Die Spur auf dem Steg von Lars Rambe

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2007 unter dem Titel Spåren på bryggan, deutsche Ausgabe erstmals 2010 bei dtv.
Ort & Zeit der Handlung: Strängnäs/Schweden, 1990 - 2009.

  • Strängnäs: Kura skymning, 2007 unter dem Titel Spåren på bryggan. 489 Seiten.
  • München: dtv, 2010. Übersetzt von Holger Wolandt & Lotta Rüegger. ISBN: 978-3423211895. 398 Seiten.
  • [Hörbuch] Daun: TechniSat Digital, Radioropa Hörbuch, 2010. Gesprochen von Michael Seeboth. ISBN: 3836805413. 10 CDs.

'Die Spur auf dem Steg' ist erschienen als TaschenbuchHörbuch

In Kürze:

Einem Insassen der Nervenklinik von Strängnäs gelingt 1965 mitten in der Nacht während eines verheerenden Schneesturms die Flucht. Am nächsten Morgen findet man ihn und eine junge Frau ermordet und festgefroren im Eis. Fredrik Gransjö, ein junger Journalist, berichtet im Jahr 2005 über einen vierzig Jahre zurückliegenden Krankenhausskandal. Kurz danach erschüttert ein grausamer Mord die Stadt. Die ermittelnden Polizisten und Gransjö müssen tief in der Vergangenheit graben, um einer tragischen Geschichte von Liebe, Freundschaft und Verrat auf die Spur zu kommen.

Das meint Krimi-Couch.de: »Und wieder wird ein alter Mordfall in der Gegenwart aufgeklärt« 70°

Krimi-Rezension von Jörg Kijanski

Januar 1965:

Göran Svensson, Patient des Psychiatrischen Krankenhauses Sundby auf der Insel Tosterön, gelingt eines Nachts die Flucht aus der geschlossenen Anstalt. Nur unzulänglich bekleidet läuft er durch die verschneite Gegend, um in der nahe gelegenen Stadt Strängnäs das Haus seiner Eltern zu erreichen. Am nächsten Morgen werden auf einem zugefrorenen Eisloch vor Strängnäs zwei Leichen gefunden. Svensson und die 22-jährige Lisa Gröndahl, die aus einer angesehenen Familie der Kleinstadt stammt, wurden offenbar ermordet. Doch schnell ist für die aufgebrachte Bevölkerung klar, dass der entflohene Irre das hübsche Mädchen erschlagen und sich anschließend selbst umgebracht haben muss. Aber warum hielt sich die junge Lisa überhaupt in aller Frühe und bei bitterer Kälte an dem Steg auf? Von Svenssons Flucht konnte sie unmöglich wissen, so dass sie sich vermutlich mit einer anderen Person dort treffen wollte. Wie Inspektor Sven Aronsson herausfindet hatte Lisa einige Verehrer und so vermutet er, dass noch eine unbekannte dritte Person in die dubiosen Morde verwickelt sein muss. Auch die seltsamen Arbeitsmethoden der Klink geraten in das Visier der Ermittler, doch muss sich Aronsson letztlich geschlagen geben und den Fall ungelöst zu den Akten geben.

November 2005:

Der Journalist Frederik Gransjö zog mit seiner Familie aus Stockholm nach Strängnäs, um sich auf ein ruhigeres Reporterleben einzustellen. Zuvor war er in Stockholm als Kriminalreporter tätig, während er nun hauptsächlich über lokalpolitische Themen schreibt. So interessiert ihn besonders die Auflösung eines militärischen Geländes, auf dem eine hochwertige Bebauung entstehen soll. Entsprechend begehrt und umkämpft sind die Grundstücke. Als er auf den ungelösten Doppelmord aus dem Jahr 1965 stößt, kommt Gransjö die Idee zu einer historischen Artikelreihe über die inzwischen geschlossene Anstalt. Allerdings scheint sein erster Artikel nicht überall gut anzukommen, denn kurz nach dessen Erscheinen wird die furchtbar entstellte Leiche eines Mannes gefunden, der bereits vor vierzig Jahren im Visier der Ermittler stand.

Lars Rambes Debütroman ist von seiner Idee her sicher keine Offenbarung. Ein jahrzehntelang zurückliegender und bis heute ungelöster Doppelmord steht in direktem Zusammenhang mit einem aktuellen Tötungsdelikt. Wie nicht anders zu erwarten, erschließen sich nach und nach die Zusammenhänge und Verwicklungen bis letztlich beide Fälle aufgelöst werden. Dies ist nicht gerade neu, aber die Erzählweise Rambes vermag zunächst zu überzeugen. Anfangs liegt der Schwerpunkt der beiden Erzählstränge in den Ereignissen des Jahres 1965 und dem erfolglosen Versuch Aronssons den Doppelmord aufzulösen. Gleichzeitig werden recht ausführlich die mitwirkenden Personen vorgestellt, die, welch’ Wunder, auch in der Gegenwart des Jahres 2005 wieder mit von der Partie sind. Dabei gelingt es dem Autor zusätzliche Spannung aufzubauen, in dem er immer wieder die Perspektiven wechselt, wobei nicht immer klar ist, von welcher Figur gerade die Rede ist. So gibt es schrittweise kleine Fingerzeige auf die damaligen Ereignisse, ohne dass man diese einer bestimmten Person konkret zuordnen kann.

Der Erzählstil ist insgesamt detailverliebt und eher behäbig. Der aktuelle Mord im Jahr 2005 wird erst auf Seite 178(!) entdeckt. Danach folgen 200 weitere Seiten in denen die Handlung beziehungsweise besser gesagt das Verhalten einiger Verdächtiger zunehmend außer Kontrolle gerät. Die Nervosität der Beteiligten eskaliert und gerade hier gilt wie so oft, dass weniger manchmal eben doch mehr ist. Die Kapriolen am Ende des Romans trüben jedenfalls stark den insgesamt recht angenehmen Gesamteindruck. Hier gilt es aufzupassen, zumal wenn gleiche Vor- und Nachnamen mehrfach vorkommen. Eine zweiseitige Personenübersicht im Anhang erleichtert allerdings die Orientierung. Insgesamt ist Die Spur auf dem Steg ein kurzweiliger Debütroman, dem man durchaus eine Chance einräumen kann und der erahnen lässt, dass der Autor sich noch deutlich steigern kann. Wer sich für die Variante »Alter Mord wird in der Gegenwart aufgeklärt« interessiert, darf zugreifen.

Jörg Kijanski, Juli 2010

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