Herzlich willkommen beim Krimi-Couch-Blog

"Blog", das steht in aller Kürze für Web-Log und ist eine Art Internet-Tagebuch, in dem man kurz auflistet, über was man so alles im Web gestolpert ist oder was sonst beschäftigt.


Hier im Blog der Krimi-Couch geht es natürlich vor allem um Krimis, um News & Nonsense, Ansichten und Einsichten. Hier sind wir gnadenlos subjektiv und entsprechend meinungsfreudig. Und hoffentlich auch entsprechend unterhaltsam. Viel Spaß!

Luther – Staffel 2

Noch völlig fassungslos über den brutalen Mord an seiner Frau Zoe kehrt DCI John Luther in den Polizeidienst zurück. Sein bester Freund Ian Reed hat Zoe ermordet und gleichzeitig grausamen Verrat an seinem langjährigen Kumpel begangen.

    Der Auftrag

    Kein leichter Auftrag, den Autor Neil Cross da vom britischen Fernsehsender BBC erhielt: »Schaffen Sie uns eine neue Krimi-Ikone, einen Detective mit Kultpotential.« Er hatte zwar bereits einige Romane geschrieben und ein paar Episoden für andere TV-Serien, aber ein eigenes Projekt, eine eigene Figur kreieren? Sein Ansatz kam nicht von ungefähr, da er selbst ein Fan des Krimi-Genres ist.

    Auch wenn er es nicht neu erfinden konnte, so war die Idee schnell geboren: Ein Kommissar so exzentrisch und brillant wie Sherlock Holmes und gleichzeitig so moralisch bedenklich wie Philip Marlow.

     

    Die Zutaten

    »Jeder braucht etwas, das ihn fasziniert und Alice ist Luthers Faszination und wohl auch seine Fantasie.« (Idris Elba)

    Er traf den richtigen Ton, von der ersten Seite des Skripts an waren alle begeistert. Produzenten, Regisseure, Schauspieler, alle wollten Teil dieses Projekts werden. Neil Cross wollte weniger ein »Wer war’s« als viel mehr ein »Wie kriegen wir ihn«. Nicht neu, keine Frage, aber seit Columbo nicht mehr ausprobiert worden. Ein bisschen Schweigen der Lämmer – Psychopath(in) trifft Gesetzeshüter – ein bisschen Othello – bester Freund hintergeht den Helden – und ein bisschen Dreifaltigkeit des Weiblichen – Jungfrau, Mutter und altes Weib – und schon hat man das Grundgerüst von Luthers Welt.

    Nein, nur weil man sich guter, bewährter Motive bedient, schafft man noch keinen neuen Kult, aber wenn dann auch noch ein Schauspieler wie Idris Elba gerade zum richtigen Zeitpunkt überlegt es doch noch mal in seinem Heimatland zu probieren, und man ihn für die Hauptrolle gewinnen kann, dann ist man auf dem richtigen Weg. Der Golden Globe für seine Darstellung des John Luther könnte als Beweis gelten.

    Luther, zum Ersten …

    John Luther, der durch seinen wachen Verstand und seine ungewöhnliche Denk- und Handlungsweise Psychopathen und Serienkiller zur Strecke bringt, kann seinen eigenen Dämonen nicht entkommen. Seine Ehe scheitert, der Alkohol schafft es nicht ihn ins Gleichgewicht zu loten und die Welt ist schlecht und bleibt es auch. Und dennoch macht er weiter, findet in seinem Sergeant Justin Ripley einen jungen Kollegen, dem er etwas beibringen kann, in der psychopathischen Physikerin Alice Morgan eine ebenbürtige Widersacherin und gleichzeitig Verbündete, kann seiner leidenschaftlichen Liebe für seine Ex-Frau Zoe Luther nicht entfliehen und muss gleichzeitig Normen und Regeln seiner Chefin Rose Teller einhalten. Jeder zerrt an ihm und doch kreist alles um ihn in diesem Universum.

    »You’re never save in a British drama.« (Katie Swinden, Produzentin)

    Das erschreckende Finale, bei dem sein vermeintlich bester Freund Ian Reed Zoe umbringt, vereint ihn und Mark North, ihren neuen Liebhaber, auf eine traurig tragische Weise. Ende.

    Luther, zum Zweiten …

    Zweite Staffel, erste Folge, erste Szene. Es ist morgens, John Luther steht in der Küche, sieht aus dem Fenster, macht sich einen Tee. Er zieht sich an, holt seine Tasse und setzt sich auf’s Sofa, wo er die Trommel des Revolvers seines Vaters rotieren lässt, sich an die Schläfe hält und abdrückt. Der Revolver klickt lediglich, also steht John auf und geht zur Arbeit. Ein ganz normaler Morgen also. Cut.

    »Keine Geheimnisse, keine Alleingänge, keine Alice Morgan.«
    »Keine Geheimnisse, keine Alleingänge.«

    Wieder mal ein starker Einstieg in Runde zwei. Seine alte Abteilung ist mittlerweile aufgelöst worden, aber sein neuer Vorgesetzter Martin Schenk weiß, was er an ihm hat und holt ihn in die neu geschaffene Einheit für Kapital- und Schwerverbrechen.

    Luthers erste gute Tat: seinen ehemaligen und strafversetzten Sergeant zurückholen. Ripley kann dann auch gleich seiner Kollegin DS Erin Gray – und selbstverständlich dem Zuschauer – ganz nebenbei erklären wie John Luther so tickt. Damit nicht alle Frauen aus seinem Leben der ersten Staffel verschwinden – Zoe Luther ist tot, DSU Rose Teller versetzt – muss nun noch Alice Morgans Flucht aus der Klinik sanft angestoßen werden.

    Und dann braucht John noch eine neue, verirrte Seele, die er retten kann:

    »Lügen sie? Denn Lügner find’ ich nämlich zum kotzen.«
    »Nein, ich lüge nicht.«
    »Soll das so’n Rettungsding werden?«
    »Stellen sie keine Fragen, das kann ich nämlich nicht leiden.«

    Ja, das ist so sein Ding. Diesmal ist es die junge Prostituierte Jenny Jones, Tochter eines Mörders, den John Luther einst dingfest gemacht hat und der sich das Leben genommen hat. Die überzeichneten, dramatischen Gesichter, die alle Beteiligten bei der Erwähnung dieses alten Falls machen, lassen hoffen, dass hiermit ein Hinweis auf den Inhalt des zweiten Luther-Romans nach Luther: Die Drohung gemacht wurde.
    Aber wo in der ersten Staffel noch Wert auf die Interaktion der Charaktere untereinander gelegt wurde, stehen in den beiden Folgen der zweiten Staffel doch ausgesprochen skurrile Täter im Vordergrund. Die erste Staffel umfasste noch drei Folgen, die zweite lediglich zwei Folgen á 100 Minuten. Ist hier mit zu heißer Nadel zu schnell ein Sequel gestrickt worden? Wer Luther in der ersten Staffel erlegen ist, wird sich ihm auch in der zweiten nicht entziehen können – spätestens beim Ausmaß seiner Selbst -zerstörung und -aufopferung im abermals dramatischen Finale.

    Und wie geht es weiter? Der Sender hält sich bedeckt. Gerüchten zufolge wirkt Ruth Wilson – die Darstellerin der Alice Morgan – in Staffel drei nicht mehr mit, aber ob es eine dritte Staffel geben wird, findet sich nirgendwo bestätigt.

    Ein großes Erbe, das die Figur Jenny Jones da anträte, gleichzeitig DSU Rose Teller, Zoe Luther und Alice Morgan zu ersetzen. Und doch endet die letzte Folge der zweiten Staffel so, dass man liebend gerne morgen die erste Folge der nächsten sehen und wissen will wie die ungleiche Paarung sich weiterentwickelt.

    Silke Wronkowski, im April 2012

      Luther – Staffel 2
      Polyband & Toppic Video/WVG
      1 DVD, 200min
      mit Idris Elba, Warren Brown, Ruth Wilson

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