Abzocker von Lawrence Block

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1961 unter dem Titel Mona, deutsche Ausgabe erstmals 1970 bei Heyne.

  • Greenwich, Conn.: Fawcett, 1961 unter dem Titel Mona. 141 Seiten.
  • New York: Berkley, 1986. 141 Seiten.
  • New York: Dorchester, 2004. Hard Case Crime. 141 Seiten.
  • München: Heyne, 1970 Die Mörder-Lady. Übersetzt von Ludwig Nagel. 141 Seiten.
  • München: Heyne, 1980 Die Mörderlady. Übersetzt von Ludwig Nagel. Blaue Krimis; Nr. 1425. ISBN: 3-453-10509-5. 141 Seiten.
  • Berlin: Rotbuch, 2008. Übersetzt von Ludwig Nagel. Hard Case Crime; 2. ISBN: 978-3867890229. 220 Seiten.
  • [Hörbuch] Berlin: Argon, 2008. Gesprochen von Reiner Schöne. ISBN: 3866104537. 4 CDs.

'Abzocker' ist erschienen als TaschenbuchHörbuch

In Kürze:

Für den Trickbetrüger Joe Marlin ist es der gefährlichste Schwindel seiner Laufbahn. Heroin und die heißblütige Mona stellen ihn vor die Wahl: zum Mörder werden oder selbst als Leiche auf dem Pflaster enden.

Das meint Krimi-Couch.de: »Eine lakonisch erzählte, spannnende Liebesgeschichte« 80°

Krimi-Rezension von Jochen König

Als Joe Marlin am Bahnhof von Atlantic City zwei Koffer klaut, ahnt er noch nicht, dass diese Tat sein ganzes Leben ändern wird. Nicht der Diebstahl, denn der ist eine Alltäglichkeit für den smarten Hochstapler, Zechpreller und Gigolo Marlin. Aber in einem der beiden Koffer findet er ein Kilo Heroin. Zugleich lernt er die attraktive Mona Brassard kennen und begeht den schweren Fehler, sich zu verlieben. Da Mona ebenso auf ihn abfährt, könnte dem Weg in ein glückliches Leben Tür und Tor geöffnet sein. Doch leider ist Mona verheiratet und wie sich alsbald herausstellt, zufälligerweise mit dem Besitzer der beiden Koffer. Was Joe gerade recht kommt. Denn Drogendealer haben Feinde, die einem schon mal nach dem Leben trachten. Und so entwickelt Joe einen simplen, aber dennoch klugen Plan, dessen reibungsloser Ablauf mit der Ehelichung einer schönen, reichen Witwe gekrönt werden soll. Wenn er da nicht die Rechnung ohne den Wirt – in diesem Fall der Wirtin – gemacht hat …

Lange bevor Lawrence Blocks populäre Serienfiguren Bernie Rhodenbarr und Matt Scudder das Licht der Bücherwelt erblickten, wandelte er mit Abzocker auf Jim Thompsons Pfaden. Und das gar nicht schlecht. In einer Welt, in der Eigennutz und Habgier das Handeln bestimmen, ist Joe Marlin nicht mal der übelste Hecht im Karpfenteich. Block zeichnet ihn als gerissenen, leicht melancholischen Herumtreiber, der seine Umwelt zwar schamlos ausnutzt, aber ebenso bereit ist, hart arbeitenden Menschen ein ordentliches Trinkgeld zuzustecken. Ein Gauner mit, wenn auch rudimentärem, sozialen Gewissen, das kann auf Dauer nicht gut gehen, vor allem, wenn er sich zu allem Überfluss noch ernsthaft verliebt. Mona Brassard ist eine Femme Fatale wie aus dem Lehrbuch. Begehrenswert, verletzlich, voller unerfüllter Wünsche und Hoffnungen, gibt sie Joe das Gefühl mehr zu sein, als eine Motte, die auf ein gleißendes Licht zufliegt. Letztlich ist der handlungsorientierte Joe Marlin, mit all seinen wohlüberlegten Plänen, seiner Muse Mona klar unterlegen.

Block braucht nicht viele Worte, um seine Figuren glaubhaft zu zeichnen, ihre Unbehaustheit, ihre Sehnsucht nach mehr von allem, vor allem vom Leben. Dafür ist Joe Marlin bereit einen hohen Preis zu bezahlen, übersieht aber, dass echte Gefühle nicht käuflich sind bzw. keinen Wert besitzen, wenn sie korrumpiert sind. Eigentlich der Status Quo in der Welt der Abzocker.

Lawrence Block erliegt dabei zu keinem Zeitpunkt der Versuchung eine schnöde »Crime doesn’t pay«-Story zu schreiben. Es passieren etliche Verbrechen und keines wird gesühnt, zumindest nicht von den Vertretern der Rechtsstaatlichkeit. So kommen im ganzen Buch Polizisten nur in Reflexionen vor, realiter lässt sich kein Gesetzeshüter blicken. Vielleicht hält ja die Amour fou am Ende eine üblere Strafe bereit, als die Gerichtsbarkeit verhängen könnte. Denn auch, wenn man alles erreicht hat, was man erreichen wollte, könnte doch nur eine große Leere der Lohn sein.

Abzocker ist eine wohl geratene Fingerübung, eine lakonisch erzählte, spannnende Liebesgeschichte der etwas anderen Art, deren scheinbare amoralische Schnoddrigkeit auch fast fünfzig Jahre nach ihrer Erstveröffentlichung noch zu gefallen weiß, und die mit einer wunderbar fiesen Schlusspointe aufwartet.

Feiner Start der Hard Case Crime-Reihe bei Rotbuch.

Jochen König, April 2008

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Sonny zu »Lawrence Block: Abzocker« 14.09.2009
Also wenn man mal davon absieht, dass in der Story ein erstklassiges Hotelzimmer nur um die 30 $ kostet, vergisst man glatt, dass sie in den 60 Jahren spielt. Ein recht sympathischer Kleinganove, der sich überwiegend als Zechpreller und eine Art Heiratsschwindler verdingt, gerät, wie sollte es anders sein, an die falsche Frau. Bereit für diese Frau alles zu tun, wird sein bestehendes Gewissen arg strapaziert. Eine Story, die Spaß macht, keine Längen aufweist und flüssig geschrieben wurde.
Empfehlenswert.
Stefan83 zu »Lawrence Block: Abzocker« 11.08.2009
Hoch gelobt und mit Preisen überhäuft gehört Lawrence Block seit längerem zu den Autoren, die ich unbedingt mal lesen wollte. Problem nur, dass eine Vielzahl seiner Bücher, besonders die Titel aus seiner Matt-Scudder-Reihe, mittlerweile nicht mehr lieferbar sind oder zu horrenden Preisen bei Antiquariaten angeboten werden. Umso dankbarer kann man da sein, dass sich der Rotbuch-Verlag entschlossen hat im Zuge seiner "Hard Case Crime"-Reihe einige seiner Bücher neu zu veröffentlichen.

Den Anfang macht "Abzocker", ein Stand-Alone, der bereits im Jahre 1970 unter dem Namen "Die Mörderlady" auf den deutschen Markt geworfen wurde und, wie so viele andere Block-Titel auch, eine herrliche Mischung aus klassischem Krimi-Noir und Pulp bietet.

Im Mittelpunkt der Geschichte steht der Trickbetrüger Joe Marlin. Ein eigentlich sympathischer, zur Melancholie neigender Kerl, der es mit Skrupeln nicht so hat und auch gern mal schamlos seine Umwelt ausnutzt, um seine ziellose Herumtreiberei zu finanzieren. Allein einen weichen Kern hat auch er, so dass in erster Linie die besser betuchten zu seinen Opfern zählen, während hart arbeitenden Zimmermädchen und Hotelpagen großzügige Trinkgelder spendiert werden. Und das Leben könnte so schön sein, würde ihn nun nicht gerade dieses, wenn auch nur im Ansatz vorhandene soziale Gewissen, und die Reize einer Frau in eine missliche Lage bringen. Ihr Name ist Mona Brassard und ihr Ehemann hinter seiner Fassade ein Gauner, dem seine Koffer samt Heroin gestohlen wurden. Diese befinden sich zufälligerweise in Joes Besitz, dessen vormals so ruhiges Leben nun um einiges aufregender wird und eine andere Dimension annimmt, denn er will Mona und den großen Gewinn. Was nun zu tun ist, um die Liebe zu retten und dick abzukassieren, lässt sich erahnen und deutet das Cover mehr als an. Ein Mord muss geplant werden...

Auf den ersten Blick sicherlich kein ungewöhnlicher Plot, würde Lawrence Block ihn nicht mit unerwarteten Überraschungen spicken und mit einem absolut verblüffenden Ende versehen. Bis dahin gebraucht der Autor nicht viele Worte, erzählt er geradlinig und spannend, wenngleich die Handlung stets genauso überschaubar wie der enge zeitliche Rahmen bleibt. Hier ist keine Silbe, kein Satz unnötig, nichts dürfte gekürzt werden, so passend und aus einem Guss liest sich das Buch, in dem Block seine Figuren glaubhaft und sympathisch zeichnet und nie der Versuchung erliegt mit der Moralkeule auszuholen.

Hier werden Verbrechen begangen, wird betrogen, gelinkt und eben abgezockt, ohne dass in der Ferne die Polizeisirene heult. Böses bleibt ungesühnt und in dieser schlechten Welt sorgt jeder für sich selbst. Wem das bei einem Buch stört, der soll die Finger davon lassen. Wer über Dreistigkeit und kriminelle List nicht schmunzeln kann, bei seinem Cody McFadyen bleiben. Alle die sich darauf einlassen erwartet eine geradlinige, herrlich altmodische Handlung mit schnodderigem Ton, die nur auf den ersten Blick offensichtlich scheint. Das Ende lässt uns schwer schlucken, liest sich eindringlich und verstört. Dies hat man so nicht erwartet und setzt hinsichtlich der Sprachkunst Blocks noch ein Sahnehäubchen auf die genussvolle Lektüre.

Insgesamt ist "Abzocker" eine spannende, äußerst unterhaltsame Liebesgeschichte mit viel Flair, die lakonisch erzählt die 60er Jahre wieder zu Leben erweckt und Freunden des düsteren Pulps bedenkenlos empfohlen werden kann. Großes Lob an die Macher bei Rotbuch für ihren Mut und die herrlich trashige Covergestaltung.
6 von 7 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
tassieteufel zu »Lawrence Block: Abzocker« 04.08.2009
Das Buch beginnt mit einer klassischen Ausgangssituation: Joe Marlin ist ein Abzocker, mit teuren Anzügen ausgestattet mietet er sich in besseren Hotels ein und prellt dann die Zeche,
so treibt er von Stadt zu Stadt bis sich der coole Abzocker in eine mißliche Lage manövriert.
Als er zwei Koffer klaut, findet er darin nicht nur Kleidung, sondern auch ein Kilo Heroin und er trifft auf die umwerfende Mona, ohne die er bald nicht mehr leben will. Bis dahin war Joe nur ein ganz liebenswerter Herumtreiber, der zwar die Reichen schamlos ausnutzt, aber Kellnern und Zimmermädchen immer ordentlich Trinkgeld gibt, zwar nicht ganz ohne Eigennutz, aber immerhin! Doch als er auf Mona trifft nimmt alles eine ganz andere Dimension an.
Mir als Leserin war recht schnell klar, das Mona nicht das verliebte Blondchen war, als das sie erschien, der gute Joe braucht da, typisch Mann, natürlich länger zu und dann nimmt die zuerst sehr vorhersehbare Geschichte am Ende eine ganz raffinerte Wendung, die mich ziemlich verblüfft hat!
Die Geschichte ist direkt und schnörkellos erzählt, wäre auf den 220 Seiten auch gar nicht anders möglich gewesen, die Figuren erscheinen glaubhaft, ihre Handlungen sind nachvollziehbar und der rabenschwarze, makabere Schluß ist dann das I-Tüpfelchen auf dem Ganzen.

Fazit: nach einer klassischen Krimiausgangssituation überrascht das Buch mit einem verblüffenden Ende. Das Buch bietet kurzweiliges Leservergnügen und macht neugierig auf die weiteren Teile der Hard-Case-Krimireihe.
Schrodo zu »Lawrence Block: Abzocker« 06.03.2009
Was für ein Buch, einfach nur geil!
Ich kann´s kaum glauben, Herr Block hat diese Story im Jahre 1961 geschrieben. Ja, sie haben richtig gelesen. 48 Jahre alt ist dieser Pulp - Krimi und einer der besten die ich je gelesen habe.
Zur Geschichte: Joe unser gut aussehender Held der sich mit reichen Damen einlässt um sie anschließend auszunehmen wie die berühmte Weihnachtsgans, trifft die Zuckerschnute Mona. Die beiden verfallen einander mit Haut und Haaren, aber leider ist Mona Baby mit einem anderen, noch einige Nummern größeren Gauner, verheiratet. Tja, was tun? Das Cover des Buches zeigt schon die Lösung.
Hätte Herr Block einen Liebesroman geschrieben, dann hätte er das Buch nach 150 Seiten beenden können. Aber der gute Lawrence schreibt keine Liebesschnulzen. Das Ding endet nicht so und was noch kommt wird sie begeistern…oder entsetzen.
Das Ende verrate ich wie immer natürlich nicht, das müssen Sie schon selbst lesen!
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