Tagebuch eines sentimentalen Killers von Luis Sepúlveda

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1998 unter dem Titel Diario de un killer sentimental, deutsche Ausgabe erstmals 1999 bei Hanser.

  • Barcelona: Tusquets, 1998 unter dem Titel Diario de un killer sentimental. 82 Seiten.
  • München: Hanser, 1999. Übersetzt von Willi Zurbrüggen. ISBN: 3-446-19662-5. 82 Seiten.
  • München: dtv, 2001. Übersetzt von Willi Zurbrüggen. ISBN: 3423128704. 80 Seiten.
  • [Hörbuch] Berlin: Solo, 2000. Gesprochen von Christian Brückner. ISBN: 3929079267. 1 CDs.

'Tagebuch eines sentimentalen Killers' ist erschienen als HardcoverTaschenbuchHörbuch

In Kürze:

Es gibt zwei Gesetze im Berufsleben eines bezahlten Mörders. Erstens: Er darf sich nicht an eine Frau binden. Und Zweitens: Er darf nicht mehr als unbedingt nötig über sein Opfer wissen. Beide Gesetze verletzt der sentimentale Killer, aber Profi bleibt Profi – bis zum Schluß.

Das meint Krimi-Couch.de: »Hervorragender Lesespaß für eine Stunde« 80°

Krimi-Rezension von Jörg Kijanski

In seinem Hotel in Madrid angekommen erhält ein Auftragskiller einen Umschlag, welches ein Foto seines nächsten Opfers enthält. Gedanklich ist der Killer jedoch ganz woanders, denn er erwartet die Ankunft seiner Freundin, der er zuvor einen Urlaub in Mexiko geschenkt hat, um seiner Arbeit ungestört nachgehen zu können. Doch stattdessen erhält er ein Schreiben von seiner Geliebten mit der er, entgegen der Grundregel für Profikiller alleine zu leben und Kontakte auf das absolute Minimum zu beschränken, seit drei Jahren zusammen ist. Sie hat in Mexiko einen Mann kennen gelernt und will bei diesem bleiben.

Umso besser, bleibt somit Ruhe den Auftrag auszuführen. Allerdings nur für kurze Zeit, denn gedanklich kann er sich nicht von seiner Freundin lösen. Als er in Istanbul auf sein vermeintliches Opfer stößt, begeht der Killer auch prompt den ersten Fehler. So will er beispielsweise mehr über das Opfer wissen und quält sich vor allem mit der Frage, warum er den Mann überhaupt umbringen soll. Deshalb entscheidet sich der Killer für eine kurze Durchsuchung des Hotelzimmers, trifft dort jedoch auf einen Wachposten, der sich als DEA-Agent, als Mitarbeiter der amerikanischen Anti-Drogen-Einheit, entpuppt. Kurzerhand ergreift der Killer die Flucht und versucht in einem Basar unterzutauchen. Dort wird er von zwei Männern bedroht, die kurz darauf von einem Fremden erschossen werden. Der Fremde ist, wie es der Zufall so will, das vermeintliche Opfer des Killers, dem dieser nun sein Leben zu verdanken hat …

Ironisch-süffisanter »Thriller«

Der in Chile geborene Autor hat mit dem vorliegenden Buch, Büchlein wäre wohl passender, eine ebenso eigenwillige wie unterhaltsame Story geschrieben. Ein in die Jahre gekommener, namenloser Auftragsmörder nimmt einen neuen Auftrag an, welcher ihm eine siebenstellige Summe einbringen soll.

»Du willst nur herausfinden, warum du ihn töten sollst. Ich kann dir sagen, warum.«
»Und sagst du es mir?«
»Sicher: Weil man dir dafür einen Scheck über eine siebenstellige Zahl gibt, und zwar steuerfrei. Das ist der einzige Grund, du Idiot.«

Doch ganz so einfach ist es dann eben doch nicht, denn der Killer verstößt schon seit Jahren gegen ein eisernes Grundgesetz in seinem Job: Lebe allein. Seit drei Jahren hat er bereits eine Freundin und schmiedet insgeheim schon erst Pläne, sich mit ihr gemeinsam in den Ruhestand zu begeben. Kein Wunder also, dass ihr Schreiben mit dem Verweis auf einen neuen Mann in ihrem Leben, seine Gedankenwelt durcheinander wirbelt und er anfängt, sich weitere Fehler zu erlauben. Verstärkter Einsatz von alkoholischen Getränken sowie käuflicher Liebe tun ihr Übriges.

»Hast du was für mich?«
»Probleme. Schwere Probleme. Zu viele Probleme«, seufzte er.
»Mein Koffer wird soviel Übergewicht kaum verkraften.«

Der in Ich-Form erzählte Roman kommt dabei weitgehend ohne Namen aus. Weder erfährt man den Namen des Killers oder den seines Auftraggebers. Die französische Freundin ist meist die Kleine, lediglich die Identität des Opfers wird gelüftet. Eine nicht unwichtige Rolle spielt das »Double« des Killers, welches ihm immer wieder beim Blick in den Spiegel oder ähnlichen Gelegenheiten begegnet.

Als ich mich über den Brunnen beugte, sah ich einen Typ, der die gleiche Jacke trug wie ich.

»Du hältst den Weltrekord, so tief, wie du in der Scheiße steckst.«, sagte er anstelle einer Begrüßung.
»Ich weiß. Hilf mir, einen klaren Gedanken zu fassen.«

Ein rasanter, ein ironischer Thriller über einen Killer, der seinen Job zunehmend aus den Augen verliert und somit geradewegs in sein Verderben rennt. Diesen Short-Cut des preisgekrönten Luis Sepulveda sollte man gelesen haben.

Jörg Kijanski, Januar 2008

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Ana zu »Luis Sepúlveda: Tagebuch eines sentimentalen Killers« 02.01.2009
Ich habe mir dieses Buch schenken lassen, weil ich ein spannendes Psychogramm erhofft hatte. Wurde jedoch absolut enttäuscht, fand dieses Buch gähnend langweilig. Ich empfehle es nicht weiter. P.S.: Warum ist meine Rezension angeblich zu kurz??
Andere haben doch auch nicht mehr geschrieben?
Ist das normal, dass man den Text nie abschicken kann??
Sen Piper zu »Luis Sepúlveda: Tagebuch eines sentimentalen Killers« 04.11.2007
Dünnes, nicht einmal 100 Seiten starkes Büchlein, das es in sich hat. Glasklar beschreibt Sepúlveda die Lebenskrise eines Auftragmörders, der von einer Geliebten betrogen wurde. Lesen!
0 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
R. Kalaitzis zu »Luis Sepúlveda: Tagebuch eines sentimentalen Killers« 30.05.2005
Ich musste das buch fuer eine buchrezesion lesen. zuerst dachte ich ,noch so ein oedes buch das keiner moegen wird. aber direk nach der ersten seite der portugiesischen edition war ich wie gefesselt und hab das buch wortwoertlich verschlungen.Dieses buch war aussergewoehnlich.

ich gebe 10 von 10 punkten
2 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
morus64 zu »Luis Sepúlveda: Tagebuch eines sentimentalen Killers« 19.11.2004
Genau das Richtige für ein ablenkendes Warten beim Zahnarzt: einfache Struktur, übersichtliche Personenzahl und wohl mehr eine längrer Kurzgeschichte. Jedoch was wissen wir spätestens seit Heinrich Böll: Eine gute Story braucht einen knackigen Einstiegssatz (m.E. sehr gut gelöst) und ein frappierendes Ende (Haut ebenfalls hin, wenn auch etwas konstruiert).
FAZIT: zweifellos giebt es Krimis, und zwar dickere, die länger im Gedächtnis haften bleiben werden, jedoch ist im undurchdringlichen Dschungel der Kriminalliteratur auch schon sehr viel schlechteres veröffentlicht worden.
>>>>>> 81 Grad (Celsius).
Herbert Huber zu »Luis Sepúlveda: Tagebuch eines sentimentalen Killers« 11.07.2004
Meine Rezension zu Luis Sepulveda: Tagebuch eines sentimentalen Killers
ist auf http://www.lesekost.de/Krimi/HHL291.htm
Anja S. zu »Luis Sepúlveda: Tagebuch eines sentimentalen Killers« 11.07.2004
Ein echt ungewoehnlicher Krimi ueber einen Killer, der ueber sein Leben reflektiert, leider nur ca. 100 Seiten lang, haette -wenn es nach mir gegangen waere-noch viel laenger sein koennen.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Peter Bak zu »Luis Sepúlveda: Tagebuch eines sentimentalen Killers« 13.04.2003
Dieses Buch ist eine aneinandereihung von Ereignissen die schief gehen können wenn ein Profikiller sich nicht an die Elementaren Regeln seines Berufes hält, Regel 1: Lebe allein.
Diese Regel hat unser Killer gebrochen und nun ist er dabei, vom Profi zum Menschen zu werden und das führt in diesem Roman zu einer Reihe von absolut fatalen Fehlern die im Endeffekt, einen Versuch starten aus ihm einen Menschen z machen, doch profi bleibt Profi, und das bis zum Todesschein.
0 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
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