Handel der Gefühle von
Buchvorstellung und Rezension
Bibliographische Angaben
Originalausgabe erschienen 1994
unter dem Titel Vientos de cuaresma,
deutsche Ausgabe erstmals 2004
bei Unionsverlag.
Ort & Zeit der Handlung: Kuba / Havanna, 1990 - heute.
Folge 2 der Mario-Conde-Serie.
- Havanna: Unión, 1994 unter dem Titel Vientos de cuaresma.
- Barcelona: Tusquets, 2001.
- Zürich: Unionsverlag, 2004.
'Handel der Gefühle' ist erschienen als
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In Kürze:
In den höllischen Tagen des kubanischen Frühlings kommen zusammen mit der Fastenzeit auch die heißen Südwinde. Leutnant Mario Conde, der erst vor kurzem Karina kennen gelernt hat, eine strahlend schöne Frau, die sich für Jazz und Saxofon begeistert, wird mit einer heiklen Untersuchung beauftragt. Eine junge Chemielehrerin der Schule, an der auch Conde gewesen war, wurde ermordet in ihrer Wohnung aufgefunden, in der auch Spuren von Marihuana entdeckt werden. Conde dringt in eine Welt ein, die sich im Verfall befindet, wo Strebertum, Vetternwirtschaft, Drogen und Betrug blühen. Er verliebt sich leidenschaftlich in Karina, die ihm so unverhofft begegnet ist, ohne etwas vom tragischen Ausgang dieser Liebesgeschichte zu ahnen.
Padura’s Havanna-Quartett ist eine Serie für ganz besondere Momente. Für Momente voller Charme und Emotion, und ganz besonders für die Momente, in denen wir gerne in Erinnerungen schwelgen, denn hier zeigt uns Padura, mit wie viel Herzblut wir uns an die Ideale unserer Vergangenheit klammern können.
Padura lässt seinen Helden Mario Conde sehr oft an die glorreichen Tage seiner Jugend erinnern. An seine große Jugendliebe Tamara (wie im ersten Teil der Serie) oder an die Gemeinschaft seiner Schulfreunde, allen voran der Dünne Carlos, der damals auch wirklich noch dünn war. Wehmütig sind diese Erinnerungen. Der Blues der Karibik erklingt aus der Feder des kubanischen Autoren und wenn man die Erinnerungen des Protagonisten an den eigenen Großvater liest, tritt automatisch einer der Opis aus dem Buena Vista Social Club auf die Bühne.
Frühlingsgefühle
Bezeichnend, dass der Roman am Aschermittwoch des Jahres 1989 beginnt. El Conde ist seit drei Tagen in Gedanken bei der schönen Karina, einer jungen und geheimnisvollen Saxophonspielerin. Der Frühling, das ist die richtige Zeit um sich zu verlieben, weshalb auch ein Mario Conde ins Schwärmen gerät. Gegenüber dem dünnen Carlos, der früher noch dünn war, kennt er kein anderes Thema mehr. Noch während sich El Conde auf ein Wiedersehen am nahenden Wochenende freut, erhält er einen neuen Fall: Eine junge Lehrerin ist in ihrer Wohnung ermordet worden. Es scheint nichts gestohlen worden zu sein, aber in der Toilette findet die Spurensicherung die Reste eines Joints.
Die ist die einzige Spur, die der Tatort bietet und auch am Arbeitsplatz der Lehrerin, zufällig auch El Condes ehemalige Schule, erreicht der Teniente nichts. Aber ist das denn überhaupt wichtig, wenn man sich mit einer talentierten jungen Bläserin – ähem, Saxophonistin – trifft?
Sieg der Erinnerungen
Die Mischung macht beim Havanna-Quartett die Musik. Es ist aufwühlend, wie der kubanische Autor Leonardo Padura einen klassischen Whodunit mit Passagen voller Melancholie, Tränen und großer Gefühle bereichert. Auch wenn zeitweise die Kriminalhandlung in den Hintergrund tritt, so findet jede der zahlreichen Rückblenden und romantisch gefärbten Erinnerungen eine ästhetische Rechtfertigung. Man möchte weder die Passagen über den Großvater, der die Hähne zum Kampf abrichtete, noch die Abendessen beim dünnen Carlos, der früher wirklich einmal dünn war, vermissen.
Aber die vier Romane des Havanna-Quartetts sind mehr. Neben einem Krimi, neben verträumter Nostalgie, bieten sie ein desillusioniertes Bild Kubas im Jahre 1989. Eben dieses Jahr ist nicht nur das Jahr der Maueröffnung in Deutschland oder des Falles des eisernen Vorhangs gewesen. Auch in Kuba stellt es einen gesellschaftlichen Wendepunkt dar. In diesem Jahr werden eine Reihe angesehener Politiker wegen Drogenhandel und Korruption verurteilt, während sich Castro zeitgleich ziemlich allein im Kreise seiner ehemaligen kommunistischen Bruderstaaten vorkommen muss. Padura zeigt die Auswirkungen einer heruntergekommenen Wirtschaft und dem Streben der Menschen nach all den schönen Sachen, die ins Land geschmuggelt werden müssen. Er zeigt auch, wie Vetternwirtschaft und Korruption das schöne brüderlich-gleiche System unterwandern und wie weit zu gehen die Menschen für den eigenen Vorteil bereit sind. Und Padura macht das so gut, dass er für die gesamte Tetralogie nicht nur im Ausland, sondern auch in Kuba mit Preisen geehrt wurde.
Thomas Kürten, Februar 2008
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| K.-G.Beck-Ewe zu »Leonardo Padura: Handel der Gefühle« | 27.03.2005 |


