Adiós Hemingway von Leonardo Padura

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2001 unter dem Titel Adiós Hemingway, deutsche Ausgabe erstmals 2006 bei Unionsverlag.

  • Havanna: Unión, 2001 unter dem Titel Adiós Hemingway. 192 Seiten.
  • Zürich: Unionsverlag, 2006. Übersetzt von Hans-Joachim Hartstein. ISBN: 978-3293003620. 192 Seiten.
  • Zürich: Unionsverlag, 2008. Übersetzt von Hans-Joachim Hartstein. ISBN: 978-3293204096. 192 Seiten.

'Adiós Hemingway' ist erschienen als HardcoverTaschenbuchHörbuch

In Kürze:

Die kubanische Polizei ist beunruhigt und will um jeden Preis die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit vermeiden. Doch auf Kuba gibt es nur einen, der diesem Fall gewachsen ist: Ex-Polizist Mario Conde. Im Zuge seiner Recherchen durchlebt Conde das Drama von Hemingways letzten Tagen in Kuba. Er befragt ehemalige Angestellte und alte Weggefährten und findet schließlich ganz unerwartet die Lösung für Hemingways letztes Geheimnis, nicht zuletzt dank Ava Gardners schwarzem Spitzenhöschen.

Das meint Krimi-Couch.de: »Interessant für Hemingway-Freunde, für Liebhaber von Padura sowieso« 70°

Krimi-Rezension von Wolfgang Reuter

Der kubanische Schriftsteller Leonardo Padura wurde in Europa durch seinen bereits legendären vierteiligen Romanzyklus »Das Havanna-Quartett« um den eigenwilligen Polizisten Mario Conde bekannt. Wie bereits ausführlich in der Krimi-Couch besprochen, handelt es sich dabei um eine vielschichtige Auseinandersetzung des Autors mit seinem Heimatland.

»Adios Hemingway« ist aber nicht etwa eine Fortsetzung oder ein fünfter Teil, obwohl eine der Hauptfiguren wieder Mario Conde ist, nun aber nicht mehr Polizist, sondern Schriftsteller, das Buch hat ganz andere Hintergründe. Padura selbst berichtet darüber im Vorwort: Ein Verlag bat ihn um eine Erzählung für eine Buchreihe mit dem Namen »Literatur und Tod«, in dem jeweils ein Schriftsteller im Mittelpunkt stehen sollte. Padura wählte Hemingway, dessen Wahlheimat Kuba war, mit dem ihm

» …eine heftige Hassliebe verband. Ich suchte einen Weg, meine persönlichen Probleme mit dem Autor …zu verarbeiten, doch fiel mir dabei nichts Besseres ein, als meine Obsessionen auf Mario Conde zu übertragen – so wie ich es schon oft getan hatte – und ihn wieder zur Hauptfigur zu machen.«

Persönliche Probleme – damit meint er die Schattenseiten der literarischen Lichtgestalt Hemingways, die nach seinem Tod zunehmend die Öffentlichkeit beschäftigt haben, wie seine möglichen Kriegsverbrechen oder sein Verhalten einzelnen Bekannten gegenüber. Ich erspare mir eine Betrachtung der Person und der Werke Hemingways, denn in diesem Buch wird jeder, der ihn noch nicht gelesen hat, ausreichend informiert. Es ist auch ein Art Biographie. Und so nebenbei – es lohnt sich, eine oder die andere seiner Erzählungen zu lesen. Sein Schreibstil ist in seiner Präzision, Effizienz, seiner Distanz und genauen psychologischen Betrachtung wie seinem Bilderreichtum noch immer aktuell.

»Adios Hemingway« ist eine relativ kurze Erzählung von etwa 180 Seiten, angelegt als Kriminalroman, denn auf dem ehemaligen Grundstück Hemingways wird nach vierzig Jahren die Leiche eines FBI-Agenten gefunden. Und die Frage stellt sich, ob der Schriftsteller und mehrfache Literaturpreisträger auch ein Mörder war. Mario Conde, der den Polizeidienst quittiert hat, um Schriftsteller zu werden, lässt sich von seinem überlasteten ehemaligen Kollegen überreden, Ermittlungen anzustellen. Wir begleiten abwechselnd Mario Conde bei seinen Nachforschungen und Hemingway in seinen letzten Lebenstagen, gezeichnet als alter und kranker Mann, kurz vor seinem Selbstmord.

Die ganze Geschichte wirkt leider etwas konstruiert, aber Leonardo Padura wirft als positive Bestandteile seine bilderreiche Sprache, seine lebendigen Dialoge und seine erzählerischen Fähigkeiten in die Waagschale. Nicht übermäßig spannend, aber sympathisch, interessant für Hemingway-Freunde, für Liebhaber von Padura sowieso.

Doch wer den wirklichen großen Schriftsteller und Poeten Leonardo Padura kennenlernen will, der kommt um das »Havanna-Quartett« nicht herum.

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Jossele zu »Leonardo Padura: Adiós Hemingway« 01.09.2016
Leonardo Padura: Adiós Hemingway
Mario Conde hat nach seinem letzten Fall „Das Meer der Illusionen“ den Polizeidienst verlassen und schlägt sich seit 8 Jahren mehr schlecht als recht als Schriftsteller durch. Sein Leben finanziert er hauptsächlich mit dem Aufstöbern von Bücherschätzen aus Nachlässen, die er dann an einen Antiquar verkauft. Nun bittet ihn sein alter Kollege und Nachfolger als Teniente Manuel Palacios wegen eigener Arbeitsüberlastung, einen Fall, der lange zurückliegt, zu übernehmen: auf dem Grundstück von Ernest Hemingway wurde eine Leiche ausgegraben, 40 Jahre nach dem Tod des Schriftstellers. Conde übernimmt ein wenig zögernd und spürt bald seine alte Motivation wieder, die ihn einst Polizist werden ließ: Gerechtigkeitssinn. Und am Ende löst Mario Conde mit Palacios Hilfe auch diesen Fall, soweit er zu lösen ist. In Rückblenden aus der Zeit und aus der Sicht Hemingways wird der Leser quasi exklusiv über die wahren Ereignisse informiert, so dass er den Ermittlern eigentlich immer eine Nasenlänge voraus ist. Diese interessante Konstruktion behält der Autor bis zum Schluss bei, so dass am Ende der Leser genau weiß, wie die Tat ablief, aber nicht die Polizei.
Wer einen gewöhnlichen Krimi erwartet, der ist falsch bei diesem Buch; wer es aber gerne etwas anspruchsvoller mag und auch eine Auseinandersetzung mit Hemingways Leben und Werk nicht scheut, der ist goldrichtig. Klasse Roman, wobei der Krimi, sagen wir mal so, die Rahmenhandlung ist. 90°
pescheg zu »Leonardo Padura: Adiós Hemingway« 15.08.2008
Mit «Adiòs Hemingway» nimmt Leonardo Paduras ehemaliger Held Mario Conde die Spur eines viele Jahre zurückliegenden Mordes auf. Die Frage lautet: «Hat Ernest Hemigway auf dem Grundstück seiner Finca in der Nähe von Havanna in den 50er-Jahren jemanden erschossen?»

Mario Conde, der sich von seinem Job bei der Polizei zurückgezogen hat und sich nun als Schriftsteller übt, kann in diesem Fall seine Liebe zur Literatur und seinen immer noch vorhandenen Jagdinstinkt verbinden. Die Figuren aus dem Havanna-Quartett leben wieder auf, es ist ein Genuss, den Leidenschaften und Sorgen Condes zu folgen und gleichzeitig mehr über Hemingway (wenn auch meist in fiktiver Form) zu erfahren.
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Swen Piper zu »Leonardo Padura: Adiós Hemingway« 11.11.2007
Padura, Kubaner, setzt sich in seinen Kriminalromanen zwischen den Zeilen auch kritisch mit der Situation seines Heimatlandes – das er offenbar sehr liebt – auseinander. Oft gerät darüber der eigentliche Fall uns Hintertreffen. So auch hier. Das Buch ist eine Mischung aus einer Hommage an Kuba und die Kubaner, einer Biographie über die letzten Jahre Hemingways und der Beschreibung eines vor 40 Jahren geschehen Verbrechens. Ich bin mir daher gar nicht sicher, ob es sich bei Adiós Hemingway wirklich um einen Krimi handelt. Wie dem auch sei, wer gerne exzellente Literatur mit einer wunderbaren Sprache mag wird von Padura bestens bedient, wer jedoch spannende Krimiunterhaltung erwartet, wird enttäuscht.
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K.-G.Beck-Ewe zu »Leonardo Padura: Adiós Hemingway« 25.06.2007
Dieses Buch ist eine nette Wiederbegegnung mit der Figur des El Conde und macht sicherlich Appetit auf eine nähere Bekanntschaft, die tatsächlich nur das Havanna-Quartett ermöglichen kann.
Auch Pduras unverwechselhafte Sprache scheitn hier wieder detulich auf, so dass man auch hier sicherlich merkt, warum er von seinen Fans so geschätzt wird.
Die zeitsprunghafte Konstruktion lässt den angehenden und den abtretenden Schriftsteller miteinander verschmelzen, d.h. die Figur des El Conde und das Konstrukt Hemingway, das hier in diesem Roman für das ehemalige literarische Idol Paduras steht. Ich fand diese Konstruktion - bei all ihrer Konstruiertheit - schon ganz gelungen und konnte mich gut in diesen Roman hinein fallen lasse - wobei, wie stets bei Padura - die Sprache eine große Hilfe war. Ein netter Einstieg in sein Werk für Neulinge und eine nette Ergänzung für Altfans.
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