Zeit der Rache von Lee Child

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2000 unter dem Titel Running blind, deutsche Ausgabe erstmals 2002 bei Goldmann.
Ort & Zeit der Handlung: USA / New York, 1990 - 2009.
Folge 4 der Jack-Reacher-Serie.

  • London: Bantam, 2000 unter dem Titel Running blind. 380 Seiten.
  • New York: G. P. Putnam’s Sons, 2000. 360 Seiten.
  • München: Goldmann, 2002. Übersetzt von Georg Schmidt. ISBN: 3-442-35715-2. 509 Seiten.
  • München: Goldmann, 2003. Übersetzt von Georg Schmidt. ISBN: 3-442-35931-7. 509 Seiten.
  • München: Blanvalet, 2006. Übersetzt von Georg Schmidt. ISBN: 978-3-442-36548-7. 509 Seiten.

'Zeit der Rache' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Sergeant Amy Callan und Lieutenant Caroline Cook haben einiges gemeinsam. Beide wollten Karriere bei der Armee machen, beide waren Opfer sexueller Belästigung durch Kollegen, beide liessen sich anschliessend vom Dienst suspendieren – und beide sind jetzt tot. Wiederum in Übereinstimmung wurden sie beide in ihrer eigenen Badewanne aufgefunden, in Armee-Tarnfarbe schwimmend, die Leichen scheinbar völlig unberührt und ohne ein einziges Anzeichen für die Todesursache. Hochrangige Profiler des FBI beginnen fieberhaft die Jagd nach einem Serienmörder: einem Angehörigen der Armee, einem hochintelligenten, einsamen, unbarmherzigen Mann, der beide Frauen kannte – und wahrscheinlich noch ein paar weitere, auf die Amys und Carolines Opferprofil ebenfalls zutrifft. Auf Jack Reacher, einen ehemaligen Spitzen-Ermittler der Militärpolizei, passen diese Merkmale auffallend perfekt. Das FBI kreist ihn ein, muss aber rasch erkennen, dass er nicht der Täter ist – sondern vielmehr der einzige, der bei der Lösung dieses scheinbar unlösbaren Falles helfen kann. Doch Reacher hat nicht die Absicht, sich vor den Karren des FBI spannen zu lassen …

Das meint Krimi-Couch.de: »Die Todesfarbe des Dr. Mabuse« 90°Treffer

Krimi-Rezension von Michael Drewniok

»Die Starken terrorisieren die Schwachen. Sie lassen nicht davon ab ..., bis sie auf jemanden stoßen, der stärker ist und sich aus lauter Menschenfreundlichkeit oder auch nur aus einer Laune heraus dazu berufen fühlt, ihnen Einhalt zu gebieten. Jemanden wie Reacher.« (S. 15)

Also begibt sich Jack Reacher, ein ehemaliger Militärpolizist, der vor einigen Jahren den Dienst quittierte und seither durch die Vereinigten Staaten reist, um sein Heimatland kennenzulernen, für ihn typisch wieder einmal ohne zu überlegen in die Schusslinie, als er in New York zwei Schutzgeld-Erpressern eine gewalttätige Lektion erteilt, weil sie dem Eigentümer seines Lieblings-Lokals zusetzen – und erfährt sogleich die Tücke des Systems, als ihn wenig später ein Einsatzkommando des FBI fest- und tüchtig in die Mangel nimmt. Dass es um mehr geht als seine kleine Selbstjustiz-Attacke, wird Reacher rasch klar, als sich u. a. der Leiter der FBI-Außenstelle New York und gleich drei Spezialagenten der FBI-Zentrale Quantico um ihn aufbauen. Serienmord wird ihm plötzlich vorgeworfen: Zwei Frauen wurden unter bizarren Umständen aufgefunden – umgebracht in ihren Badewannen, die bis zum Rand mit Armee-Tarnfarbe gefüllt wurden. Die Ermittler fanden keinerlei belastende Spuren und nur zwei Gemeinsamkeiten: Beide Opfer waren Ex-Soldatinnen und hatten vor Jahren Anklage wegen sexueller Belästigung gegen Vorgesetzte eingereicht, deren Karrieren dadurch zerstört wurden. Die Untersuchung leitete in beiden Fällen – Jack Reacher!

So ist es kein Wunder, dass dieser zum Hauptverdächtigen aufsteigt. Seine Unschuld stellt sich indes ziemlich rasch heraus, als ein neuer Mord nach bekanntem Muster erfolgt und Reachers Alibi dieses Mal wasserdicht ist. Trotzdem muss sich Reacher als Verbindungsmann zwischen FBI und Militär zur Verfügung stellen: Da die Armee es ablehnt, mit den ungeliebten Zivilisten zusammenzuarbeiten, will die Bundesbehörde seine militärische Insider-Kontakte nutzen. FBI-Direktor Black schreckt nicht davor zurück, Reacher offen zu erpressen, indem er droht, den Namen seiner Freundin Jodie zum Auftraggeber der so übel zugerichteten Erpresser – einem sadistischen Gangsterboss – durchsickern zu lassen. Wohl oder übel beugt sich Reacher, aber als er sogleich das aufwändige Täterprofil der FBI-Spezialisten verwirft und die Zahl der potenziellen Opfer im Widerspruch zu diesen erheblich eingrenzt, wird ihm kein Glauben geschenkt.

Die Arroganz des FBI rächt sich bitter, als der Killer beginnt, sein Mordmuster zu durchbrechen und tatsächlich eine der von Reacher genannten Frauen umbringt. Dieses Mal hat er jedoch einen Fehler begangen, und endlich gibt es Spuren. Aber diese lassen sich eigentlich nur so deuten, dass die Opfer sich willenlos selbst getötet haben, während ihr Mörder neben ihnen stand …Inzwischen ist sich dieser seines Fehlers und der Tatsache bewusst geworden, dass ihm womöglich nicht mehr viel Zeit bleibt. So steigert er die Intensität seiner Mordattacken, denn er folgt einem ausgeklügelten Plan – und er ist keineswegs wahnsinnig …

Er ist ein unsteter Charakter, dieser Jack Reacher; jedes Mal, wenn wir eine neue Episode aus seinem wild bewegten Leben kennenlernen, taucht er an einem anderen Ort auf. Dazu passt gut, dass nun der bisher dritte in Deutschland veröffentlichte Reacher-Roman plötzlich nicht mehr im Heyne-, sondern im Blanvalet-Verlag erscheint. Das sollte der Lesefreude keinen Abbruch tun, denn Lee Child ist auf jeden Fall der alte Schnellfeuer-Erzähler geblieben – wortgewaltig und ein echter Könner, wenn es darum geht, einen hochrasanten Action-Thriller mit leichtem Tiefgang auf die Abschussrampe zu bringen.

Ein bisschen anders ist trotzdem alles geworden: Kannten wir Reacher bisher als Mann, der nur besaß, was er in seinen Taschen trug, während er sein Land kreuz und quer durchstreifte, ohne Spuren (von niedergemachten Strolchen und ihren ausgeräucherten Schlupfwinkeln einmal abgesehen) zu hinterlassen, so ist er inzwischen geradezu häuslich geworden, wohnt unter einem eigenen Dach und hat sogar eine feste Freundin gefunden, die zudem Anwältin (!) ist. (Wie die Schöne und das Biest sich fanden, bleibt zunächst ungeklärt; während des Umzugs von Heyne zu Blanvalet ist »Tripwire«, Reacher-Abenteuer Nr. 3, irgendwo verloren gegangen.) Dass Eigentum Verantwortung und damit Verdruss mit sich bringen kann, ist eine Lektion, die Reacher recht leidvoll lernen muss.

Kein Wunder, dass der alte Anarchist mit Macht in ihm durchbricht, als er im scheinbaren Auftrag des FBI wieder »on the road« ist. Die Jagd nach dem Tarnfarben- Killer entwickelt sich gemächlich, aber sie gewinnt rasch an Dynamik und Intensität, weil sich nicht leugnen lässt, dass Reacher im Grunde sein dunkles Spiegelbild verfolgt: Mit seinem Wissen als Soldat u n d Polizist hätte aus ihm leicht ein ebenso effizienter Mörder werden können, besäße er denn tatsächlich jene kriminelle Energie, die ihm das FBI unterstellt.

Weil Lee Child immer für eine Überraschung gut ist, sollte es uns nicht erstaunen, sondern freuen, dass er in »Zeit der Rache« nicht schon wieder das uralte Garn vom Reisenden in Sachen Serienmord spinnt, der ebenso genial wie verrückt ist und seltsamerweise trotzdem stets gefangen wird. Dass »nur« ein gewöhnliches Kapitalverbrechen hinter den Untaten steckt, mag mit dem Leser lange nicht einmal das in Ehrfurcht vor dem eigenen Ruf erstarrte FBI für möglich halten, was dem Roman einige philosophische Momente verschafft, die man in einem Thriller dieser Art kaum vermuten würde. Der alten Frage, wie weit man gehen darf, um dem Recht Geltung zu verschaffen und Verbrecher auszuschalten, wird Reachers Prinzip der selektiven Selbstjustiz gegenüber gestellt. Der Vergleich legt (wieder einmal) offen, dass im Namen des Gesetzes und dadurch scheinbar legitimiert durchaus Straftaten begangen werden können, die hinter denen »richtiger« Krimineller nicht zurückstehen. Das mag eine Binsenweisheit sein, doch eine wichtige, und sie findet ihr Ziel – den Hinterkopf des Lesers -, wenn sie so unterhaltsam wie hier dargeboten wird. Lee Child sollte allerdings Quantico zukünftig lieber großräumig umfahren …

Ein wenig erschüttert wird der sonst durchweg positive Eindruck, den »Zeit der Rache« hinterlässt, als das Mysterium der indizienlosen Morde dann gelüftet wird. Ein moderner Dr. Mabuse kommt da zum Vorschein, dessen suggestive Fähigkeiten trotz Childs Bemühen um »rationale« Erklärung mehr als einen Hauch Science Fiction in die Geschichte bringen, der hier recht fehl am Platze erscheint, da Jack Reacher und sein geistiger Vater doch üblicherweise mit beiden Beinen unerschütterlich auf dem Boden der Tatsachen stehen. Doch nur mit diesem Zylindertrick des scheinbar Übernatürlichen kann sich Child aus der Falle befreien, die er sich dieses Mal selbst gestellt hat: Die beschriebenen Morde sind ihm gar zu perfekt geraten.

Die daraus entstehenden Irritationen macht der spannende Wettlauf zwischen Reacher, dem FBI und dem Killer allemal wieder wett. Das Finale ist kein Happy-End und gleichzeitig ein neuer Anfang; Reachers Glück am heimischen Herd erweist sich als Selbsttäuschung. Wir sehen unseren Helden schließlich zurückkehren auf die Straße, die er insgeheim so liebt, und atmen gemeinsam mit ihm in Erwartung des nächsten, sicherlich wieder spektakulären Abenteuers sichtlich auf.

Natürlich lässt sich diese Rückkehr zugleich als Rückschritt werten. Nachdem Child seinem Helden endlich gönnte, sesshaft, gesellig und »erwachsen« zu werden, ist Reacher nun zurückgeworfen auf den recht eindimensionalen Charakter der ersten beiden Bände. Andererseits ist Jack Reacher womöglich tatsächlich am glücklichsten, wenn er irgendwo die Fetzen fliegen lassen kann, um sich anschließend den großzügig aufgewirbelten Staub rasch wieder von den Stiefeln zu schütteln. Gönnen wir ihm (und uns) doch einfach dieses politisch herrlich unkorrekte Vergnügen – für den, der dies nicht vermag, hält Child ein Hintertürchen offen: Reacher ist nicht der tumbe Rächer, der Ordnung schafft, wo die lasche Justiz versagt, sondern eine durch Herkunft, Erziehung und Militärzeit reduzierte Persönlichkeit, die sich ihrer sozialen Defekte sehr wohl und oft schmerzlich bewusst ist.

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Ricardo Tiede zu »Lee Child: Zeit der Rache« 21.11.2011
Einfach nur schlecht !!! Einfallslos. -- haarsträubend blödsinnige Story - elendig langweilig und voller plumper Reprisen --- schade um das Papier :-(. - Einfach nur schlecht !!! Einfallslos. -- haarsträubend blödsinnige Story - elendig langweilig und voller plumper Reprisen --- schade um das Papier :-( .
Hans Dampf zu »Lee Child: Zeit der Rache« 10.04.2011
Dies war der schlechteste Jack Reacher Roman von allen bisher gelesenen.
Alle Romane von Lee Child haben mir mehr oder weniger gut gefallen aber den kann man sich schenken.
Wie kann man so ein Buch mit 90° bewerten entweder hat man es nicht gelesen oder ist darüber eingeschlafen.
Einige Vorgänger hatten das Buch als nicht gut beschrieben aber ich wollte es besser wissen.
pescheg zu »Lee Child: Zeit der Rache« 04.02.2009
«Zeit der Rache» hat mich nicht begeistert. Der Jack Reacher-Krimi ist zwar im Ansatz originell, aber die Story ist so sehr auf Bestseller getrimmt, dass die Lektüre etwa so viele Gefühle weckt wie die Wiederholung von Top Gun im Fernsehen. Die seitenlangen Dialoge im Militär-Jargon und die endlosen Reisen im Auto oder Flugzeug quer durch die USA ermüden. Auch Reachers Annäherungsversuche an eine blonde FBI-Agentin, die (man staune!) manchmal keinen BH trägt, sind eher reizlos.

Wenigstens die Frage nach dem Mörder und dessen Motiv hält einen bei der Stange. Die Auflösung des Falles birgt die eine oder andere Überraschung und stimmt halbwegs versöhnlich mit dem Buch, das man nun wirklich nicht gelesen haben muss, von dem ich hier aber auch nicht dringend abraten will. Mit anderen Worten: 50%.
silverfox zu »Lee Child: Zeit der Rache« 07.07.2008
Wieder ein tolles Buch voller Spannung und flott geschrieben. Reacher auf Konfrontationskurs mit dem FBI,muß sich arrangieren und steckt diese Truppe schließlich in die Tasche,weil er in dem Fall
als einziger die richtige Nase hat.
Er ist durchaus kein Supermann,hat seine Ecken und Kanten,auch Schwächen,das macht ihn sympathisch.Das Vorgehen des Täters kommt mir zwar reichlich kompliziert vor,legt aber dadurch auch falsche Spuren und verleiht der Story ihren Reiz.
Das wird nicht mein letzter Jack-Reacher-Roman gewesen sein.
Kerstin zu »Lee Child: Zeit der Rache« 29.02.2008
Tja, wo soll ich anfangen? Dieser Roman kommt diesmal ohne die gewöhnlichen Muskelspielchen aus, sondern punktet mit der Kombinationsgabe (oder Vortäuschung) von Reacher, lakonischem Wortwitz und die Spannung baut sich wegen der Frage nach dem verdammten "Wie" auf. Man weiß nicht, woran man ist! Sehr schlau gemacht und Reacher lehnt sich dazu noch eisern gegen das FBI auf, das ihn voll am Wickel zu haben scheint!
Judith zu »Lee Child: Zeit der Rache« 01.02.2008
Bin gerade fertig geworden. Ein super spannendes Buch von der 1. Seite an. Nach der Hälfte konnte ich mir zwar schon denken wer "der" Mörder ist, bin aber beim Lesen immer wieder ins Zweifeln gekommen. Also wie gesagt.Super spannend. Thriller-Fans sollten es einfach lesen. Judith
Herbert Petersen zu »Lee Child: Zeit der Rache« 27.11.2007
"Zeit der Rache" war mein erster Reacher- bzw. Child-Roman und garantiert nicht mein letzter! Das Buch war sehr spannend zu lesen, absolut nicht langweilig. Ich wusste bis kurz vor Schluß nicht wer der Mörder ist.
Sehr lesenswert!
93 Grad.
Chris. zu »Lee Child: Zeit der Rache« 26.09.2007
Während ich es gelesen habe, hat es mir sehr gut gefallen. Wenn man allerdingst im Nachhinein darüber nachdenkt, verliert es einiges. Könnte ich jetzt zwar noch weiter ausfürhen, müsste dann aber das Ende verraten. :-(
Wertung: 57°
Günter Zech zu »Lee Child: Zeit der Rache« 30.07.2007
Ich habe nun alle Bücher von Lee Child und seinem Helden Jack Reacher gelesen.
Zeit der Rache habe ich im Urlaub gelesen.
Schade das ich mich nicht an die Reihenfolge gehalten habe ,sondern als Ouereinsteiger auf diese Krimis von Lee Child aufmerksam geworden bin.
Für mich ist Lee Child der Beste Krimiautor und -Zeit der Rache - ist wirklich ein sehr spannender in der Handlung wunderbar zu lesender Roman.
Tobi zu »Lee Child: Zeit der Rache« 02.04.2007
Ja also ich habe "Zeit der Rache" nun vor ungefähr einer Woche ausgelesen, weis allerdings nicht was ich so wirklich von Child's Buch halten soll. Die Geschichte ist zwar locker und Flüssig geschrieben, für die Anzahl von Seiten, allerdings finde ich es nicht unbedingt so spannend wie vieleicht das ein oder andere Buch. Die Person des Jack Reacher hat mir wiederum recht gut gefallen und man konnte sich den Protagonisten gut vorstellen, ich hätte mir aber eine Affaire zwischen ihm und Lisa Harper gewünscht!! ;-) Die dickste Kritik bekommt die Lektüre aber von mir im Bezug auf den Täter, den habe ich nämlich schon nach der ersten Beschreibung des Mordes - aus sicht des Täters - entlarvt ... Ansonsten ganz pasabel. 70°

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