Miss Winters Hang zum Risiko von Kathryn Miller Haines

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2007 unter dem Titel The War Against Miss Winter, deutsche Ausgabe erstmals 2009 bei Suhrkamp.
Ort & Zeit der Handlung: USA / New York, 1930 - 1949.
Folge 1 der Rosie-Winter-Serie.

  • New York: Harper Paberbacks, 2007 unter dem Titel The War Against Miss Winter. 336 Seiten.
  • Frankfurt am Main: Suhrkamp, 2009. Übersetzt von Kirsten Riesselmann. ISBN: 978-3518460900. 486 Seiten.

'Miss Winters Hang zum Risiko' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Broadway-Schauspielerin ohne Job, Detektivin ohne Lizenz – Bühne frei für Rosie Winter.
Um die Miete bezahlen zu können, bräuchte Rosie Winter – großes Talent und große Klappe – dringend mal wieder ein Engagement. Aber im Kriegsjahr 1942 sind die guten Rollen am Broadway schwer zu kriegen, und für die schlechten hat Rosie leider viel zuviel Temperament. So hält sie sich mit einem Job im Detektivbüro von Jim McCain über Wasser. Bis ihr eines Nachmittags die Leiche ihres Bosses in die Arme fällt.

Das meint Krimi-Couch.de: »Die Welt ist eine Bühne« 76°

Krimi-Rezension von Ind

Seit dem Mai 2009 erweitert eine neue Reihe das Verlagsprogramm des traditionsreichen Verlagshauses Suhrkamp, welches in diesem Jahr seinen Standort von Frankfurt/Main in die Bundeshauptstadt verlagerte. In kunterbunter Mischung erscheinen monatlich Kriminalromane aus aller Herren Länder im Taschenbuchformat. Das Debüt der amerikanischen Autorin Kathryn Miller Haines The War Against Miss Winter – so der Titel im Original – bildet eine der ersten Veröffentlichungen aus der kriminellen Abteilung.

 Fast ein halbes Jahr schon ist Rosie Winter ohne Engagement. Um sich ihre Brötchen zu verdienen, jobbt die talentierte Jungschauspielerin im Büro der kleinen Detektei McCain & Sohn an der New Yorker Fifth Avenue. Zu ihrem Bedauern findet Rosie am Silvesterabend des Kriegswinters 1942/1943 ihren Arbeitgeber Jim McCain mit einem Telefonkabel um den Hals, schaukelnd an der Kleiderstange des Büroschrankes. Obwohl die Hände des Toten gefesselt waren, legt die Polizei den Vorgang als Selbstmord ad acta. Bei der Beerdigung trifft Rosie auf Jims Witwe und wird von ihr mit dem Verpacken von Jims Akten betraut. Als sie sich gerade in die Arbeit stürzt, begegnet ihr Raymond Fielding, ein so genannter »Feuerleiter-Kunde« in Jims Büro. Während gehörnte Ehemänner und betrogene Ehefrauen durch die Vordertür an Rosie vorbeigingen, gab es Klienten, die durch den Hintereingang über die Feuerleiter zu Jim gelangten. Diese zwielichtige Kundschaft kannte Rosie lediglich über leises Stimmengemurmel als »der Nuschler« oder »der Lispler«. Fielding wedelt mit ein paar Scheinen und verlangt, dass Rosie seinen Fall zu Ende bringen und ein geheimnisumwittertes Manuskript finden soll, welches ihm aus dem Safe gestohlen wurde. Rosie sagt zu und gerät zwischen die Fronten von Regisseuren, Theaterschriftstellern, Mafiabossen und Kriegsveteranen.

 Der Tor und der Tod, mit diesem Titel eines Dramas von Hugo von Hofmannsthal überschrieb die studierte Theaterwissenschaftlerin Kathryn Miller Haines ihr erstes Kapitel und auch die folgenden benannte sie nach Theaterstücken von Oscar Wilde, Molière, Bernard Shaw und anderen. Schauspielerei ist ihr Metier und ihre eigenen Erfahrungen haben sicherlich viel zum Gelingen dieses amüsanten Krimi-Debüts beigetragen.

 Der Charakter der Erzählerin Rosie Winter wirkt ab der ersten Zeile liebenswürdig. Temperamentvoll und immer einen witzigen Vergleich präsent parliert Rosie über die Freuden und Nöte des Künstleralltags am kriegsgebeutelten Broadway. Ganz nebenbei bekommt man einen Eindruck von New York zu Zeiten von Lebensmittelrationierung, Verdunklung und Kriegspropaganda vermittelt. Rosie erzählt von ihrer Unterkunft in einer streng geführten Künstlerpension, wo sie sich mit ihrer Freundin Jayne das Zimmer teilt und den Kater ihres gemeuchelten Chefs versteckt. Sie erzählt vom Ausgehen mit Mafiagaunern in Etablissements, wo billiger Champagner aus Kristallspringbrunnen sprudelt. Sie erzählt vom Vorsprechen und von den Proben zu einem Stück, in dem sie wenigstens für eine Rolle als Zweitbesetzung engagiert wird. Und sie erzählt von ihren Bemühungen, herauszufinden warum die ganze Mischpoke hinter einem Theaterstück her ist, das noch niemand je zu Gesicht bekommen hat. Das liest sich alles sehr kurzweilig, nur tritt die Krimihandlung nach einem rasanten Auftakt ins zweite Glied zurück. Bei der Auflösung des Falles stellt die Autorin etwas zu viel Phantasie unter Beweis. Dennoch möchte ich den Roman speziell Lesern mit Hang zu Nostalgie sehr empfehlen.

 Der Untertitel Rosie Winters erster Fall sagt es aus, man darf sich auf weitere Einsätze der Amateur-Detektivin freuen. Im amerikanischen Original wird im Mai das vierte Buch der Reihe erscheinen, für den gleichen Monat kündigte Suhrkamp die zweite deutsche Übersetzung Ein Schlachtplan für Miss Winter an.

 Zum Schluss sei noch auf die ansprechende Website der Autorin verwiesen. Dort finden sich unter anderem historische Fotografien von den Handlungsschauplätzen und ein witziges Lego-Modell der Anfangsszenerie mit dem strangulierten Detektiv.

Ind, März 2010

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Kirstin Gaida zu »Kathryn Miller Haines: Miss Winters Hang zum Risiko« 29.09.2010
Auch ich habe das Buch im Urlaub gelesen und jetzt 1 Woche nach dem Urlaub habe ich mir den 2. Band gekauft.

ACHTUNG: SUCHTGEFAHR!

Ich habe mir immer gern die alten schwarz/weiß Krimis im Fernsehen angesehen. Genau so eine Atmosphäre hat mir dieses Buch vermittelt.

Hoffentlich gibt es die nächsten beiden Bände bald.
Nadine Rosenbaum zu »Kathryn Miller Haines: Miss Winters Hang zum Risiko« 04.09.2010
Total witzig und spannend! Eine richtige Urlaubslektüre; und genau da habe ich das Buch auch genossen, im Urlaub. Heute hab ich mir den (in Deutschland als zweiten Band erschienenen) Krimi mit Miss Winter gekauft und freue mich bereits darauf!

Schade nur, dass sie nicht noch mehr Bände aus der Reihe ins Deutsche übersetzt haben, aber vielleicht kommt das ja noch ;-)
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