Der rote Wolf von Liza Marklund

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2003 unter dem Titel Den röda vargen, deutsche Ausgabe erstmals 2004 bei Hoffmann & Campe.
Ort & Zeit der Handlung: Schweden, 1990 - 2009.
Folge 5 der Annika-Bengtzon-Serie.

  • Stockholm: Piratförlaget, 2003 unter dem Titel Den röda vargen. 416 Seiten.
  • Hamburg: Hoffmann & Campe, 2004. Übersetzt von Paul Berf. ISBN: 3-455-05159-6. 443 Seiten.
  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 2006. Übersetzt von Paul Berf. ISBN: 978-3-499-23297-8. 447 Seiten.
  • [Hörbuch] Hamburg: Hoffmann & Campe, 2004. Gesprochen von Judy Winter. gekürzt. ISBN: 3-455-30364-1. 6 CDs.

'Der rote Wolf' ist erschienen als HardcoverTaschenbuchHörbuch

In Kürze:

Ein Mann steigt vor einem Hotel in Luleå aus dem Bus. Nach dreißig Jahren ist er nach Schweden zurückgekehrt, schwer krank. Er ist nach Hause gekommen, um zu sterben. Aber vorher hat er noch einiges zu erledigen: alte Rechnungen begleichen, Beziehungen klären – ein für alle Mal. Zur gleichen Zeit ist Annika Bengtzon vom Stockholmer Abendblatt in der nordschwedischen Stadt. Die erfolgreiche Journalistin will sich mit einem Lokalreporter treffen, der an derselben Geschichte recherchiert wie sie: Es geht um einen terroristischen Anschlag, der Ende der sechziger Jahre auf die in Luleå stationierte schwedische Luftwaffe verübt und nie richtig aufgeklärt wurde. Doch bevor Annika ihren Kollegen treffen kann, wird er tot aufgefunden. Was anfangs wie ein Unfall aussieht, entpuppt sich als brutaler Mord. Als kurze Zeit später auch der einzige Zeuge, ein dreizehnjähriger Junge, umgebracht wird, weiß Annika, dass ein kaltblütiger Profi am Werk sein muss.Aber was steckt dahinter? Musste der Journalist sterben, weil er zu viel wusste? Schließlich erfährt Annika, dass der gesuchte Terrorist Ragnvald in seine Heimat Luleå zurückgekehrt ist – nach dreißig Jahren im Exil …

Das meint Krimi-Couch.de: »Zeitlich wieder im Lot« 80°

Krimi-Rezension von Sabine Reiss

Endlich passt die Reihenfolge wieder: Liza Marklunds neuestes Buch spielt ungefähr ein halbes Jahr nach Olympisches Feuer. Auch wenn manche Serien nicht unbedingt der Reihe nach gelesen werden müssen, bei Liza Marklund wäre es empfehlenswert, doch leider hat uns die Autorin diese Wahl gar nicht gelassen. Im Leben der Protagonistin Annika Bengtzon passierte jedoch einiges, was man Leser vielleicht in der richtigen zeitlichen Abfolge erfahren möchte.

Annika kämpft nach wie vor mit den Geistern der Vergangenheit. Nach ihrem traumatischen Erlebnis hat sie sich eine kurze Auszeit genommen. Nun ist sie nicht mehr Leiterin der Kriminalredaktion der Stockholmer Zeitung Abendblatt, sondern freie Mitarbeiterin. Das Thema Terrorismus lässt sie nicht mehr los, was ihre Vorgesetzten nicht gerade begeistert, da sie es lieber sähen, wenn Annika sich aktueller Themen annehmen würde. Sie recherchiert aber in einem 30 Jahre alten Fall: damals wurde ein Anschlag auf einen Luftwaffenstützpunkt verübt. Der oder die Täter wurde(n) nie gefasst. Die wenigen Indizien weisen auf einen Mann mit dem Decknamen Ragnwald hin, der Führer einer maoistischen Splittergruppe war und ein gesuchter Serienmörder sein soll. Ihre Recherche gewinnt jedoch an Aktualität, als sie nach Nordschweden reist und das Treffen mit einem dort ansässigen Journalisten quasi verpasst: Er ist tot! Annika glaubt, dass er auf brisante Informationen gestoßen sein muss.

Annika Bengtzon ist eine zerrissene Person, die mir persönlich gar nicht so sympathisch ist. Das mag vielleicht daran liegen, dass sie von ihrem Mann Thomas nicht eben als sehr liebenswert geschildert wird, obwohl er Eigenschaften wie ihre Stärke sehr bewundert. Nun hört sie auch noch Stimmen von Engeln in ihrem Kopf. Ich war schon immer der Meinung, dass Liza Marklund ihrer Heldin etwas zuviel aufbürdet, vielleicht als Gegengewicht zu ihren Rechercheerfolgen. Denn obwohl sie »nur« Journalistin ist, ist sie der Polizei doch am Ende immer einen Schritt voraus, sieht Verbindungen, die sonst keiner sieht und bringt Leute zum Reden, die sich der Polizei nicht anvertrauen würden. Und trotz dieser mangelnden Sympathie wünscht man ihr nur das Beste.

Mit »Der rote Wolf« hat Liza Marklund den Weg weiterverfolgt, den sie mit ihren vorherigen Büchern eingeschlagen hat. Obwohl hier natürlich ein kleiner Showdown am Ende nicht fehlt, ist die ganze Handlung weniger action-geladen als bei »Olympisches Feuer«. Annikas Recherche steht im Vordergrund. Sie befasst sich intensiv mit dem Thema Terrorismus und der Bildung linker Zellen in Schweden Ende der 60er Jahre. Der Roman zeichnet sich durch die recht realistische Schilderung des Zeitungsalltags aus und durch das brisante Thema, wie Macht und Wissen eingesetzt werden, um die eigenen Ziele zu verfolgen. Selbst Annika ist nicht davor gefeit. Liza Marklund hat in ihrer eigenen Karriere selbst erlebt, wie die Eigentümer einer Zeitung Druck auf eine Ministerin ausgeübt haben. Diese Geschehnisse hat sie in dem vorliegenden Buch verarbeitet. Zudem nimmt auch die Nebenhandlung mit Annikas gestresstem Eheleben einen großen Raum ein.

Zum Mitraten ist auch dieser Krimi nicht geeignet, denn schon recht bald kann man erkennen, wohin uns die Autorin führen will. Nur am Ende gibt es noch eine Enthüllung, die man nicht kommen sieht. Insgesamt resultiert die Spannung eher aus der Tatsache, dass man erfahren will, wie Annika mit ihrem Wissen umgeht. Alles in allem gefällt mir »Der rote Wolf« besser als Studio 6 und Paradies, doch an Olympisches Feuer reicht dieser Roman meines Erachtens nicht heran.

Ihre Meinung zu »Liza Marklund: Der rote Wolf«

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Wolfgang Fischer zu »Liza Marklund: Der rote Wolf« 12.09.2010
Ich halte den "Roten Wolf" für sehr gelungen, nicht zuletzt auch wegen der Beschreibung des persönlichen Umfeldes von Annika. So manchen Satz von L. Marklund könnte ich mir an die Tür schreiben. Z.B. "Zuhause ist nicht dort, wo Du wohnst - sondern dort wo Du geliebt wirst". Annika ist konsequent - weil sie der Wahrheit verpflichtet ist und dieselbe setzt sich bekanntlich durch. Ich weiß, das es diese Helden sehr schwer haben akzeptiert zu werden, weil sie einfach zu unbequem sind. Habe ähnliche Erfahrungen machen müssen und kann Annika sehr gut verstehen. Bravo, Frau Marklund!
ptr.schubert zu »Liza Marklund: Der rote Wolf« 08.04.2009
ich kann mich nur der kritik von m.engel anschliessen. leider zuviel privates yuppie-getue, aber sonst ein prima wenn nicht sogar der beste marklund. auch das man die briefe einer ministerin einfach so einsehen kann, welch wunder eine offene demokratie zu bieten hat, davon können wir nur träumen. annika ist mir auch insgesamt (in allem krimis dieser serie) zu egoistisch, wie sie selbst mit den menschen umgeht die ihr nahe stehen ist einfach unglaublich bedrückend. keine sympathische figur.
0 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
mylo zu »Liza Marklund: Der rote Wolf« 17.05.2008
Nun nicht das beste Buch von Marklund, reicht aber an Paradies oder Studio 6 heran.
Der private Strang nimmt vielleicht etwas zu viel Raum ein, so dass der Hauptstrang etwas kurz kommt.

Aber alles in allem kurzweilige Literatur, die uns auch wieder das eine oder andere über Schweden erfahren lässt. Das man die gesamte Korrespondenz einer Ministerin einsehen kann erstaunt.

75 Punkte von mir.
Thomas zu »Liza Marklund: Der rote Wolf« 11.07.2007
"Der rote Wolf" ist nach "Paradies" für mich bislang der beste Marklund-Krimi und ich gebe ihm satte 94 Punkte. Auch dieser Roman ist wieder rund, auch wenn zum Schluss mal wieder ein komisches Ende steht, das ein bißchen an "Olympisches Feuer" erinnert. Überhaupt wird ein bißchen zuviel auf den "Engeln" in Annikas Kopf, die seit den Ereignissen im Olympiastadion in ihr spuken, herumgeritten, aber die Story drumherum ist mal wieder klasse: die betrogene Ehefrau rächt sich an der Geliebten ihres Mannes und hilft dann noch ihrer Freundin Anne aus der Zwickmühle, wobei der Kampf um die Wahrheit dann zum Schluss in meinen Augen etwas zu pathetisch ist.
Thomas zu »Liza Marklund: Der rote Wolf« 11.07.2007
"Der rote Wolf" ist nach "Paradies" für mich bislang der beste Marklund-Krimi und ich gebe ihm satte 94 Punkte. Auch dieser Roman ist wieder rund, auch wenn zum Schluss mal wieder ein komisches Ende steht, das ein bißchen an "Olympisches Feuer" erinnert. Überhaupt wird ein bißchen zuviel auf den "Engeln" in Annikas Kopf, die seit den Ereignissen im Olympiastadion in ihr spuken, herumgeritten, aber die Story drumherum ist mal wieder klasse: die betrogene Ehefrau rächt sich an der Geliebten ihres Mannes und hilft dann noch ihrer Freundin Anne aus der Zwickmühle, wobei der Kampf um die Wahrheit dann zum Schluss in meinen Augen etwas zu pathetisch ist.
m. engel zu »Liza Marklund: Der rote Wolf« 26.06.2007
sicher ist marklund, hier ein roman gelungen der nicht nur hohen literarischen ansprüchen genügend dürfte, sondern auch fast bist zum schluss spannend bleibt. fast eben deshalb, weil eben dieser schluss dazu herhalten muss, wieder ordnung in die etwas in unordnung geratene yuppie-welt zu bringen, mit der einem die autorin über weite strecken nervt. auch wenn, das ganze gut be- und geschrieben ist, war ich mehrfach versucht das buch endgültig aus der hand zu legen, wenn ich über schier endlos erscheinende seiten, gnadenlos durch leiden der yuppie-society vom eigentlichen haupthandlungsstrang weggezerrt wurde.
es hätte sicher nicht geschadet, mehr in eine realistischere darstellung bewaffneter gruppen zu investieren, als diese schlicht als komplett durchgeknallte killermaschinen zu beschreiben. hier wurde einfach die chance vertan, sich auch inhaltlich von der übervereifachenden sichtweise des boulevard journalismus abzusetzen, den die heldin so gelungen verkörpert.
m. engel zu »Liza Marklund: Der rote Wolf« 26.06.2007
sicher ist marklund, hier ein roman gelungen der nicht nur hohen literarischen ansprüchen genügend dürfte, sondern auch fast bist zum schluss spannend bleibt. fast eben deshalb, weil eben dieser schluss dazu herhalten muss, wieder ordnung in die etwas in unordnung geratene yuppie-welt zu bringen, mit der einem die autorin über weite strecken nervt. auch wenn, das ganze gut be- und geschrieben ist, war ich mehrfach versucht das buch endgültig aus der hand zu legen, wenn ich über schier endlos erscheinende seiten, gnadenlos durch leiden der yuppie-society vom eigentlichen haupthandlungsstrang weggezerrt wurde.
es hätte sicher nicht geschadet, mehr in eine realistischere darstellung bewaffneter gruppen zu investieren, als diese schlicht als komplett durchgeknallte killermaschinen zu beschreiben. hier wurde einfach die chance vertan, sich auch inhaltlich von der übervereifachenden sichtweise des boulevard journalismus abzusetzen, den die heldin so gelungen verkörpert.
Gabi zu »Liza Marklund: Der rote Wolf« 08.08.2006
Für alle Annika-Anfänger empfiehlt es sich, die Bücher der chronologischen Reihenfolge nach zu lesen. (Erst Studio 6, Prime Time...)So kann man ihren Charakter und ihre Entwicklung besser verstehen, warum sie manchmal so handelt oder scheinbar so hart ist. Ich würde mir für ein folgendes Buch wünschen, dass sie einmal zur Ruhe kommt, Anerkennung bekommt für ihre Leistungen und beide (Thomas und Annika) erkennen, dass eine Beziehung nicht nur Stress bedeutet.
0 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Falcon zu »Liza Marklund: Der rote Wolf« 04.09.2005
Lisa Marklund gelingt mit "Der rote Wolf", meiner Meinung nach "Olympisches Feuer", ihr zweit bestes Buch. Ich weiss nicht wie es ist, wenn man zuvor keinen ihrer Romane gelesen hat. Es ist schon von Vorteil, wenn man die ganze Vorgeschichte von Annika kennt. Mit diesen Kenntnissen ist es ein Genuss die Weiterentwicklung dieser Figur weiter zu verfolgen und zu verfiefen. Auch wenn gewisse Details, muss man wissen welche Kalles Stiefel haben?, mir zu tief gehen und bei mir in der Buchmitte zu einem Durchhänger führten.
Wieder zeigt sich wie gut Marklund recherchiert hat, und man bekommt Lust den Orten nachzureisen, wäre da nicht die tiefen Temperaturen....

"Der rote Wolf" lässt einem auf jeden Fall nicht kalt. Empfehlenswert!

Falcon
Suzanne Pradel zu »Liza Marklund: Der rote Wolf« 22.08.2005
Intellektuelle Krimigeschichte mit geschichtlich authentischem Hintergrund und hohem literarischen Anspruch. Anita Bengtzon ist keine kalte Krimiheldin, sondern eine emotionale Mutter, emanzipierte Ehefrau, clevere Journalistin mit moralischem Anspruch an sich und das Leben.

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