt wurde - der Film reichte nicht ganz ans Buch - sicher mehr als ein Dutzend Mal gelesen.
Sjöwall/Wahlhöö sind Urmutter und Urvater des schwedischen (oder sogar des skandinavischen) Krimis und sie haben einer grosse Schar "Nachkommen" ihre Gene weitergegeben.
tedesca zu »Maj Sjöwall, Per Wahlöö: Endstation für neun« 12.06.2008
Ich habe alle 10 Teile in der richtigen Reihenfolge gelesen und fand sie allesamt gleichermaßen gut.

Besonders interessant finde ich die Stimmung der Sechziger, die hier so treffend wiedergegeben wird. Die Rollenverteilung zwischen Mann und Frau, die gerade erst beginnt, aufzubrechen, die sozialen Probleme, der zunehmende Verkehr mit der damit einhergehenden Umweltverschmutzung. Im Grunde alles Themen, die uns auch heute noch beschäftigen.

Sehr gern mag ich auch die Figur Martin Beck, der so realistisch und menschlich dargestellt wird, dass man ihm Buch für Buch immer näherkommt.
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andreas zu »Maj Sjöwall, Per Wahlöö: Endstation für neun« 30.03.2008
Für mich war es das erste Buch, das mich totz der guten Bewertungen nicht überzeugen konnte. Mich haben die vielen schwedischen Namen und die ständigen Verhöre total aus dem tritt gebracht. Die Handlung sonst war ok.
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Dickie_Greenleaf zu »Maj Sjöwall, Per Wahlöö: Endstation für neun« 15.02.2008
Volltreffer! Dieser Krimi überzeugt mit seinem außergewöhnlichen Plot. Die Polizei muss erstmal herausfinden wer überhaupt das Opfer ist und wer nur zufällig getötet wurde. Genial! Und dann auch noch einen alten Fall neu aufzurollen und mit seiner Aufklärung auch den ersten Fall zu lösen - ist sowas von allererster Sahne! Für mich der beste Krimi aller Zeiten.
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Christiane zu »Maj Sjöwall, Per Wahlöö: Endstation für neun« 13.02.2008
Sicherlich hat dieser Krimi den gewissen Charme der 60er. Alles ist ein bisschen miefig und piefig. Ständig wabern Rauchschwaden durch die Zimmer. Die Männer sind noch "echte Kerle". Die Frauen haben ihr festgelegtes Rollenbild, sind auf's Wort willig und auch gerne öfter mal nymphoman. Auch ich hab über die Dialoge der Herren Ermittler schmunzeln können und noch mehr, wenn ein solcher mit öffentlichen Verkehrsmitteln z. B. zu Zeugenbefragungen fuhr.
Aber alles in allem kann ich die Lobeshymnen der Vorredner nicht anstimmen. Ich fand die Story recht konstruiert und auch über weite Strecken sehr getragen. Dieser Krimi ist bestimmt nicht schlecht, für mich aber auch nicht mehr als gutes Mittelmaß.
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Dr. Sanati zu »Maj Sjöwall, Per Wahlöö: Endstation für neun« 30.11.2007
Der vierte Band der Serie ist wahrscheinlich die beste Folge und trotz seinem Alter mit Sicherheit einer der spannensten Kriminalromane. Unterhaltsam und sozialkritisch zugleich. Ein Genuß für Krimi-Freunde. Meine Bewertung 90°.
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Mel zu »Maj Sjöwall, Per Wahlöö: Endstation für neun« 12.11.2007
Ich habe den Roman gerade gelesen und musste gleich die mir noch fehlenden Titel der Reihe bestellen, um bald wieder Neues von Herrn Beck und seinen Kollegen zu erfahren - was wohl heißt, dass mir das Buch gut gefallen hat. Allerdings wundert es mich fast, dass es als Roman der Martin Beck-Reihe bezeichnet wird, es handelt sich für mich eher um einen Kollberg-Roman, der deutlich lebendiger im Gedächtnis bleibt als Martin Beck.
Im Nachhinein hatte ich den Eindruck, dass der Handlungsstrang um Stenströms sexuelle Experimente mit seiner Verlobten kontruiert war, um Fröken Torell einzuführen und den Kollegen einen Hinweis zu geben, an welchem alten Fall Stenström gearbeitet hatte, vielleicht auch, um etwas Spannung anderer Art ins Buch zu bringen ;-), (es ist nämlich nicht plausibel, warum er die besagten Fotos mit ins Büro genommen haben sollte), aber es fällt mir leicht, den Autoren diesen Kunstgriff zu verzeihen.
grinsfrosch zu »Maj Sjöwall, Per Wahlöö: Endstation für neun« 21.08.2007
Selten einen so gesellschaftskritischen und zugleich humorvollen Krimi gelesen! Die Dialoge sind zum Teil urkomisch und bestechend authentisch. Die Fäden sind konsequent zusammengeführt, die Charaktere ausgefeilt. Spannungsvoll und für mich als deutlich jüngere Leserin interessant ist die schwedische (=europäische) politische Atmosphäre der ausgehenden 60-er Jahre.
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Kasia zu »Maj Sjöwall, Per Wahlöö: Endstation für neun« 07.07.2007
Ah, meine beneidenswerten Vorgänger! Wir mussten in der Schule wirklich überwiegend so super intelligente und lehrbare Werke unserer Altmeister lesen. Was hätte ich denn für einen Krimi gegeben (einen durften wir in Englisch: An Inspector Calls- War leider nicht ganz so interessant)! Ich bin aber dankbar, dass ich jetzt alle Zeit der Welt habe, mich in meiner Freizeit völlig freiwillig den Krimis widmen zu können. "Endstation für Neun" ist ein gutes Buch. Ein Polizist aus den eigenen Reihen wird in einen Anschlag verwickelt und getötet. Es ist interessant festzustellen, dass sich früher, wie auch leider noch heute, keiner wirklich für den anderen interessiert. Der Kollege ist tot und was wissen wir über ihn? Eigentlich nichts. Die Krimis sind sehr gut. Es werden symphatische (überwiegend) Hauptpersonen vorgestellt, die auch Eheprobleme kennen, Überstunden und Mobbing. Wie ich schon bei den anderen Bewertungen der Sjöwall/Wahlöö-Bücher geschrieben habe: Es ist es wert, jedes einzelne davon zu lesen.
timothyK zu »Maj Sjöwall, Per Wahlöö: Endstation für neun« 12.04.2007
Eins vornweg: Daß in einem schwedischen Kriminalroman die Akteure schwedische Namen haben, sollte wohl keinen verwundern ;-). Vielleicht ist es auch keine gute Idee, Schüler dazu zu zwingen, Sjöwall/Wahlöö zu lesen. Ich bin mir nicht sicher, ob das im Sinne der Autoren liegt.

Ich habe alle 10 Bände freiwillig gelesen und zwar mit großem Vergnügen. Man kann m.E. die Bedeutung von Sjöwall/Wahlöö für die moderne Krimiliteratur nicht hoch genug einschätzen: Helden, die keine Übermenschen, sondern ganz normale, fehlbare Menschen sind. Tiefe Einblicke in eine Gesellschaft, die auch noch heute zum Teil nichts an Aktualität eingebüßt haben, eine authentische Spannung und für mich mit am wichtigsten: Ein wunderbarer Humor. Das literarische Niveau von Sjöwall/Wahlöö wird nur von wenigen anderen Krimiautoren erreicht.
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