Vor dem Regen kommt der Tod von Lieneke Dijkzeul

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2009 unter dem Titel De geur van regen, deutsche Ausgabe erstmals 2011 bei dtv.
Ort & Zeit der Handlung: Niederlande, 1990 - 2009.
Folge 3 der Paul-Vegter-Serie.

  • Amsterdam: Anthos, 2009 unter dem Titel De geur van regen. 269 Seiten.
  • München: dtv, 2011. Übersetzt von Christiane Burkhardt. ISBN: 978-3423248556. 280 Seiten.
  • [Hörbuch] Hamburg: Jumbo, 2011. Gesprochen von Jürgen Uter. ISBN: 3833728159. 3 CDs.

'Vor dem Regen kommt der Tod' ist erschienen als TaschenbuchHörbuch

In Kürze:

Ein schauriges Ende eines schwülheißen Sommertages: Die junge Polizistin Renée wird an ihrer Wohnungstür überfallen und brutal niedergestochen. Sie überlebt mit knapper Not. Ein paar Tage später findet man eine Studentin in einem Keller, ermordet. Die Frauen scheinen wenig gemeinsam zu haben – bis auf ihre roten Haare. Inspector Paul Vegter stürzt sich in diesen Fall, denn er hegt für Renée mehr als nur kollegiale Gefühle. Bald ahnt er, dass der Mörder erneut zuschlagen wird. Auch Galeristin Vivienne ist rothaarig. Als sie ihren Mann immer wieder beim Lügen ertappt, wird sie von quälendem Misstrauen erfasst: Ist er der Killer? Ist sie sein nächstes Opfer?

Das meint Krimi-Couch.de: »(Jagd)szenen einer Ehe« 85°Treffer

Krimi-Rezension von Jürgen Priester

In den Niederlanden gehört Lieneke Dijkzeul mit zu den bekanntesten Schriftstellerinnen. Ihr Bekanntheitsgrad resultiert vor allem aus der Vielzahl ihrer Kinder- und Jugendbücher. Seit 2006 schreibt sie auch Krimis. Der hier vorliegende Vor dem Regen kommt der Tod ist der zweite mit dem sympathischen Ermittler Paul Vegter und seinem Team. Der erste, Schweigende Sünde erscheint bei uns erst im Frühjahr 2012 (dem hat der Verlag wohl nicht das nötige Potenzial beigemessen). Vor dem Regen kommt der Tod war für den »Gouden Strop«, den bedeutendsten Krimi-Preis der Niederlande nominiert. In Deutschland ist er in der dtv-Premium-Reihe untergekommen. Einem Format, das sowohl durch ein attraktives Design besticht, als auch inhaltlich für Qualität – bis auf wenige Ausnahmen – steht. Für den Krimi-Bereich seien da stellvertretend Jussi Adler-Olsen, Ilkka Remes und Philip Sington genannt.

Vor dem Regen kommt der Tod bewegt sich im Grenzgebiet zwischen Krimi und Psychothriller. Inspecteur Vegter ermittelt in einem mutmaßlichen Serienmörderfall, aber der Schwerpunkt der Geschichte liegt in einem Katz- und Mausspiel der Eheleute John und Vivienne Verbruggen. Ein Psychoduell, das Lieneke Dijkzeul ganz virtuos zu inszenieren weiß.

John Verbruggen leitet zusammen mit seinem Kompagnon Pieter die kleine, aber anscheinend lukrative Werbeagentur V&V Promotions. Pieter, von Hause aus begütert, gibt einen mondänen Lebensstil vor, den John nur allzu gerne imitieren möchte. Aus Johns Vergangenheit ist kaum etwas bekannt, aber er scheint früher einen starken Minderwertigkeitskomplex entwickelt zu haben, den er nun mit aller Macht kompensieren muss. Die Eheschließung mit Vivienne entsprang eiskalter Berechnung, denn auf sie wartet ein millionenschweres Erbe. Dank seines attraktiven Äußeren und der Vortäuschung von Gefühlen konnte John leicht Viviennes Herz gewinnen. Zumal diese nur allzu bereit war sich erobern zu lassen.

Die studierte Vivienne versucht sich ein bisschen als Kunsthändlerin. Viel mehr als ein Hobby ist es nicht, da sie ja finanziell ausgesorgt hat. Nach dem Tod ihrer Eltern ist sie Alleinerbin eines stattlichen Vermögens. Ihre Mutter, die erst kürzlich verstarb, hatte aber angesichts des potenziellen Erbschleichers (sie hatte John immer misstraut) testamentarisch festgelegt, dass Vivienne erst im Alter von 50 über den Hauptteil des Erbes verfügen kann.

Junge Frau, 37, dick, hässlich und behindert – so sieht Vivienne sich selbst. Nicht nur, dass sie ihren Körper nicht mag – die zu breiten Hüften, den schlaffen Busen – besonders macht ihr ihre »Beeinträchtigung« zu schaffen. Seit ihrer Geburt ist ihr linkes Bein verkürzt, was sie zur Benutzung eines Stockes zwingt, da sie das Tragen von orthopädischen Schuhen ablehnt. Es gibt so wenig, was sie von sich akzeptieren kann, aber besonders stolz ist sie auf ihr dichtes, lockiges rotes Haar, welches sogar ihren Mann zu faszinieren scheint.

Lieneke Dijkzeuls Thriller beginnt mit einem Überfall zu später Stunde. An der Haustür zu ihrer Wohnung wird die junge Kriminalbeamtin Renée Pettersen von einem Unbekannten hinterrücks attackiert. In der Wohnung kommt es zu einem Kampf auf Leben und Tod. Von den Kampfgeräuschen geweckt, klingelt ein Nachbar Sturm. Der Täter flieht.

Wenig später findet Kripomann Paul Vegter seine Kollegin blutüberströmt und bewusstlos. Stiche in Arm und Lunge, Schnittwunden auf ihrem Bauch. Über ihrer Schläfe klafft eine stark blutende Wunde, wo der Täter ein dickes Büschel Haare samt Kopfhaut entfernt hat. Renée hat rote Haare. Die Schnitte auf ihrem Bauch werden in der forensischen Nachbetrachtung als die römische Ziffer eins gedeutet. Sollte etwa dieser abgebrochene Angriff der Auftakt zu einer Mordserie sein?

Die Autorin erzählt ihre Geschichte aus drei Perspektiven: Jäger, Täter und potenzielles Opfer. Auch wenn die Rollenverteilung von Anfang an klar definiert ist, entwickelt sich Vor dem Regen kommt der Tod zu einem mitreißenden spannenden Plot. Es geht um Kontrolle und Kontrollverlust, um Stagnation und Wandlung, um Selbst- und Fremdbestimmung – letztendlich um Leben oder Tod.

So wie sich die Luft über der Stadt in diesem schwül-heißen Jahrhundertsommer beständig auflädt, die Menschen sich nach Abkühlung sehnen, den »Geruch des Regens« (so der niederländische Titel) schon zu spüren glauben, so verdichtet sich auch das Mörderspiel der Kontrahenten bis hin zum finalen Befreiungsakt.

Lieneke Dijkzeul ist eine erfahrene Autorin und eine exzellente Beobachterin, die mit den Abgründen ihrer Mitmenschen vertraut ist. Was wie ein übliches Serienmörderspektakel beginnt, wandelt sich schnell in ein Psychodrama mit realistischen Figuren. Mal nicht der geniale Mörder, der keine Spuren hinterlässt, sondern einer, der sich vor Angst und Erregung in die Hosen scheißt. Eine Frau, die sich der unbequemen Wahrheit über ihr Leben stellt; eine andere, die an einem Trauma zu zerbrechen droht. Ein Kommissar, dem mehr am Wohle einer strauchelnden Kollegin gelegen ist, als dass er sich Tag und Nacht an einem aussichtslosen Fall reibt. Menschen, halt.

Es ist nicht alles Gold, was in Dijkzeuls Roman glänzt. Dazu ist manches zu offensichtlich und Unterlassungssünden sind auch festzustellen, but nobody is perfect. Unterm Strich ist Vor dem Regen kommt der Tod eine reife Leistung, die vor allem durch ihr vitales Personal und einem ungewöhnlichen Szenario überzeugt. Eine Empfehlung!

Jürgen Priester, September 2011

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Krimi-Mietze zu »Lieneke Dijkzeul: Vor dem Regen kommt der Tod« 21.09.2014
"Vor dem Regen kommt der Tod"
von Lieneke Dijkzeul

Der Autorin gelang mit diesem Buch ein sehr glaubwürdiges Psychogramm der handelnden Personen.

Durch den Verlag wird auf dem Klappentext für meinen Geschmack fast zu viel verraten.
Dafür kann aber die Autorin nichts.

Sie versteht es von Anfang an, einen hohen Spannungsbogen aufzubauen und durchzuhalten.

Ich kann diesen richtig guten, interessanten Krimi aus den Niederlanden auf jeden Fall weiterempfehlen.
Möglicherweise wird das Buch durch sein spezielles Thema eher die weibliche Zielgruppe der Krimileserschaft ansprechen.
Mezzebill zu »Lieneke Dijkzeul: Vor dem Regen kommt der Tod« 24.02.2013
Anfangs dachte ich, die Autorin weicht von dem Schema ihres ersten Buches ab - und schreibt einen gewöhnlichen Thriller. Das hat sich dann schnell geändert. Wie auch in ihrem ersten Buch lässt die Autorin der Gerechtigkeit ihren ganz eigenen Lauf. Das ist es auch was mir besonders an ihren Büchern gefällt. Davon abgesehen überzeugt mich auch alles Andere - der Spannungsaufbau und die verschiedenen sehr realitätsnahen menschlichen Charaktere. Wieder ein sehr lesenswertes Buch!
Leseratte Brigitte zu »Lieneke Dijkzeul: Vor dem Regen kommt der Tod« 02.09.2012
Ich habe das Buch "Vor dem Regen kommt der Tod" gerade beendet und bin sehr beeindruckt. Die Handlung wurde immer spannender und berührt hat mich auch die ganz zart angedeutete hoffentlich "mögliche" Liebesgeschichte zwischen Reneé und Paul.
Alles in allem ein rundum gelungener Psychothriller, dabei auch gängig und eindrucksvoll geschrieben mit den drei wechselnden Perspektiven, was die ganze Geschichte nur noch interessanter macht! Das Beste, was ich seit langem gelesen habe! Dieses Buch kann ich jedem empfehlen, ich hoffe nun, dass das erste Buch von Lieneke Dijkzeul "Schweigende Sünde" annähernd so gut ist. Auf jeden Fall freue ich mich auf einen hoffentlich bald neu veröffentlichen Roman von dieser Schrift-stellerin!
Krimitante zu »Lieneke Dijkzeul: Vor dem Regen kommt der Tod« 26.05.2012
das beste was ich seit langem gelesen habe! ein subtil gespannter spannungsbogen vom anfang bis zum ende.
fein gezeichnete, realitätsnahe charaktere, an deren gedankengängen man regelrecht teilnimmt. handlungsorte die keine kulisse sind, sondern das geschehen wiederspiegeln. kein realitätsfremder, allzu ausgedachter plot, sondern eine nachvollziehbare geschichte, die allein durch die umsetzung, den aufbau an spannung gewinnt. sogar das wetter passt sich der handlung an. schon das erste buch um inspektor paul vegeter war ein lesevergnügen. dieser nachfolgeband (wobei man die beiden bücher völlig unabhängig voneinander lesen kann), aber übertrifft das thrillerdebüt der autorin nochmal um längen. 100&tig zu empfehlen! kein harter "knaller" sondern ein stiller gewinner.
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anyways zu »Lieneke Dijkzeul: Vor dem Regen kommt der Tod« 16.04.2012
Beim ersten Mal übt er noch und macht Fehler…

Deswegen hat die junge Kriminalistin Renée Pettersen schwer traumatisiert und u.a. mit einer Kopfschwartenverletzung überlebt. Renées Kollegen machen sich an die Aufklärung des Falles, da geschieht der zweite Überfall auf eine junge Frau, diese überlebt nicht und hier ist die Skalpierung erfolgreich. Beide Frauen verbindet bis auf dichtes, langes rotes Haar nichts…

Inspecteur Paul Vegter steht vor einem Rätsel, erschwerend kommt noch dazu, das es kaum aussagekräftige Zeugen für die Taten gibt. Vorsichtshalber lädt er Renée in seine Wohnung ein, um sie nach dem Krankenhausaufenthalt schützen zu können. Naja ganz uneigennützig geschieht auch dies nicht.



Ein ganz ordentlicher Thriller, der weniger von Schockelementen dafür mehr den psychologischen Aspekt berücksichtigt. Der Autorin kommt es eben nicht nur auf den blutigen Nervenkitzel an, sondern sie lässt sowohl Täter, Opfer und weitere Protagonisten zu Wort kommen. Diese erzählen die Geschehnisse aus ihrer Sicht und mit ihren Emotionen. Man weiß dann zwar von Anfang an wer sich hinter der Maske verbirgt aber Dijkzeul fabriziert ein ordentliches Katz-und Mausspiel, dem man leicht mit einer gewissen Spannung folgen kann. Gefallen hat mir auch ihre Recherche Arbeit hinsichtlich Medizinischer Kenntnisse und die Anwendung korrekter Fachtermini.



Ein großes Lob möchte ich diesmal der Übersetzung zollen, denn sie haben die im niederländisch so melodisch klingenden Anreden Mevrouw und Meneer nicht übersetzt.
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Corinna Pehla zu »Lieneke Dijkzeul: Vor dem Regen kommt der Tod« 01.03.2012
Ein Thriller aus den Niederlanden.

Eine junge Polizistin wird vor ihrer Haustür überfallen und findet sich schnell in einem Kampf mit dem Täter wieder. Durch einen Zwischenfall kommt der Mann allerdings nicht zum Ende seiner Tat und verletzt sein Opfer nur. Was sofort auffällt, er hat ihr dabei auch ein Stück ihrer roten Haare skalpiert.
Zunächst wirkt alles wie Fall aus Rache, allerdings gibt es schnell ein weiteres Opfer mit roten Haaren... und der Täter scheint noch nicht fertig zu sein.


Dieses Buch hat einen unheimlich starken Beginn. Dieser konnte mich bereits in der Leseprobe zum Buch sehr fesseln und meine Erwartungen waren dementsprechend hoch.

Auch die Erzählart hat mir gut gefallen, allerdings musste ich mich wirklich immer wieder daran erinnern, dass dieses Buch in den Niederlanden spielt und nicht etwa in Skandinavien. Ich denke aber das es daran lag, dass ich noch nie einen Thriller aus diesem Land gelesen habe.

Was mich dann beim Lesen aber doch gestört hat und was auch auf die Punktevergabe Einfluss hatte (es gab dafür einen Punkt weniger) war, dass das Ende unheimlich schnell kam. Der Fall war für die Polizei viel zu einfach und auch die andere Person, die ihn entschlüsseln konnte (wird aber nicht verraten wer dies ist), kam viel zu schnell auf das Motiv und den Täter. Und dabei ist es doch gerade spannend, wenn zumindest ein Part noch nicht sofort alles weiß.

Das man als Leser weiß wer hinter den Frauen her ist fand ich gut und das mag ich auch sehr gerne. Allerdings ist hier echt der Weg das Ziel und der hätte von meiner Seite aus gerne noch mindestens 50 Seiten vertragen können.

Ein Buch, welches bei mir im guten Mittelfeld gelandet ist.
Nur würde man mich nach einem spannenden Thriller fragen, würde ich es wahrscheinlich nicht empfehlen bzw. hätte ich es nicht mehr im Hinterkopf.
Baiba zu »Lieneke Dijkzeul: Vor dem Regen kommt der Tod« 25.01.2012
Auf eine Inhaltsangabe und den Handlungsaufbau verzichte ich. Das genügt, wenn es die krimi-couch-Rezensenten tun.
Ich tat mich nach dem ersten Kapitel etwas schwer. War mir nicht sicher, ob ich dran bleiben möchte, da mich die Kampfszene zu sehr an einen showdown
á la hollywood erinnerte.Zu viele Details.
Aber ich las weiter und wurde belohnt fürs Durchhalten. Der Roman entwickelt ganz langsam eine wunderbare Dramatik und es gefiel mir sehr, wie sich die Hauptpersonen entwickelten. Die Autorin überzeugte mich in erster Linie durch diese feinen Charakterzeichnungen. Hier und da gab es durchaus unlogische Abläufe ( Vivienne, die doch eigentlich mit den öff. Verkehrsmitteln fuhr und im nächsten Kapitel dann plötzlich im eigenen Wagen sitzt und wartet..da hab ich hin-und hergeblättert, aber fand keinen Hinweis, wie sie auf einmal dorthin gelangte. Dann blieb unklar, was sie Tage vor dem bestimmten Zusammentreffen auf dem Parkplatz vom Hochhaus eigentlich auf dem Laubengang tat?? Ich hatte vermutet, sie hätte dort etwas versteckt...Wurde aber nie geklärt.) Wie dem auch sei: man darf auf den nächsten Krimi gespannt sein. Vielleicht werden dann auch so kleine Fehler im Ablauf vom Lektor bemerkt ;-))
allegra zu »Lieneke Dijkzeul: Vor dem Regen kommt der Tod« 04.11.2011
Mit „Vor dem Regen kommt der Tod“ ist Lieneke Dijkzeul ein sehr guter Start auf dem Krimi/Thriller Buchmarkt gelungen. Ich fühlte mich gleich ab der ersten Seite von der, aus verschiedenen Perspektiven erzählten Geschichte angezogen.

Der Roman setzt mit einer eindrücklich beschriebenen Kampfszene ein zwischen der Polizistin Renée Petterson und dem Täter. Danach flacht die unmittelbare Spannung etwas ab und verlagert sich subtil auf eine psychologische Ebene zwischen der Galeristin Vivienne und ihrem Ehemann John, der zusammen mit seinem Partner seine eigene Werbeagentur führt.

Vivienne und Renée entwickeln sich in gewisser Weise in entgegen gesetzter Richtung. Renée, die selbstbewusste, Nahkampf erprobte Polizistin wird durch den Überfall verletzlich und vorübergehend von ihrem Kollegen Paul Vegter abhängig, während Vivienne an Selbstvertrauen und Kraft gewinnt und sich von der weinerlichen Kindfrau, wie sie ihr Mann John einmal beschreibt, zur überlegenen Gegnerin entwickelt.

Es handelt sich bei diesem Buch um keinen typischen „whodunit“-Krimi. Der Leser kennt die Identität des Täters sehr früh und es wird auch sehr bald klar, wer das finale Opfer sein wird. Für mich ist das Buch gar nicht eindeutig in ein Genre einzuordnen. Für einen Thriller fehlt mir die durchgehend hohe Spannung, für einen Krimi habe ich nicht genügend Unsicherheiten zum Mitraten. Ich würde es eher als ein Psychodrama sehen, das für mich sehr angenehm zu lesen war.

Die Handlung verläuft sehr geradlinig, es gibt keine unnötigen Nebenschauplätze. Die wenigen Personen sind sehr genau beschrieben und glaubhaft charakterisiert. Mir hat auch sehr gut gefallen, wie die Autorin mit dem Wetter spielt. Der Ablauf des Dramas reflektiert sich im schwülwarmen Sommerwetter, das sich am Ende in einem Gewitterregen entlädt.

Ein spannender Psychothriller der leiseren Töne.
€nigma zu »Lieneke Dijkzeul: Vor dem Regen kommt der Tod« 12.10.2011
Inhalt

Die rothaarige Polizistin Renée Pettersen wird eines Nachts vor ihrer eigenen Haustür von einem maskierten Mann überfallen. Nur durch glückliche Umstände überlebt sie den Überfall mit schweren Verletzungen. Ihre Kollegen, allen voran Inspektor Paul Vegter, der -seit zwei Jahren verwitwet - nicht nur beruflich, sondern auch privat an Renée interessiert ist, ermitteln zunächst im Hinblick auf das Tatmotiv "Rache" und durchforsten Renées Fälle der letzten Zeit. Erst als es zu einem weiteren, diesmal tödlichen Überfall auf eine Studentin kommt, gehen die Ermittlungen in eine neue Richtung: die Studentin war ebenfalls rothaarig und sie wurde skalpiert, wie es auch bei Renée versucht wurde. Außerdem ist ihr mit einem Messer die römische Zahl II auf den Bauch geritzt worden, Renées Bauch hatte eine zunächst nicht eindeutig erkannte I aufgewiesen. Vegter und seine Kollegen sind einerseits erleichtert, weil es sich offenbar nicht um einen Angriff speziell auf Renée gehandelt hat, andererseits haben sie es jetzt mit einem psychisch Gestörten zu tun, der einen Hass auf rothaarige Frauen hat und der Nummerierung seiner Opfer nach noch weitere Taten plant.
Rothaarig ist auch die 37-jährige Galeristin Vivienne, die die Zeitungsberichte über die Überfälle mit Unbehagen verfolgt. Die äußerst wohlhabende Frau ist seit einem Jahr mit dem attraktiven, einige Jahre jüngeren John verheiratet. Sie leidet an mangelndem Selbstwertgefühl, da sie nicht gerade dem gängigen Schönheitsideal entspricht und außerdem wegen ihrer Gehbehinderung, die die Benutzung eines Gehstocks erfordert, sehr gehemmt ist. Sie fragt sich, welche Reize sie für John gehabt hat und verdächtigt ihn der Untreue. Um sich Gewissheit zu verschaffen, beginnt sie, ihn zu beschatten und bald beschleicht sie der Verdacht, dass er noch wesentlich Schlimmeres zu verbergen hat.

Aufbau

"Vor dem Regen kommt der Tod" erzählt die Romanhandlung aus wechselnden Perspektiven. Der Einstieg lässt den Leser unmittelbar zum Zeugen von Renées Kampf um ihr Leben werden und entspricht damit einem gängigen Thriller. Anschließend beschäftigen sich die Kapitel abwechselnd mit den Ermittlungen der Polizei, mit der allmählich vertrauter werdenden Beziehung zwischen Paul Vegter und Renée, die auch nach ihrer physischen Genesung psychisch sehr labil und bis ins Innerste verunsichert ist und mit der Ehe von Vivienne und John.
Im Gegensatz zu den Romanfiguren kennt der Leser bereits den Täter und muss sich nur noch über das Motiv der Mord(versuch)e klar werden.
Dieser etwas andere Ansatz nimmt dem Krimi jedoch keineswegs die Spannung. Es ist atemberaubend, mitzuverfolgen, wie die sympathische Vivienne zwischen Hoffnung und Verzweiflung hin und herpendelt und nach einem Ausweg aus ihrem Dilemma sucht. Zum Ende hin werden die Kapitel immer kürzer und der Perspektivwechsel immer rasanter.

Meine Beurteilung

Dieser Krimi, den man mit Recht auch als Psychothriller bezeichnen kann, bietet ein eigentlich recht gängiges Motiv im neuen Gewand dar. Die Figuren sind keine Superhelden, sondern realistisch als ganz normale Menschen dargestellt, auch die Handlung ist glaubwürdig und beruht auf soliden Ermittlungen, wobei die Ermittlungen der Ehefrau Vivienne mich qualitativ mehr beeindruckt haben als die der Polizei.
"Vor dem Regen kommt der Tod" ist ein unglaublich spannendes Buch, das sich von der Masse des Genres erfreulich abhebt. Sowohl Freunde üblicher (blutiger)Thriller als auch Fans eher psychologisch ausgerichteter Krimis können sich von diesem Roman angesprochen fühlen. Für mich war es das erste, aber sicherlich nicht letzte Buch, das ich von dieser Autorin gelesen habe/lesen werde.
subechto zu »Lieneke Dijkzeul: Vor dem Regen kommt der Tod« 05.09.2011
Rote Haare

Drei Kapitel, drei Handlungsstränge, drei Perspektiven:

I. Am Ende eines schwülen Sommertages wird die junge Polizistin Renée Pettersen vor ihrer Haustür überfallen. Ein Angriff, den sie nur knapp überlebt.

II. Inspektor Paul Vegter, den Renée mit letzter Kraft anrufen konnte, findet seine Kollegin. Sie wurde niedergestochen und fast skalpiert.

III. Lieneke Dijkzeul schildert uns Einblicke in das Leben und die Gedanken des Täters nach der Tat. Genau wie Renée, hat die Frau des Täters rote Haare! Liegt hier das Motiv?

Schnell entdeckt die Polizei anhand von Fotos, dass Renée eine römische I in die Haut geritzt wurde. Dem nächsten Oper, eine Studentin, sie hatte ebenfalls rote Haare, wurde die Ziffer II eingeritzt...

Mit "Vor dem Regen kommt der Tod" hat die Autorin meines Erachtens einen sehr spannenden Psychothriller geschrieben. Wie so oft, fände ich den Originaltitel treffender. Er lautet übersetzt "Der Geruch von Regen". Und das spiegelt die Atmosphäre viel besser wider: genauso wie die Tage zunehmend heißer und schwüler werden, bis die Spannung sich durch den Regen entlädt, wird die Schlinge um den Hals des Täters immer enger.

Der Mörder ist recht früh bekannt, aber sein Motiv bleibt lange im Dunkeln. Stattdessen schildert Lieneke Dijkzeul aus der Sicht des Täters dessen Taten. Was er hierbei denkt, hat die Autorin recht makaber und wirklich witzig beschrieben. Sie ist ja eine Frau und berichtet quasi aus der Perspektive des Täters, der ein Mann ist, über ihre eigenen Geschlechtsgenossinnen. SUPER!

Parallel hierzu gibt es einen Handlungsstrang, der dieselbe Geschichte aus Sicht der Galeristin Vivienne erzählt. Sie ist die Frau des Killers und wandelt sich vom braven Mäuschen zur kämpferischen Rachegöttin. GENIAL!

Nebensächlich erscheint für mich dagegen die Geschichte eines anderen Paares: Renée und Paul. Das Ende lässt jedenfalls auf eine Fortsetzung hoffen.

Interessant finde ich bei niederländischen Romanen immer die Anreden: Inspecteur, Mevrouw oder Meneer, u.a. auch bei C.C. Fischer und Ch. den Tex. Da scheint es irgendeine Absprache zu geben, dass das nicht übersetzt wird.

Insgesamt ein fantastischer Krimi, mit einem tollen Erzählstil, der sich schnell und gut lesen lässt. Somit eine glatte 1 und 5*!
Ihr Kommentar zu Vor dem Regen kommt der Tod

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