Alarm in Sköldgatan von Maj Sjöwall, Per Wahlöö

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1969 unter dem Titel Brandbilen som försvann, deutsche Ausgabe erstmals 1984 bei Volk und Welt.
Ort & Zeit der Handlung: Schweden / Stockholm, 1950 - 1969.

  • Stockholm: Norstedt, 1969 unter dem Titel Brandbilen som försvann. 249 Seiten.
  • Berlin: Volk und Welt, 1984. Übersetzt von Susanne Dahm. ISBN: 3353006540. 219 Seiten.
  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 1986. Übersetzt von Eckehard Schultz. ISBN: 3-499-42235-2. 183 Seiten.
  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 2000. Übersetzt von Susanne Dahm. ISBN: 3-499-22955-2. 283 Seiten.
  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 2005. Übersetzt von Susanne Dahm. ISBN: 3-499-26531-1. 283 Seiten.
  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 2008. Übersetzt von Susanne Dahm. Vorwort von Leif GW Persson. ISBN: 978-3-499-24445-2. 302 Seiten.

'Alarm in Sköldgatan' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Ein explosionsartiges Feuer zerstört ein einsam gelegenes Wohnhaus in Stockholm bis auf die Grundmauern. Vier Tote sind zu beklagen. Auch für die übrigen acht Bewohner hätte die Katastrophe tödlich ausgehen können, wäre nicht Gunvald Larsson gewesen, der ausgerechnet in diesem Haus einen kleinen Ganoven zu beschatten hatte. Die Untersuchungen ergeben als Ursache des Schadenfeuers einen Selbstmord. Doch bleibt ein Verdacht. Warum ist der Unfall gerade passiert, als sich die Polizei für einen der Bewohner interessierte?

Das meint Krimi-Couch.de: »Die Reihe wird zunehmend humorvoller« 77°

Krimi-Rezension von Peter Kümmel

Sköldgatan ist eine kleine schmale Straße, eigentlich eher ein Feldweg, mitten in Stockholm, in der es nur ein einziges Wohnhaus gibt. In diesem Wohnhaus mit insgesamt vier Wohnungen lebt Göran Malm.

Gunvald Larsson aus dem Team von Kommissar Beck jagt normalerweise Mörder. Doch da in ihrer Abteilung momentan wenig zu tun ist und die Überwachung von Personen zu Larssons Spezialgebieten zählt, ist er neben seinem normalen Dienst einer anderen Abteilung unterstellt, um eben diesen Göran Malm, wohnhaft in Sköldgatan, zu überwachen. Aus welchem Grund er das tun soll, das interessiert Larsson überhaupt nicht. Alles ist ruhig im Haus, als Larsson an einem eiskalten Winterabend im März um kurz nach elf den Polizisten Zachrisson ablöst. Doch dann explodiert mit einem ohrenbetäubenden Knall das ganze Haus und steht im Nu in Flammen.

Nun wird Larsson zum Helden, denn er rettet alleine acht der Bewohner aus den Flammen und erleidet dabei selber eine Gehirnerschütterung, die ihn die nächsten Tage außer Gefecht setzt. Drei Personen kommen ums Leben, darunter auch das Objekt der Beschattung. Nachdem kein Fremdverschulden nachgewiesen werden kann, soll der Fall abgeschlossen werden. Doch dann kommt aus der Gerichtsmedizin die überraschende Nachricht, dass Malm bereits tot war, als der Brand ausbrach. Vermutlich hat sich Malm selber umgebracht, indem er die Gasleitung öffnete, was schließlich auch den Brand auslöste.

Zum zweiten Mal soll der Fall zu den Akten gelegt werden, als das Labor wieder mit einer Neuigkeit aufwarten kann: In der Matraze von Göran Malm wurde ein Zeitzünder entdeckt, der die wirkliche Ursache für die Explosion war. Nun erst beginnt sich auch Becks Team für den Toten zu interessieren, der mit seinem Selbstmord seiner Ermordung nur ganz kurz zuvor kam. In Autoschiebergeschäfte war er verwickelt. Über ihn wollte man an seinen Boss Bertil Olofsson gelangen, dem nichts nachzuweisen war. Nun ist Olofsson, der außerdem auch in Rauschgiftgeschäfte verwickelt ist, verschwunden und der Hauptverdächtige für den Anschlag.

Aktuell immer noch sehr beliebt ist das Stilmittel, das Maj Sjöwall und Per Wahlöö bereits in den Sechzigern anwandten: das Buch mit einer Begebenheit zu beginnen, die zunächst zusammenhanglos zur folgenden Geschichte ist, dann dem Leser in Vergessenheit gerät, um erst zu einem relativ späten Zeitpunkt wieder aufgegriffen und in den Plot integriert zu werden.

Was außer dieser nicht mal eine Seite langen Episode auf der ersten Seite auffällt, ist die entgegen den anderen Büchern der Reihe mikroskopisch kleine Schrift (zumindest bei der mir vorliegenden Ausgabe von 1995). Vielleicht einzig zu dem Zweck, die Seitenzahl im bisherigen Rahmen von knapp unter 200 Seiten zu halten. Leser mit Sehschwäche sollten zumindest vor dem Kauf einen Blick ins Buchinnere werfen.

Einen Mangel an Abwechslung kann man den schwedischen Autoren auf keinen Fall vorwerfen, geschweige denn fehlende Originalität. Denn ein Mann, der sich umbringt, um seiner Ermordung zuvor zu kommen, ist noch nicht mal in Kriminalromanen alltäglich. Allerdings weiß der fünfte Roman aus der Kommissar-Beck-Reihe eher durch hervorragende Charakterstudien denn durch eine schlüssige Story zu überzeugen.

Altbewährte Qualität mit nüchtern geschilderter Ermittlungsarbeit und dem Warten auf den entscheidenden Hinweis zur Lösung des Falles kennzeichnet auch »Alarm in Sköldgatan«. Nachdem die Hälfte des Beck-Zyklus gelesen ist, hat sich mittlerweile ein rundes Bild des Lebens im Schweden der 60er Jahre ergeben, die restliche zweite Hälfte verbleibt für die 70er. Und so sehr unterscheidet sich dieses Bild, das man gewinnt, gar nicht von der Aktualität, die man zum Beispiel in den Romanen eines Mankell oder Edvardsson vorfinden kann. Drogenabhängige bevölkern die schwedische Hauptstadt, Prostituierte, Autodiebe und Kleinkriminelle, die in wilden Sexparties ihre Erfüllung finden.

Humorvoller ist das Autorenteam geworden. Oftmals sind ironische Untertöne heraus zu lesen und allein die Frotzelein des Ermittlerteams um Martin Beck, allen voran Lennart Kollberg, machen das Buch zu einem Lesevergnügen. Im Mittelpunkt steht dabei zu Beginn Gunvald Larsson, wenig beliebt im Team, um so beliebter beim Leser, dessen Charakterzüge diesmal deutlicher hervortreten als bislang. Auch Fredrik Melander sowie Per Månsson, der Gast aus Malmö, werden diesmal näher beleuchtet, so daß man nach und nach auch von den bislang eher im Hintergrund gebliebenen Charakteren ein sehr deutliches Bild bekommt.

Das Ende zieht sich leider zäh wie Kaugummi, bis es zu guter letzt dann noch zu einem furiosen Finale kommt, das nicht vollauf befriedigen kann, aber fast einen brauchbaren Cliffhanger abgibt.

Für »Alarm in Sköldgaten« wurde das Autorenduo Sjöwall/Wahlöö mit dem Edgar-Allan-Poe-Preis ausgezeichnet. Warum gerade für diesen Roman, ist mir unklar, denn an den Vorgängerband reicht seine Qualität nicht ganz heran.

Ihre Meinung zu »Maj Sjöwall, Per Wahlöö: Alarm in Sköldgatan«

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Uschi Merz Riklin zu »Maj Sjöwall, Per Wahlöö: Alarm in Sköldgatan« 07.11.2014
Schon lange habe ich die Beck Reihe im Fernsehen gesehen und gar nicht gewusst, dass es auch eine Buchreihe gibt. Nun haben natürlich in meiner Phantasie auch die Buchhelden das Aussehen der Fernsehstars, was der Qualität der Helden keinen Abbruch tut. Sozialkritische Krimis sind Klasse. Gunvald Larsson ist superklasse, einfach lesenswert das Ganze.
Anfangsverdacht zu »Maj Sjöwall, Per Wahlöö: Alarm in Sköldgatan« 24.01.2011
Herr Renzensent,
verraten sie nicht ein wenig viel von der Geschichte?
Hängen sie sich doch mal übers Kliff!
Und Ihnen wird was klarer.
Vielleicht kommt da Lebenslust zurück.
Die Nüchternheit ist hier doch Absicht.
Fast schon Langeweile. Im Mittelpunkt
stehen eben die Ermittler. Teilweise noch
die Kriminellen. Eine Figur wie Nadja
ist doch wundebar. Oder auch Larsson
und die Frau an der Tür. Wenn was auffällt, dann das Sex eine größere Rolle spielt als in den Romanen zuvor.
Und Martin Beck und seine Tochter sind doch auch gut geschildert.
Gruß
Felix Zufall zu »Maj Sjöwall, Per Wahlöö: Alarm in Sköldgatan« 02.01.2009
Nicht "Alarm in Sköldgaten" bekam den Edgar-Allan-Poe-Preis, wie Rezensent Peter Kümmel oben irrtümlich schreibt, sondern "Endstation für neun" - vergleiche: http://www.awardannals.com/wiki/Annal:1971_Edgar_Allan_Poe_Award%C2%AE_for_Best_Novel
Ich bin nun zwar eigentlich kein Krimi-Leser, aber die Sjöwall&Wahlöö-Reihe beeindruckt mich auch (sozialkritische Kriminalromane dürften wahrscheinlich ziemlich selten sein).
Kasia zu »Maj Sjöwall, Per Wahlöö: Alarm in Sköldgatan« 07.07.2007
"Alarm in Sköldgatan" habe ich gerade eben erst ausgelesen. Wie alle anderen Sjöwall/Wahlöö-Bücher ist es mir schwergefallen, es aus der Hand zu legen. Ich finde den Schreibstil sehr interessant. Die Schriftsteller greifen nicht auf bestialische Grausamkeiten oder endlose Beschreibungen von Geschehnissen, sondern bedienen sich knapper Sätze. Und trotzdem schaffen sie es jedes mal aufs Neue, mich zu fesseln. Jedes einzelne Buch, welches ich bisher gelesen habe, schafft es, dass ich "Nachschub" brauche. Und zwar dringend und schnell (Das nächste Buch liegt schon bereit...)
Frank Henningsen zu »Maj Sjöwall, Per Wahlöö: Alarm in Sköldgatan« 16.08.2004
Dieser Roman aus dem Martin Beck - und - Kollegen - Zyklus ist ein bißchen zugänglicher als viele andere Bände der Reihe, in denen (manchmal holzschnittartige) Sozialkritik Hand in Hand ging mit einem (gelegentlich demonstrativen) Hang, Spannungselemente möglichst randständig zu behandeln.
Hier ist das anders. Das "Humorige" des Buches ist bitterer Zynismus, die Story ist ausgefeilter als in den vorhergehenden Bänden des Zyklus (insofern ein Wendepunkt, denn das sollte auch für die nachfolgenden Bände gelten), und die diversen Polizisten werden persönlicher und dabei differenzierter dargestellt denn je. Aus diesen Gründen gehört "Alarm in Sköldgatan" zu meinen Lieblingen unter den Beck-Romanan.
Trotzdem, wie immer bei Sjöwall/Wahlöö, Warnung:keine Kost für Actionfans!
Swen Piper zu »Maj Sjöwall, Per Wahlöö: Alarm in Sköldgatan« 28.03.2004
Typisch schwedischer Kriminalroman, etwas unterkühlt, humorvoll, anspruchsvoll und spannend. Trotz der betulichen Schreibweise gelingt es den Autoren die Neugier des Lesers am köcheln zu halten und einen Spannungsbogen zu zeichnen. Wem Mankell, Svedelid oder Nesser gefällt, wird auch von diesem Roman nicht enttäuscht sein.
Stephan Nitschmann zu »Maj Sjöwall, Per Wahlöö: Alarm in Sköldgatan« 28.10.2003
Ich stimme zu - bislang das schächste Buch der Reihe. Die pamphletartigen Invektiven gegen die schwedische Gesellschaft häufen sich, erscheinen stellenweise gänglich überzogen, teilweise deplaciert und berechenbar. Der Roman ist - na ja - humorig. Das wirkt für mich stellenweise aber ein bisschen gequält und zieht das Ganze manchmal schon fast ins Karikaturhafte. Gegenüber der herrlichen und fast schon provozierenden Nüchternheit der Vorgänger ein Rückschritt.
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