Jack Taylor fliegt raus von Ken Bruen

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2001 unter dem Titel The Guards, deutsche Ausgabe erstmals 2009 bei Atrium.
Ort & Zeit der Handlung: Irland / Galway, 1990 - 2009.
Folge 1 der Jack-Taylor-Serie.

  • Dingle: Brandon, 2001 unter dem Titel The Guards. 303 Seiten.
  • Zürich: Atrium, 2009. Übersetzt von Harry Rowohlt. ISBN: 978-3855350445. 302 Seiten.
  • München: dtv, 2012. Übersetzt von Harry Rowohlt. ISBN: 978-3423213677. 304 Seiten.

'Jack Taylor fliegt raus' ist erschienen als Taschenbuch E-Book

In Kürze:

Als Polizist lauert Jack Taylor nur mit einer Thermoskanne voll Brandy mit einem Schuss Kaffee bewaffnet Verkehrssündern auf. Als ein schwarzer Mercedes an ihm vorüberrauscht, hält er den Wagen an. Das Rückfenster gleitet nach unten. Auf der Bank sitzt ein hoher Regierungsbeamter des Finanzministeriums. Und Jack schlägt zu.
Daraufhin fliegt Taylor raus. Und macht als Privatdetektiv weiter. Er bezieht sein neues Büro im Grogan’s, dem einzigen Pub in Galway, in dem er noch nie Hausverbot hatte. Eigentlich ein ernsthafter Ort für ernsthaftes Trinken. Doch schon bald hat Jack seinen ersten Fall an der Backe.

Das meint Krimi-Couch.de: »Manno!« 78°

Krimi-Rezension von Lars Schafft

Es gibt Typen, mit denen kann man eigentlich nur Mitleid haben. Jack Taylor ist einer davon. Eigentlich ist er Polizist, der sich gerne mit Verkehrssündern anlegt, »bewaffnet« mit einer Thermoskanne voller Brandy. Das soll ihm zum Verhängnis werden, als er einen schwarzen Mercedes anhält und kurzen Prozess macht. Blöd nur, dass er dabei einem hohen Beamten handgreiflich gegenüber wird. Keine Frage: Taylor fliegt aus dem Dienst, in hohem Bogen, und wird Privatdetektiv, der sich ein Büro im einzigen Pub Galways einrichtet, aus dem er noch nicht herausgeflogen ist.

Zwischen Suff und Joints bekommt er dennoch bald den ersten Auftrag: Eine Mutter will nicht daran glauben, dass ihre Tochter Selbstmord begangen hat.  Jack Taylor, so stark am Glas wie als Leser von Kriminalromanen(!), nimmt an. Und macht sich damit beileibe keine Freunde, wie er bald mit gebrochenen Knochen feststellen muss. Dass ausgerechnet seine ehemaligen Kollegen, die »Guards« (so auch der Originaltitel), ihn krankenhausreif geprügelt haben, gibt ihm dann aber doch zu denken, in welches Schlamassel er hineingeraten ist.

Selten fällt es schwer wie bei Jack Taylor fliegt raus, einen übersetzten Roman einordnen zu wollen. Denn diesen Roman hat nicht irgendwer übersetzt: sondern Harry Rowohlt, spätestens seit seiner Übersetzung von Frank McCourt und vor allem Flann O’Brien als Kenner des Irischen an sich gelobt. Schlecht kann das dem Iren Ken Bruen nun wahrlich nicht bekommen, gilt er doch als der Autor des »Irish Noir«, als derjenige, der die amerikanische Hardboiled-Variante mit der »irischen Seele« zusammenführt. Sehr schön, dass Bruen nun auch hier die Aufmerksamkeit bekommt, die er verdient.

Doch haben es sich diejenigen, die Rowohlts Übersetzung als kongenial bejubeln werden, nicht ein wenig zu einfach gemacht, wenn wir schon auf den ersten Seiten von Derek Raymonds Autobiographie The Hidden Files lesen, die seinerzeit in Martins Comparts DuMont-Noir-Reihe als Die verdeckten Dateien erschienen ist und aus der Harry Rowohlt mir nichts, dir nichts, »Der versteckte Aktenordner« macht (was wie ein alter Agatha-Christie-Whodunit klingt)? Wenn im englischsprachigen Original geflucht wie der Teufel wird, im Rowohlt-Deutschen aber doch von »Blödmann« und mehrmals »manno!« die Rede ist (z.B. »Manno, ich wollte den ganzen Hund« im Vergleich zu "Jeez, I wanted the whole dog")? Als Nicht-Muttersprachler ist es natürlich gerade bei einem sprachlich minimalistisch-kunstvollen Text wie dem Bruens nicht einfach, alle Facetten, die Rowohlt vielleicht sah und die man durchaus anders interpretieren könnte, zu berücksichtigen. Doch geht mir nach dem vierten Jack-Taylor-Roman, den ich nun gelesen habe, Rowohlts konsequente Deutung ins Humoristische zu weit.

Jack Taylor ist nämlich nicht zum Schreien komisch. Was Bruen uns vorsetzt, ist düster, böse und zynisch, ein verbitterter Blick einer von Wut, Verzweiflung und Alkohol durchtränkten Person, die das Vertrauen in die Menschheit größtenteils verloren hat. Ein Rest von Moral hält Jack Taylor zusammen – ein Rest von Moral, den er im Irland kurz nach der Jahrtausendwende nicht mehr erkennen kann. Er bleibt aber auf der Suche. Tief am Boden. Von Whiskygläsern und Pints.

Freuen wir uns darauf, dass auch Jack Taylor Nummer zwei schon zur Übersetzung bereit liegt. Dann aber durchaus gerne mit weniger Rowohlt und mehr Bruen. Dass Jack Taylor nicht der protopyische Hardboiled-Hero, nur nach Irland versetzt, bleiben wird, ist nicht zu viel verraten. Der anfängliche Verweis auf Derek Raymond spricht Bände. Seine Tragödie hat gerade erst begonnen.

Lars Schafft, September 2009

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Lady Jay zu »Ken Bruen: Jack Taylor fliegt raus« 18.02.2017
Hi. Nicht viel von den Posts gelesen.
Ich finde die Story okay. Gut.
Siehe Schimanski.
Ein Mann mit Ecken und Kanten, anders als der Stsndard.
Sonst kann man auch täglich RTL schauen stattdessen...
Ich muss hier eine Mindestanzahl an Buchstaben eingeben?
Das macht fiese Seite SEHR seriös.
Ich fand das Wetter heute schöner als gestern, und das Käsebrötchem aus dem Bioladen um die Ecke war sehr schmackhaft.
tassieteufel zu »Ken Bruen: Jack Taylor fliegt raus« 16.01.2017
Jack Taylor ist Polizist bei der irischen Garda in Galway, Alkohol im Dienst ist nicht gerade unüblich, doch nachdem Jack bei einer Verkehrskontrolle einen hohen Regierungsbeamten niedergeschlagen hat, fliegt er in hohem Bogen raus und muß sehen, wie er sein Leben auf die Reihe bekommt. Immerhin ist er als Ermittler nicht schlecht, was liegt da näher, als Privatdetektiv zu werden? Sein Büro verlegt er in seinen Lieblingspub und trotz diverser Alkoholexzesse erhält er bald seinen ersten Fall. Ann Henderson kann und will nicht glauben, dass ihre 16jährige Tochter Sarah Selbstmord begangen haben soll, sie beauftragt Taylor damit, der Sache auf den Grund zu gehen. Schon bald zeichnet sich ab, dass Sarah nicht das einzige tote Mädchen ist und Jack muß feststellen, dass er scheinbar beginnt jemandem auf die Füße zu treten, denn er steckt einiges an Prügel ein und das reichlich.

Auf die Jack Taylor Reihe von Ken Bruen wurde ich erst durch die Verfilmungen mit Iain Glen aufmerksam, die mir sehr gut gefallen und auf die Bücher neugierig gemacht haben. Den sehr knappen, fast telegrammartigen Schreibstil des Autors fand ich zunächst etwas gewöhnungsbedürftig, doch nach einigen Seiten entfaltete die Geschichte eine gewisse Sogwirkung, die prägnanten Sätze des Autors sind lapidar und treffend, so dass man sich nach ein paar Kapiteln nicht mehr an der Kargheit der Worte stört.
Seine Hauptfigur hat der Autor ebenfalls recht schnörkellos gestaltet. Jack Taylor ist ein desillusionierter, verbitterter Zyniker mit einer Vorliebe für Bücher, der sämtliche Probleme im Alkohol ertränkt, sich aber immerhin noch einen letzten Rest Moral und Menschlichkeit bewahrt hat. Eigentlich möchte er das Richtige tun, endet dabei aber meistens bei einer Flasche Schnaps. Die meiste Zeit des Buches über ist er entweder im Dauerrausch, auf Sauftour oder in einer Entziehungsanstalt und wirklich viel Ermittlungsarbeit bekommt der Leser auch nicht geboten, der eigentliche Fall um die tote Sarah löst sich quasi so nebenher, zumal sich Jack auch noch mit seinem gefährlichen Kumpel Sutton und dem Mord am Besitzer seiner Lieblingskneipe herum schlagen muß. Statt des Krimis steht eindeutig die Figur des Jack Taylor im Vordergrund und der erzählt in Ich-Form seine Geschichte in recht ernüchternden Momentaufnahmen, die stellenweise auch von schwarzem Humor durchzogen sind. Daher kann man das Buch wohl nicht als Krimi bezeichnen, eher eine Milieustudie um einen im freien Fall begriffenen Säufer. Doch trotz der eher deprimierenden Hauptfigur entfaltet die Geschichte einen eigenen, etwas düsteren Charme, der durch punktgenau platzierte und pointierte Dialoge aufgelockert wird und auf jeden Fall ein besonderes Leseerlebnis bietet, sicher nicht jedermanns Geschmack, aber mir hat es nach einer kurzen Eingewöhnungsphase sehr gut gefallen.

FaziT: kein Krimi im herkömmlichen Sinne und wer "Flop" oder "Crack" vom Autor gelesen hat, wird ev. enttäuscht sein, das Buch lebt vielmehr von seinen tragischen Charakteren, die nicht aus ihrem deprimierenden Alltag ausbrechen können.
koepper zu »Ken Bruen: Jack Taylor fliegt raus« 20.05.2012
Tatsächlich bin ich zu dem Buch gekommen, weil ich Harry Rowohlt sehr schätze. Ich kann nicht tatsächlich einschätzen, ob die Übersetzung gelungen ist oder nicht. Dazu fehlen mir die sprachlichen Kenntnisse und das Orginal als Vergleich. Egal: Jack Taylor hat grosse Klasse, wie ich finde. Die Geschichte dreht sich mehr um das Leben des Säufers Taylor, als um die eigentliche Ermittlung. Das macht aber nichts, weil das, was der Ich Erzähler darbietet, spannend und wie der Rezensent schreibt, böse, düster und zynisch ist und überaus lesenswert. Sprachlich hervorragend alles andere als banal sondern wirklich berührend. Ich werde mir nun wietere Taylors besorgen. Große Empfehlung..
Schrodo zu »Ken Bruen: Jack Taylor fliegt raus« 10.04.2010
Bewaffnet mit einer Thermoskanne Hochprozentigem lauert der Bulle Jack Verkehrssündern auf. Als er einen hohen Regierungsbeamten schnappt und mit ihm in Streit gerät, schlägt er kurzerhand zu. Na ja, Jack fliegt dann bei den Bullen raus, macht sich als Privatdetektiv selbstständig und schlägt sein Büro in seiner Stammkneipe auf. Das Hübschchen Ann betritt diese Kaschemme und Jack hat seinen ersten Fall.
Ken Bruen hat ja bekanntlich mit Jason Starr zusammen schon einige hardboiled Bücher geschrieben. Das waren so richtig geile Storys, aber was der Herr Bruen nun in diesem Buch zusammengeschrieben hat ist für mich einfach schwach.
Nicht die Ermittlung oder der Fall steht im Mittelpunkt der Story, sondern Jack Taylor. Ein geborener Loser der nur noch trinkt – zuschlägt – säuft - verprügelt wird – säuft - ein wenig ermittelt – säuft - sich verliebt – säuft - in Selbstmitleid versinkt - und sich die Kanne gibt. Kurz ein melancholischer Trinker der sich in der Hälfte des Buches dem genüsslichen Komasaufen hingibt.
Der Plot der Geschichte ist absolut toll und macht Lust auf mehr, aber leider kommt außer einigen wirren Trinkerfantasien eigentlich fast nichts hinterher.
sirod53 zu »Ken Bruen: Jack Taylor fliegt raus« 11.01.2010
Ich bin von diesem Buch restlos begeistert! Knappe Sätze, ohne Schnörkel, ohne Firlefanz. Trotz der traurigen Figur Jack Taylors muss man doch oft schmunzeln über diesen trockenen Hunor. Viele kluge Sätze, über die man ruhig auch mal nachdenken kann. Grandios übersetzt vom Großmeister Rowohlt! Werde mir das nächste Buch mit Spannung kaufen.
Federfrau zu »Ken Bruen: Jack Taylor fliegt raus« 16.12.2009
kaum zu glauben, was sich in einem krimi alles findet : von lyrik über lebensweisheit, treffende schilderungen von orten...wie sie jetzt sind und mal waren, nachhilfe in irischer literatur und ein held, der überhaupt keiner ist - und man mag ihn irgendwie trotzdem.
einer der besten bücher, die ich dieses jahr gelesen habe!
und wäre ich gleich schlau gewesen und hätte den "anmerkungsapparat" gleich gefunden, hätte ich mir das suchen im internet einige male sparen können.
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Tinu Bern zu »Ken Bruen: Jack Taylor fliegt raus« 01.12.2009
ich fand die Übersetzung von Harry Rowohlt ein sprachliches Vergnügen, auch wenn ich nicht alle Anspielungen auf Anhieb verstanden habe. Die Story spielt im Städtchen Galway in West-Irland, wo der Autor aktuell lebt. Wer die Westküste Irlands und seine knorrig-freundlichen Bewohnerinnen und Bewohner liebt, ist mit dem Roman gut bedient. Dass Jack Taylor, ein ehemaliger Polizist, der sich nun als Privatdetektiv versucht, mit seinen Alkohol- und Beziehungsproblemen, bzw. seiner Beziehungsunfähigkeit als Ich-Erzähler im Mittelpunkt steht und dass die Crime-Story eigentlich nenebsächlich ist, hat mich nicht sonderlich gerstört.
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Bernd Fleisig zu »Ken Bruen: Jack Taylor fliegt raus« 27.09.2009
Ich fand das Buch enttäuschend. Jack Taylor kommt mir vor wie ein Kneipenhocker, der zur Weinerlichkeit, nicht zum Zynismus neigt. Dieser Typ kommt eher als staatsversorgtes Sensibelchen rüber, denn als als harter Detektiv am Rande der Gesellschaft. Das Außenseiterische des Detektivs fehlt völlig, stattdessen 'Szene'-sprüche aus einer Lehrerkneipe.Problem bei diesem Buch ist, das der Typ Jack Taylor im Mittelpunkt steht, nicht die Handlung. Kann auch sein, dass die Übersetzung schlicht unzureichend ist. Das kann ich so nicht beurteilen.
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Jürgen Uphoff zu »Ken Bruen: Jack Taylor fliegt raus« 08.09.2009
Ich war von Jack Taylor fasziniert. Er bietet alle Farcetten des Lebens. Als ehemaliger Polizist und jetzt als Privatdektektiv zeigt er dem Leser wie das Leben spielen könnte. Auch das Le- ben in Irland ist wohl nicht toll wie erwartet. Auch die Übersetzung von Harry Rowohlt zeigt dies. Schon jetzt kann man als Leser nur hoffen, dass es weitere Bänder geben wird. Für mich ein 100% Leselektüre.
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Cthulhu zu »Ken Bruen: Jack Taylor fliegt raus« 03.09.2009
Polizist Jack Taylor, mit einer Flasche Brandy bewaffnet, hält bei einer Verkehrskontrolle einen Mercedes auf und wird mit einem hohen Justizbeamten handgreiflich. Fazit: Er wird aus der Polizei rausgeworfen und wird mehr oder weniger zufällig Privatdetektiv. Sein Büro befindet sich an einem Tisch im einzigen Pub in Galway, wo er noch nicht Hausverbot hat.
Sein erster Auftrag: Er soll einen angeblichen Selbstmord eines Mädchens untersuchen. Im Lauf der Ermittlunge stösst er auf die Spur eines Serien-Mädchenmörders...
Die Hälfte des Romans befindet sich Taylor in Entziehungsanstalten, im Dauerdelirium oder im Komasuff. Ich hatte zT echt Mitleid mit dem Typen. :-D
Das Buch wurde von Harry Rowohlt meiner Meinung nach so hervorragend übersetzt, man könnte fast meinen, der Roman stamme von ihm. Der zweite Teil der Taylor-Reihe hat er scheinbar bereits ebenfalls im Kasten und man kann nur hoffen, dass er an allen acht Bänden, die bereits erschienen sind, dranbleibt und nicht die Lust verliert. Ein Nachfolger hätte es sehr sehr schwer.
Ich sage nur: grossartig und gebe 93°.
4 von 5 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
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