Namenstag von
Buchvorstellung und Rezension
Bibliographische Angaben
Originalausgabe erschienen 2006 unter dem Titel The Faces of Angels, deutsche Ausgabe erstmals 2008 bei Limes.
- London: Macmillan, 2006 unter dem Titel The Faces of Angels. 512 Seiten.
- München: Limes, 2008. Übersetzt von Carsten Mayer. 512 Seiten.
- München: Blanvalet, 2009. Übersetzt von Carsten Mayer. 512 Seiten.
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In Kürze:
Es ist Sommer in Florenz, und die Kunststudentin Mary flieht vor der Hitze der Stadt in die schattigen Boboli-Gärten. Plötzlich wird sie von einem Maskierten mit einem Messer attackiert. Nur dem selbstlosen Eingreifen ihres Mannes Ty verdankt sie, dass sie überlebt. Er hat sein Leben für sie gegeben. Der Täter wird gefasst, stirbt aber noch vor dem Prozess. Die Polizei glaubt, mit ihm einen Serienmörder gefasst zu haben, der Frauen grausam mit dem Messer tötet und die Leichen wie in einem Ritual arrangiert. – Um die Geister der Vergangenheit zu besiegen, folgt Mary zwei Jahre später der Bitte des Journalisten Pierangelo und kehrt zurück nach Florenz. Und erneut gerät sie dort in den Sog düsterer Ereignisse: Wieder treibt ein Mörder – ähnlich wie damals – sein Unwesen; in Marys Wohnung geschieht Seltsames; und schließlich fühlt sie sich von einem Pater verfolgt, der das dunkle Geheimnis kennt, das sie mit Pierangelo verbindet. Da stößt sie auf einen Hinweis, der ihr die religiöse Dimension der Morde offenbart …
Das meint Krimi-Couch.de: »Alles schon mal da gewesen«
Krimi-Rezension von Wolfgang Weninger überspringen
Wir haben mal wieder einen irren Serienmörder auf dem Buchmarkt, den uns der Limes Verlag in Form von Lucretia Grindles Namenstag serviert. Übersetzt von Carsten Mayer wird in The Faces Of Angels wieder eine hübsche junge Frau nach der anderen bei lebendigem Leib gefoltert, getötet und hübsch angerichtet. Die Ausgangslage, die uns der zweite Roman von Lucretia Grindle präsentiert, ist also schon mal wenig originell. Was sollte diese Psychostory in ihrer Machart von Ähnlichem unterscheiden?
Zuerst wäre da die Hauptperson. Mary ist Amerikanerin. Bei ihrem ersten Aufenthalt mit ihrem Ehemann in Florenz hat sie nicht nur die Stadt lieben gelernt, sondern auch den Journalisten Pierangelo. Dem inneren Zwiespalt zwischen Mann und Geliebten muss sie allerdings nicht lange standhalten, denn als sie im Park vom Serienmörder überfallen und kunstfertig mit dem Messer bearbeitet wird, kommt ihr Mann dazwischen und wird vom Täter abgestochen. Der Täter wird gefasst und Mary fährt zurück in die Staaten.
Sechs Monate später kommt sie zurück. Mit halbem Herzen beginnt sie ein Kunststudium, mit dem anderen halben Herzen ist sie bei ihrem Loverboy. Und tief in ihrem Innersten will sie auch die Geschichte der Frauen aufrollen, die vor ihr Opfer des Mörders wurden. Laut Polizeibericht ist der Mörder bei der Überstellung in ein Gefängnis bei einem Unfall ums Leben gekommen. Aber wer ist dann derjenige, der plötzlich nach ihrem Eintreffen in Florenz genau nach derselben Methode beginnt, eine junge Frau abzumurksen?
Mary sieht die Schatten an der Wand. Jedermann und jede Frau sind plötzlich potentielle Killer, spionieren ihr hinterher und greifen in ihr tägliches Leben ein, egal ob Pfarrer, Polizist, Freunde und Freundinnen, oder gar der Geliebte?
Mrs. Grindle schöpft aus dem Vollen. Zum einen muss Florenz mit all seinen Kunstschätzen herhalten und die Jagd über Piazzas, Museen und Gassen gibt ihr die Möglichkeit, ein halbes Kunststudium auf den 500 Seiten unterzubringen. Was hier im Laufe der langsam in Schwung kommenden Handlung an Espressi und Vino in die hitzigen Körper geschüttet wird, hätte einem gestandenen Commissario Brunetti den Garaus gemacht. Und wenn ein einzelner Mensch, wie unsere permanent hysterische Mary, so unbeeindruckt von sämtlichen Warnungen durch Florenz hetzt, gehört er eigentlich in die Sicherheitsverwahrung einer Klapsmühle. Dazu kommen alle möglichen kirchlichen Würdenträger vom Pater bis zum Kardinal und selbst die obskure Organisation Opus Dei, die seit Dan Brown fröhliche Urstände feiert, darf in dieser katholisch angehauchten Mördergrube nicht fehlen.
Die Spannung wird kontinuierlich langsam aufgebaut und erreicht zum Schluss einen Punkt, den man allerdings nicht als Höhepunkt bezeichnen kann. Abgesehen von der ausgezeichneten Sprache, bei der sogar in der deutschen Übersetzung witzige Wortspiele und saftiger Zynismus gegen Kirche und Obrigkeit, Mann und Frau, zu entdecken sind, bleibt Namenstag mit Ausnahme der blumigen Schilderungen des Ambientes recht farblos und auch die Auflösung kann im Endeffekt nicht befriedigen, auch wenn sie weitgehend logisch ist.
Diesen Psychothriller hat keiner gebraucht, der schon Ähnliches gelesen hat. Hier werden sämtliche gängigen Klischees (aus amerikanischer Sichtweise) abgehandelt und die Handlungsweise der Hauptpersonen erzeugt abwechselnd Kopfschütteln und Gähnen und auch der Mörder kann schon bei seinem ersten Auftreten auf Grund seines Verhaltens erahnt werden. Wer sein Faible für Serienmörder ausleben mag, bekommt zumindest sprachlich eine leicht lesbare Geschichte.
Wolfgang Weninger, September 2008
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| Mecky37 zu »Lucretia Grindle: Namenstag« | 05.03.2009 |
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| Gerd zu »Lucretia Grindle: Namenstag« | 03.11.2008 |
| Lilith1976 zu »Lucretia Grindle: Namenstag« | 09.09.2008 |

