Totenacker von Leenders / Bay / Leenders

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2011 bei Rowohlt.
Ort & Zeit der Handlung: Deutschland / Niederrhein, 1990 - 2009.
Folge 14 der KK-11-Kleve-Serie.

  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 2011. 296 Seiten.

'Totenacker' ist erschienen als

In Kürze:

Bei Bauarbeiten in Kleve wird ein Massengrab entdeckt. Das Entsetzen ist groß. Die Toten liegen seit 1940 dort, weisen körperliche Gebrechen auf. Euthanasie in Kleve? Ein Verdacht, dem sich keiner gerne stellt, der alte Wunden aufreißt. Während Kommissar van Appeldorn und das KK 11 ermitteln, kommt bereits ein neuer Fall auf sie zu: mysteriöse Todesfälle unter Kleinbauern. Sie alle waren Gegner der «Gen-Mafia», die immer mehr Boden am Niederrhein gewinnt.

Das meint Krimi-Couch.de: »Kleve, Tatort Lindenstraße« 49°

Krimi-Rezension von Tim König

Die Lindenstraße des Kriminalromans – das Klever Kriminalkommissariat 11 ist eigentlich eine Familie und wie genanntes Fernseh-Urgestein ist auch die KK11-Serie recht beständig. Totenacker ist immerhin das 14. Buch der Reihe.

In der heutigen Folge fehlt Helmut Toppe, der Leites des Teams, und vorest muss auch Josef Ackermann, das niederrheinische Original, noch auf seinen großen Einsatz als Stürmer mit Torriecher und bestens informierter Ermittler warten. Dafür treten zwei neue Personen auf, Marie Beauchamp, eine junge und hübsche Pathologin, sowie Fricka, der Onkel des Toppe-Ersatzes Norbert van Appeldorn. Mit wem aus dem Kommissariat wird Marie zusammenkommen? Werden sich Onkel Fricka und van Appeldorn vertragen?

Wem diese Fragen wichtig sind, der sollte das Buch lesen. Denn das Verbrechen bleibt in diesem Krimi vordergründig – nirgendwo scheint es eine dunkle Seite zu geben. Zumindest nicht in den Menschen selbst. Das große Ganze hingegen darf ab und zu dunkle Schatten werfen.

Nicht, dass man sich beim Lesen langweilt oder nur Oberflächliches erfährt; aber meist lösen sich Probleme in wohlgefälligen Dialogen über Rührei, frische Milch oder Bucheckern auf. Wenn sich van Appeldorn und sein Archivar mit deutscher Vergangenheit beschäftigen, wird eben nicht ausgebreitet, wie es zu Euthanasie kommen konnte oder ob man Zeitzeugen kritisch betrachten muss; der Eine bindet seinen Onkel, den er seit zig Jahren nicht mehr gesehen hat, gleich in sein glückliches Familienleben ein (das dadurch nochmals aufgewertet wird), der Andere lernt bei seinen Recherchen einen zuverlässigen und überaus freundlichen Studenten kennen.

Neben der Entwicklung der Personenkonstellationen, auf die viel Wert gelegt wird, bleiben die Charaktere merkwürdig blass. Bei fast jeder Figur wird einmal im Buch gesagt, dass sie vor zwei Jahren noch nicht so gehandelt hätte, ansonsten aber bleibt jeder seiner Rolle in der kleine, heilen Welt verhaftet: Der glückliche Familienvater, der darauf achten muss, nicht zu viel zu arbeiten, der freundliche, etwas biedere Archivar, seine Freundin, die ihn auflockert usw. Keine der Personen hat individuelle Brüche oder ist wirklich vielschichtig.

Wer also für die Toten aus der Grube verantwortlich ist, ist im Prinzip egal. In ein-, zwei Sätzen wird abgehandelt, was aus den Tätern wurde. Die rosige Zukunft zählt: Ein Benefizspiel gegen die holländischen Kollegen wird veranstaltet, um den Toten ein anständiges Begräbnis zu ermöglichen. Wie dieses Spiel ausgehen wird, ist aber von vornherein klar. Weniger wichtig als mögliche Spannungserzeugung ist, dass Ackermann, jener Niederrheiner, der immer im leutseligen Dialekt spricht, das erste Tor erzielt.

Aber nicht nur im Spiel macht Ackermann Meter gut. Er ist es auch, der die durchaus reale Problematik um Konzerne, die patentiertes Saatgut verkaufen, einführt. Sauber recherchiert, durchschnittlich geschrieben, aber dennoch aktuell, wichtig und ein wenig ergreifend kann man doch noch etwas Böses finden. Aber auch hier ist das Ermittlerteam macht- oder interesselos. Diesen Teil der Verbrechen lösen sie höchst notdürftig, beinahe zufällig, dass man als Leser, der lange vor den Ermittlern weiß, wie der Hase läuft, bei der Auflösung frustriert wegschaut.

Im nächsten, letzten Kapitel wird es aber wieder persönlich und so muss man sich keine Gedanken über Plausibilität machen. Man ist so eingelullt, dass man sich gar nicht mehr ärgern kann. Selbst in den letzten 30 Seiten, kurz vor dem »Showdown« wird sich noch Zeit gelassen, über Möhrenkuchen-Rezepte zu plaudern.

Überhaupt kennt man sämtliche Dialoge wenn nicht vom sonntäglichen Frühstück, dann vom Fußballtraining des örtlichen Dorfvereins. Und was die Vorträge über Wissenswertes und Nützliches betrifft: Sie könnten auch von einem Zehntklässler geschrieben worden sein. Auch, wenn der Hintergrund gelegentlich interessant und fesselnd ist.

Großartige Spannung sollte man nicht erwarten, ebenso wenig tiefsinnige Dialoge und komplexe Geschichtsaufarbeitung. Dafür bekommt man ein paar angenehme Stunden mit einer netten Familie spendiert, die mehr aber auch nicht  ist. Nebenbei erfährt man, wenn man es noch nicht weiß, was Euthanasie bedeutet und warum große Saatgut-Konzerne (Stichwort: Genfood) besondere Aufmerksamkeit verdient haben.

Tim König, Juli 2011

Ihre Meinung zu »Leenders / Bay / Leenders: Totenacker«

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Prof. Dr. med. H.-Br. Makoski zu »Leenders / Bay / Leenders: Totenacker« 11.02.2012
Guten Tag, sehr geehrte Autoren.

Ihr Buch ist sehr spannend und weist eine hervorragende Schilderung der einzelnen Personen auf. Ich habe es in zwei Etappen gelesen.

Aufgefallen sind mir die Schreibfehler:
einundwanzig, zweiundwanzig usw. für die einzelnen Kapitel.

Machen Sie weiter so mit den Krimis von unserem schönen Niederrhein,

Ihr
Hans-Bruno Makoski
0 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
rici zu »Leenders / Bay / Leenders: Totenacker« 14.09.2011
Ich warte immer ganz gespannt auf eine neues Buch des Autorentrios. Es sind Krimis und so ist auch die Schreibweise. Wem das nicht passt, der sollte Goethe lesen.
Totenacker ist gerade wegen des historischen Bezugs interessant. Hier wird der 2. Weltkrieg im typischen Umfeld des Niederrheins aufgearbeitet. Gelungen. Mit den neuen Personen musste ich mich anfreunden, aber das gelang. Ich freue mich schon auf das neue Buch.
Sandy zu »Leenders / Bay / Leenders: Totenacker« 30.06.2011
Ich sehe das etwas anders, die Personen sollen authentisch sein also ist es nur natürlich, das diese Personen auch mal ein etwas ruhigeres Leben haben und nicht immer nur Aufregung pur. Warum soll ein Kommissar Toppe nicht auch mal Urlaub machen? Mir gefallen die Personen so wie sie sind. Und was mir auch sehr gut gefällt ist der "Ausflug" in die Kriegsgeschichte von Kleve, hier sind mir Sachen wieder eingefallen, die meine Großmutter erzählt hat, was zeigt wie Authentisch hier geschrieben wird. Außerdem ist der Krieg ein Thema, das bei vielen nicht mehr wirklich interesse weckt, was sehr schade ist, denn es ist leider ein Teil von unserer Heimat und von unseren Familien, auch wenn unsere Generation davon Gott sei Dank rein gar nichts mehr mitbekommen hat außer aus Erzählungen und der Schule. Es ist dennoch wichtig dieses Thema nie zu vergessen, die Zeiten können sich schnell ändern. Die Gesellschaft hat sich schon sehr geändert, denn das Wort -Andere- ist bei vielen verloren gegangen, die meisten sagen nur noch -Ich-. Ich habe alle Bücher bereits zum 2. Mal gelesen und mir gefallen alle. Ich freue mich schon auf das Nächste.
Theatermichel zu »Leenders / Bay / Leenders: Totenacker« 29.06.2011
Ich kann Annemarie nur recht geben, da ist die Luft ganz einfach raus. Toppe in Urlaub, und der verspätet eingeflogene Ackermann rettet auch nichts mehr. Das Ermittlerteam ist so enttäuschend konturenlos geworden wie es seit einigen Bänden die Handlungen schon sind. Ob das Autorenteam das auch gemerkt hat, und nun auf "Toppes ersten Fall" zurückrudert?
Annemarie Hübbers zu »Leenders / Bay / Leenders: Totenacker« 19.06.2011
Meiner meinung nach sollten die schriftsteller aufhören . Das Buch ist langweilig. Die Texte sind seicht formuliert. Dies trifft auch auf die zwei vorrausgegangenen Bücher zu.
Ich habe alle Bücher gelesen. Es war ein zunehmender Verfall der Qualität festzustellen. Es wurden Formulierungen verwandt,die auch einem Erstklässler gelungen wären. Nach gutem Beginn, der allerdings schon viele Jahre her ist,haben die Autoren stark nachgelassen.
Ihr Kommentar zu Totenacker

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