Ein perfektes Leben von Leonardo Padura

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1991 unter dem Titel Pasado perfecto, deutsche Ausgabe erstmals 2005 bei Unionsverlag.
Ort & Zeit der Handlung: Kuba / Havanna, 1970 - 1989.

  • Guadalajara, Mexiko: EDUG, Dirección de Publicaciones, Universidad de Guadalajara, 1991 unter dem Titel Pasado perfecto. 189 Seiten.
  • Zürich: Unionsverlag, 2003. Übersetzt von Hans-Joachim Hartstein. ISBN: 329300315X. 288 Seiten.
  • Zürich: Unionsverlag, 2005. ISBN: 3293203442. 269 Seiten.
  • Zürich: Unionsverlag, 2015. ISBN: 978-3293206878. 332 Seiten.
  • [Hörbuch] Frechen: Delta Music, 2006. Gesprochen von Martin Armknecht. Bonus-CD Ritmo de Cuba (original kubanische Musik). ISBN: 386538210X. 4 CDs.
  • [Hörbuch] Grevenbroich: LifeTime, 2016. Gesprochen von Martin Armknecht. ISBN: 3939121797. 1 CDs.

'Ein perfektes Leben' ist erschienen als HardcoverTaschenbuchHörbuch

In Kürze:

Teniente Mario Conde hat noch einen furchtbaren Kater von der Silvesterfeier. Doch als er trotz freien Wochenendes von seinem Chef den Auftrag erhält, ein verschwundenes hohes Tier aus der kubanischen Nomenklatura zu suchen, merkt er bald, dass es sich bei dem Verschwundenen um Rafael Morín handelt, einen Schulkollegen. Schlagartig kommen die Erinnerungen an die gemeinsame Schulzeit zurück: Der Mann mit der blütenweißen Weste, der zuverlässige Genosse, war schon damals ein Musterschüler, der immer das bekam, was er wollte - auch Mario Condes Freundin Tamara. Aber in Rafael Moríns perfektem Leben gibt es ein paar verdächtige Momente, die genauer zu untersuchen sich lohnt. Dabei muss sich Mario Conde der verlorenen Liebe zu Tamara stellen - und gleichzeitig den Träumen und Illusionen seiner eigenen Generation.

Das meint Krimi-Couch.de: »Alle Genossen sind gleich - aber einige sind gleicher als andere« 80°

Krimi-Rezension von Thomas Kürten

Vier Jahreszeiten, vier Kriminalfälle, vier Mal Kuba. Im kritischen Lichte eines zur Melancholie neigenden, wundervollen Erzählers: Leonardo Padura benutzt in seinem Havanna-Quartett den Kriminal-Roman, um ein vielschichtiges Bild der kubanischen Gesellschaft im Jahre 1989 aufzunehmen. Mit »Das perfekte Leben« startet er in die Jahreszeit Winter und beginnt eine sehnsuchts- und erinnerungsreiche Reise durch Kuba.

Der Teniente Mario Condo soll das Verschwinden von Vizeminister Rafael Morin aufklären. Dessen Spuren verlieren sich nach der Silvesternacht. Für Condo gestaltet sich die Suche auch zu einem Ausflug in seine eigene Jugend, da Morin nicht nur sein Schülersprecher war, sondern auch der Freund seines großen Jugendschwarmes Tamara. Während sich Condo und seine Kumpels noch ersten pubertären Phantasien hingaben und den Reichtum im Hause der Diplomatentochter gar nicht so recht begreifen konnten, machte nämlich Morin Nägel mit Köpfen und war bald schon mit Tamara verheiratet. Während der gesamten Ermittlungen ist Condo hin- und hergerissen - und das auf so plakativ wundervolle Weise - ob er nun wirklich nach Morin suchen oder lieber alle Spuren im Sande verlaufen lassen soll, auf dass er ewig verschwunden bleibe.

Neider unter den Genossen?

Und mit Condo lernt der Leser die Gegensätze kennen, die im kommunistischen Kuba herrschen. Die Armut und Bescheidenheit, in der er selber und seine alten Schulfreunde leben müssen, und aus der ursprünglich auch der Vermisste stammte. Vizeminister Morin hat es in der Partei weit gebracht und lebt mit Tamara in üppigem Wohlstand. Dabei hat der treue Genosse viele Reichtümer auf seinen Geschäftsreisen ins kapitalistische Ausland gesammelt. Wie konnte er das mit seinem doch stets knappen Reisebudget vereinbaren? Gibt es Besitzneid im kommunistischen Kuba: hier das Leben der einfachen Leute, die sich oftmals mit Kleinkriminalität über Wasser halten müssen, dort das luxuriöse Leben der korrupten Führungselite. Liegt hier der Grund für sein Verschwinden?

Herrlich die Reflexionen Condos, der sich an alte Schulzeiten, Literaturkurse, Baseballspiele und Partys bei der schönen Tamara erinnert. Herrlich seine Zusammenkünfte mit Freunden, der eine ein gescheiterter Schriftsteller, der andere ein invalider Kriegsveteran aus Angola. Herrlich seine Liebe und Hingabe zum anderen Geschlecht. Und das wunderbarste von alledem: die Leichtigkeit in der Erzählweise des Autors, mit der die Melancholie, aber auch die Lebenslust des Alltags in Havanna so treffend beschrieben wird. Die eindrucksvollste Erinnerung betrifft dabei die Veröffentlichung einer Schülerzeitschrift mit Abdruck von Texten aus einer Literaturarbeitskreis: Wie hier die Gedankenfreiheit der noch so unschuldig wirkenden Schüler mit Füßen getreten wird, geht dem Leser regelrecht unter die Haut.

Dass die Kriminalhandlung dabei eher von untergeordneter Bedeutung ist, tut der Qualität des Romans keinen Abbruch. Hauptaugenmerk des Autors liegt wirklich auf der Beschreibung einer Gesellschaft, die an ihren Idealen gescheitert ist. Die Kritik überlässt Padura dabei seinen Lesern - und die wollen auch die anderen Jahreszeiten in Havanna kennen lernen.

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Jossele zu »Leonardo Padura: Ein perfektes Leben« 28.01.2014
Als Krimi ist das Buch wenig spektakulär, ja nicht einmal richtig spannend. Aber als Geschichte über das Leben des Teniente Mario Conde in Kuba aber äußerst gelungen. In Rückblenden wird ein Teil der Vergangenheit von Conde beleuchtet, die bis in die Gegenwart hinein ihre Wirkung entfaltet, so bei der "Bruderschaft" mit dem "Dünnen", der nicht mehr dünn ist, mit seiner Jugendliebe und den Problemen des Lebens im sozialistischen Kuba. 80°
Anja S. zu »Leonardo Padura: Ein perfektes Leben« 19.02.2011
Ich kann mich den vorherigen Rezensenten nur anschliessen: das Buch hier ist als Krimi betrachtet nur mäßig spannend, eher behäbig erzählt und auch die Auflösung nur mäßig originell. Allerdings ist dieses Buch viel mehr als ein Krimi, es schildert eindrucksvoll die Lebensumstände in Kuba und durch die Rückblicke auch die des Kubas vor 20 Jahren. Das macht einfach Lust auf mehr, wer jedoch einen richtigen Krimi oder gar Thriller sucht, ist mit diesem Buch nicht gut bedient.
Kinsey zu »Leonardo Padura: Ein perfektes Leben« 22.11.2008
In diesem Buch bildet die Krimihandlung – einflußreicher Funktionär, den der Ermittler zufälligerweise aus gemeinsamen Schuljahren kennt und der sich dessen Jugendliebe geschnappt hat, ist verschwunden und wird später tot aufgefunden, Aufdeckung von Korruption usw. – nur die Klammer, die alles zusammenhält. Im Vordergrund steht dagegen vielmehr Leben und Lebensgefühl im Kuba des ausgehenden 20. Jahrhunderts. Voller Zärtlichkeit, Wehmut und Melancholie beschreibt der Autor sein Heimatland, ohne in Nostalgie zu schwelgen oder die Verhältnisse zu verklären, aber auch ohne zu jammern oder anzuklagen. Der Kniff mit den Jugenderinnerungen erlaubt ihm, nicht nur eine Momentaufnahme des Landes zu zeichnen, sondern einen längeren Zeitraum zu betrachten. Seine Hauptfiguren sind dabei absolut authentisch und liebenswert.
Mein Fazit: Ein Lesevergnügen, bei dem Lachen und Weinen sehr nahe beieinander liegen. Und das einem Lust auf mehr macht. Auf mehr Kuba. Und auf mehr Padura.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
mylo zu »Leonardo Padura: Ein perfektes Leben« 10.10.2008
Wenn man lediglich mit den Erwartungen eines Krimis an den ersten Teil "Ein perfektes Leben" herangeht ( ich habe übrigens die Komplettausgabe mit den 4 Romanen in einem Buch) muss man feststellen, dass es von der Story, der Spannung her ein eher mittelmäßiger Kriminalroman ist.
Aber das Buch ist weit mehr, es beschreibt uns das Kuba mit seinen nostalgischen Überresten und der Wahrheit die sich durch das Regime ergibt. Und es ist schon erstaunlich wie viel Parallelen es zur DDR gibt. Ein zweites ist die Sprache von Padura, die zu lesen schon ein Genuss für sich selbst ist. Ich bereue den Kauf nicht und gebe 80 Punkte.
mylo zu »Leonardo Padura: Ein perfektes Leben« 10.10.2008
Wenn man lediglich mit den Erwartungen eines Krimis an den ersten Teil "Ein perfektes Leben" herangeht ( ich habe übrigens die Komplettausgabe mit den 4 Romanen in einem Buch) muss man feststellen, dass es von der Story, der Spannung her ein eher mittelmäßiger Kriminalroman ist.
Aber das Buch ist weit mehr, es beschreibt uns das Kuba mit seinen nostalgischen Überresten und der Wahrheit die sich durch das Regime ergibt. Und es ist schon erstaunlich wie viel Parallelen es zur DDR gibt. Ein zweites ist die Sprache von Padura, die zu lesen schon ein Genuss für sich selbst ist. Ich bereue den Kauf nicht und gebe 80 Punkte.
K.-G.Beck-Ewe zu »Leonardo Padura: Ein perfektes Leben« 05.05.2007
Die Geschichte stellt uns nicht nur die sehr interessanten Figuren dieses Quartetts vor – und eine Menge ihrer Hintergründe – sondern sie gibt den Leserinnen und Lesern in ihrer Sprache und ihrer Erzählweise einen Einblick in das Leben auf Kuba, wie es sich einem der Stützen dieses Lebens darstellt, der ein Mann ist, der viele gute Qualitäten mit einigen lässlichen Sünden verbindet und einfach Sympathien erwecken muss, selbst wenn man seinem Denken nicht in allem zustimmen mag. Und hier zeigt sich die tiefere Qualität dieses Romans, der die negativen Seiten Kubas zeigt, durch die Augen von jemanden, der diese als Teil seines normalen Lebens begreift und dadurch ein besseres Verständnis und eine größere Fairness in die Kritik einbringt, als es eine einfache Satire jemals erreichen könnte.

Das Buch endet mit einem kurzen Interview mit dem Autoren, in dem dessen professioneller Weg und seine Grundhaltungen teilweise dargelegt sind – wodurch auch einige Aspekte der gerade gelesenen Geschichte noch einmal neu deutbar werden.
2 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
TobiTobsen zu »Leonardo Padura: Ein perfektes Leben« 21.03.2006
Dieses Buch, eine gute (natürlich kubanische) Cigarre und die Rhythmen von Compay Segundo kommen schon sehr nahe an den Buch-Titel "Ein perfektes Leben" heran.

Padura schreibt ungeschmickt, auch über die Schattenseiten des Inselstaats, ohne eine Wertung abzugeben.

Die nächsten drei Folgen werde ich für den nächsten Cuba-Urlaub aufbewahren...
K.-G.Beck-Ewe zu »Leonardo Padura: Ein perfektes Leben« 27.03.2005
Dies ist der erste Band des Havanna-Quartetts von Leonardo Padura (Unionsverlag, ISBN 3-293-00315-X). Hier lernen wir um einen Fall um das Verschwinden eines ehemaligen Schulkameraden Mario Condes den Teniente selbst und seine Welt und seine Träume kennen, sowie seinen üblichen Partner Manolo, seinen Chef und das Kuba, das er liebt und durch seine Arbeit zu schützen versucht. Und dessen Vorzüge - aber auch Nachteile - er als naturgegeben hinnmmt und nie offensichtlich hinterfragt. Was die Leserinnen und Leser selbst zu entsprechenden Fragen führen muss.
Die Sprache ist dabei sehr musikalisch und stellenweise fast tänzerisch, was dem Roman eine ganz eigene ästhetische Qualität gibt und einen beinahe vergessen lässt, dass man einen gesellschaftskritischen Kriminalroman liest. Ein wunderbares Leseerlebnis.
2 von 3 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Marianna zu »Leonardo Padura: Ein perfektes Leben« 06.11.2004
Ich habe das Buch leider noch nicht ganzlesen können, aber ich habe es mir vorige Woche gekauft und warte schon sehnsüchtig darauf, es endlich zu Ende lesen zu können! Nur im Moment machen die Kinder da einfach nicht mit.. Ich habe die ersten Seiten verschlungen, das Buch ist einfach nur toll, besser als alles, was ich in meinem bisherigen Leben- welches immerhin schon 42 Jahre existiert- gelesen habe!! Ich kann Ihnen das Buch wirklich nur empfehlen, ein wirklich gutes Stück, welches wirklich einen Buchpreis verdient hat!!!
0 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
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