Kupferglanz von Leena Lehtolainen

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1995 unter dem Titel Kuparisydän, deutsche Ausgabe erstmals 1999 bei Argument.
Ort & Zeit der Handlung: Finnland, 1990 - 2009.
Folge 3 der Maria-Kallio-Serie.

  • Helsinki: Tammi, 1995 unter dem Titel Kuparisydän. 248 Seiten.
  • Hamburg: Argument, 1999. Übersetzt von Gabriele Schrey-Vasara. ISBN: 3886198480. 224 Seiten.
  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 2006. Übersetzt von Gabriele Schrey-Vasara. ISBN: 978-3-499-24300-4. 284 Seiten.

'Kupferglanz' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Arbeitslos bleiben oder ein halbes Jahr in die Kleinstadt Arpikylä ziehen – als Vertreterin des Ortspolizeidirektors? Maria Kallio, rothaarig, klein und tough, wählt den Job und erwartet ein Idyll, wo allenfalls betrunkene Mopedfahrer zu verwarnen sind. Doch kaum ist Kallio im Amt, da stürzt eine ansässige Künstlerin vom Turm der stillgelegten Kupfermine?

Das meint Krimi-Couch.de: »Die Wurzeln von Maria Kallio« 75°

Krimi-Rezension von Sabine Reiss

Wenn man Gebrauchtbücherbörsen oder Auktionsplattformen nach »Kupferglanz« durchsucht, wird man selten fündig, was allerdings nicht dem Umstand zuzuschreiben ist, dass es nicht mehr aufgelegt wird, sondern dass es als einziges Buch der Serie Leena Lehtolainens in geringerer Auflage in einem unbekannteren Verlag, dem Ariadne-Verlag, erschienen ist. Nach diesem 3. Buch der Reihe hat sich Deutschland zunächst eine dreijährige Pause gegönnt, bis sich der Rowohlt-Verlag der finnischen Autorin erneut angenommen hat.

Das Grundgerüst der Handlung ist für die Serie sicher von Bedeutung, da die junge Polizistin Maria Kallio in ihrer Heimatstadt agiert und der Leser damit sein Bild von ihr komplettieren kann. Nach ihrer bestandenen Jura-Prüfung ist sie arbeitslos und hat daher das Angebot angenommen, den Polizeichef von Arpikylä für eine befristete Zeit zu vertreten. Maria tritt ihrem alten Leben mit einer Distanz gegenüber, die wohl jeder verspürt, der schon seit einigen Jahren nicht mehr in dem Ort lebt, in dem er aufgewachsen ist.

Milieustudie par excellence

Der Name Arpikylä bedeutet im übertragenen Sinne Narbendorf, und es heißt, dass man nicht dort leben könnte, ohne Narben davonzutragen. Es ist trostlos und es scheint sich wenig verändert zu haben. Sogar ihre Jugendliebe Johnny ist noch da und Maria ist nahe daran, ihm wieder zu verfallen. Doch im Endeffekt ist klar, auch er hat sich eigentlich nicht weiterentwickelt. Zudem grübelt sie, wie sie ihre Zukunft gestalten soll. Ihr Freund Antti hat ihr einen Heiratsantrag gemacht und mit ihren fast dreißig Jahren stellt sie sich ebenfalls die Frage, ob und wann sie Kinder haben möchte.

Leena Lehtolainen lässt durchklingen, dass Maria bereits in den beiden zurückliegenden Fällen persönlich involviert war, was eine Ermittlung nicht gerade einfach macht. Dies zeigt sich auch hier. Zur Wiedereröffnung des ehemaligen Kupferbergwerks, das als kulturelles Highlight die Region wieder attraktiver machen soll, sind alle versammelt, die Rang und Namen haben. Neben der Kulturdezernentin Ella, einer Jugendfreundin Marias, sind auch die erfolgreiche Speerwerferin Kaisa Miettinen und sowie die bekannte Künstlerin Meritta Flöjt unter den fast 200 Gästen. Am Morgen nach dem Fest gibt es ein grausames Erwachen, denn Merittas Leiche wird am Fuße des Turms gefunden. Sie soll eine Affäre mit dem Direktor des Bergwerks Seppo Kivinen gehabt haben, aber auch mit Johnny verband sie mehr als bloße Freundschaft. Maria behagt es gar nicht, aber sowohl Ella, Johnny als auch Merittas Bruder Jaska, mit dem sie früher in einer Band gespielt hat, muss sie in den Kreis der Verdächtigen einbeziehen.

Unspektakulär, aber lesenswert

Obwohl die eigentliche Story recht unspektakulär ist und keinen hohen Erinnerungswert besitzt, ist das Buch lesenswert, eben wegen der persönlichen Beziehung der Polizistin zu den Verdächtigen und der gelungenen Milieustudie. Die Krimis Leena Lehtolainens zeichnen sich sowieso eher durch die starken Figuren aus als durch die ausgeklügelten Krimihandlung, was auch hier zum Tragen kommt. Dass der Verlag die Protagonistin als »junge Wilde« aus Finnland bezeichnet (oder ist hier die Autorin gemeint?), halte ich zwar für ein wenig übertrieben, aber Maria Kallio ist eine Figur, die hier schon ihr Potential zeigt und die, wie wir jetzt wissen, dies in späteren Büchern auch ausspielt.

Ihre Meinung zu »Leena Lehtolainen: Kupferglanz«

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cujo31 zu »Leena Lehtolainen: Kupferglanz« 13.09.2008
Durch eine Freundin auf die finnische Schriftstellerin Leena Lehtolainen aufmerksam gemacht worden, habe ich mich mit "Kupferglanz" auf die Reise in die finnische Krimigeschichte gemacht. Mit Maria Kallio hat Lehtolainen eine sehr charismatische Heldin geschaffen, die sich in einer Männerwelt beweisen muß. Da ich leider nicht mit dem ersten Teil der Kallio-Reihe angefangen habe, entgingen mir einige Feinheiten (die ich aber noch nachholen werde). Nichtsdestotrotz gelang der Einstieg in dieses Buch ohne Probleme. Leicht zu lesen, schnell zu lesen, wenn einen die Geschichte ersteinmal gefangen genommen hat, ein guter Plot, nicht allzu übertrieben und mit einigen interessanten Wendungen. Zudem wurde die finnische Melancholie von Lehtolainen gut eingefangen. Alles in allem ein richtig solider Krimi, der Lust auf mehr, vor allem aber auch Lust auf Mario Kallio macht.
Swen Piper zu »Leena Lehtolainen: Kupferglanz« 08.02.2008
Ein sehr bedächtiges, fast sanftes Buch, das von Rückkehr, Sehnsüchten, Lebenslügen und Liebe erzählt und doch eben auch ein Kriminalroman ist, der durchaus kompakt und spannend erzählt wird. Literarisch sehr ansehnlich. Lesenswert!
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Cordula zu »Leena Lehtolainen: Kupferglanz« 08.08.2007
Inzwischen habe ich mit Kupferglanz den dritten Krimi von Leena Lehtolainen gelesen und freue mich schon auf den nächsten Fall. Da ich gerne Krimis lese, in denen auch die persönliche Entwicklung der Hauptfigur eine Rolle spielt, komme ich hier voll "auf meine Kosten". Das Buch ist nur zu empfehlen, spannend und interessant geschrieben über eine Kleinstadt in Finnland
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Eva zu »Leena Lehtolainen: Kupferglanz« 04.09.2004
Der zweitbeste Krimi von Leena Lehtolainen, Pflichtlektüre!
1. Als Krimi sehr spannende Geschichte, mehr dazu beim Selber-Lesen
2. Allein die atmopshärische Dichte Beschreibung des Provinz-Kleinstädtchens Arpikylä und der handelnden Personen lassen die gesamte Handlung als Film im Kopf ablaufen, hoffentlich wird dieses Buch nie verfilmt - es würde vielleicht ein guter Film, aber der 'Film' beim Lesen wäre verloren.
Der beste Krimi von Leena Lehtolainen ist übrigens 'Kun luulit unohtaneesi' aus 2002, bleibt zu hoffen, daß es ih bald auch übersetzt gibt.
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Joachim zu »Leena Lehtolainen: Kupferglanz« 14.07.2004
Dieses Buch droht etwas unterzugehen, weil es im Verlag "Ariadne Krimi" erschienen und in vielen Buchläden nicht zu bekommen ist. Verwirrend ist zudem, dass Ariadne diesen Krimi als Maria Kallios ersten Fall ausgibt, tatsächlich ist es der dritte. Umgekehrt verschweigt auch Rohwolt in seiner offiziellen Numerierung "Kupferglanz". Ich kann das Buch nur empfehlen, wie die beiden Vorgänger. Man sollte alle Leehtolainen-Krimis in der chronologischen Reihenfolge lesen, da die Serie von der Entwicklung der Hauptfigur und ihrer persönlichen Beziehung zu vielen wichtigen Charakteren lebt. In Kupferglanz kehrt sie für eine Übergangszeit als Polizeichefin in ihren Heimatort zurück. Schnell gelesen, leichte Unterhaltung nicht nur für Christie-Fans.
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