Die vierte Tochter von Krystyna Kuhn

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2003 bei Piper.
Ort & Zeit der Handlung: , 1990 - 2009.

  • München; Zürich: Piper, 2003. 283 Seiten.
  • München; Zürich: Piper, 2004. 282 Seiten.

'Die vierte Tochter' ist erschienen als

Das meint Krimi-Couch.de: »Garantiert ein heißes Eisen« 78°

Krimi-Rezension von Wolfgang Weninger

Müllverwertung Bad Nauheim. Ein skelettierter Schädel erschrickt eine polnische Gastarbeiterin, die am Sortierförderband zur Altpapierpresse ihre Pflicht erfüllt.

Zur selben Zeit rauft sich die Anthropologin Franka die Haare in ihrer Wohnung im Haus der Eltern. Handwerker! Baumaschinenlärm! Und verquollene Augen vom Heulen, den Magnus und sie haben sich getrennt. Und dann das Telefon! Schädelfund! Ab an den Fundort, die Arbeit wartet. Wenn es auch nicht gerade ein geschichtlich interessanter Fund ist, manchmal braucht auch die Polizei Unterstützung, immerhin weist der Schädel ein unnatürliches Loch auf.

Zurück daheim, bleibt Franka keine Zeit zum Ausruhen. Handwerkerverwüstung! Und dann läutet es an der Tür. Maria Zanardi will dringend Frankas Vater, von Beruf Arzt, sprechen. Aber der ist mitsamt der restlichen Familie in Wien.

Rechtsmedizinisches Institut. Auf Franka wartet der Schädel und ein neuer Vorgesetzter, Dr. Veit. Auf dessen Labortisch liegt eine weibliche Leiche, Maria Zanardi. Gefunden auf einer Baustelle, Neubau Parkhochhaus, knapp bevor betoniert wird. Exekutiert mit drei Schüssen. Was wollte die Frau von Frankas Vater, der sie angeblich nicht kannte, obwohl diese von einem Wiener Arztkollegen direkt avisiert worden war. Gemeinsam mit ihrer Freundin Theresa erwacht in Franka detektivischer Spürsinn. Alle Spuren führen nach Wien. Maria Zanardi behauptete von sich selbst, eine Urenkelin der Kaiserin Elisabeth zu sein und dies beweisen zu können. Als Bibliothekarin an der Österreichischen Nationalbibliothek konnte sie alle Fakten rekonstruiert haben. Aber Franka stößt auf eine Mauer des Schweigens, wenn es um diese Frau geht. Alles nur Zufall, und die Polizei spricht von Raubmord.

In der Zwischenzeit hat Theresa interessante Fakten über Frau Zanardi im Internet gefunden. So interessant, dass die beiden Frauen beschließen, sich nach Wien zu begeben und das Geheimnis zu lüften. Doch in Wien wird das Schweigen noch beklemmender. Mauernde Rechtsanwälte, vergessliche Psychologen und für Theresa diese unwiderstehlich charmanten, österreichischen Männer, die richtigen Ingredienzien, um den tödlichen Cocktail aus Monarchie, Geld und Adel zu mixen.

Und der Schädel aus dem Müll? Ja, für den gibt es auch eine Klärung.

Krystyna Kuhn, Jahrgang 1960, geboren in Würzburg, bewegt sich in ihrem zweiten Roman »Die vierte Tochter« im inzwischen modern gewordenen Krimiumfeld von Forensik und Anthropologie, das sie im Kurort Bad Nauheim und in Wien ansiedelt. Ihre Protagonisten Franka durchlebt eine ähnlich psychische Berg- und Talbahn, wie man sie von Kriminalisten aus den Nordlandkrimis kennt. Hier wird also mit allen aktuellen Mitteln der gegenwärtigen Kriminalliteratur gefochten und das, zugegeben, gar nicht schlecht.

Als Ortsansässiger interessierten mich naturgemäß jene Passagen besonders, die sich auf Wiener Boden abspielten, und hier muss man der Autorin bescheinigen, dass sie sich in ihren Recherchen perfekt vorbereitet hat. Die Thematik, sich des Sissi-Mythos zu bemächtigen und in heutigem Umfeld anzusiedeln, bringt den Leser jedoch weg vom gewohnten Täter-Mörder-Einerlei und obwohl im Nachwort darauf hingewiesen wird, dass Frau Kuhn hier lediglich ihre Phantasie hat spielen lassen, wirkt jedes Wort echt. Das darf man auch von der Schreibweise behaupten, denn die Dialoge laufen flüssig ab, die Personen agieren mit Herz und Hirn und der Roman weist von Anfang bis Ende keinerlei Längen auf. Die Spannung wird reichlich rasch aufgebaut, schnell erfährt der Leser, worum es geht und es sind genügend Actionelemente vorhanden, um so zu fesseln, dass man dieses Buch, so wie ich, in einem Zug ausliest. Dabei kommt auch der, manchmal leicht zynische, Humor nicht zu kurz.

Kurz und gut, es macht Spaß, dieses Buch zu lesen. Der Piper Verlag München hat mit dieser Veröffentlichung garantiert ein heißes Eisen vorgelegt, der dem Fan von deutschen Krimis sicherlich zusagen wird.

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Sandra zu »Krystyna Kuhn: Die vierte Tochter« 13.11.2007
Ich Finde das Buch total spannend .so wie alle Bücher von Krystyna Kuhn nur weiter zu emfelen !
Ich Habe die schneewitschen Falle an einem Tag gelesen und Das engelshaar Auch : ) !
Ich Finde die Autorin Total Toll und so Ideen Reich Ainfach nur toll (so will ich auch werden !! )
Sandra 12 J. Rodenbach : ) : )
krimibee zu »Krystyna Kuhn: Die vierte Tochter« 06.01.2006
"Die vierte Tochter" hat mir noch besser gefallen als "Engelshaar" (der Nachfolger). Obwohl ich die Rezension hier gelesen hatte, war ich dennoch überrascht, was am Ende auf mich zukam. Und das ist auch gut so:-)

Die Story ist originell und gut lesbar. Ich habe das Buch an zwei Tagen durchgelesen und war wie gebannt. Krystyna Kuhn beweist damit, daß man in Deutschland packende Geschichten schreibt.

Den Sisi-Mythos finde ich gar nicht so abgedroschen. Schade ist eigentlich nur, daß jeder nur die Filme kennt, die an Weihnachten über die Mattscheiben flimmern und glaubt, dies wäre die Wahrheit. Die österreichische Kaiserin war ein wesentlicher vielschichtigerer Mensch (z.B. psychisch angeschlagen) und ein wenig davon hat Krystyna Kuhn auch vermittelt. Ein empfehlenswertes Buch dazu ist m.E.: Elisabeth, Kaiserin wider Willen von Brigitte Hamann.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
K. Auth zu »Krystyna Kuhn: Die vierte Tochter« 04.05.2003
Ein mutiges Unterfangen, ein derart "ausgereiztes" und oft verkitscht dargestelltes Thema aufzugreifen, auf historisch nicht geklärte Details und Fragen aufmerksam zu machen und durch die deutlich erkennbare gründliche Recherche und Kreativität der Autorin dennoch spannend und interessant zu gestalten. Die Auflösung jener originellen Story bleibt tatsächlich bis zum Schluss spannend und offen, die Auseinandersetzung der Protagonistin mit eigenen Konflikten, insbesondere mit dem Thema Sterben, der Herkunftsfamilie sowie mit Freundschaft und Liebe, aber vor allem auch mit der Thematik des Krimis wirken ehrlich, glaubwürdig und spiegeln durchaus die Konflikte einer heutigen Frau wider, die nicht nur ihre fachliche Kompetenz ständig beweisen muss und dies auch tut, sondern ihren Weg und ihre Rolle als Frau suchen und finden muss.
Was mir am meisten gefällt, ist neben der wirklich kreativen Story und der entsprechend gründlichen Recherche das Hauptthema des Krimis, nämlich die Hervorhebung der Würde eines Menschen über den Tod hinaus, das Recht auf eine eigene Geschichte und die Klärung offener Fragen und der sensible Umgang mit der herausgefundenen Wahrheit - und das Infragestellen derer, die jene Auseinandersetzung und Würdigung fast um jeden Preis verhindern wollen.
Ein Roman, der Aufmerksamkeit und Würdigung verdient.
0 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Cavewoman zu »Krystyna Kuhn: Die vierte Tochter« 01.05.2003
Originelle Story, auch wenn es am Schluß dann doch ziemlich unglaubwürdig wird.
wolfgang dehm zu »Krystyna Kuhn: Die vierte Tochter« 17.04.2003
Spannend, rasantes Erzähltempo, erfrischend direkte Sprache, gründlich recherchiert bezüglich wissenschaftlich/technischer Details. Ein Buch, das man nicht eher aus der Hand legt, bis man es verschlungen hat.
marion m zu »Krystyna Kuhn: Die vierte Tochter« 13.04.2003
Reizvolles Spiel mit Habsburger-Nostalgie und dem Heute
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