Das Medaillon von Leonid Jusefowitsch

Buchvorstellung

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2001 unter dem Titel Dom Svidanij, deutsche Ausgabe erstmals 2004 bei Goldmann.
Ort & Zeit der Handlung: St. Petersburg, 1870 - 1889.
Folge 2 der Iwan-Putilin-Serie.

  • -: ?, 2001 unter dem Titel Dom Svidanij. 352 Seiten.
  • München: Goldmann, 2004. Übersetzt von Alfred Frank. 352 Seiten.

'Das Medaillon' ist erschienen als

In Kürze:

Das Verschwinden einer alten Dame und der Giftmord an einer hoch gestellten St. Petersburger Persönlichkeit machen Iwan Putilin zu schaffen. Zwischen den beiden Ereignissen scheint es einen Zusammenhang zu geben, denn bei der verschwundenen Frau handelt es sich um die Mutter des Ermordeten. Die Spuren führen den Polizeichef ins Nachtleben von St. Petersburg und immer wieder zu einem geheimnisvollen Gegenstand: einem Medaillon, das Iwan Putilin zunächst unlösbare Rätsel aufgibt …

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Leo1 zu »Leonid Jusefowitsch: Das Medaillon« 14.11.2017
Mein erstes Buch von dem Autor. Die Einführung ist original, aber andererseits zögerlich und überflüssig. Ab und zu gibt es philosophische Überlegungen, die für meinen Geschmack manchmal zu anstrengend waren. Schließlich ist das Buch ein Krimi, aber der Schreibstil ist auf jeden Fall ein ganz besonderer. Ich hatte das Gefühl, es geht es nicht nur um die Frage, wer der Täter ist, sondern um die Schilderung eines Landes und deren Kultur, der Glauben und Verhältnisse seiner Leute mit einem Hauch Geschichte. Das private Leben des Ermittlers sowie seine Arbeitssituation sind realistisch übertragen worden. Ich konnte mir vorstellen, dass die Verhältnisse tatsächlich den wahren entsprechen. Die Handlung passiert in der Nachbarschaft, man bekommt das Gefühl, es könnte auch seine eigene sein. Obwohl die Spannung nicht so hoch die ganze Zeit war, das Lesen hat sich aufgrund des originalen Schreibstils gelohnt. Und das Ende des Buchs finde ich auffrischend schön.
Carla Kolumna zu »Leonid Jusefowitsch: Das Medaillon« 23.09.2012
Autor Leonid Jusefowitsch gehört ja mittlerweile zur ersten Garde russischer Krimiautoren und genießt in seiner Heimat beinahe Kult-Status. Der studierte Historiker arbeiet bis heute als Geschichtslehrer in Moskau und profunde Kenntnisse der russischen Geschichte durchziehen wie ein feines belesenes Band den Roman, ohne oberlehrerhaft zu wirken. Dankenswerterweise hat sich der Übersetzer die Mühe gemacht, für deutsche Leser zu unbekannte Fakten der russischen Geschichte und Kunstgeschichte mit einem Sternchen als Fußnote zu erklären. Das erleichtert die Lektüre und macht zudem Lust besonders interessante Details näher nachzuschlagen.

Jusefowitsch geht das Werk mit Verve und sehr viel Sinn für St. Petersburger Lokalkorolit und schrägen Humor an. Die Palette reicht dabei von liebevollen Beobachtungen bis zu gehässigen Kommentaren. Manchmal schlägt der Sarkasmus Kapriolen, wenn es etwa heißt: " Der Atheismus, die Angst vor der Syphilis und die Verehrung der Frau gehen stets Hand in Hand." Gelegentlich wird das einfach zu viel, wenn ein Bonmot das andere jagt, sprachlich ist das alles sehr geschliffen, seinen Tolstoi und seinen Gogol hat Jusefowitsch wohl gelesen.

Aufgefangen wird der manchmal überbordende Bildungsballalast durch sehr amüsante Milieuschilderungen etwa in Bordellen und Stundenhotels sowie in typischen St. Petersburger Mietshäusern, wo sich Altgläubige und Neugläubige, Atheisten und Anarchisten, Deutschstämmige und Juden gegenseitig auf die Nerven gehen und das Leben schwer machen. Der Geniestreich, die Handlung mit rafinierten Zeitsprüngen in die 1850er bis 1890er Jahre zu verlegen und dennoch immer das Russland von heute mit zu meinen, schützt ein despektierlich schreibenden russischen Autoren auch vor der Zensur. Das Lokalkolorit bekommt er großartig hin. Geschickt auch der Kniff, in einer Rahmenhandlung den in Rente gegangenen Ermittler Putilin auf seinem Altersruhesitz bei Nowgorod einem Ghostwriter, dem etwas einfältigen Ich-Erzähler des Romans, seine Memoiren, zu denen der Fall Das Medallion gehört, in die Feder zu diktieren, gewürzt mit bissigen Nebenbemerkungen, die nichts und niemanden schonen.

Genial ist die Erfindung des russischen Ermittlers Putilin. Sowohl Assoziationen an Hercule Poirot als auch Putin stellen sich ein und sind vermutlich erwünscht. Er hat ein weiches Herz , ein scharfes Auge und einen wachen Verstand, neigt zur Hysterie und zur Überheblichkeit und Selbsgefälligkeit wie zur Melancholie gleichermaßen, verachtet die Frauen, liebt die Tiere, den russischen Herbst und seinen Sohn. Und der liest mit 10 Jahren schon Zola und quält gleichzeitig gerne Zeisige und andere Haustiere. Jedenfalls ein sehr eigener und sehr erfrischender, wenn auch zuweilen anstrengender Tonfall im großen Krimi-Einerlei der Gegenwart. Bestimmt werde ich mehr Bücher von Jusefowitsch lesen.
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