Inkubus von Luca Di Fulvio

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2002 unter dem Titel Dover beach, deutsche Ausgabe erstmals 2010 bei Bastei Lübbe.

  • Mailand: Mursia, 2002 unter dem Titel Dover beach. ISBN: 8842529737. 328 Seiten.
  • Köln: Bastei Lübbe, 2010. Übersetzt von Katharina Schmidt & Barbara Neeb. ISBN: 978-3-404-16477-6. 396 Seiten.

'Inkubus' ist erschienen als HardcoverTaschenbuch

In Kürze:

Vier grauenvolle Ritualmorde. Kommissar Amaldi tappt im Dunkeln, bis er den Müßggänger Luz kennenlernt. Anscheinend kannte Luz die Opfer persönlich aus seiner Kindheit, die er in einem Waisenhaus verbracht hat. Luz verbirgt ein dunkles Geheimnis. Denn offenbar war er nicht nur mit den Opfern näher bekannt, sondern auch mit ihrem Mörder.

Das meint Krimi-Couch.de: »Abgrundtief böse« 70°

Krimi-Rezension von Jörg Kijanski

Nachdem er bei der Lösung seines letzten Falles mit dem »Präparator« aneinander geriet, musste Kommissar Giacomo Amaldi zunächst eine längere Zeit in einem Sanatorium untergebracht werden. Nun ist er vom Dienst freigestellt und erholt sich mit seiner Lebensgefährtin Giuditta, die ebenfalls dem »Präparator« zum Opfer fiel, allerdings im Gegensatz zu dessen übrigen Opfern nur seelische Schmerzen erleiden musste. Doch ein neuer perverser Serienmörder treibt bereits sein Unwesen in der Stadt und so kehrt Amaldi langsam und widerwillig in den Dienst zurück.

Mit einer dramatischen Inszenierung findet der Grundschullehrer Ernst Garcovich den Tod, nachdem er zuvor brutal misshandelt wurde. Als einige Tage später auf ähnlich Aufsehen erregende Weise ein Zahnarzt bestialisch ermordet wird, scheint die Identität des Mörders festzustehen. Der entscheidende Hinweis kommt von Ispettore Ferrante Palermo, einem als korrupt und brutal geltenden Ermittler des Sittendezernats. Fast mit fanatischem Eifer jagt er Primo Ramondi, der bereits vor längerer Zeit mehrere Prostituierte erheblich verletzte. Garcovich war einst Ramondis Lehrer in einer Anstalt für sozial benachteiligte Kinder und auch bei dem ermordeten Zahnarzt war Ramondis kurzzeitig in Behandlung. Während Palermo sich zunehmend in die Ermittlungen einschaltet und glaubt, nun endlich Ramondis verhaften zu können, ist Amaldi von dessen Unschuld überzeugt, da er diesem derart perfekt organisierte Verbrechen nicht zutraut…

Inkubus ist der Titel des italienischen Romans Dover Beach, wobei im vorliegenden Fall ausnahmsweise der deutsche Titel wesentlich besser zum Inhalt des Buches passt. Dämonen und Obsessionen führen die Leser in eine schaurig morbide Welt. Doch vorab sei darauf hingewiesen, dass in diesem Buch die Auflösung des Vorgängers »Der Präparator« aufgezeigt wird. Nur für den Fall, dass Sie in der richtigen Reihenfolge lesen möchten.

In der Welt von Inkubus, die in einer trostlosen Stadt spielt, gibt es keinen Platz für positive Momente, sieht man davon ab, dass sich Amaldi und Giuditta zärtlich näher kommen. Alle (!) Figuren, von denen es leider nicht all zu viele gibt, haben ihr Päckchen zu tragen. Wahnvorstellungen, Albträume, Obsessionen und ähnliches mehr führen in menschliche Abgründe. Wer erfahren will, was in den verstörten Hirnzellen eines Psycho- oder Soziopathen vorgeht, der wird von Di Fulvio bestens bedient. Schön zu lesen ist das nicht immer, dafür halt ein typischer Noir. So nehmen denn auch konsequenterweise die dunklen, morbiden Seiten der Figuren einen Hauptteil des Romans ein. »Der Junge« erlebt einen Albtraum, »der Mann« blutet überall und überhaupt, wo ist das Licht des Meisters, dass den Gesellen aus der Dunkelheit führt?

Wenn dann mal der eigentliche Krimiplot erzählt wird, geht es zügig voran, wobei der Plot einen nicht unerheblichen Nachteil hat. Di Fulvio ist wahrlich ein Meister, wenn es darum geht, in die Abgründe geschundener Seelen zu blicken, wie die Zeitung »Il Messaggero« zu Recht urteilt. Doch wenn bei dem zu lösenden Fall vergessen wird, Verdächtige aufzubauen, kann kaum Spannung entstehen. Ramondi ist so stark verdächtig, dass er es kaum sein kann und dann bleiben nur noch (wohlwollend formuliert) ganz wenige Figuren übrig. Hier hätte sich der Krimileser ein paar Blindspuren erhofft. So bleibt nur ein äußerst düsterer Blick in die Vergangenheit und Gedankenwelt gequälter Menschen, der einen verstört zurück lässt, aber gleichzeitig zu erklären versucht, wie Serienmörder ticken. So gesehen der richtige Roman für die trostlose Jahreszeit, die der Herbst mitunter sein kann.

Jörg Kijanski, November 2010

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Virginia zu »Luca Di Fulvio: Inkubus« 26.08.2011
Meiner ebenfalls lesebegeisterte Freundin habe ich das Buch folgender Maßen beschrieben: "Abgrundtief kranke Scheiße!" Wobei dies eine positive Bewertung bei uns ist :-D.Aber ich möchte von vorne beginnen: Ich habe das Buch nur duch Zufall in die Hände bekommen und bin es lange Zeit umgangen. Irgendwann war es aber fällig und die ersten Seiten waren sehr anstrengend (vor allem wenn man ein Buch aus Not liest!). Die vielen Details, die schon anfangs dem Leser mitgeteilt werden, sind sehr umfangreich und die Schreibweise des Schriftstellers ist gewöhnungsbedürftig. Nichtsdestotrotz taucht man schnell in die Welt des "Käfigs" ein und leidet mit den vielen gequälten Seelen. Die Details sind brillant. Ein besonderes Detail möchte ich hier erwähnen, es ist die Geschichte des Mannes mit seinem alten Hund! Diese Geschichte ist wirklich das Thema des Buchs.Luca Di Fulvio schaffte es wirklich, mich selbst für die bösesten Kreaturen Mitleid zu empfinden. Trotzdem haben mich die vielen "kranken" Kreaturen, die er geschaffen hat, gefesselt. Allein die Energie und Fantasie, die er in die Figur Violino gesteckt hat, hat mich überrascht. Viele Schriftsteller hätten aus diesem Buch Stoff für mehrere Bücher gezaubert. Aber der Schriftsteller hat meiner Meinung nach das Buch sehr gut durchdacht. Ich habe bei diesem Buch nicht den Focus auf dem Täter empfunden, sondern auf den geschundenen Seelen. Palermo z. B. konnte ich anfangs nicht verstehen und empfand ihn als besonders destruktiv und wehleidig. Aber das Ende hat seine Beweggründe und sein kaputtes Wesen mehr als ausreichend für mich als Leserin dargelegt und wirklich Mitleid empfinden lassen. Ich bin jetzt noch fasziniert von den Hintergründen und den vielen Problemfelder. Auch wenn ich dem Redakteur von Krimichoach. de bezüglich der klaren Täterzuweisung zustimmen muss. Ich habe jedoch einen anderen Schwerpunkt bei diesem Buch für mich gefunden und das sind nun mal die menschlichen Abgründe. Und mit diesen kann Luca Di Fulvio definitiv spielen. Ich möchte nicht abends neben ihm im Bett liegen ;-D.Das Buch ist wirklich der beste Thriller, den ich bis jetzt gelesen habe. Bis dato dachte ich Cody McFayden sei böse, aber das...
Wer eine gut durchorganisierte Story, mit vielen Detail und insbesondere anspruchsvollen Persönlichkeiten sowie für mich wirklich dem besten Ende das ein solches Buch bieten kann gerne liest, dem kann ich nur dieses Buch ans Herz legen. Ich hatte zwei schlaflose Nächte, wegen den drastischen Szenen...
Aber über Geschmack lässt sich bekanntlich nicht streiten!
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