Tödliches Gedenken von
Buchvorstellung und Rezension
Bibliographische Angaben
Originalausgabe erschienen 1975
unter dem Titel Fiori alla memoria,
deutsche Ausgabe erstmals 2005
bei Piper.
Ort & Zeit der Handlung: Bologna, 1990 - 2009.
- Mailand: Garzanti, 1975 unter dem Titel Fiori alla memoria. 152 Seiten.
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München; Zürich: Piper, 2005.
Übersetzt von Sylvia Höfer.
ISBN:
3-492-27104-9. 205 Seiten. -
München; Zürich: Piper, 2007.
Übersetzt von Sylvia Höfer.
ISBN:
978-3-492-24968-3. 205 Seiten.
'Tödliches Gedenken' ist erschienen als
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In Kürze:
Daß Bologna auch »La Rossa« genannt wird, ist nicht nur der Farbe der Dachziegel zu verdanken. Spielt doch die Politik in der norditalienischen Emilia-Romagna eine besondere Rolle. Daher liegt es nahe, hinter dem Anschlag auf ein Denkmal zu Ehren ermordeter Partisanen faschistische Motive zu vermuten. Die wahren Ausmaße des Verbrechens werden jedoch erst deutlich, als Kommissar Antonio Sarti in der Nähe des Tatorts die Leiche eines jungen Mannes findet. Mit gewohnt humorvoller Bissigkeit macht er sich auf die Suche nach dem Mörder und stößt auf ein besonders dunkles Kapitel in der italienischen Vergangenheit.
Das meint Krimi-Couch.de: »Eine kurzweilige, amüsante wie originelle Story, die an Camilleri erinnert«
Krimi-Rezension von Lars Schafft überspringen
»Wenn ich die Zeitung aufschlage, erwarte ich jeden Morgen eine über vier Spalten gehende Überschrift: \'Kommissar erwürgt Vorgesetzen, zerlegt seine Leiche, versteckt den Penis und verstreut die malträtierten Gliedmaßen in der Gegend.\'«
Der Vorgesetzte, das ist »er«, Hauptkommissar Cesare Raimondi aus Bologna. Der Kommissar, das ist Antonio Sarti, auch aus Bologna. Und Sarti ist mit »ihm« – er nennt seinen Vorgesetzten praktisch nie beim Namen, wenn er über »ihn« spricht, gar nicht grün. Schon seit vielen Fällen – und daran soll ich auch in »Tödliches Gedenken« nicht viel ändern.
Dass die beiden persönlich nicht miteinander klarkommen, ist nicht weiter verwunderlich, wie uns ein allwissender Erzähler in der Ich-Perspektive, der Sarti selbst aufs stille Örtchen zu begleiten scheint, auf eine sehr charmante Art und Weise schildert. Sarti lebt allein, was ihn allerdings nicht davon abhält, amouröse Abenteuer auch bei Frauen von Mordverdächtigen zu sachen. Er ist passionierter Espresso-Trinker und -Zubereiter, pflegt einen ganz eigenen trockenen Humor, den nicht jeder versteht (der dem Leser aber viel Spaß bereitet!) und ist vor allem nicht der beste Kommissar, der in Bologna den Verbrechern das Handwerk legen soll. Und was wahrscheinlich das größte Problem aus Sicht seines Vorgesetzten ist.
Denn wiedereinmal vermasselt Sarti seine Aufgabe gründlich. Irgendwo in den Bergen bei Bologna soll ein Denkmal eingeweiht werden, das an eine Gruppe italienischer Partisanen erinnert, die von Deutschen im Zweiten Weltkrieg in einem Hinterhalt gemeuchelt worden sind. Das ist natürlich von politischer Bedeutung und die Schmierereien daran gar nicht gern gesehen. Deswegen: Nachtwache für Sarti und seinen Kollegen Cantoni. Doch während der von einer Kolitis gebeutelte Sarti nur kurz zum Austreten in einen Busch verschwindet, ist es auch schon geschehen. Das Denkmal mit Grafiti entartet und als ob das nicht reichen sollte – stolpert der Kommissar des Nächstens im wahrsten Sinne des Wortes über eine Leiche mit eingeschlagenem Schädel. Na toll – gewissermaßen.
Denn Hauptkommissar Raimondi ist von Sarti selbstverständlich alles andere als begeistert – und schafft es immerhin, in jeden zweiten Satz mindestens einmal »gewissermaßen« einzubauen. Als gewissermaßen Strafe überträgt er Sarti die Aufgabe nach dem Mörder zu suchen, um – gewissermaßen – seinen Fehler glatt zu bügeln. Doch die Sache soll sich als komplizierter als gedacht erweisen – Verschwiegen sind die Bewohner des kleinen Dörfchens, aus dem das Opfer stammte. Nur der Pfarrer und eine Bordell-Mutter scheinen Sarti weiterhelfen zu können. Doch schon sehr bald gesellt sich ein zweites Opfer dazu. Grund genug, endlich diese ominöse Quelle von Schwefelwasser in den Bergen aufzusuchen, die für die Opfer ein beliebter Treffpunkt war. Und was Sarti dort findent, gibt ihm genug Gelegenheit, sich darüber Gedanken zu machen, ob er damals nicht doch lieber eine Karriere als Bäcker denn als Polizisst hätte einschlagen sollen …
»Tödliches Gedenken« gehört zu den Kriminalromanen, für die man dankbar ist, sie entdeckt zu haben. Schon nach wenigen Sätzen stellt man den originellen Schreibstil des Italieniers Macchiavelli fest, amüsiert sich köstlich über die verschrobenen Charaktere und fühlt sich ein wenig an die Nonchalance erinnert, mit der ein Andrea Camilleri so vortrefflich von seinem Commissario Montalbano erzählt. Die Figuren sind unverwechselbar mit ihren Stärken und Schwächen, bestechen aber vor allem durch ihre sehr menschlichen Fehlerchen: Loriano Macchiavelli gelingt etwas, was nicht viele Autoren schaffen. Seine Charaktere sind lebendig und glaubhaft.
Dazu kommt ein recht vertrackter Plot, den der Italiener auf nur 190 Seiten strickt und der jede Menge Überraschungen bietet, auf politische Seitenhiebe aber nicht verzichtet. Schlussendlich überzeugt allerdings vor allem Macchiavellis Schreibe, die unter der Vielzahl an Neuerscheinungen durch ihre Originalität besticht und dem Leser ein ständig schmunzelndes Lesevergnügen bereitet. Sehr schön, dass Macchiavellis Sarti-Reihe den Weg ins Deutsche gefunden hat, denn sie belegt, dass er einer der besten Krimi-Autoren südlich der Alpen ist. Wir freuen uns auf ein möglichst baldiges Wiedersehen mit dem kauzigen Kommissar, in dem es – gewissermaßen – vielleicht noch ein wenig mehr zur Sache gehen könnte.
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