Der Mann, der sich in Luft auflöste von

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1966 unter dem Titel Mannen som gick upp i rök, deutsche Ausgabe erstmals 1969 bei Rowohlt.
Ort & Zeit der Handlung: Ungarn / Budapest, 1950 - 1969.
Folge 2 der Kommissar-Beck-Serie.

  • Stockholm: Norstedt, 1966 unter dem Titel Mannen som gick upp i rök. 135 Seiten.
  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 1969. Übersetzt von Johannes Carstensen. rororo-Thriller; Bd. 2159. ISBN: 3-499-42159-3. 135 Seiten.
  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 1986. Übersetzt von Eckehard Schultz. Überarbeitete und ergänzte Übersetzung. 172 Seiten.
  • Berlin: Volk und Welt, 1989. Übersetzt von Johannes Carstensen. 183 Seiten.
  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 2000. Übersetzt von Eckehard Schulz. ISBN: 3-499-22952-8. 207 Seiten.
  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 2005. Übersetzt von Eckehard Schulz. ISBN: 3-499-26528-1. 207 Seiten.
  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 2008. Übersetzt von Eckehard Schulz. 233 Seiten.
  • [Hörbuch] Berlin: Der Audio Verlag, 2005. Gesprochen von Horst Michael Neutze; Sabine Postel; u.v.a.. . Bearbeitung: Peter Knorr. Regie Frank Erich Hübner. Produziert 1980 vom Hessischer Rundfunk und Südwestrundfunk. 1 CDs.

'Der Mann, der sich in Luft auflöste' ist erschienen als TaschenbuchHörbuch

Das meint Krimi-Couch.de: »Hartnäckig am Ball bleiben wie Martin Beck« 72°

Krimi-Rezension von Peter Kümmel

Martin Beck bricht auf in seinen wohlverdienten Urlaub. Per Boot geht es hinaus auf eine kleine Schäreninsel, wo seine Familie bereits auf ihn wartet. Doch der Urlaub soll nicht von langer Dauer sein. Bereits am gleichen Tag wird er telefonisch zurückbeordert, um einen dringenden Fall zu übernehmen.

Worum es sich genau handelt, darüber hüllt sich sein Vorgesetzter in Schweigen, denn das Ganze ist inoffiziell. Genauere Informationen erhält Beck erst vom Außenministerium: Der Journalist Alf Matsson reiste im Auftrag seiner Zeitung wie so oft in den osteuropäische Raum. Diesmal war sein Ziel Budapest. Dort ist er auch in seinem Hotel angekommen. Doch außer seinem Koffer und seinem Pass, die im Hotel Duna zurückblieben, fehlt von ihm jede Spur. Da der Chefredakteur von Matssons Zeitung dessen Verschwinden politisch ausschlachten will, hat sich das Außenministerium eingeschaltet und will inoffiziell Ermittlungen einleiten.

Nach kurzer Bedenkzeit nimmt sich Martin Beck des Falles an. Einen Tag lang zieht er in Stockholm Erkundigungen über Alf Matsson ein. Der Journalist verkehrte des öfteren mit seinen Kollegen in einer Gaststätte, wo die Gruppe stark dem Alkohol zusprach. Und Matsson konnte wohl sehr unangenehm werden, wenn er zuviel getrunken hatte.

Am nächsten Tag macht sich Beck auf die Reise nach Budapest, wo er zunächst versucht, den Reiseweg von Matsson zu rekonstruieren. Vom Flughafen aus legte der Journalist einen Tag Zwischenstation in einem kleineren Hotel ein, bevor er ins Hotel Duna weiterreiste. Doch außer den beiden Pförtnern und den beiden Taxifahrern, die ihn zu den Hotels brachten, hat ihn keiner gesehen. Eine erste Spur führt Beck zu der Sportlerin Ari Boeck, doch die mannstolle Frau will nie zuvor von Alf Matsson gehört haben.

Die ungarische Polizei in Gestalt von Major Vilmos Szluka wird auf Beck aufmerksam, und Martin Beck fühlt sich von da an auf Schritt und Tritt verfolgt.

»Der Mann, der sich in Luft auflöste« zeigt bereits eine deutliche Steigerung gegenüber dem doch recht langweiligen Einführungsband »Die Tote im Götakanal«. Doch wie dort tappt auch hier die Polizei lange Zeit im Dunklen und wartet tagelang auf eine Spur, die sie weiterbringt. Von daher gesehen sind die Kriminalromane um Martin Beck »Realismus pur«.

Nüchtern und bis ins kleinste Detail gehend beschreibt das Autorenteam Becks Weg in Budapest. Der Leser erfährt nicht nur, wie die Schornsteine der Schiffe aussehen, die Beck aus seinem Hotelzimmer auf der Donau vorbeifahren sieht, sondern wird auch umfassend darüber informiert, welche Speisen und Getränke der schwedische Polizist zu sich nimmt, welche berühmte Persönlichkeit vielleicht schon in seinem Hotelbett gelegen hat und wird sogar umfassend über die Geschichte der Stadt Budapest bis hin zu ihren Sehenswürdigkeiten aufgeklärt.

Die Handlung dagegen geht nur sehr langsam, fast so quälend langsam wie im ersten Band voran. Doch aus dieser Stagnation heraus bezieht der Roman seine ihm eigene Spannung. Aus Vernehmungsprotokollen oder einzelnen Befragungen heraus kann sich der Leser genauso wie Martin Beck ein Bild des Verschwundenen sowie der Beteiligten machen und kann seine eigenen Schlüsse ziehen. Diese Realitätsnähe und vor allem auch die Mißerfolge der Ermittler sorgen für das besondere Flair der Martin-Beck-Krimis. Mit Martin Beck haben Wahlöö und Sjöwall wohl einen der ersten und heute so beliebten Anti-Helden des Kriminalromans erschaffen.

Der undurchsichtige Major Szluka sowie die Männer, die Beck verfolgen sorgen in Verbindung mit der Beschreibung der Stadt Budapest und des Lebens ihrer Bewohner für eine bedrohliche düstere Stimmung. Doch gleichzeitig erhält der Leser auch ein völlig gegensätzliches Bild, nämlich das der eindrucksvollen und schönen Stadt, der ungarischen Mentalität und ihrer großartigen Küche.

Die Darstellung der Charaktere ist zweifellos die größte Stärke des Autorenduos. Martin Beck und seine Gedankengänge lernt der Leser noch besser als im ersten Band kennen. Auch sein Kollege Kollberg ist mittlerweile schon ein alter Vertrauter geworden. Meisterhaft vor allen Dingen, wie beteiligte Personen, die kaum selber in Erscheinen treten, alleine durch die Darstellung der Beobachtungen der Ermittler genau beschrieben werden. Der Abdruck von Vernehmungsprotokollen tut in dieser Hinsicht ein Übriges und so bleibt der Roman vor allem sehr menschlich.

Die Schlußfolgerungen der Polizisten können in jedem Detail nachvollzogen werden und so kristallisiert sich schließlich ein sehr überraschendes Ende heraus.

173 Seiten, noch weniger als der erste Band, sorgen dafür, dass man das Buch quasi am Stück lesen kann und so sozusagen ebenso wie Martin Beck mit Hartnäckigkeit am Ball bleibt, bis der Fall gelöst ist, obwohl man an manchen Stellen der Stagnation gelegentlich gerne aufgeben würde.

Ihre Meinung zu »Maj Sjöwall, Per Wahlöö: Der Mann, der sich in Luft auflöste«

Helfen Sie anderen Lesern, indem Sie einen Kommentar zu diesem Buch schreiben und den Krimi mit einem Klick auf die Säule des Thermometers bewerten. Und bitte nehmen Sie anderen Lesern nicht die Spannung, indem Sie den Täter bzw. die Auflösung verraten. Danke!

Jochen zu »Maj Sjöwall, Per Wahlöö: Der Mann, der sich in Luft auflöste« 01.09.2014
Auch wenn das Buch bald 50 Jahre alt wird, ist es nicht verstaubt. Im Gegensatz zu vielen aktuellen Büchern, wird die Geschichte auf wenigen Seiten erzählt, ohne dass etwas zu kurz kommt. Die Geschichte ist stringent und packend. Personen und Situationen werden so beschrieben, dass sie aus dem Buch heraustreten.
Das Buch spielt in einer Liga mit vielen anderen Krimiklassikern und weit vor dem, was man heute lesen muss und wo jedes Detail über mehrere Seiten ausgwälzt wird, obwohl wenige Sätze gereicht hätten. Das Buch als "Schweden"-Krimi zu bezeichnen, ist da eine Beleidigung.
Daher eine uneingeschränkte Empfehlung und der dringende Rat, erst dieses Buch zu lesen, bevor man seine Zeit mit Mankell, Nesser, Nesbo oder Dahl verschwendet.
elisabeth zu »Maj Sjöwall, Per Wahlöö: Der Mann, der sich in Luft auflöste« 21.10.2013
Hi!

Hoffe es kann mir jedem helfen.
Suche eine komplette Box von der Serie.
Wurde es dringend als Geschenk brauchen.
Bei amazon habe ich nur gebrauchte gefunden.
Die sind aber leider nicht mehr in dem zustand um sie als Geschenk zu verwenden.

Wäre für Tipps wo ich eine Box bestellen kann sehr dankbar!


Lg Elisabeth
AgathaC zu »Maj Sjöwall, Per Wahlöö: Der Mann, der sich in Luft auflöste« 23.02.2012
Ich finde, das Buch bietet einen interessanten Einblick in die Zeit des eisernen Vorhangs, Ungarn im Kommunismus. Man vergisst schnell, wie kompliziert Reisen war, oder telefonieren.
Die Story, die das Buch erzählt, ist durchaus gut, trotzdem lässt die Spannung etwas zu wünschen übrig. Die Erzählweise ist so minutiös und distanziert, dass das Buch mich nie so richtig fesseln konnte.
CRI zu »Maj Sjöwall, Per Wahlöö: Der Mann, der sich in Luft auflöste« 17.01.2009
Vielleicht sind die Umstände dieses "Falles" das Seltsamste an diesem Krimi, schließlich ist es eine Art Geheimauftrag, an dem Kommissar Beck aber irgendwie nicht vorbeikommt, schließlich ist er Polizist und so etwas reizt ihn.
Spannend wird es auch dadurch, dass der Leser an manchen Stellen zwar merkt, dass Beck seine Schlussfolgerungen zieht und weitere Erkundigungen einholt, um diese zu bestätigen, man als Leser aber nicht direkt eingeweiht wird.
Langweilig oder langatmig ist dieser Krimi auf gar keinen Fall und einen kleinen Hauch der Zeit des Kalten Krieges abzubekommen, ist ebenfalls interessant.
Kasia zu »Maj Sjöwall, Per Wahlöö: Der Mann, der sich in Luft auflöste« 07.07.2007
Wie schon einige meiner Vorgänger, kann ich nur sagen, dass ich das Buch nicht als "schwach" bezeichnen kann. Es hat mich interessiert, so dass ich dran bleiben wollte und musste. Der Schreibstil des Ehepaars ist niemals langweilig. Keines der Bücher zieht sich unnötig endlos hin. Die Bücher sind kurz (ca. 150 - 180 Seiten) und das bedeutet, dass nicht viel Zeit bleibt, um in "Plaudereien" zu verfallen. Wer alles über die Fälle des Kommissar Beck wissen möchte, sollte an "Der Mann, der sich in Luft auflöste" auch nicht vorbeigehen.
Volker zu »Maj Sjöwall, Per Wahlöö: Der Mann, der sich in Luft auflöste« 24.06.2007
Für mich war dieser Roman der Einstieg in die Martin-Beck-Reihe. Wenn es sich tatsächslich als der schwächste erweisen sollte, kann ich mich ja noch auf neun sehr spannende Werke freuen, denn ich fand auch diesen Band schon sehr gut. Ein spannendes Stück Zeitgeschicht, eine originelle Story und Schilderung von Budapest, die große Lust auf einen Besuch der Stadt machen.
Swen Piper zu »Maj Sjöwall, Per Wahlöö: Der Mann, der sich in Luft auflöste« 12.04.2005
Martin Beck wird aus dem Urlaub zurückbeordert. Er soll einen schwedischen Journalisten, der wie vom Erdboden verschluckt scheint, in Budapest aufspüren. Beck reist nach Budapest. Hier gibt es zunächst keinerlei Anhaltspunkte für das Verschwinden des Journalisten und so stampft der Leser mit dem lust- und trostlosen Beck durch die ungarische Hauptstadt. Zur Hälfte wird die Story dann lebhafter und damit auch interessanter. Die Auflösung des Falls ist dann „vom Feinsten“ und sicher nicht vorhersehbar.
daniel zu »Maj Sjöwall, Per Wahlöö: Der Mann, der sich in Luft auflöste« 05.04.2005
Meine Meinung zu dem buch ist, dass ich das buch ansich sehr interessant finde aber doch sagen muss das sich das alter des buches ´sich deutlich in der schreibe nieder legt! aber ansich kann man sonstden schreibern keine Vorwürfe machen kann denn das einzige was ich sonst noch bemängeln würde ist die doch sehr untypiische übersetzung des buches.
Bettenburg zu »Maj Sjöwall, Per Wahlöö: Der Mann, der sich in Luft auflöste« 25.12.2004
Wie hier auch von Anderen geschrieben, finde ich dieses Buch den schwächsten Band in der 10bändigen Reihe. Ist auch der einzigste, der überwiegend im Ausland spielt. Ansonsten sind Maj/ Sjöwall immer noch die sozialkritischsten Schwedenkrimis, die (leider) nichts von ihrer kritischen Gesellschaftsbeschreibungen verloren haben. Absolute Klassiker!
Frank Henningsen zu »Maj Sjöwall, Per Wahlöö: Der Mann, der sich in Luft auflöste« 16.08.2004
Der Zweite ist vielleicht der schwächste Roman dieser zehnbändigen Reihe; nach dem storymäßig drögen, aber athmosphärischen Erstling ("Die Tote im Götakanal") geht´s jetzt nach Budapest (!), was aber leider nix zur Folge hat als einen Verlust an Athmosphäre. Der Fall selbst ist ein bißchen dünn und wackelig, Spannung ergibt sich nicht groß. Erst mit dem dritten Band sollte die Serie um Kommissar Beck richtig durchstarten, dieser hier fällt in die Rubrik "fehlgeschlagenes Experiment". (Wie übrigens auch, und auch als zweiter Band der seinigen Reihe, und auch aus denselben Gründen (Handlungsort, verlorene Athmosphäre...), die "Hunde von Riga" von H.Mankell. Wobei: Unser Sjöwall/Wahlöö schneidet noch deutlich schlechter ab als sein ohnehin schon lahmer Bruder von 1992. - Überhaupt: Diese immer wieder auftauchenden Parallelen zwischen Sjöwasll/Wahlöö und ihrem späten Nachfolger sind schon ziemlich auffällig.)

Dies sind nur die ersten 10 Kommentare von insgesamt 14.
» alle Kommentare anzeigen

Ihr Kommentar zu Der Mann, der sich in Luft auflöste

Hinweis: Fragen nach einem fertigen Referat, einer Inhaltsangabe oder Zusammenfassung werden gelöscht.

Seiten-Funktionen: