Der Kirschblütenmord von Laura Joh Rowland

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1994 unter dem Titel Shinjū, deutsche Ausgabe erstmals 1996 bei Lübbe.
Ort & Zeit der Handlung: Japan / Tokio, 1601 - 1700.

  • New York: Random House, 1994 unter dem Titel Shinjū. ISBN: 0679434224. 367 Seiten.
  • Bergisch Gladbach: Lübbe, 1996. Übersetzt von Wolfgang Neuhaus. ISBN: 3-7857-0857-2. 480 Seiten.
  • Bergisch Gladbach: BLT, 1999. Übersetzt von Wolfgang Neuhaus. ISBN: 3-404-92008-2. 555 Seiten.
  • Bergisch Gladbach: Bastei Lübbe, 2002. Übersetzt von Wolfgang Neuhaus. ISBN: 3-404-25827-4. 555 Seiten.
  • Augsburg: Weltbild, 2003. Übersetzt von Wolfgang Neuhaus. ISBN: 3828972233. 557 Seiten.
  • Bergisch Gladbach: Bastei Lübbe, 2008. Übersetzt von Wolfgang Neuhaus. ISBN: 978-3-404-15892-8. 555 Seiten.

'Der Kirschblütenmord' ist erschienen als HardcoverTaschenbuch

In Kürze:

Alles sieht aus nach einem gewöhnlichen 'shinju', dem Selbstmord eines Paares aus unglücklicher Liebe. Doch Sano Ichiro, jüngstes Mitglied der Polizeitruppe von Edo, ahnt, dass mehr dahinter steckt. Die Suche nach der Wahrheit führt ihn durch eine Welt, in der Schönheit und Grausamkeit dicht beieinander liegen – das alte Japan zur Zeit der Samurai.

Das meint Krimi-Couch.de: »Darauf einen Reisschnaps!« 85°Treffer

Krimi-Rezension von Jörg Kijanski

Japan, Edo, 1689: Sano Ichiro ist erst seit kurzer Zeit neuer Bezirksvorsteher der Polizei von Edo, da bittet ihn sein Vorgesetzter, der Magistrat Ogyu, einen scheinbar klassischen shinju, den gemeinsamen Selbstmord eines Liebespaares, zu untersuchen. Doch eigentlich bittet er Sano, genau dies nicht zu tun, denn es handelt sich bei der Frau um Yukiko, eine Tochter des einflussreichen Fürsten Niu, während der Mann, der Künstler Noriyoshi, lediglich aus einfachen Verhältnissen stammt. Daher soll der Leichnam Yukikos in aller Stille der Familie übergeben werden, der Leichnam des Mannes aber öffentlich zur Schau gestellt werden. Sano macht sich auf dem Weg zum Gefängnis von Edo und trifft dort den Arzt Genboku, den einstigen Leibarzt der kaiserlichen Familie. Dieser wurde in das Gefängnis verbannt, da er verbotene holländische Heilmethoden praktizierte und zudem wissenschaftliche Experimente durchgeführt hat. Die Leiche Yukikos wurde bereits vor dem Eintreffen Sanos an die Fürstenfamilie übergeben und Genboku eröffnet Sano, dass nur eine Sezierung Noriyoshis Klarheit darüber geben kann, ob es sich um Selbstmord oder gar um Mord handeln könnte. Die Leichen wurden aneinandergefesselt in einem Fluss gefunden und so müsste sich eigentlich eine größere Menge Wasser in den Lungenflügeln gesammelt haben. Widerwillig stimmt Sano der verbotenen Sezierung zu und kurz darauf steht fest, dass Noriyoshi ermordet wurde, da sich in seinen Lungenflügeln keinerlei Wasser befindet.

Sano besucht Fürstin Niu um ihr Informationen über ihre Tochter zu entlocken, doch diese beschwert sich kurzerhand bei Ogyu und dieser fordert Sano auf, den Fall umgehend als Selbstmord abzuschließen. Sano, der hin und her gerissen wird von seinem Treueschwur gegenüber seinem Vorgesetzten und seiner Pflicht zur Wahrheitsfindung, bleibt somit nur, Informationen über Noriyoshi zu sammeln, wobei ihn seine geheimen Ermittlungen in den Vergnügungsbezirk Yoshiwara führen. Dort lernt er die Kurtisane Wisterie kennen, die Sano mitteilt, dass Noriyoshi homosexuell gewesen, eine Beziehung zu Yukiko daher nicht denkbar sei und er zudem zahlreiche Feinde hatte, da er neben seiner künstlerischen Arbeit zusätzliche Einnahmen durch Erpressungen erzielte. Zu seinen Opfern zählten unter anderem der berühmte Kakubi-Schauspieler Kikunojo und der bekannte Sumo-Ringer Raiko. Aber nicht nur die beiden sind verdächtig, denn Raiko weist Sano darauf hin, dass Noriyoshi auch ein Mitglied der Familie des Fürsten Niu erpresst habe. Somit hat Sano endlich die gesuchte Verbindung zwischen Noriyoshi und den Nius, aber wie soll er seine Ermittlungen gegen den Willen seines Vorgesetzten weiterführen und zum Abschluss bringen? Dabei ahnt Sano nicht, dass er in ein wahres Wespennest stoßen wird und ihm größte Schwierigkeiten unmittelbar bevorstehen …

Die gute Nachricht gleich vorweg: »Sano Ichiros erster Fall« überzeugt auf ganzer Linie und ist ein hervorragender Auftakt zu einer viel versprechenden Serie. Es geht natürlich auch um die Aufklärung des vermeintlichen shinju, aber in Wirklichkeit um weitaus wichtigere Dinge, welche der Spannung halber an dieser Stelle nicht vorweg genommen werden sollen. Nur soviel: Wer die »SPQR«-Serie von John Maddox Roberts kennt, vermag zu erahnen was den Leser hier erwartet. So wie Roberts das »Alte Rom« zum Leben erweckt schafft es Laura Joh Rowland vortrefflich, den Leser in das Japan des 17. Jahrhunderts zu entführen. Wie in derartigen Werken üblich, wird die atmosphärische Schilderung durch zahllose Daimyo, Samurai, Ronin, Doshin, Yoriki, Yujo etc. mit Leben gefüllt, wobei ein umfangreiches Glossar am Ende des Buches die »Begriffe« detailliert erläutert. Hierbei findet der Asienkrimi-Fan nicht nur den bekannten traditionellen seppuku wieder, sondern lernt ebenso den weniger bekannten jigai (ritueller Selbstmord einer Frau) kennen. Spätestens beim kirisute freut man sich dann, dass man als »einfacher Bürger« im sogenannten Modernen 21. Jahrhundert lebt.

Fünfzehn Jahre nach der berühmten Schlacht von Sekigahara richtet der erste Shogun der Tokugawa-Familie in Edo das Zentrum seiner Militärdiktatur ein, doch der 75 Jahre später amtierende Shogun Tokugawa Tsunayoshi verlässt sich zu sehr auf sein umfangreiches Spionagenetzwerk, welches in eitler Selbstüberschätzung die Gefahren, welche von den entmachteten Daimyos ausgeht, nicht erkennt. Aber selbst die zahlreichen Yoriki (Polizei-Bezirksvorsteher) und Doshin (Polizeibeamte in niedrigeren Rängen), sind meist nur oberflächlich an der eigentlichen Polizeiarbeit interessiert. Vielmehr kosten sie ihre Privilegien reichlich aus und führen willkürlich Verhaftungen durch, nur um einen Fall ad acta legen zu können. Ein Wahrheitsfanatiker und Seiteneinsteiger wie Sano Ichiro, der eigentlich Lehrer bleiben wollte (bis sein Vater »bessere« Pläne für ihn hatte), kann da nur Probleme magisch anziehen. Erschwerend kommt hinzu, dass sein Vorgesetzter Ogyu aufgrund eigener Verfehlungen in der Vergangenheit durch das Fürstenhaus Niu erpressbar ist und so ist Sano Ichiro recht bald – vom Dienst suspendiert und eines Mordes beschuldigt – völlig auf sich allein gestellt, da sich auch sein Mentor von ihm abwendet. Die Figur des rechtschaffenen Sano wird wunderbar dargestellt und sein Einsatz für Wahrheit und Gerechtigkeit, wo doch ein schlichtes Weggucken ihm so viele Dinge vereinfachen würde, ist schlichtweg herzergreifend. Ebenso »beeindruckend« der erste »exotische, von den Barbaren eingeführte« seppun von Sano – da ist er immerhin schon 30 Jahre alt (seppun = Kuss).

Dabei stört den Leser kaum, dass einem der Plot inhaltlich bekannt vorkommt und das ein oder andere Klischee nicht nur nicht ausgespart, sondern geradezu mustergültig bedient wird. Ein Mordfall wird aufgeklärt, wobei Sano einem weitaus größerem Verbrechen auf die Spur kommt und der einsame Held wird erst von allen verachtet, nicht ernst genommen, und erhält am Ende dann eben doch den wohlverdienten Lohn für seine Sturheit – von allerhöchster Stelle versteht sich. »Ende gut – alles gut« möchte man lauthals rufen, denn es ist fürwahr ein Glück, dass Sano Ichiro nicht bei einer der sich zahlreich bietenden Gelegenheiten ums Leben kommt, denn dann würde man an weiteren Abenteuern dieses sympathischen Ermittlers verständlicherweise kaum teilhaben können.

Wer ein Faible für Krimis mit fernöstlichem Flair hat, sollte – sofern nicht bereits geschehen – Laura Joh Rowland und damit die Sano Ichiro-Reihe schnellstens kennen lernen. Darauf einen Reisschnaps!

Ihre Meinung zu »Laura Joh Rowland: Der Kirschblütenmord«

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Doris Skocek zu »Laura Joh Rowland: Der Kirschblütenmord« 25.01.2014
Sehr spannendes, vor allem geschichtlich interessantes Buch. Allerdings nichts für schwache Nerven, da die damalige Zeit in Japan sehr drastisch beschrieben wird: grausam und lebensverachtend. Der Gewissenskonflikt der Hauptperson, die zwischen Gehorsam,Pflichtbewusstsein und lückenloser Aufklärung der Verbrechen schwankt, ist beeindruckend wiedergegeben.
Janine,Elisa Weißkopf zu »Laura Joh Rowland: Der Kirschblütenmord« 12.12.2012
Das Buch ist echt Perfekt für meine Buchvoratellung. :-)
Ich hab mich reingelesen&' es war am Anfamg nicht ganz so spannend.
Aber nach einer Zeit..
Waao. :)
Hammer Buch echt Empfehlenswert meins ist zwar Orange aber supertoll.
:)

Ich hab es bei Kik gekauft..,
Das es da sowas giebt.
Und für 10€
Liegt das voll im budget.
:-):-):-)
danke gott, für das Buch,
Pestilencium zu »Laura Joh Rowland: Der Kirschblütenmord« 07.06.2011
Als Historischer-Japan-Fan habe ich mir das Buch schon vor längerer Zeit zugelegt und mehrmals mit dem Lesen begonnen und wieder abgebrochen - ich kam nämlich nicht in die Thematik rein. Eines Tages habe ich dann aber ganz gezielt das Buch gegriffen, erneut mit dem Lesen begonnen und es dann nicht mehr weggelegt. Ja, ich hatte es sogar im Büro mit um jede Minute, in der ich kurz die Arbeit weglegte, weiterlesen zu können.
Da ich schon in Japan war, konnte ich mir alles ganz herrlich vorstellen, doch das eigentliche was das Buch so grossartig macht, ist für mich Sano - also die Hauptfigur selbst.
Von Anfang bis zum Ende ist das Buch unglaublich gut durchstrukturiert, man folgt einem roten Faden, rätselt zwischendurch mit, ist erstaunt über die Wendungen und manchmal möchte man die Hauptfigur einfach nur knuddeln oder ohrfeigen (je nachdem was er grade anstellt oder denkt ^.^).
Bin vollumfänglich gut unterhalten worden und habe mir gleich alle nachfolgenden Bänder auch angeschafft.
hans gerber zu »Laura Joh Rowland: Der Kirschblütenmord« 07.10.2010
Dies war mein erster Rowland-Krimi. Ich habe ihn genossen. Ich hatte vorher eine Reihe der Richter-Di-Krimis von Van Gulik gelesen; mit der Zeit wurde mir die mehr oder weniger versteckte Lüsternheit in diesen Romanen zuwider. Aber diese Van-Gulik-Romane haben mein Interesse an Krimis aus Japan geweckt, so bin ich auf Rowland gestossen.
Es ist ein solides Buch, gut zu lesen; es ist und bleibt spannend – von der Handlung und von der Entwicklung der Figuren her; es ist kein blosser Who-done-it, nein, Umstände und Entwicklungen wird breit Rechnung getragen. Rowland ist eine gute Kennerin der Bräuche, Sitten und der Zwänge der japanischen Gesellschaft in dieser Zeit. Sie beschreibt sie detaillgenau und stimmig, manchmal ein wenig lehrerhaft. Sehr hilfreich ist das Glossar am Ende des Buches. Sie nimmt sich auch Zeit für präzise Beschreibungen von Personen, Umständen, Örtlichkeiten, Natur und Stimmungen in der Natur. Meine Wertung stimmt mit der von Jörg Kijanski überein: 85° Ich werde auf alle Fälle mit Sano Ichiros zweitem Fall weiterfahren.
Kritikpunkte:
1. Die Beziehungen zwischen den Menschen bleiben mir zu oberflächlich. Meistens schreiben Frauen mit mehr Interesse an Beziehungen und mit mehr Empathie.
2. Hauptfigur Sano ist zu sehr ein Mensch aus der heutigen Zeit – man nimmt ihm den Japaner des 17. Jahrhunderts nicht richtig ab. Sanos innere Konflikte werden zu sehr aus dem Selbstverständnis eines Europäers aus dem 20./21. Jahrhunderts angegangen.
3. Es hat Teile, in denen die Hobbyaktivitäten von Sano etwas stark Jugendbuch-Charakter haben, z.B. in Kp. 20, als er in eine Sommervilla eindringt, oder etwas vorher, wo er im Karl-May-Stil Wächter belauscht.
4. Die Handlung überspringt manchmal Teile, die man erwartet hat; Beispiel: Nachdem er mit einer Informantin ausserhalb eines abgelegenen Klosters gesprochen hatte, war es dunkel, der Weg war noch weit, steil, gefährlich, er war müde und hatte eigentlich Angst, den Weg zu gehen – aber es gibt einen Schnitt und Sano ist zurück in Edo. Keine kurze Rückblende, kein Kommentar.
Seitenfresser zu »Laura Joh Rowland: Der Kirschblütenmord« 16.04.2010
Liebe Leser,

"Der Kirschblütenmord" von Laura Joh Rowland ist von Anfang an ein spannender,
lebendig geschriebener Krimi, der vor dem Ende noch einmal beträchtlich an Tempo zulegt; es fällt dann wirklich schwer, das Buch vor der letzten Zeile aus der Hand zu
legen!

Wer Interesse an asiatischen Frühzeit-Krimis hat, sei auch an den Autor

R o b e r t v a n G u l i k

verwiesen: dieser hat das wirkliche Vor-
bild des Richters Di aus dem China des 7. Jahrhunderts benutzt, um ca. ein Dutzend Kriminalfälle zu beschreiben. Van Gulik war
von seinem beruflichen Hintergrund
Sinologe und verstand es, Altes, für uns Fremdartiges, mit Leben zu erfüllen.

Wer unverbindlich schnuppern möchte:
das Werk wird ev. auch in öffentlichen Stadtbücherein zu haben sein.

Die Autorenangabe in einer Internet-Suchmaschine bringt ansonsten Hilfreiches.

Viel Spass wünscht "Seitenfresser"
krimiteufel82 zu »Laura Joh Rowland: Der Kirschblütenmord« 26.02.2009
dieses buch war nicht mein geschmack.

mich hat das mittelalter in dem das buch spielt, sowie geschichtliche hintergründe nicht wirklich gereizt.

einblicke in die japanische kultur erhält man, doch habe ich mir das buch spann-
ender vorgestellt.

wie viele schon verdeutlicht haben, ist es eher was für japan- und geschichtsfans. da mir dieser krimi doch zu historisch war.
Odien zu »Laura Joh Rowland: Der Kirschblütenmord« 28.02.2008
Inzwischen habe ich die ersten 7 Bücher gelesen, den Kirschblütenmord sogar schon zwei mal. Ich bin immer wieder fasziniert von den Sitten und Bräuchen im Zeitalter der Samurai. Eine klasse Mischung aus Krimi und Geschichtsstunde. Weglegen kann man das Buch partout nicht, wenn man es erstmal angefangen hat. Freu mich auf die nächsten.
mase zu »Laura Joh Rowland: Der Kirschblütenmord« 07.08.2007
Für Freunde der beschaulichen Kriminalliteratur und Liebhaber des Fernen Ostens ein Leckbissen. Die Kultur im japanischen Mittelalter wird anschaulich beschrieben ohne lehrerhaft zur wirken.
Unvermutet nimmt im letzten Drittel des Buches die Geschichte sogar noch Fahrt auf und wird rasant. Ich bereue diese 550seitige Exkursion ins stolze Samurai-Zeitalter kein bisschen und freue mich auf das nächste Abenteuer von Sano.
susanne schiller zu »Laura Joh Rowland: Der Kirschblütenmord« 21.06.2007
das Japan der alten Zeit,,tolle Krimiserie,einfach ein Muß für Krimi und Japan-Fans,,,nie wird es langweilig und ich hoffe auf noch mehr als 10.Fälle des Sano Ichiro...
D. Bierlein zu »Laura Joh Rowland: Der Kirschblütenmord« 07.02.2007
Die gesamte Reihe ist ein absolutes Muß für jeden Krimi- und Japanfans.
Mittlerweile gibt es die beiden ersten in einer Sonderauflage.
Das neunte ist der absolute Hammer.
Viele Grüße

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