Das Wüten der ganzen Welt von Maarten ´t Hart

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1993 unter dem Titel Het woeden der gehele wereld, deutsche Ausgabe erstmals 1997 bei Arche.
Ort & Zeit der Handlung: Niederlande, 1990 - 2009.

  • Amsterdam: De Arbeiderspers, 1993 unter dem Titel Het woeden der gehele wereld. 282 Seiten.
  • Zürich; Hamburg: Arche, 1997. Übersetzt von Marianne Holberg. ISBN: 371602225X. 410 Seiten.
  • München; Zürich: Piper, 1999. Übersetzt von Marianne Holberg. ISBN: 3-492-22592-6. 410 Seiten.
  • München; Zürich: Piper, 2001. Übersetzt von Marianne Holberg. ISBN: 3-492-23236-1. 410 Seiten.
  • München; Zürich: Piper, 2005. Übersetzt von Marianne Holberg. ISBN: 3-492-24553-6. 410 Seiten.
  • München; Zürich: Piper, 2005. Übersetzt von Marianne Holberg. ISBN: 3-492-04721-1. 410 Seiten.
  • München; Zürich: Piper, 2011. Übersetzt von Marianne Holberg. ISBN: 978-3-492-27276-6. 479 Seiten.

'Das Wüten der ganzen Welt' ist erschienen als HardcoverTaschenbuch

In Kürze:

Maarten t’Hart gehört zu den beliebtesten Autoren der Niederlande. In seinem Roman schildert er die kleine Welt eines südholländischen Städtchens. Dort, in der President Steynstraat, ist der Komponist Alexander Goudveyl als Sohn eines Lumpenhändlers aufgewachsen, großgezogen mit Gebeten und den alten Geschichten vom Krieg. Dreißig Jahre später erinnert er sich an diese Zeit, vor allem an den 22. Dezember 1956, einen regennassen Samstagnachmittag, an dem der Polizist Vroombout ermordet wurde …

Das meint Krimi-Couch.de: 87°Treffer

Krimi-Rezension von Sabine Reiss

Ein ganzes Jahr lang lag dieses Buch bei mir zuhause, ohne dass ich die geringste Lust verspürte, es zu lesen. War es der Klappentext, der mich so wenig ansprach? Ein Krimi wurde mir versprochen, doch die Geschichte klang so ganz anders:

Alexander Goudveyl ist der Sohn eines Lumpenhändlers. Seine Eltern sind von Rotterdam in eine Kleinstadt gezogen und haben das Geschäft einer deportierten jüdischen Familie übernommen. Diese Tatsache und die extreme Sparsamkeit seiner Eltern, die sich darin äußert, dass seine Kleidung aus den Lumpensammlungen stammt, machen den Jungen zum Außenseiter. In der Lagerhalle des Geschäftes findet er ein Klavier und ein deutsches Lehrwerk, mit Hilfe dessen er sich selbst das Spielen beibringt. Sein Talent wird in geregeltere Bahnen gelenkt, als die englische Lehrerin Alice kennenlernt, bei der er »richtigen« Klavierunterricht nimmt.

Während einer Christianisierungskampagne der verschiedenen Kirchen im Ort begleitet Alexander die missionarischen Kleinbürger auf dem Klavier, als hinter seinem Rücken der Polizist Vroombout erschossen wird. Er sieht den vermeintlichen Mörder nur einen Augenblick und fühlt sich durch diesen bedroht – auch später. Die Frage nach der Identität des Mörders lässt in nicht mehr los. Es dauert 30 Jahre, bis Alexander die Puzzleteilchen zusammensetzen kann …

Als erstes möchte ich mich der Frage zuwenden, ob es sich hier wirklich um einen Krimi handelt. Nun, es ist kein Krimi und doch ist es einer. Das Wüten der ganzen Welt ist erst das zweite Buch, von dem ich das behaupten kann. Es ist zum einen ein Buch über die Musik. Mit dem jungen Alexander lernen wir Bach, Mozart, Brahms und die anderen berühmten Komponisten kennen. So plastisch, dass man die Musik zu hören meint, ist die Beschreibung für mich zwar nicht, aber ich spüre deutlich, dass der Autor klassische Musik liebt. Zum zweiten ist es ein Buch über die Entwicklung Alexanders in der Nachkriegszeit und die damit einhergehenden Probleme. In Ich-Form erzählt nehmen an seinem Leben und seinen Problemen teil: dass seine Eltern für Nazi-Kollaborateure gehalten werden und die Judenverfolgung sind dabei ein zentrales Thema, das gleich zu Beginn aufgegriffen wird. Dass der Mord am Polizisten mit der im Prolog geschilderten missglückten Flucht einiger Menschen im Jahre 1944 zusammenhängt, das scheint von Anfang an klar zu sein. Und zum dritten ist es doch ein Krimi, denn die Gedanken Alexanders drehen sich nahezu fortwährend um die Identität des Mörders. Immer wieder kann er ein Stückchen zur Geschichte hinzufügen, durch die Klavierlehrerin, durch den Apotheker des Ortes und durch die Tochter seines Pharmazie-Professors.

Ich halte die Geschichte für ungemein spannend, wobei ich zugeben muss, dass ich am Anfang nicht nur keine Lust hatte, mit dem Lesen zu beginnen, sondern dass die ersten Seiten mich sehr verwirrt haben. Ich musste mich regelrecht einlesen und kam erst später in Schwung. Doch dann war ich gefesselt, gespannt und fieberte mit, obwohl es im eigentlichen Sinn nichts zu fiebern gibt. Gemächlich geht es zu und das zu Beginn auch noch in einem gewöhnungsbedürftigen Stil mit vielen niederländischen Vokabeln und Beschreibungen, die im ersten Moment so überflüssig erscheinen – und es auch sind, aber den Charakter des Buches so prägen, dass man nicht auf sie verzichten möchte.

Als einzigen negativen Aspekt neben dem schweren Anfang möchte ich die Personenbeschreibungen anführen. Die Eltern kann ich mir zum Beispiel gar nicht gut vorstellen, obwohl so viele Details beschrieben werden. Vielleicht bleiben viele Personen so blass, weil ihre Namen zunächst gar nicht oder sehr selten genannt werden, es kann aber auch sein, dass Alexander als Erzähler nicht mehr von den Menschen wahrnimmt, schon gar nicht als Kind.

Im Klappentext steht, dass das Buch eine überraschende Wendung nimmt. Ich fand die Wendung gar nicht überraschend. Es hat zwar sehr lange gedauert, bis man klar sieht, aber der Autor führt den Leser auf einem geradlinigen Weg, ohne Nebenhandlungen, ohne falsche Fährten, schlüssig bis zum Ende, was man eher selten findet. Zu kurz oder zu lang? Genau richtig für meinen Geschmack, der Autor hätte es nicht besser treffen können. Jede Seite mehr wäre zuviel, um jede Seite weniger wäre es schade.

Das Wüten der ganzen Welt kann ich reinen Gewissens Leuten empfehlen, die nichts für Krimis übrig haben. Das Buch wird jedoch auch dem passionierten Krimileser Freude bereiten, wenn er nicht nur 08/15-Kost verschlingt. Und es wird die Leser dennoch in zwei Lager spalten. Wichtig ist nur, dass man ohne Vorurteile an die Lektüre herangeht, am besten ist es wohl, keine Rezensionen darüber zu lesen …

Ihre Meinung zu »Maarten ´t Hart: Das Wüten der ganzen Welt«

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Mechthild zu »Maarten ´t Hart: Das Wüten der ganzen Welt« 25.01.2015
Anstrengend am Anfang, bis man die Personen kennt - vielleicht hätte es mit ein paar weniger auch geklappt - aber sehr fesselnde Darstellung der Atmosphäre in den beschreibenden Passagen. Die erlebte Rede in diesen lässt den Leser ins Innere von Alexander blicken; wohltuend, dass er nicht in Selbstmitleid versinkt! Der Schluss ist kein typisches "offenes Ende" wie in den "normalen" Kurzgeschichten, aber ein bißchen Mitdenken seitens des Lesers braucht es doch. Nach einmaligem Lesen, um den Inhalt zu verstehen, sollte man den Roman (wie alle guten Bücher) unbedingt nochmal lesen, um stilistische und atmosphärische Feinheiten genießen zu können.
Leselöwin zu »Maarten ´t Hart: Das Wüten der ganzen Welt« 03.12.2013
Dieses Buch ist so wunderbar geschrieben, dass man es schon fast auf eine Stufe mit den großen Kriminalgeschichten der Weltliteratur wie Fontanes "Quitt", "Unterm Birnbaum" oder Dostojewskis "Verbrechen und Strafe" stellen kann. Man sagt ja, man erkenne ein literarisches Kunstwerk daran, dass man beim Lesen das Gefühl hat, alles selbst mitzuerleben. Genauso erging es mir mit diesem Buch, und ich erinnere mich nach über 10 Jahren noch an jede Einzelheit.
Es ist ja auch eigentlich gar kein Kriminalroman, sondern eine Abrechnung mit den holländischen Kollaborateuren während der Besetzung der Niederlande durch die Nazis. Maarten t'Hart hat sich in seinem Heimatland sicher nicht nur Freunde gemacht mit diesem Buch.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Thomas Sander zu »Maarten ´t Hart: Das Wüten der ganzen Welt« 04.01.2011
Ein wunderbares Buch - über Kindheit, Eltern, Zweifel, Erwachsenwerden, Religion, Philosophie, Musik, Selbstfindung und vieles mehr. Alles verpackt in eine Krimi-Handlung, detailverliebt und dennoch geradlinig erzählt. Man fühlt sich ein bisschen wie in der Oper - man weiß immer etwas mehr als die handelnden Personen, was hier besonders für den Schluss gilt. Nach der Lektüre wird man ganz still und legt das Buch in Zeitlupe aus der Hand. Unbedingt lesen und nachwirken lassen! Anschließend - nach angemessener Karenzzeit - "Die Netzflickerin" lesen.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
koepper zu »Maarten ´t Hart: Das Wüten der ganzen Welt« 21.04.2009
Eines meiner Lieblingsbücher. Ich habe das weniger als ein Krimi verstanden, sondern die außerordentlich gut geschriebene Geschichte über die Liebe zur Musik. Maarten ´t Hart ist ein Geschichtenerzähler, der über eine sehr schöne, farbige Sprache verfügt und seinen Werken eine emotiomale Tiefe verleiht. Auch die anderen Bücher sind empfehlenswert für LeserInnen, die mal was anderes lesen wollen, als reine Krimikost.
2 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Renate Barth zu »Maarten ´t Hart: Das Wüten der ganzen Welt« 21.04.2009
Gibt es zu diesem Buch noch ein Buch, das noch mehr auf die Vorgeschichte dieses Buches eingeht?Ich finde das Buch sehr interessant, möchte aber gerne wissen, ob der Dirigent den klavierspielenden Jungen am Mordtag schon als seinen Sohn identifiziert hat. Dem Jungen ist ja später als Schwiegersohn klar geworden durch die Erwähnung der langbeinigen Mähre, dass er der gesuchte Sohn ist.
Stol zu »Maarten ´t Hart: Das Wüten der ganzen Welt« 22.02.2009
Ein Roman, dessen angebliche Musikintensität sich darauf beschränkt, Namen von Komponisten und Schallplattentitel zu nennen.

Kleinbürgerlich die Vorstellung t'Harts von der Genialität eines musikalischen Kindes und unglaubwürdig das Wiederfinden des gestohlenen Kindes. Ebenfalls unglaubwürdig die lieblose Haltung der Lumpenhändler dem Kind gegenüber, das sie mit allen Mitteln haben wollten.

Ein völlig überschätzter Roman.
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S. Wesse zu »Maarten ´t Hart: Das Wüten der ganzen Welt« 28.04.2007
buch .

Meine Frage lautet:

"Simon Minderhout hält auch nach der gescheiterten Flucht die Fäden in der Hand.

Ich finde die Frage z.Zt. schwer zui beantworten, vielleicht kann mir jemand einen Tip geben? Unser Buchclub findet am 2.5.07 statt.

Danke SW

Das Buch ist sprachlich und inhaltlich spannend, ohne reisserisch zu sein. Es reicht aber nicht an das Attentat von Harry Mulisch heran. Das fand ich echt klasse.
Roflma zu »Maarten ´t Hart: Das Wüten der ganzen Welt« 01.02.2007
also ich habe bis jetz dann anscheinend nur den Anfang gelesen (bin bei Seite 121)!
Bis jetzt ist das Buch richtig langweilig und schleppend! Eigentlich habe ihc keine Lust weiterzulessen nur leider muss ich es! Aber wenn sie alle sagen das es besser werden soll dann werd ich es doch tun.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Kerstin zu »Maarten ´t Hart: Das Wüten der ganzen Welt« 23.06.2006
Ich habe dieses Buch auch im Deutschunterricht gelesen, allerdings war ich, wie fast alle aus unserem Kurs, total begeistert davon. Man musste sich zwar zuerst einlesen, aber nach einer Weile konnte ich gar nicht mehr aufhören zu lesen, weil ich unbedingt wissen wollte, wer nun wirklich der Mörder war. Die holländischen Namen und Ausdrücke haben mich zum Teil auch ein bisschen gestört.
Das Buch ist wirklich interessant und das Ende sehr überraschend. Ich kann es nur weiterempfehlen!
C. Keiper zu »Maarten ´t Hart: Das Wüten der ganzen Welt« 31.05.2005
Sehr interessant ist auch der Umstand, dass die Musik in den Werken von ´t Hart eine bedeutende Rolle spielt. Es gibt Bezüge zu den Werken von Bach u.a..
Lesenswert ist auch "Gott fährt Fahrrad" (ich glaube, so heißt es) und wenn ich es so recht überlege: Alle Bücher von ihm!
2 von 4 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.

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