Gnadenthal von Leenders / Bay / Leenders

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2006 bei Rowohlt.
Ort & Zeit der Handlung: Deutschland / Niederrhein, 1990 - 2009.
Folge 11 der KK-11-Kleve-Serie.

  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 2006. ISBN: 978-3-499-24001-0. 220 Seiten.

'Gnadenthal' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Friedlicher könnte die Szenerie kaum sein: Eine Truppe von Kabarettisten trifft sich im idyllischen Schloss Gnadenthal bei Kleve, um ihr neues Bühnenprogramm einzustudieren. Man lacht, trinkt und debattiert – und plötzlich ist einer tot. Ermordet. Die Ermittlungen der Polizei fördern Überraschendes zutage: Ein Motiv hätte fast jeder aus der Gruppe gehabt …

Das meint Krimi-Couch.de: »Eine wilde Horde alter Freunde« 78°

Krimi-Rezension von Thomas Kürten

Ein neuer Rhythmus, an den sich die Fans langsam gewöhnt haben dürften. Seit Leenders/Bay/Leenders ihre Romane bei Rororo veröffentlichen, liegen nun immer zwei Jahre unerträglich langer Wartezeit dazwischen. Nach der Schanz 2004 erschien im April 2006 mit »Gnadenthal« der nunmehr elfte Fall des Ermittlergespanns Toppe, Steendijk, Ackermann. Und der ist zugegebener Maßen mal ein wenig anders gestrickt.

Aus einer Gruppe von Studenten entstand in den frühen 70er Jahren ein politisches Kabarett, das nun zur Vorbereitung auf das Programm zum 30-jährigen Jubiläum in Klausur geht. Wie jedes Jahr trifft sich die »Wilde 13« im Herbst auf Schloss Gnadenthal bei Kleve und jeder der 13 Mitglieder verbindet mit der Gruppe sein ganz eigenes Schicksal. Besonders dem Buchhändler Martin Haferkamp wird das bewusst, als er in Vorbereitung eines Best-of in seinem Privatarchiv nach Fotos und alten Sketchen sucht. Zahlreiche Spannungen bestehen unter den einzelnen Mitgliedern, besondere Aufregung entsteht jedoch dadurch, dass Frieder Seidl, heimlicher Mastermind der Gruppe, dieses Jahr ohne Absprache die Klausurzeit auf 2 Wochen verdoppelt hat und im Vorfeld für niemanden erreichbar ist. Angekommen im Schloss herrscht sofort eine verdorbene Stimmung unter den Hobbykünstlern. Frieder will weitere Änderungen grundlegender Natur und überrascht die Gruppe spätnachts mit einer Ankündigung. Am nächsten Morgen ist er tot.

Langer, gründlicher Aufbau – fulminanter Schlussspurt

Über zwei Drittel des Romans werden vom Autorentrio dazu verwendet, die Beziehungen der Mitglieder der »Wilden 13« untereinander darzulegen. Das vor über 20 Jahren verunglückte Mitglied Klaus, die Ehe von Dagmar und Rüdiger, Kai und seine kranke Frau, der kritische Martin, der untalentierte Hansjörg und der Mitläufer Heinrich. Alle haben ihre ganz eigenen Geheimnisse vor-, sowie Animositäten untereinander. Die Idee, diesen Aufbau dadurch zu erreichen, dass Martin beim Durchblättern seiner Fotokiste begleitet wird, schmiegt sich wunderbar in die anfangs ruhige Stimmung ein.

Was die meisten Fans der Kommissare vom Niederrhein enttäuschen dürfte: Toppe, Astrid Steendijk und Ackermann treten nur im Schlussdrittel des Romans auf, wo sie auf geballten 75 Seiten das Rätsel entwirren. Dieser Teil erinnert vom Tempo her an ein Drehbuch. Er wird dominiert von Dialogen und Verhören und die Ereignisse der Tatnacht werden wie ein Puzzle Stück für Stück von den Beamten zusammen getragen. Was die Autoren dabei vergessen haben: die persönliche Entwicklung ihrer eigentlichen Protagonisten bleibt vollständig außen vor. Es gibt nichts Neues aus dem Leben von Toppe und Astrid und außer der rosa Cordhose gibt es auch über Ackermann eigentlich nichts zu berichten. Wer den Titel primär kauft, weil er sich in den zehn Bänden zuvor in die Drei vernarrt hat, wird von »Gnadenthal« wohl eher enttäuscht sein.

Den Kriminalfall an sich betrachtet, haben die Autoren beeindruckend routinierte Arbeit geleistet. Die Dramaturgie ist mustergültig gelungen, der Spannungsaufbau meisterhaft und die Personenzeichnungen einfallsreich und gründlich. Auch der Ort, an dem zwei Drittel der Handlung spielen, ist hervorragend in Szene gesetzt. Wer sich selbst ein genaueres Bild machen will, der schaue mal auf www.gnadenthal.de nach. Sogar die afrikanischen Skulpturen, die im Park stehen, haben Leenders/Bay/Leenders in ihrem Roman verarbeitet. Mit »Gnadenthal« hat das Trio seine Position in der ersten Liga der deutschen Krimischreiber untermauert. Es bleibt jedoch zu hoffen, dass der zwölfte Fall der Ermittler vom Niederrhein wieder mehr Futter für die Fans von Toppe & Co. bietet.

Ihre Meinung zu »Leenders / Bay / Leenders: Gnadenthal«

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Angelie zu »Leenders / Bay / Leenders: Gnadenthal« 21.11.2010
Ich finde "Gnadenthal" wunderbar, der Schreibstil ist keineswegs anders und wenn ich auch Toppe und Co. vermisst habe (als Hauptdarsteller), so nehme ich doch auch dieses Buch immer wieder in die Hand. Ein bißchen fühle ich mich eh in allen Büchern beheimatet, da ich selbst vom Niederrhein komme und hier wird auch noch meine alte Uni (Duisburg) erwähnt :)
Björn Rywotzki zu »Leenders / Bay / Leenders: Gnadenthal« 06.05.2009
Ich habe alle Bücher des Trios gelesen und war das erste Mal richtig enttäuscht: 140 Seiten Vorgeplänkel und dann erst "Stoff" über die beliebten Komissare. Kaum Privates und Hintergründiges über die alten Bekannnten. Komplett anderer Schreibstil. Finde "Gnadenthal" nicht gelungen. Wäre dies mein erstes LBL-Buch gelesen, wäre es auch das letzte geblieben. Leider hätte ich dann die anderen gelungenen Bände verpasst. ;-)
Krilla zu »Leenders / Bay / Leenders: Gnadenthal« 30.03.2009
„Wir bevorzugen den alltäglichen Mord, wie er bei jedem um die Ecke passieren könnte. Bei uns sind Täter und Opfer vordergründig erst einmal ganz normale Menschen, wie man sie jeden Tag trifft.

Dieses Statement der Autorin erscheint mir sehr passend zu dem für mich ersten Buch dieses Trios.

Aufmerksam wurde ich durch eine Rezension auf kc. Die Autoren erschienen mir sehr vielversprechend und da Gnadenthal von den Lesern nicht so gut beurteilt wurde las ich es als erstes und wurde - wahrscheinlich dadurch - nicht enttäuscht - ganz im Gegenteil.
Nach all den Serienmördern und blutrünstigen Psychopathen war es sehr wohltuend über ganz "normale" Menschen und deren Verstrickungen in einen Mordfall zu lesen. Die Vorgeschichte bzw. die eventuellen Motive der potentiellen Täter wurden diesmal nicht nach der Tat sondern vorher sehr gut beschrieben. Dass die Ermittler erst im letzten Drittel tätig wurden empfand ich nicht als negativ sondern absolut schlüssig.

Jetzt bin ich gespannt auf die weiteren Werke in denen die Ermittler einen größeren Teil einnehmen.
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Norbert Kaufmann zu »Leenders / Bay / Leenders: Gnadenthal« 24.03.2009
Ich muss zugeben, dass ich meine Schwierigkeiten hatte, mich an die Dramaturgie zu gewöhnen. Ich bin selber Ermittler bei der Kripo und habe in vielen Mordkommissionen mitgearbeitet. Von daher war ich stets von der Detailtreue bei LBL begeistert, oft habe ich mich und meine Arbeit wiedererkannt. In Gnadenthal spielen die ermittler erst ganz zum Schluss eine Rolle, und das war für mich sehr gewöhnungsbedürftig und gar nicht typisch LBL. Gleichwohl halte auch ich "Gnadenthal" für einen äußerst guten Roman, in welchem die Charakter der Mitglieder der "Wilden 13" mit sehr viel Liebe zum detail beschrieben werden. Aber auch ich vermisse auch die persönliche Entwicklung der Kriminalen, die ja immer Bestandteil der Romane war.
Ich bleibe jedenfalls teruer LBL - Leser und freue mich auf den nächsten Band.
wernher zu »Leenders / Bay / Leenders: Gnadenthal« 21.10.2008
"Was auch immer passiert, es gibt immer einen, der es kommen sah!"
Für mich ist Gnadenthal der beste Krimi von LBL, auch wenn das Ermittlertrio nur kurz in Erscheinung tritt. Eine überzeugende Dramaturgie, die - ohne jede Leiche - Spannung erzeugt. Gnadenthal als psychologischen Spannungskrimi zu bezeichnen, ist keineswegs Selbstbeweihräucherung durch den Verlag. Der Krimi ist auch keineswegs "lustlos gezimmert", sondern raffiniert aufgebaut. So steckt die "Tiefe" in diesem Krimi nicht in der Aufklärung, sondern in der Vorbereitung. Eingefleischten LBL-Fans, die auf ihr gewohntes Strickmuster nicht verzichten wollen, lassen von diesem Buch lieber die Finger. Wer aber bereit ist, sich grundsätzlich auf ein Buch einzulassen, findet ein Juwel. Ich hoffe, dass LBL noch öfter ihr inzwischen festgefahrenes Strickmuster verlassen.
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Jürgen Westermeier zu »Leenders / Bay / Leenders: Gnadenthal« 11.12.2007
...als langjähriger lbl-Fan ( habe alle Bücher ) muss ich auch zugeben.langatmig..langweilig..absolut enttäuschend...zum allerersten Mal habe ich einen lbl-Krimi weg gelegt, weil er so langweilig war...schade
Der ganze Krimi gehört in eine andere Reihe und wirkt sehr lustlos "gezimmert"
Das Ende ist eher vorhersehbar.
M-M zu »Leenders / Bay / Leenders: Gnadenthal« 27.08.2007
Dieser Band unterscheidet sich auf jedenfall von allen bisherigen. Die familiären Beziehungen der Truppe um Toppe werden leider nicht weiter ausgeweitet, jedoch hat das Trio, indem sie diesen Band aus der Sicht der Täter geschrieben haben, sehr gut umgesetzt. War sehr interessant zu lesen und es machte Spaß zu rätseln wer der Täter war.
Ingo zu »Leenders / Bay / Leenders: Gnadenthal« 24.06.2007
Hab das Buch nach 20 Seiten erst einmal weggelegt, da die mir bekannten Protagonisten fehlten; nun, nach über einem Jahr hab ich es wieder in die Hand genommen. Es scheint mir, wie bei einem guten Wein, so hab ich es in 2 Zügen ausgelesen. Einfach faszinierend, ein ganz großer Wurf. Wer hier nicht den Niederrhein des HD Hüsch erkennt, der kommt nicht dort her oder ist hier nicht zu Haus.
Hapeer zu »Leenders / Bay / Leenders: Gnadenthal« 01.05.2007
Oh je, nicht nur "in der Eifel" scheint langsam aber sicher die Luft raus zu sein. Schade.

Da hilft es wenig, wenn der Rowohlt-Verlag "Gnadenthal" als einen psychologischen
Spannungsroman selbstbeweihräuchert ...
Lucia aus STeinheim zu »Leenders / Bay / Leenders: Gnadenthal« 21.02.2007
Sicher ein völlig anderes Buch. Wer mit altbekanntem gerechnet hatte, muss entäuscht sein. Eine Art von Lebensbericht mit allen Facetten und gemeinen Wahrheiten, wie das Leben nun mal ist. Es fällt aus dem Rahmen, aber warum mal nicht, bei all' dem anderen was so zu Lesen angeboten wird. Mutig!!!

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