Weiß wie die Unschuld von Leena Lehtolainen

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1996 unter dem Titel Luminainen, deutsche Ausgabe erstmals 2003 bei Rowohlt.
Ort & Zeit der Handlung: Finnland / Espoo (bei Helsinki), 1990 - 2009.
Folge 4 der Maria-Kallio-Serie.

  • Helsinki: Tammi, 1996 unter dem Titel Luminainen. 352 Seiten.
  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 2003. Übersetzt von Gabriele Schrey-Vasara. ISBN: 3-499-23439-4. 347 Seiten.

'Weiß wie die Unschuld' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Die Leiterin eines Therapiezentrums für Frauen verschwindet plötzlich. Maria Kallio, neu als Kommissarin bei der Polizei in Espoo, übernimmt den Fall. Bei den Ermittlungen stößt sie auf eine religiöse Fanatikerin, eine Stripperin sowie einen undurchsichtigen Dichterfreund der Vermissten, und alle benehmen sich verdächtig, doch Beweise fehlen. In dieser Situation bricht ein Bankräuber aus dem Gefängnis aus und schwört, Maria, die ihn einst verhaftet hat, zu töten …

Das meint Krimi-Couch.de: »Blass wie der finnische Winter« 58°

Krimi-Rezension von Thomas Kürten

Mit »Weiß wie die Unschuld« liegt der fünfte von acht Romanen der finnischen Erfolgsautorin Leena Lehtolainen auf deutscher Sprache vor. Da die Romane jedoch nicht in chronologischer Reihenfolge hierzulande erschienen sind, ist »Weiß wie die Unschuld« eigentlich erst der vierte Fall der jungen Kommissarin bei der Polizei in Espoo. Und auch Lehtolainen kann sich einem Phänomen nicht entziehen, das bei so vielen Krimiautoren auftritt: Nachdem der erste Roman wie eine Bombe einschlägt, folgt oft mit dem zweiten oder dritten Roman die Ernüchterung.

Um es vorweg zu nehmen, »Weiß wie die Unschuld« ist unter den bislang auf deutsch vorliegenden Romanen Lehtolainens der schwächste. Mit Abstand sogar und gleich aus mehreren Gründen:

  • Zu starkes und einseitiges Gewicht auf die Entwicklung ihrer Heldin Maria Kallio,
  • Ein wenig fesselnder Mordfall,
  • Blass bleibende Besetzung der Nebenrollen,
  • Überdeutlich betonte feministische Akzente,
  • Zusammenhanglose Nebenhandlung, die wenig überzeugend Action einbringt.

Maria Kallio ermittelt die Umstände des Todes von Elina Rosberg, die in ihrem Haus ein Therapiezentrum für Frauen betrieb. Die Psychotherapeutin war aus Fernsehdiskussionen als beherzte Feministin bekannt und ließ keine Männer in ihrem Hause zu. Allerdings unterhielt sie eine Beziehung zu einem Dichter, von der niemand wissen durfte. Am zweiten Weihnachtsabend verließ sie das Haus, bekleidet nur mit ihrem Nachthemd, und wurde am folgenden Tag erfroren im angrenzenden Wald gefunden. In ihrem Blut ein tödlicher Mix aus Alkohol, Schlafmittel und Antibiotika. Selbstmord, Unglück oder eiskaltes Verbrechen?

Rachsüchtiger Gewaltverbrecher auf Flucht

Die Nachforschungen der Kommissarin konzentriert sich auf die Frauen, die über Weihnachten bei Elina Zuflucht gesucht haben und den Liebhaber der Toten, als plötzlich eine Nachricht sie und ihren Kollegen Palo in Alarm versetzen. Ein Gewaltverbrecher, der ihnen beiden Rache geschworen hat, ist aus dem Gefängnis entflohen. Und tatsächlich bringt er Palo in seine Gewalt und verschanzt sich mit ihm. Im Zuge der misslungenen Polizeiaktion sterben beide im Kugelhagel. Kallios Gedanken schwirren viel um die Gefahren ihres Jobs und wie sie in ihrer besonderen Situation (Kallio ist schwanger) damit umgehen kann. Überhaupt, diese Schwangerschaft. Ihren Umgang mit fast jeder der in diesem Roman handelnden Personen bringt Kallio irgendwie in Verbindung mit dem Thema Schwangerschaft. Zu viel des guten.

Tja und dann? Wenig passiert in Zusammenhang mit den Ermittlungen. Kallio unterhält sich und scheint sich mehr für das Schicksal der Frauen aus dem Therapiezentrum zu interessieren als für die Aufklärung des Verbrechens. Ihre Ausflüge in das Leben der Frauen, die Kallio natürlich nachdringlich prägen werden (das braucht ja wohl nicht extra erwähnt werden), wirken leider niemals so, als ob sie etwas anderes als Füllmaterial werden sollten. Besonderes Erstaunen weckte die seitenlange Lebensbeichte einer Frau aus Nordfinnland, die die besonderen Probleme eines jungen Mädchens aus streng-christlichem Elternhaus schilderte.

Autorin hilflos wie die Polizisten in ihrem Buch

Action? Fehlanzeige. Nein, halt! Da ist dann ja plötzlich dieser Gewaltverbrecher, der Kallios Kollegen entführt. Aber genauso hilflos wie die Polizisten im Roman präsentiert sich Lehtolainen beim Versuch, den Einsatz des Sonderkommandos in die Handlung einzubetten. Bleibt eigentlich nur, Kallio eine weiterhin ruhige Restschwangerschaft und eine leichte Geburt zu wünschen.

Lehtolainen kann es besser. Einer ihrer späteren Roman, der auch schon auf deutsch erschienen ist (Zeit zu sterben) behandelt ein ähnliches Thema wesentlich souveräner. Auch hier kann sie Frauenschicksale dem Leser ausbreiten, durch den beinahe vollständigen Verzicht auf Kallio und ihre heile Privatwelt schafft sie es dort jedoch wesentlich besser, diese in eine ansprechende Handlung einzubauen. Vielleicht darf man vor diesem Hintergrund »Weiß wie die Unschuld« als einen frühen und nicht sonderlich gut geglückten Versuch werten.

Ihre Meinung zu »Leena Lehtolainen: Weiß wie die Unschuld«

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numerobis zu »Leena Lehtolainen: Weiß wie die Unschuld« 08.03.2010
Ich bin ziemlich spät dran ich weiß, aber ich habe dieses Buch eben erst gelesen.

Ich muss dem Herrn Kürten völlig recht geben.
Der Roman ist sehr schwach.

Ich hatte eigentlich vor keinen Roman mit Maria Kallio zu lesen, aber nachdem der Rezensent schrieb, dass dies der schwächste ist, überlege ich mir das nochmal.
Nina zu »Leena Lehtolainen: Weiß wie die Unschuld« 08.05.2005
Ich kann mich der Meinung von Krimicouch auch überhaupt nicht anschliessen.
Zeigt dieser vierte Roman, wie sehr sie die Schwangerschaft doch durcheinander bringt.
Ich habe die ersten vier Romane jetzt in einer Woche verschlungen und freue mich auf Band Nummer 5.
Joachim zu »Leena Lehtolainen: Weiß wie die Unschuld« 18.08.2004
Auch ich kann mich der Meinung der Krimi-Couch diesmal nicht anschließen. Was soll dieser Verriss? Lehtolainens Krimis leben ja gerade davon, dass die Hauptfigur immer wieder persönlich von den Ereignissen tangiert wird. In den ersten Büchern durch die persönliche Bekanntschaft mit Opfern und/oder Verdächtigen, hier durch eine gewisse emotionale Ergriffenheit im Zuge ihrer Schwangerschaft. Das finde ich schon überzeugend. Auch die Action-Sequenz wurde diesmal überzeugender in die Handlung eingefügt, als in den vorherigen Büchern.

Ein dicker Fehler im Text der Krimi-Couch: Es ist nicht der dritte, sondern der vierte Roman aus der Reihe. Rohwolt behauptet lediglich er wäre die Nummer 3, weil der Verlag den tatsächlich dritten nicht selbst veröffentlicht hat (sondern Ariadne-Krimi). Beim nächsten Mal bitte besser recherchieren, Herr Kürten!
Dr. Gunthard Niederbäumer zu »Leena Lehtolainen: Weiß wie die Unschuld« 07.08.2004
Ein weiterer guter Krimi von Leena. Die Geschichte gefiel mir sehr gut. Manchmal besteht jedoch die Gefahr, dass die eigentliche Story etwas in den Hintergrund gerät und andere Nebenstränge zu viel an Bedeutung gewinnen. Trotzdem ein lesenswerter Krimi mit einer sehr sympatischen Hauptperson.
Andrea zu »Leena Lehtolainen: Weiß wie die Unschuld« 07.02.2004
ich kann mich der Meinung der Krimicouch hier überhaupt nicht anschliessen. Mir hat dieser Roman nach "Zeit zu sterben" am besten gefallen. Freue mich schon auf den nächsten!
vilja zu »Leena Lehtolainen: Weiß wie die Unschuld« 23.06.2003
ich liebe leenas bücher und ich dieser ist einfach klasse geworden. ich hab ihn auf finnisch schon gelesen und finde es schade, dass alle ihre bücher erst jetzt ins deutsche übersetzt werden. leena ist grossartig!!
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
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