Das zweite Gedächtnis von Ken Follett

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2000 unter dem Titel Code to Zero, deutsche Ausgabe erstmals 2001 bei Lübbe.

  • London: Macmillan, 2000 unter dem Titel Code to Zero. 374 Seiten.
  • Bergisch Gladbach: Lübbe, 2001. Übersetzt von Till R. Lohmeyer & Christel Rost. ISBN: 3-7857-2059-9. 448 Seiten.
  • Augsburg: Weltbild, 2002. Übersetzt von Till R. Lohmeyer & Christel Rost. ISBN: 3828970613. 448 Seiten.
  • Bergisch Gladbach: Bastei Lübbe, 2003. Übersetzt von Till R. Lohmeyer & Christel Rost. ISBN: 3-404-14911-4. 447 Seiten.
  • Bergisch Gladbach: Bastei Lübbe, 2004. Übersetzt von Till R. Lohmeyer & Christel Rost. ISBN: 3-404-26369-3. 447 Seiten.
  • Köln: Bastei Lübbe, 2012. Übersetzt von Till R. Lohmeyer & Christel Rost. ISBN: 978-3-404-27081-1. 448 Seiten.
  • [Hörbuch] Bergisch Gladbach: Lübbe Audio, 2003. Gesprochen von Frank Glaubrecht. ISBN: 3-7857-1309-6. 5 CDs.
  • [Hörbuch] München: audio media, 2007. Gesprochen von Frank Glaubrecht. ISBN: 3939606421. 5 CDs.

'Das zweite Gedächtnis' ist erschienen als HardcoverTaschenbuchHörbuch

In Kürze:

Ein Mann erwacht in einem dunklen, kalten Raum. Er öffnet die Augen und stellt fest, dass er auf dem Fußboden einer öffentlichen Toilette liegt. Und dass er sich an nichts mehr erinnern kann.
Ohne einen Cent in der Tasche macht Luke, der Mann ohne Gedächtnis, sich daran, herauszufinden, was mit ihm geschehen ist. Bald wächst in ihm der schreckliche Verdacht, dass der Verlust seiner Erinnerung nicht auf natürlichen Ursachen beruht. Hat er etwas gewusst, das so brisant war, dass man ihm die Vergangenheit raubte, um ihn zum Schweigen zu bringen?

Das meint Krimi-Couch.de: »Der Wettlauf zum Mond hat begonnen« 82°

Krimi-Rezension von Peter Kümmel

Wenn ein neuer Roman von Ken Follett erscheint, ist man zunächst einem gespannt darauf, welches Thema der vielseitige britische Schriftsteller dieses Mal behandelt. Mal geht es um mittelalterliche Dombaukunst, mal um irische Bergarbeiter oder aber um aktuelle Themen wie Gen- oder Erdbebenforschung. Das Thema Spionage an sich ist nun für Follett nicht gerade innovativ, doch »Das zweite Gedächtnis« entführt den Leser in das Jahr 1958 zum Start des ersten amerikanischen Weltraumsatelliten, in die Zeit des Beginns des Wettlaufs zum Mond zwischen Russen und Amerikanern.

Ein Mann erwacht mit Kopfschmerzen und Übelkeit in einer Bahnhofstoilette, betrachtet sich im Spiegel und sieht einen Penner. Doch wie ist er dorthin gekommen, und wer ist er überhaupt? Er kann sich an gar nichts mehr erinnern. Ein anderer Landstreicher spricht ihn mit Luke an. Doch etwas Intelligenz ist ihm anscheinend geblieben. In einer kleinen Kirche, in der Frühstück an Landstreicher ausgegeben wird, löst er mühelos ein Kreuzworträtsel. Er merkt, dass er verfolgt wird und kennt Tricks, den Verfolger abzuschütteln. War er etwa Polizist oder Geheimdienstler? Nach und nach erkennt er, welche Fähigkeiten er besitzt und versucht daraus zu schließen, was er sein könnte.

In einer Bibliothek versucht er anhand verschiedener Fachbücher herauszufinden, wovon er etwas versteht. Mathematik und Physik sind ihm nicht unbekannt, doch die »Grundlagen des Raketenbaus« sind mit Sicherheit sein Fachgebiet. So schlägt er sich, nachdem er ordentliche Kleidung gestohlen hat, zu einem Kongreß an der Universität durch, wo er schließlich als Dr. Claude Lucas, genannt »Luke«, erkannt wird. Er arbeitet unter Wernher von Braun in dem Team, das am gleichen Abend in Cape Canaveral den ersten amerikanischen Satelliten in den Weltraum schießen will.

Sein Gedächtnisverlust muß etwas mit diesem Ereignis zu tun haben. Mit Hilfe von Freunden, an die er sich nicht mehr erinnert und die er erst wieder neu kennenlernen muß, versucht Luke, Schritt für Schritt die vergangenen Tage nachzuvollziehen. Doch woher soll er wissen, wer wirklich seine Freunde und wer seine Feinde sind?

Die fünf Hauptpersonen studierten 1941 gemeinsam an der Universität in Harvard und standen im Krieg im Dienst der OSS, der Vorläufer-Organisation der CIA:

  • Claude Lucas, genannt »Luke«, studierte Raketentechnik und arbeitet an der Entwicklung des amerikanischen Satellitenprogramms.
  • Elspeth Twomay studierte Mathematik und war an der Universiät Lukes Freundin. Später verloren sie sich aus den Augen, trafen sich 1954 wieder, und heirateten. Auch Elsbeth arbeitet am Raketenprogramm mit.
  • Anthony Carroll wurde ein Kriegsheld, blieb beim Geheimdienst und machte dort Karriere als »Leiter der Technischen Dienste«. Anthony hat Luke viel zu verdanken. Er durfte 1941 nur deshalb weiterstudieren, weil Luke die Schuld auf sich nahm, als Anthony seine damalige Freundin Billie mit auf sein Zimmer nahm.
  • Bern Rothsten wurde Schriftsteller, geriet als Kommunist auf die Schwarze Liste der McCarthy-Ära und verdiente danach sein Geld mit dem Schreiben von Kinderbüchern.
  • Billie Josephson, jüdischer Abstammung, wurde Psychologin und schrieb ein grundlegendes Werk über die Natur des Gedächtnisses. Billie war mit Ben verheiratet und hat mit ihm zusammen einen Sohn, Larry. Trotz der Scheidung kommen die beiden gut miteinander aus. Zur Studienzeit war Billie mit Anthony befreundet, hatte jedoch eine Affäre mit Luke.

Der sowjetische Sputnik war 1957 der erste Satellit, den Menschen in den Weltraum schossen. Die Amerikaner hatten eine empfindliche Niederlage einstecken müssen, denn mit ihren Raketen erlitten sie zunächst einige Fehlschläge. Doch der Wettlauf zum Weltraum war nicht nur ein Kampf der Nationen, sondern ein Kampf der verschiedenen politischen Systeme. Deshalb war es für die Amerikaner ungeheuer wichtig, dass am 29. Januar 1958 beim Start von Explorer I alles glatt lief, um den Kampf gegen das verhasste kommunistische System nicht von vornherein verloren geben zu müssen. Doch zweimal musste der Start kurzfristig um einen Tag verschoben werden. Wie die Geschichte weiterging, dürfte allgemein bekannt sein.

Ganze drei Tage umfasst die Handlung des Buches, doch in atemberaubender Geschwindigkeit minutiös erzählt, so daß man kaum zum Luftholen kommt. Streng chronologisch, doch aus verschiedenen Sichtweisen und an wechselnden Schauplätzen beschreibt Follett das Geschehen. Die Uhrzeit bildet dabei die Kapitelüberschriften. Unterbrochen wird das Ganze nur von Rückblenden zunächst in die Jahre 1941 und 1943, später in das Jahr 1954, als Luke seine Frau Elspeth heiratete, um dem Leser die Beziehungen der Hauptdarsteller untereinander näher zu bringen. Jedem Kapitel vorangestellt ist ein kurzer Absatz, der einen Teil der Rakete beschreibt, die somit von Anfang an zum zentralen Bestandteil des Romans gemacht wird, obwohl erst später ersichtlich wird, welche Rolle sie in dem Buch spielt.

Wie von Follett nicht anders gewohnt, ist das Buch überaus flüssig geschrieben. Die Spannung leidet eigentlich kaum darunter, dass der Leser durch die wechselnden Szenen weitaus mehr weiß als sein Protagonist Claude Lucas, der sich jede Information nach seinem Gedächtnisverlust erst wieder mühsam erarbeiten muß.

Der Roman ist vorwiegend auf die fünf Hauptdarsteller ausgelegt, die überaus genau dargestellt werden. Jeder hat dabei seine Stärken und Schwächen und wird nicht in irgendeine Schublade gezwängt. Beeindruckend, wie gut Follett die Entwicklung der Charaktere von ihrer Studienzeit ab in nur wenigen Rückblenden dargestellt hat. Leider jedoch hat er nicht so viel Wert auf Nebendarsteller gelegt, die doch größtenteils recht blaß bleiben.

Selbstverständlich darf bei Follett auch eine romantische Liebesgeschichte nicht fehlen.

Ein großer Pluspunkt sind die Recherchen des Autors. So einiges hat man sich sicher anders vorgestellt beim Beginn der Raumfahrtära. Hervorragend integriert sind die historischen Geschehnisse in die fiktive Handlung des Romans. Sehr glaubhaft dargestellt ist die Erklärung für die Verschiebung des Raketenstarts und vielleicht steckt sogar das eine oder andere Körnchen Wahrheit darin. So genau wird man das sicher nie erfahren. Und obwohl das Thema Gedächtnisverlust in Romanen schon reichlich abgegriffen ist, war es selten so logisch nachvollziehbar geschildert wie hier.

Daß Follett keine tiefgründigen anspruchsvollen Romane schreibt, weiß jeder, der bereits ein Buch von ihm gelesen hat. Aber der Autor geht ins Detail und liefert für alles eine Erklärung, so daß man als Leser das Buch befriedigt beiseite legen kann und keine Fragen offen bleiben. Mit »Das zweite Gedächtnis« ist ihm wieder ein spannender Unterhaltungsroman gelungen, in den man sich so richtig vertiefen und mit den Helden mitfiebern und mitleiden kann, ohne sich geistig übermäßig anzustrengen.

Ihre Meinung zu »Ken Follett: Das zweite Gedächtnis«

Helfen Sie anderen Lesern, indem Sie einen Kommentar zu diesem Buch schreiben und den Krimi mit einem Klick auf die Säule des Thermometers bewerten. Und bitte nehmen Sie anderen Lesern nicht die Spannung, indem Sie den Täter bzw. die Auflösung verraten. Danke!

Y.T. zu »Ken Follett: Das zweite Gedächtnis« 17.10.2014
Das Buch ist sehr... geil. Was mir am meisten gefallen hat:
1. Mit jedem Kapitel werden verschiedene Ansichten erläutert... Und diese Zwischensequenzen in der Vergangenheit haben mivh quasi geflasht, wie sie in Verbindung mit der Gegenwart kommen.
2. Das absolut geile und befreiende Ende... Wie die ganze Anspannung bei Luke zusammenfällt, fällt es auch bei dem Leser zusammen...
stefman zu »Ken Follett: Das zweite Gedächtnis« 18.08.2012
Das Buch war gut, aber die Übersetzung eine Katastrophe! Wer will denn in einem Buch aus dem Jahr 2000 formulierungen hören wie: "Als sie seiner ansichtig wurde"???
Dastut schon wirklich weh!
Aber, wie gesagt: sieht man über die Übrsetzung und den unsäglichen Epilog hinweg, dann wird man gut unterhalten.
Besserwisser zu »Ken Follett: Das zweite Gedächtnis« 01.08.2010
Spannend geschrieben, aber das Ende war zu offensichtlich und hat mich dann schließlich enttäuscht. Es ist alles so eingetreten wie es zu erwarten war, keine spannende Wende am Schluß oder etwas aussergewöhnliches. Der Verlauf der Geschichte ist sehr spannend geschrieben und tatsächlich fällt es schwer das Buch zu unterbrechen, jedoch war die Erwartungshaltung eines überaus spannenden und unerwarteten Endes der Geschichte bei mir sehr hoch.
Patzi zu »Ken Follett: Das zweite Gedächtnis« 10.11.2009
Ich bin begeistert. Ken Follett hat mal wieder meine Erwartungen vollkommen erfüllt. Ein wirklich spannender Agententhriller. Man kann durch Folletts flüssige Schreibweise den aus mehreren Strängen bestehenden Roman flüssig lesen. Das Buch ist logisch aufgebaut und das Ende überzeugend. Für alle Fans von klassischen Agentromanen ein absolutes Muß.
Karolina zu »Ken Follett: Das zweite Gedächtnis« 28.08.2008
Naja, hab mich mehr oder weniger da durchgequält ... 90% der Handlungen waren zu erahnen, was die Spannung sehr in Grenzen hielt.
Sympathische Charaktere,gute story, mehr aber auch nicht ... ein Buch von Herrn Follett wird so bald nicht in meine Hände kommen ... aber ich werd´s irgendwann wieder versuchen ...
0 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
WelpeMax zu »Ken Follett: Das zweite Gedächtnis« 30.07.2008
Eine wirklich tolle Geschichte a la "Die Bourne Identität", habe das Buch sehr schnell durch gehabt und es ist empfehlenswert dieses Buch zu lesen, weil es interessant ist wie ein Mensch versucht sein verloren gegangenes Gedächtnis wiederzufinden!
0 von 6 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
vveeteren zu »Ken Follett: Das zweite Gedächtnis« 23.06.2008
Dieses Buch war vor ein paar Jahren, das erste was ich von Ken Follett gelesen habe. Ich muss euch sagen..ich war absolut begeistert. Ich habe das Buch verschlungen und konnte es nicht mehr aus der Hand legen. Sehr spannend und super zu lesen, wie "Luke" so nach und nach sein Gedächnis wieder aufbaut. Viel Spass beim lesen.
1 von 3 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
ABaum71 zu »Ken Follett: Das zweite Gedächtnis« 12.06.2008
Mit diesm Buch ist es Ken Follett mal wieder gelungen mich in seinen Bann zu ziehen.
Eine überaus gelungene Story die zur Zeit der Anfänge der Eroberung des Weltraumes spielt. Die Story dreht sich um " Luke" , den Mann der sein Gedächtnis verloren hat und seine vier Freunde aus Collegezeiten.
KF beschreibt über einen Zeitraum von drei Tagen wie Luke sich Stück für Stück seine Erinnerungen wieder erarbeitet.
Es kommt heraus, dass Luke wohl irgend etwas mit dem bevorstehenden Start der Explorer 1 zu tun hat, und das mindestens einer seiner Freunde ihn betrogen hat (und es auch immer noch tut ?).
Die Ursprünge scheinen in der gemeinsamen Vergangenheit während des Krieges im amerikanischen Geheimdienst zu finden, und könnte wegweisend sein für die Zukunft der Amerikanischen Raumfahrt
Gekonnt beschreibt der Autor die Verhältnisse der Protagonisten zueinander auch mit Hilfe von kurzen Rückblenden, die aber der Spannung keinen Abbruch tun, im Gegenteil, diese Rückblenden verstärken eher noch die Spannung, und vertiefen die Beziehungen der Protagonisten untereinander.
Wie in Mitternachtsfalken darf natürlich auch hier das Happy End nicht fehlen.
Dieses Buch hat mich bis zum Schluss begeistert und Geschmack auf mehr gemacht.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
meltem zu »Ken Follett: Das zweite Gedächtnis« 03.06.2008
Ich habe das Buch neu angefangen und naja ehrlich gesagt finde ich auch das es eine Last ist anstatt Lust aber naja irgendwie kann ich es auch nicht ablegen :D
naja ich werde es zu ende lesen
0 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Cone zu »Ken Follett: Das zweite Gedächtnis« 15.04.2008
Des Buch ist der hammer!
Der beste Krimi aller Zeiten!!!
wer einmal angefangen hat kommt so schnell nicht mehr los.
ich hab das buch an eim stück gelesen...man schaffts nicht davon abzulassen!
große klasse

Dies sind nur die ersten 10 Kommentare von insgesamt 16.
» alle Kommentare anzeigen

Ihr Kommentar zu Das zweite Gedächtnis

Hinweis: Fragen nach einem fertigen Referat, einer Inhaltsangabe oder Zusammenfassung werden gelöscht.

Seiten-Funktionen: