Spurlos von Katherine John

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1990 unter dem Titel Without Trace, deutsche Ausgabe erstmals 2008 bei Rowohlt.
Folge 1 der Trevor-Joseph-Serie.

  • London: Century, 1990 unter dem Titel Without Trace. ISBN: 0712634479. 426 Seiten.
  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 2008. Übersetzt von Thomas A. Merk. ISBN: 978-3-499-24582-4. 439 Seiten.

'Spurlos' ist erschienen als HardcoverTaschenbuch

In Kürze:

Mit den Clowns kam der Tod. An der Autobahn werden mehrere Leichen ohne Kopf und Hände entdeckt. Zunächst ist nicht klar, ob der spurlos verschwundene Arzt Tim Sherringham unter ihnen ist In der Stadt geht derweil das Gerücht, auf dem alten Pier trieben geisterhafte, bizarr gekleidete Gestalten ihr Unwesen. Inspector Trevor Joseph steht vor mehr als einem Rätsel.

Das meint Krimi-Couch.de: »Ein Clown geht über (kopflose) Leichen« 35°

Krimi-Rezension von Jörg Kijanski

Nach einer Party-Nacht wird Dr. Tim Sherringham um halb vier Uhr morgens aus dem Bett geklingelt, da eine seiner Patientinnen ihr Baby erwartet. Schnell verabschiedet er sich von seiner Frau Daisy, die wenige Stunden später ihren Dienst in dem gleichen Krankenhaus antritt. Das Baby stirbt und Tim, der laut seinen Kollegen erst gegen halb acht Uhr angerufen wurde, kam nie im Krankenhaus an.

Ein Kollege von Daisy bittet seinen Freund, Inspector Trevor Joseph, um Hilfe. Gemeinsam mit Sergeant Peter Collins nimmt er die Ermittlungen eher widerwillig auf, denn eigentlich arbeiten beide als verdeckte Ermittler im Drogendezernat. Doch der Druck auf die Ermittlungen nimmt zu, als sich Tims Bruder Richard, ein ebenfalls sehr angesehener Arzt, mit Beziehungen in die höchsten Kreise, einschaltet.  

Die Ermittlungen gestalten sich schwierig, zumal noch zwei kopflose Leichen entlang der Stadtautobahn – Tims Strecke zur Arbeit – aufgefunden werden. Mehrere Zeugen berichten, einen Clown am Tatort gesehen zu haben. Währenddessen kursieren Gerüchte, dass Tims Verschwinden möglicherweise auf eine Beziehung mit der Schwesternhelferin Amanda Dart zurückzuführen ist. Doch eine Beziehung des gut aussehenden Tim mit der gänzlich unscheinbaren Amanda vermag sich selbst der zynische Sergeant Collins nicht vorzustellen.

Zwei Tage später wird die erste der beiden kopflosen Leichen identifiziert. Es ist Amanda. Von Tim und dem Clown fehlt weiterhin jede Spur…

 Ein Clown – oder vielleicht doch mehrere ? – treibt in einer Stadt ohne Namen (ist immer gut) sein Unwesen und hinterlässt dabei kopflose Leichen. Wenn Ihnen Ihr Gefühl an dieser Stelle sagt, dass es wohl zeitlich besser wäre, sich jetzt einer anderen Rezension zu widmen, so haben Sie vermutlich Recht. Sollten Sie hingegen neugierig geworden sein, so muss an dieser Stelle zumindest eine kleine Warnung angebracht sein. Natürlich treibt hier kein Clown sein Unheil, sondern ein ganz und gar bösartiger Mensch, der sich wie ein Pierrot verkleidet. Möglicherweise um zufälligen Zeugen noch besser aufzufallen, man weiß es nicht.

Der Plot des ersten Trevor-Joseph-Romans ist starker Tobak, und das in jeder Hinsicht. Zunächst wird sehr ausführlich (negativ formuliert »elend lang«) in das Innenleben der Familie Sherringham eingeführt, dann folgt nach knapp 200 Seiten die Identifizierung der ersten kopflosen Leiche (das ging ja fix) und fortan überschlagen sich die Ereignisse, deren furiosen Showdown kaum eine der mitwirkenden Figuren überlebt (so soll es sein, oder?). Dabei ist die eigentliche Auflösung ebenfalls nicht jedermanns Sache, da völlig überzogen.

Man muss hier anmerken, dass die ganze Geschichte von vorne bis hinten konstruiert ist. Dazu passt, dass zwei Drogenfahnder in einem Fall ermitteln, bei dem es (zunächst) um eine vermisste Person sowie (immerhin) um mehrere Morde geht. Dass da nicht viel bei rauskommen kann, mag man sich denken. Interessant ganz nebenbei, dass der vermeintliche Protagonist Trevor Joseph laut Buchrücken ein Inspector und im Roman ein Sergeant ist. Komm’, was soll’s.

Hätte man zudem noch die Sorgen Daisys um ihren verschwundenen Ehemann auf ein erträgliches Maß reduziert, so wäre man gut und gerne mit dreihundert Seiten ausgekommen (statt fast 450), was aber den insgesamt schwachen Eindruck nur geringfügig aufgebessert hätte. Nein, Spurlos vermag leider nicht zu überzeugen. Der Einstieg ist zu lang, die Figuren sind viel zu blass und klischeehaft und die Auflösung … Komm’, hör doch auf.

Wer es nicht ganz so genau nimmt, der darf das Buch gerne auf dem Weg zur Arbeit in Bus und Bahn lesen, dafür könnte es sich vielleicht noch eignen. Ansonsten verpasst man nicht viel, wobei es allerdings interessant sein wird zu lesen, wie der zweite Teil der Trevor-Joseph-Serie den Lesern/Innen erklärt, dass die Hauptfigur wieder mit von der Partie ist.

Jörg Kijanski, Januar 2010

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