Spiegelreflex von Lena Blaudez

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2005 bei Unionsverlag.
Ort & Zeit der Handlung: Benin, 1990 - 2009.
Folge 1 der Ada-Simon-Serie.

  • Zürich: Unionsverlag, 2005. ISBN: 3293003443. 266 Seiten.
  • Zürich: Unionsverlag, 2006. UT metro; Bd. 375. ISBN: 978-3293203754. 256 Seiten.

'Spiegelreflex' ist erschienen als HardcoverTaschenbuch

In Kürze:

Ada Simon ist Fotoreporterin. Afrika ist ihre zweite Heimat. In Cotonou, der größten Stadt in Benin, scheint alles so zu sein wie immer. Doch nachdem Adas bester Freund, der Politiker Patrick, vor ihren Augen ermordet wird, verwandelt sich ihr Alltag zusehends in einen Albtraum. Immer tiefer verstrickt sich Ada in die afrikanische Realität und die kalte Realpolitik, bei der sich alles um fette Kredite aus Brüssel und die Gier nach Schürfrechten dreht. Bald weiß sie nicht mehr, wem sie trauen kann. Wider Willen wird Ada zum Spielball entgegengesetzter Interessen. Schließlich versucht sie in einem Akt der Verzweiflung, der tödlichen Gefahr zu entrinnen.

Das meint Krimi-Couch.de: »Ein weißes und ein schwarzes Huhn, drei Kolibrifedern, ein Chamäleon, zwei Flaschen Gin und sieben Zitronen« 62°

Krimi-Rezension von Thomas Kürten

»Ada Simon in Cotonou« – so der Untertitel des Romanerstlings Spiegelreflex von Lena Blaudez. Das mag man erst mal so hinnehmen, aber irgendwie wirft das auch schon die ersten Fragen auf: Wer oder was und vor allem wo ist Cotonou? Wer ist diese Ada Simon? Und was um Himmels Willen macht sie in Cotonou? Mit einer Selbstverständlichkeit wird dieser Untertitel eingeworfen, als ob Commissario Brunetti gerade seinen fünfundzwanzigsten Fall lösen würde, aber gleichzeitig auch mit einer gewissen Belanglosigkeit, als wäre Frau Pasulke auf Mallorca.

Aber keine Angst, wir kriegen Antworten auf die Fragen. Cotonou liegt in Benin. Wo und was ist das schon wieder? Es ist ein schmales Land in Westafrika, ziemlich genau zwischen Nigeria im Osten und Togo im Westen. Im wortwörtlichen Sinne eine Bananenrepublik, die in einem Sumpf aus Korruption und Vetternwirtschaft zu versinken droht und in der der Vodoo-Kult wichtiger als jede andere Religion ist. Ada Simon ist eine deutsche Fotografin, die alleine in dieses Land reist, um eine Fotoreportage zusammen zu stellen. Sie kennt Benin aufgrund früherer beruflicher Reisen bereits und hat in Cotonou feste Anlaufstationen.

Den Mörder fotografiert?

Diese Ausgangsstellung ermöglicht es Lena Blaudez, einerseits die besonderen Blickwinkel eines Fotografen mit besonderem Wahrnehmungsvermögen für das Detail einzufangen, andererseits eine Geschichte um Schürfrechte, Korruption, Verbrechen und wirtschaftliche Ausbeutung rund um die Reisestationen der Ada Simon zu spinnen. Denn kaum in Cotonou angekommen, wird deren alter Freund Patrick in einer Bar erschossen. Da sie vor dem Mord Fotos in der Bar geschossen hatte – ein guter Fotograf geht niemals ohne seine Kamera aus dem Haus – gerät auch sie in das Visier der Verbrecher. Unterdes lernt sie bei der Vorbereitung ihrer Fotoreise Menschen von Behörden und Hilfsorganisationen kennen, die mitunter Faszination in ihr wecken.

Sie wird bedrängt, den Film aus der Bar heraus zu rücken und kurz später fliegt ein Fotolabor in Cotonou in die Luft, in dem sich der Film vermeintlich zur Entwicklung befand. Froh, die Stadt endlich zu verlassen, bemerkt sie auf ihrer Reise in den Norden des Landes, das einige ihrer neuen Bekannten dieselbe Reiseroute haben. Langsam wird Ada Simon neugierig, dann verschwindet eine Cousine des ersten Mordopfers und kurz darauf der österreichische Chef einer Teakholz-Firma, von dem sie kurz zuvor noch etwas über Goldfunde gehört hat. Um ihren Kopf noch aus der Schlinge zu ziehen, muss die Fotografin selber die Hintergründe der merkwürdigen Ereignisse erforschen.

Beschreiben, ohne zu bewerten

Knapp 120 Seiten habe ich gebraucht, um mich mit dem forschen Schreibstil der Autorin anzufreunden. Einerseits peitscht sie die Handlung in betont kurzen Sätzen voran, andererseits beobachtet sie die Menschen und den Alltag in Benin sehr genau. Manchmal zu genau und da schmerzen dann die kurzen Sätze, wie hier:

»Eine Blutlache breitete sich unter Patricks Kopf aus. Sie floss in Richtung Tresen. Wahrscheinlich war der Boden uneben. Im Laufe der Zeit von den vielen Füßen an der Bar schräg getreten. Oder von unachtsamen, vielleicht betrunkenen Arbeitern schief betoniert? Weshalb sonst sollte das Blut ausgerechnet zum Tresen hin fließen? Jemand packte sie am Arm und hielt ihr ein Glas Wasser an die Lippen. Papa Paul.«

Erstaunlich, welche Gedankengänge ihr der Erzähler beim Anblick ihres toten Freundes unterstellt. Über den Rest des Buches bleibt es jedoch bemerkenswert, wie viele Situationen des Alltags in Benin von der Autorin eingefangen werden. Sie beschreibt das Leben in einem Entwicklungsland ohne jegliche Arroganz, ohne sich anzumaßen, eine Bewertung vornehmen zu wollen. Die Sachen sind, wie sie sind und die Störung der gewachsenen Kultur durch Maßstäbe westlicher Zivilisation führt eben nicht zu nachhaltiger Verbesserung des Lebens in dem Land. Die Konsequenz, mit der Lena Blaudez diese deskriptive Rolle übernimmt, ist ein großes Plus bei diesem Roman.

Ada Simon wird verfolgt. Sie ist keine Jägerin, die sich tapfer und todesmutig ihren Peinigern gegenüber stellt. Das lässt sie menschlich und lebensecht wirken. Erstaunlich sind vielleicht nur ihre Schusseligkeit, mit der sie mit ihren Filmen umgeht, und ihre Vertrauensseeligkeit gegenüber wildfremden Männern. Die Prise Erotik führt leider zu keiner Veredelung des Romans. Ansonsten nimmt sie die ihr von der Autorin zugedachte Rolle einer »Ermittlerin aus Notwehr« hervorragend an.

Vodoo-Zauber

Nach 120 Seiten wie gesagt, konnte der Roman auf einmal fesseln. Vielleicht lag es an dem an dieser Stelle beschriebenen Vodoo-Zauber, zu dem ein weißes und ein schwarzes Huhn, drei Kolibrifedern, ein Chamäleon, zwei Flaschen Gin und sieben Zitronen benötigt werden, vielleicht aber auch daran dass endlich eine gewisse Struktur in das Vorgehen von Ada Simon gelangt. Endlich erkennt sie, in welcher Gefahr sie sich befindet und sie gewinnt eine Ahnung, um was es eigentlich gehen könnte. Schade, dass das erst relativ spät geschieht.

Zusammenfassend gesagt eine gute Landesstudie, nicht immer überzeugende Sprache und ungewöhnlicher Erzählstil, eine leicht verwirrende erste und eine gute zweite Hälfte. Vor allem weil mit Benin ein neues Land auf die Krimilandkarte kommt, verdient Lena Blaudez’ Debütroman Beachtung, während der Inhalt nur Dank der deutlichen Steigerung in der zweiten Hälfte als überdurchschnittlich durchgeht. Ein zweiter Roman soll schon fertig sein und eine weitere Chance hat die Autorin mit Gewissheit verdient. Die »Heldin« Ada Simon reist am Ende des ersten Romans nach Kamerun. Vielleicht heißt es dann im zweiten Roman »Ada Simon in Yaounde« und hoffentlich nicht »Ada Simon – Ja, und?«

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aeon zu »Lena Blaudez: Spiegelreflex« 04.01.2014
Meine Meinung zur Rezension:

Macht nur mäßig Lust auf den Roman. Wenn einige Informationen welche wir in der Rezention geliefert bekommen so aus dem Roman stammen, dann lese ich ihn jedenfalls besser nicht. Der Voodoo-"Kult" ist eine ausgewachsene, lebendige Religion, mit einem elaborierten Pantheon. Voodoo hat andere Rituale als z.B. römisch-katholische Zeremonien, und ist nicht weniger seltsam. Übrigens ist älteren Semestern Benin noch als "Königreich Dahomey" bekannt.

Ich denke, ich werde mir den Titel mal aus der Bibliothek besorgen, mir ein Urteil bilden und dann wiederkommen.

PS: Kolibris gibt's übrigens in ganz Afrika nicht.
K.-G.Beck-Ewe zu »Lena Blaudez: Spiegelreflex« 27.03.2005
Ada Simon ist eine Photoreporterin in Afrika, die in diesem Buch in einen Kriminalfall verwickelt wird, in dem sich die Verflechtungen zwischen Entwicklungshilfe, Goldsuche, Korruption und Voodoo ständig überschneiden und sie von einer unwahrscheinlichen Situation in die nächste kommt.
Lena Blaudez stellt mit ihrer Figur der Ada Simon ihre eigenen Erfahrungen als Reporterin in Afrika da und Leserinnen und Leser dürfen sich nach diesem ersten Band auf noch mindestens zwei weitere Abenteuer mit dieser Figur freuen. Ich bin selbst noch nicht ganz entschieden, aber bin interessiert genug um mich auf den zweiten Band zu freuen.
2 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
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