Agatha Raisin und der tote Richter von M. C. Beaton

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1992 unter dem Titel Agatha Raisin and the quiche of death, deutsche Ausgabe erstmals 2013 bei Bastei Lübbe.
Ort & Zeit der Handlung: , 1990 - 2009.
Folge 1 der Agatha-Raisin-Serie.

  • New York: St. Martin's Press, 1992 unter dem Titel Agatha Raisin and the quiche of death. 201 Seiten.
  • Köln: Bastei Lübbe, 2013. Übersetzt von Sabine Schilasky. ISBN: 978-3-404-16828-6. 254 Seiten.

'Agatha Raisin und der tote Richter' ist erschienen als Taschenbuch E-Book

In Kürze:

So hat Agatha Raisin sich ihren Neuanfang in den Cotswolds nicht vorgestellt: Die Dörfler wollen offenbar lieber unter sich bleiben! Doch die Ex-PR-Beraterin ist es gewohnt, ihren Kopf durchzusetzen. Um Eindruck zu schinden, reicht sie beim örtlichen Backwettbewerb eine Feinkost-Quiche ein, die sie als ihre eigene ausgibt. Dumm ist allerdings, dass einer der Preisrichter stirbt und in Agathas Quiche Gift gefunden wird. Nun muss sie nicht nur zugeben, dass sie gemogelt hat, sondern auch versuchen, den Mordverdacht gegen sich auszuräumen.

Das meint Krimi-Couch.de: »Ein Krimi für das Kaffeekränzchen« 65°

Krimi-Rezension von Jörg Kijanski

Die 53-jährige Agatha Raisin leitete eine erfolgreiche PR-Agentur in London, die sie nun verkauft hat, um sich – finanziell unabhängig – in den idyllischen Cotswolds niederzulassen. In dem beschaulichen Dorf Carsely sucht sie nach Ruhe und einem gemütlichen Lebensabend, allein die Dorfbewohner wollen sie nicht so richtig in ihrer Mitte aufnehmen. Zwar grüßen sie höflich, doch bleibt Agatha eine hinzugezogene Außenseiterin. Da kommt der jährliche Backwettbewerb gerade richtig, um die Damen des Dorfes zu überzeugen, aber Agatha war bislang immer nur eine Expertin, wenn es darum ging, Essen in die Mikrowelle zu stellen. So kauft sie in einem Londoner Nobelschuppen eine Feinkost-Quiche und gibt diese als ihre eigene aus. Klar muss sie mit diesem Nobelgericht gewinnen, doch in Carsely laufen die Uhren anders, nicht zuletzt dank Preisrichter Mr. Cummings-Browne, der seit Jahren immer wieder dafür sorgt, dass Mrs. Cartwright den ersten Preis, immerhin zehn Pfund, erhält. Auch dieses Jahr gewinnt Mrs. Cartwright, doch die Strafe folgt für Mr. Cummings-Browne auf dem Fuße, denn abends isst er zuhause zwei Stücke von Agathas Quiche. Am nächsten Morgen findet ihn seine Putzfrau tot im Wohnzimmer liegend und wie sich herausstellt, starb er an einer Vergiftung, denn in der Quiche fanden sich Spuren der giftigen Pflanze Kuhtod. Agatha ist verzweifelt. Sie muss zugeben, dass ihre Quiche nicht die eigene war und wenngleich die Polizei keine weiteren Ermittlungen anstellt, da sie von einem bedauerlichen Unfall ausgeht, so will doch Agatha ihre Ehre wiederherstellen und macht sich auf die Suche nach dem vermeintlichen Mörder…

Zunächst sei darauf hingewiesen, dass der vorliegende Roman unter dem Originaltitel »Agatha Raisin and the Quiche of Death« bereits im Jahr 1993 veröffentlicht wurde. Nachdem die Serie um Agatha Raisin in England offenbar sehr erfolgreich läuft, versucht man es nun also mit reichlicher Verspätung auch bei uns. Zu erwähnen wäre außerdem, dass M. C. Beaton ein Pseudonym ist, hinter dem sich Marion Chesney verbirgt, die bislang eher mit Werken à la »Duell der Herzen«, »Verlangen des Herzens« und »Hafen der Sehnsucht« ihre Leserinnen erfreute.

»Ja, es gibt einen durchgehenden Zug um zwanzig nach sechs ab Paddington. Mit dem seid ihr in Moreton-in-Marsh um…«
»Wo?«
»Moreton-in-Marsh.«
»Schätzchen, das klingt reichlich nach Agatha Christie.«

Agatha Raisin möchte in ihrem vorgezogenen Ruhestand endlich Freundschaften schließen und dazu müsste sie eigentlich nur akzeptieren, dass der Tod des Preisrichters ein Unfall war und sich außerdem auf ihre Nachbarn einlassen. Stattdessen geht sie als Einzige von einem Mord aus und stellt Fragen, was nicht bei allen Dorfbewohnern gut ankommt. Folglich sind ihr schon bald die ersten Menschen feindlich gesinnt.

»Aber leider kannte Agatha nur drei Formen von Gespräch, und in denen ging es darum, ihren Mitmenschen Befehle zu erteilen, den Medien Aufmerksamkeit abzuringen oder ihren Kunden zu schmeicheln. Irgendwo in ihrem Hinterkopf regte sich der vage Gedanke, dass Agatha Raisin unter Umständen kein besonders liebenswerter Mensch war.«

Agatha nimmt sich ständig vor den Unfall als Unfall zu akzeptieren und sich nicht weiter einzumischen, um dann genauso oft weitere Fragen zu stellen. Selbstredend wird sie einem Mantra ähnlich, immer wieder von der Polizei ermahnt, die Polizeiarbeit der Polizei zu überlassen, so dass man mitunter an den Film »Und täglich grüßt das Murmeltier« denken muss.

Die Handlung besteht hauptsächlich aus einer Aneinanderreihung von Belanglosigkeiten oder besser gesagt, der Darstellung des Alltaglebens auf dem Lande. Neben der Zubereitung von Mikrowellengerichten will das örtliche Pub aufgesucht und die nächste Auktion für einen guten Zweck vorbereitet werden. Eine Busfahrt mit der Damengesellschaft und diverse Kaffeekränzchen sowie Plaudereien dürfen nicht fehlen. Dazu kommt jede Menge Lokalkolorit, was dem Plot zu Gute kommt. Wer also typische englische Krimis mag, die noch dazu auf dem Land spielen und eines gewissen Humors nicht entbehren, darf es gerne einmal versuchen. Leichte Anleihen bei Agatha Christie sind nicht zu überlesen. Dass Agathas widersprüchliches Denken und Handeln die Gesetzte der Logik bisweilen außer Kraft setzt, sollte einen allerdings nicht zu sehr stören. Man darf gespannt sein, ob sich die Serie in Deutschland behaupten kann; der vorliegende Band lässt eine diesbezügliche Beurteilung nicht zu.

Jörg Kijanski, September 2013

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Maria Vahle-Gravenhorst zu »M. C. Beaton: Agatha Raisin und der tote Richter« 01.08.2017
Das Buch ist so wunderbar schrullig und für mich typisch englisch. Meine Frage zu dem Roman, den ich gelesen und gesehen habe. Gibt es das Dorf Carsely, und wenn ja, wo?Ich finde die Landschaft wunderschön und läd zum Fahrradfahren ein. Wenn es ein fiktiver Ort ist, würde mich aber die Gegend interessieren.
Vielleicht kann mir jemand helfen!?
Agathafan zu »M. C. Beaton: Agatha Raisin und der tote Richter« 22.02.2017
Die Bücher sind göttlich und im Eiltempo gelesen. Die Verfilmungen von Sky1 sind hingegen stümperhaft und gelinde ausgedrückt eine reine Katastrophe.
Agatha Raisin hat jahrelang als PR Beraterin ihre eigene Firma geleitet und schwer für ihren großen Traum geschuftet: ein Cottage in den malerischen Cotswolds und den vorzeitigen Ruhestand! Nun ist sie 53 und der Verwirklichung ihrer Pläne steht nichts mehr im Weg, sie verkauft ihre Firma, im idyllischen Örtchen Carsely findet sie ihr Traumhaus und zieht um. Bisher war Agatha eine Frau, die sich durchsetzten konnte und fast immer bekam was sie wollte, doch nun sieht sie sich mit einer Herausforderung ganz anderer Art konfrontiert. Die Dörfler sind zwar freundlich, halten sie aber auf Abstand und Agatha erkennt schnell, dass sie hier nie dazu gehören wird! Doch eine Frau von ihrem Format nimmt einen solchen Rückschlag nicht hin. Im Dorf soll in Kürze ein Koch und Backwettbewerb stattfinden und Agatha will die Anerkennung der Dorfbewohner mit einer selbstgebackenen Quiche gewinnen. Nur dumm, das Agatha weder backen noch kochen kann. Also kauft sie kurzer Hand in einem Londoner Feinkostgeschäft eine edle Spinatquiche und gibt diese als ihre aus. Doch nach dem Genuß ihrer Quiche stirbt der Preisrichter an einer Vergiftung und Agatha gerät in arge Erklärungsnot, gilt sie doch plötzlich als Hauptverdächtige.
Ilse Yokus-Frühstück zu »M. C. Beaton: Agatha Raisin und der tote Richter« 20.07.2016
mir haben die Bücher(bin bereits bei Band 4 angelangt) sehr gut gefallen. Viel Situationskomik und die Hauptdarstellerin scheint wirklich eine schräge Figur zu sein.
Beste Unterhaltung für die Freizeit und für alle die englische Krimis lieben.
Warte mit Spannung auf die Verfilmung der Bücher im deutschen Fernsehen und dem neuen Band von ihr.
mustikka zu »M. C. Beaton: Agatha Raisin und der tote Richter« 05.05.2016
Leider war dies eines der schlechtesten Kriminalromane, die ich je las. Hab ihn nur zu Ende gelesen, weil es ein kurzes Buch ist. Der Plot war sehr konstruiert, sehr realitätsfern. Ich war sehr neugierig auf das Buch, nicht zuletzt, weil es mir als Agatha-Christie-Leserin sogar empfohlen wurde. Sprachlich fand ich den Roman leider total misslungen, er hat mich in keinster Weise angesprochen oder sogar unterhalten. Das war sicher mein erster und letzter "Raisin". :-(
tassieteufel zu »M. C. Beaton: Agatha Raisin und der tote Richter« 05.11.2013
Agatha Raisin hat jahrelang als PR Beraterin ihre eigene Firma geleitet und schwer für ihren großen Traum geschuftet: ein Cottage in den malerischen Cotswolds und den vorzeitigen Ruhestand! Nun ist sie 53 und der Verwirklichung ihrer Pläne steht nichts mehr im Weg, sie verkauft ihre Firma, im idyllischen Örtchen Carsely findet sie ihr Traumhaus und zieht um. Bisher war Agatha eine Frau, die sich durchsetzten konnte und fast immer bekam was sie wollte, doch nun sieht sie sich mit einer Herausforderung ganz anderer Art konfrontiert. Die Dörfler sind zwar freundlich, halten sie aber auf Abstand und Agatha erkennt schnell, dass sie hier nie dazu gehören wird! Doch eine Frau von ihrem Format nimmt einen solchen Rückschlag nicht hin. Im Dorf soll in Kürze ein Koch und Backwettbewerb stattfinden und Agatha will die Anerkennung der Dorfbewohner mit einer selbstgebackenen Quiche gewinnen. Nur dumm, das Agatha weder backen noch kochen kann. Also kauft sie kurzer Hand in einem Londoner Feinkostgeschäft eine edle Spinatquiche und gibt diese als ihre aus. Doch nach dem Genuß ihrer Quiche stirbt der Preisrichter an einer Vergiftung und Agatha gerät in arge Erklärungsnot, gilt sie doch plötzlich als Hauptverdächtige.


Obwohl die Anlehnung an Agatha Christies Miss Marple recht eindeutig ist, habe ich bei dem Buch doch meinen Spaß gehabt! Zunächst ist Agatha Raisin eine Person, die mir nicht sonderlich sympathisch war. Sie ist eine typische Karrierefrau, die sich nach einer gescheiterten Ehe nach oben gearbeitet hat und mit ihrer Firma auch sehr erfolgreich war, sie ist es gewohnt ihren Kopf durchzusetzten und dabei auch Menschen gehörig zu manipulieren. Freunde hat sie keine, da sie bisher nur für ihren Beruf gelebt hat, doch nun wo sie in Carsely lebt, wird ihr schmerzlich bewußt, wie einsam sie ist. Um Anerkennung zu bekommen, wählt sie natürlich genau den falschen Weg und ihre Mogelei beim Backwettbewerb geht gehörig nach hinten los. Nun ist sie nicht nur die Zugezogene, sondern auch noch eine Betrügerin und Mörderin. In ihrer zupackenden Art kann Agatha das natürlich nicht auf sich sitzen lassen und beginnt nachzuforschen, doch ihre Schnüffelein stoßen nicht auf viel Gegenliebe. Im Lauf der Geschichte kann man als Leser deutlich mitverfolgen, wie Agatha zunehmend menschlicher wird und sich weiter entwickelt, das hat mir gut gefallen! Einen Charakter mit Ecken und Kanten, der sich auch selbstkritisch verhält findet man im Cozy-bereich ja nicht so häufig und so mochte ich die etwas schrullige Agatha am Ende des Buches recht gern. Auch die anderen Figuren im Buch hat die Autorin leicht schräg, etwas versnobt und absonderlich gestaltet, so dass sich aus den dörflichen Verflechtungen, dem Landleben und den kauzigen Figuren einige recht skurrile Szenen ergeben, bei denen man sich köstlich amüsieren kann.
Sehr gelungen ist auch der Krimifall, der ist zwar nicht sonderlich komplex, aber durchaus spannend und überaus unterhaltsam, was wie gesagt nicht zuletzt an den kauzigen Figuren und der Situationskomik liegt. Beim Lesen rätselt man unweigerlich mit, da es eine Reihe von Verdächtigen gibt. Die malerische Kulisse der Cotswolds sowie der der leicht schwarzhumorige Schreibstil der Autorin runden das Ganze ab.
Das dieser erste Teil der Reihe im englischen Original bereits vor 20 Jahren erschienen ist, merkt man der Geschichte nicht an. Bleibt zu hoffen, dass auch weitere Bände dieser Reihe übersetzt werden, von der es bereits 25 Folgen gibt.


Fazit: nach einigen Anlaufschwierigkeiten mit einer etwas kantigen Hauptfigur hat mich der Serienauftakt von M.C. Beaton bestens unterhalten! Schräge Figuren, reichlich Situationskomik, viel Lokal-Kolorit und ein gut konstruierter Krimifall sorgen für beste Unterhaltung!
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