Der Feuerdrache von Lisa See

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1999 unter dem Titel The interior, deutsche Ausgabe erstmals 2006 bei Blanvalet.
Ort & Zeit der Handlung: China, 1990 - 2009.
Folge 2 der Liu-Hulan-&-David-Stark-Serie.

  • New York: HarperCollins, 1999 unter dem Titel The interior. 391 Seiten.
  • München: Blanvalet, 2006. Übersetzt von Elfriede Peschel. ISBN: 978-3-442-36401-5. 541 Seiten.

'Der Feuerdrache' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Der mysteriöse Selbstmord einer jungen Arbeiterin lockt Inspektorin Liu Hulan in ein Dorf tief im Inneren Chinas. Schon bald wird klar, dass es sich nicht wirklich um einen Suizid handelt, sondern dass der Tod der jungen, schwangeren Mioashan eng mit der amerikanischen Spielzeugfabrik Knight verknüpft ist, in der diese gearbeitet hat. Kurz bevor Hulan die Täter überführen kann, bricht in der Fabrik ein Feuer aus, und die Inspektorin gerät in höchste Gefahr …

Das meint Krimi-Couch.de: »Spielwaren aus China« 78°

Krimi-Rezension von Sabine Reiss

Machen wir uns mal bewusst, dass ein Großteil der hierzulande verkauften Spielwaren aus China kommt. Selbst wenn das Unternehmen seinen Sitz in Amerika hat, die Produktion ist höchstwahrscheinlich am anderen Ende der Welt angesiedelt, weil die Arbeitskräfte dort billiger sind. Wollen wir wirklich wissen, unter welchen Umständen das heißgeliebte Spielzeug produziert wird?

Die Autorin Lisa See legt mit »Der Feuerdrache« den Finger in die Wunde, ebenso wie sie im Nachfolgeband »Tod am Jangtse« ein kritisches Thema anspricht, den Bau des Drei-Schluchten-Staudamms. Hier schickt sie Liu Hulan, Inspektorin des Ministeriums für Öffentliche Sicherheit (dem chinesischen Pendant zum FBI), als Privatperson in die Höhle des Löwen. Sie kommt dabei Dingen auf die Spur, die dann allerdings nicht mehr reine Privatsache sind. Zu weitreichend sind die Auswirkungen ihrer Entdeckungen, so dass sie sogar um ihr Leben und das ihres ungeborenen Kindes bangen muss.

Aufrüttelnd, aber auch komplex und zäh

Die ambitionierte Inspektorin erhält einen Brief einer alten Freundin, die noch in dem Dorf lebt, in dem Hulan während der Kulturrevolution im Arbeitslager war. Suchees Tochter arbeitete in der amerikanischen Spielwarenfabrik Knight, wo Frauen und Mädchen technologisch hochentwickelte Spielfiguren produzieren. Bei einem Wochenendbesuch findet Suchee ihre Tochter Miaoshan erhängt in der Scheune. Die trauernde Mutter glaubt nicht an Selbstmord und wendet sich daher an Hulan. Hat Miaoshan in der Knight-Fabrik etwas entdeckt, was nicht für ihre Augen bestimmt war?

Gleichzeitig siedelt David Stark, der Lebensgefährte Hulans, von Amerika nach China um, um dort als Vertreter einer amerikanischen Anwaltskanzlei tätig zu werden. Seine erste Amtshandlung ist es, den Verkauf von Knight International an seinen Mandanten Tartan Incorporated abzuwickeln. Ein Konflikt mit den Untersuchungen seiner Freundin ist vorprogrammiert.

Die Geschichte beinhaltet neben dem interessanten Einblick in die fremde Kultur auch noch eine Fülle von Informationen über wirtschaftliche Zusammenhänge und die Beziehungen der USA zu China. Die Story ist aufrüttelnd und mitreißend, aber in Summe auch sehr komplex und teilweise zäh. Man muss schon einen langen Atem mitbringen, um bis zum Ende durchzuhalten. Ich denke, ein paar Seiten weniger hätten dem Krimi insgesamt gut getan. Die Auflösung ist dabei überraschend, aber sie wirkt auch nicht wie von langer Hand vorbereitet, so als ob die Autorin den Leser lange Zeit in eine bestimmte Richtung drängen wollte.

Differenzierte Charaktere

Lisa See schildert in ihrem Buch die Gegensätze von Stadt und Land sehr deutlich, z.B. bei der Reise Liu Hulans, der »Roten Prinzessin«, in die Provinz oder als sie sich undercover in die Fabrik einschleicht. Jeder der Charaktere wird differenziert beschrieben, natürlich auch Hulan, die nicht nur positive Eigenschaften aufweist. Sie wird als eine Person gezeigt, die ohne Kompromisse für das einsteht, was sie für richtig hält – auch wenn dazu nötig ist, Freunde zu verraten, wie sie es im Falle ihrer Freundin Suchee während der Kulturrevolution getan hat.

Interessant für Leser der beiden anderen Bände ist auf jeden Fall, wie sich die Geschichte des ungleichen Paares fortsetzt bzw. überhaupt entwickelt hat. Es ist sehr schade, dass Lisa Sees Bücher in Deutschland nicht in der richtigen Reihenfolge erschienen sind, doch liegt mit dem zweiten Band sicherlich (nicht nur aufgrund des Umfangs) die komplexeste Story vor, die wirklich nicht die breite Masse ansprechen wird – leider.

Das Buch bietet eine Menge Stoff zum Nachdenken und einen faszinierenden Einblick in die für uns so ferne Lebensweise und Kultur Chinas. »Der Feuerdrache« ist aber eindeutig nichts für Leute, die beim Lesen einfach nur mal abschalten wollen.

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