Lebenslänglich von
Buchvorstellung und Rezension
Bibliographische Angaben
Originalausgabe erschienen 2007
unter dem Titel Livstid,
deutsche Ausgabe erstmals 2008
bei Kindler.
Ort & Zeit der Handlung: Schweden / Stockholm, 1990 - 2009.
Folge 7 der Annika-Bengtzon-Serie.
- Stockholm: Piratförlaget, 2007 unter dem Titel Livstid. 427 Seiten.
-
Reinbek bei Hamburg: Kindler, 2008.
Übersetzt von Dagmar Lendt & Anne Bubenzer.
ISBN:
978-3-463-40517-9. 496 Seiten. -
Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 2010.
Übersetzt von Dagmar Lendt & Anne Bubenzer.
ISBN:
978-3-499-23901-4. 494 Seiten.
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[Hörbuch] Berlin: Argon, 2008.
Gesprochen von Judy Winter.
ISBN:
3866105681. 6 CDs. -
[Hörbuch] Berlin: Argon, 2010.
Gesprochen von Judy Winter.
ISBN:
3866108524. 6 CDs.
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In Kürze:
David Lindholm ist ein allseits angesehener Elite-Polizist. Ihm war es zu verdanken, dass eine Geiselnahme in einem Stockholmer Kindergarten ein unblutiges Ende fand. Nun liegt er erschossen in seinem Bett, und ganz Stockholm ist erschüttert. Schon bald gerät seine Frau Julia unter Verdacht. Die Ehe kriselte heftig, Julia war zur Tatzeit zuhause, ihre Fingerabdrücke finden sich auf der Mordwaffe. Die Ermittlungen sind schnell abgeschlossen. Julia wird zu einer Haftstrafe auf Lebenszeit verurteilt, obwohl sie bis zum Schluss ihre Unschuld beteuert. Annika Bengtzon, selbst in einer äußerst schwierigen privaten Situation, wird von ihrer Reaktion auf den Fall Lindholm angesetzt. Bei ihren Recherchen überkommen Annika immer mehr Zweifel an Julias Schuld. Ganz offenbar war David Lindholm nicht der strahlende Held, als der er von Polizei und Medien dargestellt wird. Doch Annikas Version der Geschichte möchte niemand hören. Immer tiefer verbeißt sie sich in den Fall und kommt dabei der Lösung gefährlich nahe …
Das meint Krimi-Couch.de: »Spannende Fortsetzung einer lesenswerten Serie«
Krimi-Rezension von Sabine Reiss überspringen
Schwedens Vorzeige-Krimiautorin Liza Marklund hat nun bereits ihren siebten Roman vorgelegt, in dem die Journalistin Annika Bengtzon abermals Enthüllungen nachjagt, die der Öffentlichkeit nicht gefallen werden.
Möchte man Annika charakterisieren, so hilft ein Blick auf die Bücher anderer Skandinavierinnen, die nicht minder erfolgreich den Krimimarkt bevölkern. Die Protagonisten ihrer Kolleginnen Holt, Lehtolainen und Tursten sind zwar allesamt weiblich, aber sie stehen im Unterschied zu Annika Bengtzon im Polizeidienst. Die Journalistin, angestellt beim Stockholmer Abendblatt, ist zwar auf ihre Verbindungen zum offiziellen Ermittlungsapparat angewiesen, aber ihre Spürnase und ihr Jagdinstinkt treiben sie zu gewagten Aktionen, um Informationen zu beschaffen. Damit wird dem Leser eine ganz andere, sehr interessante Sichtweise eröffnet.
Was wohl alle Frauen gemeinsam haben, die Haushalt und Beruf unter einen Hut bringen müssen, ist die Belastung, die diese Doppelrolle mit sich bringt. Dadurch ist Annika alles andere als ausgeglichen. Sie ist jedoch nicht nur gestresst, sondern teilweise auch ein wenig hysterisch und sehr anstrengend. Auch in punkto Familiensituation hat die Autorin ihrer Heldin ein besonderes Schicksal auferlegt: Ihr Mann Thomas ist schlichtweg ein selbstsüchtiger Idiot und das nicht erst seit dem Zeitpunkt, als er Annika verlassen hat, um zu seiner Geliebten Sofia DS (Dumme Schlampe) Grenborg zu ziehen.
Hier knüpft die Handlung von Lebenslänglich nahtlos an den Vorgängerroman an, in dem eine Bombe das Haus zerstört, das die Familie gerade erst bezogen hatte. Thomas ist an diesem Abend verschwunden und weiß noch nicht, was passiert ist. Darüber hinaus wird Annika verdächtigt, den Brand selbst gelegt zu haben. Zeitgleich geschieht ein Verbrechen, das die Aufmerksamkeit der Reporterin auf sich zieht und sie damit von ihren privaten Problemen ablenkt: Polizeikommissar David Lindholm wurde in seiner Wohnung erschossen. Sein vierjähriger Sohn ist verschwunden und seine Frau Julia, ebenfalls Polizistin, wird des Mordes verdächtigt. Annika kennt Julia und deren Kollegin Nina, die die erste Polizistin am Tatort war, seit einer Reportage über Frauen in Männerberufen, die sie vor fünf Jahren schrieb. Damals begleitete sie die beiden jungen Polizistinnen auf ihrer Streife.
Die Öffentlichkeit und der Polizeiapparat urteilen (vor-)schnell. Julia wird des Mordes verdächtigt und sofort in Untersuchungshaft gebracht. Es droht ihr eine lebenslängliche Haftstrafe. Ihren wirren Beteuerungen, da wäre eine andere Frau in der Wohnung gewesen, die den kleinen Alexander weggebracht habe und die möglicherweise auch die Mörderin ihres Mannes sein könnte, schenkt niemand Glauben. Da Julia einen Nervenzusammenbruch erleidet und zu keiner Aussage fähig ist, wird in diese Richtung auch gar nicht ermittelt. David Lindholm war schließlich ein sehr bekannter und in der Öffentlichkeit geachteter Mann, der viele Ermittlungserfolge feiern durfte. Wer sollte ihn außer seiner offensichtlich psychisch gestörten Frau ermorden wollen? Annika ist die Einzige, die Davids Leben durchleuchtet. Was sie an den Tag fördert, bringt den Heiligenschein des Opfers ins Wanken …
Liza Marklund hält sich jedoch nicht mit allzu vielen Schnörkeln auf, sie zieht ihre Geschichte konsequent durch, ohne den Leser zu langweilen. Ihre Figuren zeichnen sich dadurch aus, dass sie ohne Schwarz-Weiß-Malerei bei der Charakterisierung auskommt. Bei ihr gibt es nicht nur Sympathisch und Unsympathisch – eine Ausnahme wäre vielleicht Annikas Ehemann, aber das mag persönliches Empfinden sein – sondern alle Figuren werden vielschichtig geschildert.
Das Motiv von Lebenslänglich wird in unterschiedlichen Varianten diskutiert. Nicht nur, dass Julia eine solche Haftstrafe droht, auch die Trennung von Annika passt zum Thema. Zudem arbeitet Thomas als parlamentarischer Mitarbeiter an einer Untersuchung über die finanziellen Auswirkungen der Abschaffung der lebenslänglichen Strafen. Natürlich ergibt diese Untersuchung nicht das gewünschte Ergebnis, wie so oft in der Politik.
Abermals gelingt es der schwedischen Autorin, die Recherchearbeit der Journalistin in eine spannende Geschichte zu verpacken, die wie bereits beim Vorgänger mit einem Cliffhanger und einem Showdown endet. Nur ein kleines Detail trübt das Ende minimal: Das Motiv des Täters hätte noch etwas klarer herausgearbeitet werden können.
Womöglich ist es für den Neueinsteiger in die Serie ein Manko, die vielen Querverbindungen und Bezüge auf Vergangenes zu ertragen, die bei Liza Marklund etwas deutlicher hervorstechen als bei vielen anderen Krimiautoren. Daher als Tipp: entweder nach dem Erscheinungsdatum mit dem Buch Olympisches Feuer beginnen (darüber hinaus ein sehr empfehlenswertes Buch) oder mit dem chronologischen Einstieg ´Prime Time. Allen anderen sind die Vorzüge von Liza Marklunds Romanen ja schon bekannt und hiermit sei bestätigt: Lebenslänglich ist lesenswert!
Sabine Reiss, Januar 2009
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