Jack Taylor geht zum Teufel von Ken Bruen

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2010 unter dem Titel The devil, deutsche Ausgabe erstmals 2012 bei Atrium.
Folge 8 der Jack-Taylor-Serie.

  • Dublin: Transworld Ireland, 2010 unter dem Titel The devil. 300 Seiten.
  • Zürich: Atrium, 2012. Übersetzt von Harry Rowohlt. ISBN: 978-3855350513. 320 Seiten.

'Jack Taylor geht zum Teufel' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

In einer Flughafenbar trifft Jack Taylor zufällig auf einen elegant gekleideten Fremden mit blondem Pferdeschwanz, französischem Akzent und deutschem Pass. Als er später beauftragt wird, einen verschwundenen Studenten zu suchen, der Kontakt zu Satanisten pflegte, hat Jack die Begegnung schon fast wieder vergessen. Doch im Zuge seiner Ermittlungen taucht der seltsame Fremde unter anderem Namen immer wieder auf. Und als Jack in seiner Wohnung schwarze Kerzen und einen geköpften Hund vorfindet und eine Wahrsagerin Düsteres prophezeit, stellt sich die Frage, ob er diesmal tatsächlich dem Teufel persönlich gegenübersteht.

Das meint Krimi-Couch.de: »No Sympathy for the Devil« 80°

Krimi-Rezension von Jürgen Priester

»Please allow me to introduce myself« – so beginnt der Rolling-Stones–Klassiker »Sympathy for the Devil« aus dem Jahre 1968. Das ist eins der vielen Musik- und (Film)zitate in Ken Bruens nun mehr 8. Jack-Taylor-Roman. Mick Jagger (MJ) schrieb den Songtext damals unter dem Eindruck Michail Bulgakows Roman Der Meister und Margarita, der von einem Besuch des Teufels in Moskau der 1930er Jahre erzählt, bei dem mehrere Menschen zu Tode kommen oder dem Wahnsinn verfallen. Aber das ist eine andere Geschichte.

Der Teufel ist ein vielbeschäftigter Mann. Im Moment befindet er sich auf dem Weg nach Irland, genauer gesagt, zieht es ihn nach Galway, der Hafenstadt an der Westküste. Hierher wird der Teufel nun nicht kommen, um die vielen frommen Iren heimzusuchen, sondern weil ein ganz bestimmter Ire ihn bei seinen großen Geschäften, Krieg und Pestilenz zu verbreiten, stört. Dieser besondere Ire ist natürlich kein anderer als Jack Taylor, der in der Vergangenheit so manch teuflischen Plan vereitelt hat. Der Teufel trifft Jack Taylor in einer Bar am Dubliner Flughafen, wo dieser seinen Frust hinunter zu spülen gedenkt. Sein Versuch, Irland für eine Zeit den Rücken zu kehren, war kläglich gescheitert ist. Die USA verweigerten ihm wegen seiner Vorstrafen eine Einreisegenehmigung. Nun sitzt er am Tresen bei Jameson und Guinness, hängt trüben Gedanken nach, als ein blond-gelockter Schönling sich zu ihm gesellt und eine zunächst unverfängliche Plauderei beginnt.Jack hat eigentlich gar keinen Bock auf Konversation, aber von dem Typen geht etwas verstörend Faszinierendes und gleichsam Abstoßendes aus (But what´s puzzling you, is the nature of my game (MJ)). Auch scheint der Fremde einiges über Jack zu wissen. Mehr aus dem Bauch heraus als verstandesmäßig erfasst Jack, mit wem er es zu tun haben könnte.

Wieder zurück in Galway versucht Jack sich in seinen Alltag einzufinden. Das fällt ihm besonders schwer, weil er sich nach seiner eigentlichen Planung jetzt jenseits des Atlantiks befinden sollte. Sein erneuter Kontakt mit seinem ganz persönlichen, vertrauten Teufel, dem Alkohol, in der Flughafenbar ist er nach halbjähriger Abstinenz wieder rückfällig geworden. Im Nebel von Alkohol und Beruhigungspillen lebt er in den Tag hinein, sinniert über das Leben im Allgemeinen und über sein eigenes im Speziellen, hält hier und da mal ein Schwätzchen und nimmt sogar einen kleinen Auftrag an. Als er realisiert, dass einige der Personen, mit denen er Kontakt hatte und in deren Nähe ein auffallend gutaussehender Mann gesehen wurde, bestialisch ermordet wurden, wird ihm klar, dass er einschreiten muss. Den Rest bekommt Jack, als er sein Schlafzimmer mit schwarzen Kerzen und einem geköpften Hund dekoriert vorfindet. Der diabolische Provokant hat sein Ziel fast erreicht. Auf diplomatischem Weg ist dem Herrn der Hölle nicht beizukommen, deshalb beschließt Jack, härtere Bandagen anzulegen.

Die erste Begegnung des Rezensenten mit Jack Taylor war für ihn wie ein Sprung in die kalte Galway-Bay oder wie das Aufspringen auf einen fahrenden Zug, in dem seit sieben Folgen eine geschlossene Gesellschaft tagt. Zu einer Vorbereitung einer Rezension gehört es nicht nur, sich über den Autor und sein Gesamtwerk zu informieren, sondern auch, wenn es sich wie hier um eine Reihe handelt, möglichst den ersten Band gelesen zu haben. Das war dem Rezensenten diesmal aus zeitlichen Gründen nicht möglich.

Rein äußerlich betrachtet, fällt bei allen deutschen Ausgaben der Jack-Taylor-Romane die besondere Hervorhebung des Namens des Übersetzers auf. Harry Rowohlt besitzt einen bekannten Nachnamen, geht auf ebendieses Verlagshaus zurück, hat sich aber auch durch vielseitige künstlerische Tätigkeiten u.a. Übersetzungen einen Namen gemacht. Übersetzer – auch die exzellenten wie z.B.Joachim Körber, Wulf Bergner (beide Ü. von Stephen King) oder das Team Stingl/Gräbener-Müller, das den fantastischen Neal Stephenson übersetzt – sind in der Allgemeinheit eher unbekannt. Ist nun Harry Rowohlt eine Lichtgestalt unter den Übersetzern? Schwer zu sagen. Da müsste man sowohl in Englisch als auch in Deutsch muttersprachliche Kenntnisse haben, um dann Original und Übersetzung eines Jack-Taylor-Romanes miteinander vergleichen zu können. Manche Leser halten Ken Bruen und Harry Rowohlt für ein kongeniales Gespann. Zwei Seelen, die sich gefunden haben. Der Rezensent stimmt da eher seinem KC-Kollegen Jochen König zu, der meint, dass andere Übersetzer (bewiesenermaßen) ähnlich gut mit Ken Bruens abgründigen Humor klarkommen. Einen Sinn für Humor braucht nicht nur der Übersetzer, sondern auch der Leser. Den eingefleischten Fans der Jack-Taylor-Reihe muss man jetzt nichts erzählen. Das Treffen Jack Taylors mit dem Teufel ist weniger ein ernstzunehmender Krimi-Plot, schon gar keine metaphysische Ausschweifung, sondern die szenische Selbstdarstellung eines desillusionierten Alkoholikers, vermutlich wie immer.

Jack Taylor war früher im Polizeidienst, jetzt versucht er sich ein wenig als Privatdetektiv, aber eigentlich ist er nur alkoholkrank und tablettensüchtig. Aus dem Kontext der Erzählung ist herauszulesen, dass sich in der Vergangenheit abstinente und Suchtphasen abwechselten. Die Mengen, die er in dieser Folge konsumiert, würden einen normalen Menschen in einen Zustand der Dauerdröhnung versetzen. Aber als Romanfigur ist er natürlich härter gesotten. So bleibt sein Geist klar genug, um den irischen Alltag kommentierend zu begleiten – vom Anschwellen und Platzen der irischen Hochkonjunktur-Blase, von Spekulantentum, Staatsverschuldung und Bankenkrise bis hin zum Dauerthema, dem verbohrten Katholizismus der Iren. Braucht es da noch einen Teufel, um dem Land den Rest zu geben?

Nach einer kurzen Eingewöhnungsphase (für Neulinge wie den Rezensenten) macht dieser »Jack-Taylor« richtig Spaß. Ken Bruens Humor ist weder platt noch larmoyant, sondern gallig gälisch. Er verführt dazu, sich weiter oder näher mit dieser Reihe zu beschäftigen.

Jürgen Priester, Dezember 2012

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Barbara Röder zu »Ken Bruen: Jack Taylor geht zum Teufel« 02.08.2012
Höre das Buch gerade in original irisch!The Devil, horrrmäßig schwarz und tief satirisch gelungen!
Diesem Jack Taylor hört man gerne zu, muss man doch nicht dort leben und mit ihm trinken, fluchen oder so düster in die Welt blicken.alles ist weit weg?Ken Bruen gilt es noch zu entdecken und ist es wert auf Krimifestivals einzuladen mit seinem alten Ego Jack Black Taylor.
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