Alle singen im Chor von Leena Lehtolainen

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1993 unter dem Titel Ensimmäinen murhani, deutsche Ausgabe erstmals 2002 bei Rowohlt.
Ort & Zeit der Handlung: Finnland, 1990 - 2009.
Folge 1 der Maria-Kallio-Serie.

  • Helsinki: Tammi, 1993 unter dem Titel Ensimmäinen murhani. 251 Seiten.
  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 2002. Übersetzt von Gabriele Schrey-Vasara. ISBN: 3-499-23090-9. 239 Seiten.
  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 2004. Übersetzt von Gabriele Schrey-Vasara. ISBN: 3-499-23735-0. 239 Seiten.
  • [Hörbuch] Düsseldorf: Patmos, 2008. Gesprochen von Ulrike Folkerts. ISBN: 3491912679. 4 CDs.

'Alle singen im Chor' ist erschienen als TaschenbuchHörbuch

In Kürze:

Maria muss sich nicht nur in der harten Männerwelt des Kommissariats behaupten, die Verdächtigen in diesem Mordfall sind zudem ihre Freunde und Kommilitonen. Hört sie die falschen Töne im Chor heraus?

Das meint Krimi-Couch.de: »Marple junior kommt aus Finnland« 74°

Krimi-Rezension von Thomas Kürten

Acht befreundete junge Menschen, alle Mitglieder eines Studentenchores, verbringen ein Wochenende mit Chorproben auf einem Landsitz. Nach den Proben fließt viel Alkohol, man besucht gemeinsam die Sauna und geht schließlich spät zu Bett. Das Katerfrühstück am späten Sonntagmorgen wird jedoch durch die Entdeckung der Leiche Jukkas, Chorleiter und Gastgeber an diesem Wochenende, jäh beendet.

Die junge Kommissarin Maria Kallio übernimmt die Ermittlungen in diesem Fall. Als Absolventin eines Jurastudiums hatte sie sich auf eine zeitlich begrenzte Stelle beim Gewaltdezernat der Polizei Helsinkis beworben. Sie steht nun vor der Bearbeitung ihres ersten Mordfalles. Pikant wird der Fall dadurch, dass Maria Kallio sowohl das Opfer als auch alle Freunde des Opfers beiläufig kennt. Kommt der Mörder aus dem Freundeskreis?

Die Finnin Leena Lehtolainen lässt ihre Heldin Maria Kallio die Lösung des Falles im klassischen Stile einer Großmeisterin wie Agatha Christie recherchieren. Fast wie eine junge Miss Marple. Es gibt einen fest begrenzten Kreis von Verdächtigen und sehr schnell steht auch fest, dass jeder der Freunde Jukkas ein Motiv für einen Mord hatte. Jukka war ein Schürzenjäger, wie er im Buche steht. War verschmähte Liebe ein Motiv? Maria Kallio hofft jedoch, dass der Mörder ein Außenstehender war, der von dem Chorwochenende wusste und Jukka aufgelauert hat. Sie ermittelt deshalb genauer im Privatleben des Frauenhelden und macht einige unerwartete, überraschende Entdeckungen. Sehr bald werden auch Geldprobleme, Macht- und Bandenkämpfe zu möglichen Motiven. Neue Verdächtige bleiben jedoch aus. Wer von den Chorfreunden könnte mit Jukka in krumme Geschäfte verwickelt gewesen sein?

Ein geschickt gewobener Krimi um eine authentisch wirkende Kommissarin, deren steter Kampf in einem von Männern beherrschten Beruf für kritische Zwischentöne sorgt. Der hohe psychische Druck, der auf ihr lastet – einerseits die Ermittlung im Bekanntenkreis, andererseits das Wissen, besser sein zu müssen, um im Job Akzeptanz zu finden – ist in der Handlungsweise der Protagonistin und in den zahlreichen von ihr geführten Verhören klar abzulesen. Maria Kallio hat einen guten kriminalistischen Instinkt, ist aber kein Überheld. Auch ihr Privatleben wird ansatzweise geschildert: die Entfremdung von den Eltern, die durch Karriere und Beruf bedingten Probleme bei der Partnersuche.

Action wird man in diesem Roman hingegen weitgehend umsonst suchen. Recherche und Zeugenverhör sorgen für Spannung und je mehr Indizien gefunden werden, desto mehr wird sich auch der Leser bei der Suche nach dem Täter gedanklich beteiligen. Interessant ist es, dabei die sich aufbauenden Spannungen im Chor zu beobachten. Die Lösung ist schlüssig, dennoch bleibt der Täter bis kurz vor der Auflösung unerkannt. Leichte Abzüge in der B-Note gibt es bei mir für die Szene in der der/die Schuldige überführt wird und bei der Verhaftung Widerstand leistet. An dieser Stelle hätte sich Lehtolainen die erstmals aufkeimende Action nun auch sparen können. Meine anfängliche Angst vor den finnischen Namen und Ortsbezeichnungen hingegen erfüllte sich erfreulicher Weise nicht. Keiner der im Roman verwendeten Namen hat ähnliche Zungenbrecherqualität wie der Name der Autorin.

»Alle singen im Chor« ist chronologisch gesehen der erste Roman um die Ermittlungsarbeit von Kommissarin Maria Kallio. Er folgt klassischen Vorbildern und weiß durch einen gut konstruierten Kriminalfall, scharf charakterisierte Protagonisten und gute Lesbarkeit zu überzeugen. In Finnland sind bis heute acht Fälle der Kommissarin erschienen, in deutscher Übersetzung ist momentan neben diesem Fall nur der Krimi »Zeit zu sterben« erhältlich.

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Maria-Luise zu »Leena Lehtolainen: Alle singen im Chor« 21.03.2011
Wieder eine Reihe , die sich zu kaufen und zu lesen lohnt. Mir gefiel die Art von Maria Kallio, wie sie ermittelt und wie sie sich in ihrer Dienststelle behauptet. Sie ist eine Frau mit Ecken und Kanten und nicht der ständige Gutmensch.
Es wird nicht das letzte buch von Frau Lehtolainen sein, dass ich lesen werde.
Purzelina zu »Leena Lehtolainen: Alle singen im Chor« 15.06.2010
Ich bin ein riesiger Fan der Maria-Kallio-Serie, einfach aufgrund der unglaublich realistisch gezeichneten Hauptfigur. Man kann sich tatsächlich wiederfinden.
Richtig begeistert bin ich vor allem, seit ich selbst mal in Finnland war, und die kleinen finnischen Gewohnheiten jetzt viel besser kenne, die auch in den Romanen vorkommen: natürlich die obligatorische Sauna, aber auch Kaffee+Butterbrot, usw.
Gerade weil das familiäre Umfeld der Hauptfigur mit jedem Buch mehr im Vordergrund steht und die Handlung innerhalb der Serie weitergeht, finde ich alle Romane extrem lesenswert!
Purzelina zu »Leena Lehtolainen: Alle singen im Chor« 15.06.2010
Ich bin ein riesiger Fan der Maria-Kallio-Serie, einfach aufgrund der unglaublich realistisch gezeichneten Hauptfigur. Man kann sich tatsächlich wiederfinden.
Richtig begeistert bin ich vor allem, seit ich selbst mal in Finnland war, und die kleinen finnischen Gewohnheiten jetzt viel besser kenne, die auch in den Romanen vorkommen: natürlich die obligatorische Sauna, aber auch Kaffee+Butterbrot, usw.
Gerade weil das familiäre Umfeld der Hauptfigur mit jedem Buch mehr im Vordergrund steht und die Handlung innerhalb der Serie weitergeht, finde ich alle Romane extrem lesenswert!
Charley_Chase zu »Leena Lehtolainen: Alle singen im Chor« 03.04.2010
Sehr schön: Eine Polizistin mit Profil und ein aussergewöhnlicher Fall.
Was mir beim Lesen dieses empfehlenswerten Buches besonders gefallen hat ist die Hauptprotagonistin, eine Polizistin wider Willen, hinter deren äusserer Härte ein weicher Kern zum Vorschein kommt. Das Schönste: Es muss zwischen den Zeilen gelesen werden, die Autorin bleibt in ihren Andeutungen subtil und nimmt somit die Intelligenz ihrer Leserschaft ernst.
Ein tolles Buch - 90 Grad!
Conny-van-Haan zu »Leena Lehtolainen: Alle singen im Chor« 25.02.2007
"Alle singen im Chor" ist für mich etwas enttäuschend. Ein Spannungsbogen wird nicht so recht aufgebaut und die Charakterisierung der Figuren bleibt eher an der Oberfläche. Bisweilen verliert man sich in Namen der Akteure und Tat-Motive lassen sich wenig erkennen. Dadurch wirkt die Konstruktion der Lösung des Falles ziemlich holprig. Lehtolainen gibt sich Mühe ihre Erzählerin interessant zu gestalten, aber bis auf wenige amüsante Beschreibungen der "Psyche" der Ermittlerin bleibt die Darstellung oberflächlich. Ich gebe Lehtolainen dennoch eine zweite Chance und lese ihren zweiten Krimi "Auf die feine Art"; aber mit genügend zeitlichen Abstand zur Lektüre ihres Debüts.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Laura zu »Leena Lehtolainen: Alle singen im Chor« 08.12.2006
Meiner Meinung nach hätte Lena Lehtolainen das buch etwas spannender gestalten. Die spannung am ende hätte sie sich dann auch sparen können. Mein geschmack ist es nicht darum werde ich mir auch kein weiters Buch von ihr ausleihen!!!
Astrid zu »Leena Lehtolainen: Alle singen im Chor« 19.09.2006
Da alle von dieser Autorin geschwärmt hatten, legte ich mir auch das erste Buch einmal zu.

Nachdem die Verwirrung über die Namen und der erste Langeweileschub vorbei waren, hab ich das Buch wirklich verschlungen.
Einfach nur klasse!
lily zu »Leena Lehtolainen: Alle singen im Chor« 15.05.2006
Also anfangs fand ich das Buch etwas langweilig ich kam mit den Namen nicht klar und wusste auch nicht wer wer war aber mit der zeit fand ich gefallen an den Büchern von Leena Lehtolainen.
0 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Marion zu »Leena Lehtolainen: Alle singen im Chor« 25.03.2006
Also ich bin ein begeisterter Fan von Lehtolainens Büchern und habe vo ca. 3 Monaten damit begonnen ihrer Krimis nach chronologischer Reihenfolge zu lesen- Momentan bin ich bein vierten Band und ich muss sagen, dass sie von Mal zu Mal besser werden! Spitze Schreibstil und auch anders als jene der Krimiautoren die ich sonst lese und davon muss ich sagen bin ich sehr begeistert.
aristophanes zu »Leena Lehtolainen: Alle singen im Chor« 14.06.2005
Diesen Roman kennen Sie bestimmt schon, zumindest seine Einzelteile, die nach dem Baukastenprinzip zusammengesteckt sind: In der Abgeschiedenheit wird ein Mann ermordet, nur ein Mitglied der Gruppe kann der Täter sein. Hinter der biederen Fassade mancher Verdächtiger verbergen sich schlimme Dinge. Die Ermittlerin gerät in einen Loyalitätskonflikt, da sie privat involviert ist. Als Frau hat sie es ihrem Beruf besonders schwer. Ihr Privatleben ist nicht gerade unkompliziert. Im Laufe der Ermittlungen tut sich manche falsche Fährte auf, am Ende ergibt sich dann aber eine überraschende Lösung ( die mich nicht mehr wirklich interessierte ). Im Hintergrund wirkt natürlich auch noch mit in einer Nebenrolle die osteuropäische Mafia. Das darf man ja sicherlich alles erzählen, wenn man denn eine Sprache besitzt, die das Ganze trägt, was leider nicht der Fall ist. Die vielen Figuren bleiben blutleer und rühren nicht an. Gekauft hatte ich das Buch vor allem, weil Finnland als Romanlandschaft neue Reize versprach. Was lernt man nun über dieses seltsame Volk: Der Finne an sich singt, Wodka verzehrend, in einer Sauna am See. Und das hatten wir uns ja irgendwie schon vor der Lektüre so vorgestellt.

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