Du dachtest, Du hättest vergessen von
Buchvorstellung und Rezension
Bibliographische Angaben
Originalausgabe erschienen 2002
unter dem Titel Kun luulit unohtaneesi,
deutsche Ausgabe erstmals 2007
bei Kindler.
Ort & Zeit der Handlung: Skandinavien / Finnland / Helsinki, 1990 - 2009.
- Helsinki: Tammi, 2002 unter dem Titel Kun luulit unohtaneesi. 414 Seiten.
-
Reinbek bei Hamburg: Kindler, 2007.
Übersetzt von Gabriele Schrey-Vasara.
ISBN:
978-3-463-40474-5. 414 Seiten. -
Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 2009.
Übersetzt von Gabriele Schrey-Vasara.
ISBN:
978-3-499-23498-9. 414 Seiten.
'Du dachtest, Du hättest vergessen' ist erschienen als
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In Kürze:
Eine Familie versucht, die schreckliche Vergangenheit zu vergessen: Rane hat seinen Vater, einen jähzornigen Säufer, erschlagen. Offenbar in Notwehr, aber der junge Mann zerbricht an seiner Schuld – er erhängt sich im Gefängnis. Die Jahre vergehen, und Ranes Geschwister schweigen eisern über das Geschehene. Doch Katja, die Tochter von Ranes Schwester Sirkka, spürt, dass man ihr etwas verheimlicht. Sie möchte wissen, was damals wirklich geschah. Als ihre Großmutter stirbt und Katja zur Beerdigung von Helsinki ins abgelegene Pielavesi fährt, beschließt sie, dass es Zeit ist, die Wahrheit ans Licht zu bringen. Und bald stellt sie fest, dass die Schuld nicht Rane allein trifft – und Zorn ein Gefühl ist, das man nicht vergessen kann …
Überraschenderweise ist Leena Lehtolainens neuestes Buch kein Mario-Kallio Krimi, sondern sie erzählt die Geschichte einer Familie, deren Beziehungsgeflecht durch ein lange zurückliegendes Ereignis in Mitleidenschaft gezogen wird. Lange lässt sie den Leser im Glauben, dass zumindest ein Mord aufgeklärt wird, doch darum geht es gar ihr – wie sich später herausstellt – nicht. Zentrales Thema ist eher, dass der Mord an einem Familienmitglied und die Geheimnisse innerhalb der Familie jeden Einzelnen belasten.
Bei der Beerdigung der Großmutter bzw. Mutter lernt man alle kennen und durchlebt das weitere Geschehen aus wechselnder Sicht.
- Katja: Sie scheint die zentrale Figur zu sein, denn ihr kommt man von allen Familienmitgliedern am nahsten. Sie litt an Bulimie, die sie weitestgehend überwunden hat, darüber hinaus hat sie ein Alkoholproblem. Ihr Studium an der Musikhochschule läuft äußerst zäh. Dass ihr Onkel Rane ihren Großvater vor fünfundzwanzig Jahren mit einem Hammer erschlagen haben soll, scheint sie schwer zu beschäftigen. Katjas Wohnung befindet sich direkt gegenüber von dem Gefängnis, in dem sich Rane während der Haft erhängt hat.
- Kaitsu: Katja Bruder, der bei einem Unternehmenskonkurs seinen Job und investiertes Geld verloren hat. Er fährt nun Taxi und wohnt wieder bei seiner Mutter. Drogen- und Alkoholkonsum sind auch bei ihm an der Tagesordnung.
- Sirkka: Mutter von Katja und Kaitsu. Sie wurde von ihrem Mann verlassen, als die Kinder noch klein waren. Sie flüchtet sich in Fernsehserien und in die heile Welt von Maeve Binchy. Die Queen und Lady Di scheinen ihr zuweilen näher zu stehen als die eigene Familie.
- Veikko: Bruder von Sirkka, der als Junggeselle lebt und seinen Lebensunterhalt als Schriftsteller bestreitet. Er hat den Vatermord seines Bruders in seinem ersten Roman verarbeitet.
- Sara: jüngere Schwester von Sirkka und Veikko. Sie ist eine durchgeknallte, egozentrische Existenz, die sich immer wieder in neue Projekte stürzt. Zudem ist sie der festen Überzeugung, dass sowohl sie als auch Sirkka von ihrem Vater in ihrer Kindheit sexuell missbraucht wurden.
Alles wird gut!
Die Handlung wird abwechselnd aus Sicht der Familienmitglieder geschildert. Alle Kapitel sind durch den letzten Satz miteinander verbunden, der von einem Erzähler begonnen und vom darauffolgenden Erzähler beendet wird. Doch das scheint nur eine dünne Verbindung zwischen den Familienangehörigen zu sein; sie leben mehr oder weniger nebeneinander her. Dass die Familienstruktur nicht intakt ist, zeigt sich auch dadurch, dass sehr wenig miteinander geredet wird. Die wechselnde Sichtweise auf ein und dasselbe Geschehen bietet natürlich einen interessanten Aspekt und so manche Aussage relativiert sich im weiteren Verlauf der Geschichte. Sympathie kann man für diese kaputten Seelen leider nur wenig empfinden.
Wer Familiengeschichten mag, die nicht die heile Welt vorspielen, der sollte in Leena Lehtolainens neuestem Roman zunächst voll auf seine Kosten kommen. Zum Ende hin fühlte sie sich jedoch offensichtlich genötigt, das Bedürfnis des Lesers nach einem Happy End zumindest teilweise zu befriedigen. Auch wenn nicht alle zusammen in den Sonnenuntergang reiten, so gibt es dennoch für den Einzelnen Hoffnung auf Besserung, was angesichts des immensen Alkoholkonsums einiger Protagonisten fast schon ins Klischee abdriftet.
Du dachtest, Du hättest vergessen ist mit den genannten Einschränkungen sehr wohl empfehlenswert. Die Erwartungshaltung von potentiellen Lesern würde jedoch enttäuscht, ordnete man den Roman in die Kategorie Krimi ein.
Sabine Reiss, Dezember 2007
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| Fränzi zu »Leena Lehtolainen: Du dachtest, Du hättest vergessen« | 10.03.2011 |
|---|---|
| DianeW zu »Leena Lehtolainen: Du dachtest, Du hättest vergessen« | 15.06.2009 |

