Pretty Girls von Karin Slaughter

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2015 unter dem Titel Pretty Girls, deutsche Ausgabe erstmals 2015 bei HarperCollins.

  • New York: HarperCollins, 2015 unter dem Titel Pretty Girls. 500 Seiten.
  • Hamburg: HarperCollins, 2015. ISBN: 978-3959670074. 500 Seiten.

'Pretty Girls' ist erschienen als Hardcover E-Book

In Kürze:

März 1991. Nach einer Party kehrt die 19-jährige Julia nicht nach Hause zurück. Die eher halbherzig geführten Ermittlungen laufen ins Leere. Eine Leiche wird nie gefunden. Weder die Eltern noch die beiden Schwestern der Vermissten werden je mit dem Verlust fertig. Vierundzwanzig Jahre später erschüttert eine brutale Mordserie den amerikanischen Bundesstaat Georgia. Und die frisch verwitwete Claire ist vollkommen verstört, als sie im Nachlass ihres verstorbenen Mannes brutales Filmmaterial findet, in dem Menschen ganz offensichtlich vor der Kamera auf grausame Weise ermordet werden. Eines der Opfer glaubt sie zu erkennen. Doch was hatte ihr verstorbener Mann damit zu tun? Wer war der Mensch wirklich, den sie über zwanzig Jahre zu kennen glaubte? Claire begibt sich auf eine lebensgefährliche Spurensuche, die sie immer dichter an eine unfassbare Wahrheit führt. Und an den eigenen Abgrund.

Das meint Krimi-Couch.de: »Schattierungen des Grauens« 70°

Krimi-Rezension von Almut Oetjen

Die Familie Carroll aus Atlanta in Georgia zerfiel nach dem spurlosen Verschwinden der neunzehnjährigen Tochter Julia im Jahr 1991. Vater Sam zog sich zurück und vernachlässigte seine beiden anderen Töchter Lydia und Claire. Claire heiratete den Architekten Paul Scott und lebte fortan im Wohlstand. Lydia Delgados Biographie nahm eine gegenläufige Entwicklung, die zur Alleinerziehenden und Drogenabhängigen. Als Lydia Paul eines sexuellen Übergriffs beschuldigte, trennten sich die Wege der Schwestern.

Während eines Überfalls im Jahr 2015 wird Paul getötet. Bei der Durchsicht seines Nachlasses stößt Claire auf eine Seite ihres Mannes, die sie bisher allenfalls in Andeutungen kannte, die sich verhalten in gelegentlichen sexuellen Handlungen äußerte. Auf Pauls Rechner findet sie eine große Anzahl Filme, in denen Frauen misshandelt und ermordet werden. Woher kommen diese Filme? Sind es gespielte oder echte Szenen, Snuff-Movies? Ein FBI-Agent erklärt ihr, warum, was dort zu sehen ist, kein Snuff sein kann. Auf dem Friedhof trifft Claire ihre Schwester Lydia, die ihre Abhängigkeit überwunden hat. Claire glaubt, dass die Videos Snuff sind und sie eine der Frauen kennt. Gemeinsam mit Lydia beginnt sie zu recherchieren.

Beschränkung durch Konzentration auf die Opfer-Perspektive

Der zurückliegende Fall, die Entführung und Ermordung Julia Carrolls in 1991, wird in einer Vorgeschichte erzählt, die als e-book unter dem Titel »Tote Blumen« erhältlich, für das Verständnis von Pretty Girls jedoch nicht notwendig ist. Die Gegenwartshandlung von Pretty Girls spielt im Jahr 2015 und ist durchsetzt mit Erinnerungen an und Rückblenden in das Jahr 1991. Es gibt zwei Handlungsstränge in der Gegenwart, einen, der in 24 Kapiteln die Hauptgeschichte erzählt, einen weiteren, der in sieben Kapiteln des Vaters Gedanken wiedergibt und zugleich den Rahmen für die Kriminalgeschichte liefert. Wie auch in ihrem kurz zuvor in deutscher Übersetzung erschienenen Cop Town, ist die Hauptfigur nicht Will Trent vom Georgia Bureau of Investigation. In Pretty Girls besteht das Ermittlerpaar aus zwei Schwestern.

In Shades of Grey entspinnt sich eine SM-Geschichte, deren Grundlage ein Beherrschungs-Vertrag in beiderseitigem Einvernehmen ist. In Pretty Girls tritt an die Stelle einer solchen Vereinbarung ein aufgezwungener einseitiger Vertrag, welcher der sadistischen Seite alle Möglichkeiten eröffnet, die es in Shades of Grey nicht geben kann, nicht zuletzt, weil es bei Slaughter um extreme Grausamkeiten und Morde und die Vergewaltigung sterbender Frauen geht. Außerdem wird der Beherrschende am Ende nicht bekehrt. Von der Misshandlung und Ermordung der Opfer werden Videoclips aufgezeichnet. Das Ergebnis sind so genannte Snuff Movies, Auslöschungsfilme.

Slaughter bereitet inhaltlich vor, was Claire über ihren Mann herausfinden wird. So trug Claire während einer sechsmonatigen Arreststrafe eine Fußfessel, was ihn erregte, auch ließ er immer wieder mal Neigungen zu soften SM-Spielen erkennen. Anders als in der Grant County Reihe, ist das FBI in Pretty Girls bedrohlich in Gestalt von Agent Fred Nolan und wenig hilfreich in der Jacob Mayhews. Claire und Lydia wissen nicht, wem sie trauen können, wer lügt oder die Wahrheit sagt, wer für sie eine Gefahr darstellt.

Die Texte des Vaters sind Dokumente einer verzweifelten Suche nach dem vermissten Kind und des Bemühens, in der sich hieraus ergebenden Instabilität Sinn und Ordnung einen Platz zu geben, die es erleichtern, mit der Situation umzugehen.

Slaughter schreibt Pretty Girls in beiden Erzählsträngen konsequent aus der Opfer-Perspektive. Sie beginnt damit, dass sie Claire brutal in eine Situation zweifacher Verwirrung stößt, den für einen heutigen Thriller üblichen Gewaltakt, zur Einstimmung und Vorbereitung der Leser und Leserinnen auf das Kommende, und die Erfahrung, dass ihr Mann nicht der war, mit dem sie all die Jahre zusammenlebte. Gleichzeitig führt dieses neue Wissen dazu, dass Claire sich wieder mit ihrer Schwester vereinen kann – eine wichtige Voraussetzung für die Aufklärung des Falles und die Entwicklung der sich über einen großen Teil des Romans, fast schon ein Widerspruch in sich, erstreckenden Klimax. Die Stärke dieses Thrillers und Familiendramas liegt denn auch in der Interaktion der beiden Schwestern, die wieder zusammenfinden nach rund zwanzig Jahren der Trennung und Entfremdung auf der Grundlage einer bösen Fehleinschätzung. Weiter behandelt die Autorin ihr wiederkehrendes Thema Frauenfeindlichkeit. Die Prämisse dieses Erzählstranges ist: Frau zu sein, das bedeutet, potenzielle Beute zu sein.
Slaughters Beschreibungen sind mitunter recht detailliert, weniger blutig, als in einigen anderen ihrer Romane, dafür umso grausamer. Pretty Girls erweckt bisweilen den Eindruck, Slaughter habe jedes Mal in Gegenwart eines Stoppschildes festgestellt: aah, hier geht’s lang!

Über die Täter erfahren wir jedoch aufgrund der Opfer-Perspektive nicht viel. Es sind sexuelle Sadisten, die ihre weiblichen Opfer physisch quälen und dies filmisch dokumentieren. Jenseits des wirtschaftlichen Aspektes ist, auch wenn darüber nichts bekannt wird, davon auszugehen, dass die Täter sowohl durch das Leiden der Opfer sexuell stimuliert werden, als auch Lustgewinn aus der Produktion ihrer Snuff-Filme ziehen. Deutlich wird neben dem Lustgewinn vor allem der Machtaspekt. Die Täter haben teils institutionell begründete Macht und üben natürlich Macht über ihre Opfer aus.

Den Gewaltszenen stellt Slaughter die Gedanken des Vaters gegenüber, in denen die Liebe zur Tochter, der Schmerz über deren Verschwinden und die Unklarheit der Situation deutlich werden, wie auch die Beziehung der beiden Schwestern.

Geschickt arbeitet Slaughter nicht nur heraus, wie Claire der Boden unter den Füßen weggezogen wird, als sie erfährt, dass sie viele Jahre mit einem Mann verheiratet war, den sie nicht kannte. Verstärkend kommt hinzu, dass sie über die Motive ihres Mannes so gut wie nichts erfährt, was das Beklemmende oder Unheimliche ihrer Situation noch potenziert.

Almut Oetjen, Februar 2016

Ihre Meinung zu »Karin Slaughter: Pretty Girls«

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Lafleur zu »Karin Slaughter: Pretty Girls« 10.08.2016
Mit etwa 530 Seiten (in der eng. Original-Version) hat Karin Slaughter hier einen sehr breiten Seitenumfang, auf dem sie eine Familientragödie aufbaut. Und wie es leider oft bei solch langen Werken ist, hätte man die Story auch kürzer fassen können. Quantität bedeutet leider nicht Qualität!

Die Geschichte ist sehr unglaubwürdig - schon vom Grundbaustein an. Jedoch schafft es Slaughter, diese Unglaubwürdigkeit von Seite zu Seite zu steigern. Es gibt Passagen, wo etwas mehr Spannung vorhanden ist, dann gibt es wieder unzählige Seiten die ziemlich langweilig zu lesen sind.

Auf den letzten Seiten, hätte ich es der Autorin ja schon gar zugemutet, dass die totgeglaubte Schwester (aus welchem Grund auch immer ...) lebendig gefunden wird - was 'zum Glück' aber dann doch nicht geschehen ist. Dies hätte die Handlung nämlich endgültig ins Lächerliche gezogen.

Fazit: Wer etwas länger an einem Buch lesen will, ist hier definitiv gut bedient. Wer jedoch einen gut aufbereiteten Thriller lesen will, sollte sich vielleicht doch etwas anderes suchen.
Toeniveal zu »Karin Slaughter: Pretty Girls« 06.08.2016
Auch wenn ich diesen Thriller von Slaughter mit Spannung gehört habe, ich empfinde besonders unglaubwürdig, dass jemand, der ein derartig grausames Millionengeschäft betreibt, die perversesten Snufffilme mehr oder weniger offen zugänglich auf mehreren Rechnern bereithalten soll...

Natürlich wird/werden der/die Täter identifiziert, die Psychologie und Motivation der Entartung bleibt aber im Dunkeln

Darum letztlich nur das Potenzial eines hochkarätigen Thrillers

Oder sollte es an der Hörbuchfassung liegen?
Dieter47 zu »Karin Slaughter: Pretty Girls« 17.06.2016
Hansi Allemal hat mit den Logik-Fehlern natürlich Recht. Und Vater und Sohn als sukzessive Serienmörder hatten wir schon in Stieg Larssons "Verblendung"! Aber unglaublich spannend geschrieben ist die Geschichte auf jeden Fall. Das kann kaum eine andere Autorin oder ein anderer Autor so gut. Von mir 85°.
Thomas Jeier zu »Karin Slaughter: Pretty Girls« 07.06.2016
Sprachlich anspruchslos und auf primitive Weise unterhaltsam? Baerbel82, ich wundere mich. Karen Slaughter liegt stilistisch (zusammen mit Tess Gerritsen) weit vorn, und primitive Unterhaltung kann ich überhaupt nicht in ihren Romanen entdecken. Dagegen stinken die meisten deutschen und skandinavischen Thriller doch mächtig ab.
Hansi Allemal zu »Karin Slaughter: Pretty Girls« 01.04.2016
Wie können sich alle bei einem derartig hanebüchen zusammenkonstruierten Schrott voller Unschlüssigkeiten und Logikfehler nur so einig sein?
Dieses Buch ist ein Ärgernis, das einen für dumm verkauft. Die Figuren handeln allesamt unglaubwürdig.

Die Mutter, die plötzlich auf den Punkt Hilfe leistet, ohne Fragen zu stellen, darüber hinaus noch vom Schicksal der verschwundene Tochter wusste und seit Jahren geschwiegen hat.

Lydias Freund, der sich abspeisen lässt, dass er nicht helfen kann, als Claire die Waffe bei Lydia holt.

Claire, die sich nicht an eine höhere Stelle beim FBI wendet, nur weil ihr der eine FBI Agent etwas suspekt vorkommt.

Paul, der die gleichen Lüste und Neigungen hat wie sein Vater.

Der bestens dokumentierte Beschattungs-Wahnsinn Pauls im Haus von Claire und Paul, in Aktenordnern und im Keller - wobei er doch ein extra Haus hat, in dem er seinen ganzen Wahnsinn durchzieht.

Alles ist so vollkommen irrsinnig schwach und ohne Rücksicht auf die Intelligenz des Lesers zusammengebaut, man möchte das Buch umtauschen und sein Geld zurück verlangen – weil es nicht funktioniert.
BELSL zu »Karin Slaughter: Pretty Girls« 28.12.2015
Ja, das Buch ist teilweise ein Highlight.
Schon jahrelang, ja jahrzehntelang, fühlte ich mich nicht mehr " ungemütlich" beim Lesen eines Thrilles, dieses Buch schaffte es, dieses Gefühl der großen Beklommenheit wieder in mir wachzurufen, dabei gibt es doch Bücher die viel gruseliger und blutrünstiger sind, z.B. die von Grange.

Woher mag das kommen? Vielleicht weil es in anderen Thrillern meistens eine Person gibt die trotz aller Schrecken auf beruhigende Art Recht und Gesetz verkörpert, diese Person gibt es hier nicht.
Mir wurde so kalt beim Lesen.
Ja, es ist ein bemerkenswertes Buch und ich las es sehr gerne, nur meine ich, dass eine Kürzung von vielleicht 100 Seiten ihm gutgetan hätte, manches wiederholte sich.
BookHook zu »Karin Slaughter: Pretty Girls« 09.12.2015
Meine Meinung:
Die US-amerikanische Bestsellerautorin Karin Slaughter hat inzwischen weltweit über 30 Millionen Bücher verkauft, die in 32 Sprachen übersetzt wurden. Mit „Pretty Girls“ hat sie nun ihren neusten Psycho-Thriller vorgelegt und entführt ihre Leser in einen wahren Albtraum, der - einer Spirale gleich - immer tiefer in die bestialischen Abgründe der menschlichen Seele führt.

Die Story, die aus Sicht der Protagonistin Claire Scott erzählt wird, beginnt mit einem Unglücksfall, bei dem Claires Ehemann Paul bei einem Raubüberfall erstochen wird. Claire, die sich bislang um nichts selbst kümmern musste, steht auf einmal einsam und verlassen vor dem Scherbenhaufen ihres Lebens. Es ist bedrückend und beängstigend zugleich zu lesen, wie schnell Claires bisheriges Leben daraufhin auseinander bricht, ihr wie Sand zwischen den Fingern verrinnt. Zunächst häufen sich merkwürdige, teilweise erschreckende Entdeckungen und undurchsichtige Ermittler mit zweifelhaften Absichten stochern in Clairs Haus und Leben herum. Doch auch Claire fängt an, ihr bisheriges Leben in Frage zu stellen, die Lügen und Täuschungen Schicht für Schicht abzutragen und immer tiefer zu den Geheimnissen ihres verstorbenen Manns vorzudringen. Was sie hierbei alles zu Tage fördert, schockiert nicht nur Claire, sondern auch den Leser, der die meiste Zeit den gleichen Wissensstand wie Claire hat. Nach jeder neuen Entdeckung denkt man sich beim Lesen „Schlimmer kann es ja nicht mehr kommen“. Aber Karin Slaughter wäre nicht Karin Slaughter, wenn man sich nicht auf Eines verlassen könnte: Es kommt noch schlimmer, garantiert! Die eigene Vorstellungskraft reicht schon nicht mehr aus, um sich auszumalen, was noch kommen könnte. „Pretty Girls“ ist alles andere als „leichte Kost“!

Besonders perfide wird Karin Slaughters Geschichte dadurch, dass Claires Leben nicht zum ersten Mal komplett aus den Fugen gerät. 24 Jahre zuvor verschwand ihre damals 19jährige Schwester Julia spurlos. Ein Schicksal, an dem Claires komplette Familie zerbrochen ist, und das letztendlich dafür gesorgt hat, dass Claires einziger Vertrauter ihr Ehemann Paul war. Doch diese alte Geschichte strahlt auch noch bis in die Gegenwart, wird in Form von alten Briefen von Clairs Vater an ihre vermisste Schwester Julia immer wieder in die Hauptstory eingestreut, so dass sich beide Themen nach und nach verweben.

Die 480 Seiten starke Story hat mich immer weiter in ihren Bann gezogen. Beginnend mit einem latent unguten Gefühl in der Magengegend entwickelte sich die Spannung stetig weiter, steigerte sich in Höhen, die mich beim Lesen fast mit einem Ohnmachtsgefühl ob der Dinge, die enthüllt wurden, zurückgelassen hat. Wenn man einmal in die Geschichte hineingefunden hat (was nicht schwierig war) und vom Sog der Ereignisse gepackt wurde, ist es wirklich schwer, dieses Buch wieder aus der Hand zu legen. Atemlos fiebert man mit Claire mit, verfolgt atemlos die Ereignisse und fragt sich, wohin das alles noch führen soll. Genau so muss ein guter Thriller sein!

Auch die Charaktere habe ich als besonders gelungen empfunden. Genauso wie Claire habe auch ich mich beim Lesen gefragt, wer hier welche Rolle spielt, wer welche Geheimnisse und Motive hat. Brillant hat mich Karin Slaughter dazu gebracht, stellenweise keinem der Charaktere mehr zu vertrauen und mich von Claires Paranoia anstecken zu lassen.

Ebenfalls sehr gut hat es mir gefallen, wie eindrucksvoll Karin Slaughter beschreibt, wie das verschwinden von Julia Carroll die ganze Familie erst hat auseinander brechen lassen und schließlich ins Unglück geführt hat.

Interessanter Weise gibt es unter dem Titel „Tote Blumen“ ein 68 seitiges Prequel zu „Pretty Girls“, das die Geschichte von Julia Carroll erzählt. Ich selbst habe es noch nicht gelesen, werde es aber bestimmt noch nachholen.

FAZIT:
Nichts ist wie es schien. Eine fesselnde, zutiefst schockierende Reise in die Abgründe der menschlichen Seele. Ein Psychothriller mit hoher Sogwirkung.
PMelittaM zu »Karin Slaughter: Pretty Girls« 07.12.2015
Claire Scott muss miterleben, wie ihr Mann Paul vor ihren Augen ermordet wird. Als sie seinen Nachlass ordnet, findet sie Dinge, die sie entsetzen. Hat sie ihren Mann überhaupt gekannt?
Lydia Delgados Tochter wird langsam flügge, aber damit muss man sich als Mutter wohl abfinden.
Ein Mann schreibt Briefe an seine vor Jahren verschwundene Tochter.
Wie sind diese drei Erzählstränge miteinander verbunden?

Karin Slaughter ist ein atemberaubender Thriller gelungen, ich habe tatsächlich viele Passagen des Romans nahezu atemlos gelesen, die Spannung zieht immer mehr an und irgendwann musste ich mich zusammenreißen, um nicht nach hinten zu spinksen. Das sollte man aber tunlichst sein lassen, will man sich nicht um eine Menge Lesevergnügen bringen. Besonders gut gefallen hat mir, wie gut die Autorin Emotionen greifbar machen kann, insbesondere die o. g. Briefe berühren zutiefst.

Auch die Charaktere haben mir gut gefallen, sie wirken lebensecht und sind tiefgehend gezeichnet. Vor allem Lydia hat es mir angetan, ich mochte sie vom ersten Moment an, sie ist eine starke Frau, die es geschafft hat, sich alleine von ganz unten wieder nach oben zu bringen. Claire dagegen hat sich immer eher auf Andere verlassen, zuletzt fast zwanzig Jahre lang auf ihren Ehemann. Als sie ihn verliert, bricht zunächst alles für sie zusammen.

Karin Slaughter erzählt flüssig und lebendig, manchmal auch deftig. Einige Szenen des Romans sind harte Kost und nichts für Zartbesaitete. Hin und wieder wird man als Leser ziemlich überrascht, an einer Stelle konnte ich kaum glauben, was ich da las.

Zum Roman gibt es eine Vorgeschichte, die unter dem Titel „Tote Blumen“ veröffentlicht wurde, ich empfehle, sie erst nach Lektüre des Romans zu lesen. Ich habe sie mit ein paar Tagen Abstand zum Roman gelesen und finde diese Reihenfolge ideal. Zum Einen, weil man sich sonst einen Überraschungseffekt entgehen lassen würde, zum Anderen, weil einen die Vorgeschichte dann viel mehr packen wird.

Karin Slaughter zählte vor Jahren zu meinen Lieblingsautorinnen, lange Zeit habe ich dann nichts mehr von ihr gelesen. „Pretty Girls“ wird sicher nicht mein letzter Roman von ihr gewesen sein, denn meiner Meinung nach ist es ein ausgezeichneter Thriller, der Lust auf mehr macht,und den ich allen Genrefans empfehlen kann.
Baerbel82 zu »Karin Slaughter: Pretty Girls« 05.12.2015
Abgründe der menschlichen Seele

Atlanta, Georgia 1991: Die neunzehnjährige Julia Carroll verschwindet nach einem Kneipenbesuch spurlos. Ihre Leiche wird nie gefunden. Sie ist nicht die Erste. Der Täter hat es anscheinend auf junge Frauen abgesehen, die blond sind und blaue Augen haben.
Vierundzwanzig Jahre danach: Wir lernen die etwa vierzigjährige Claire Scott kennen. Sie ist seit achtzehn Jahren mit Paul verheiratet, als beide nach einem Restaurantbesuch überfallen werden. Paul wird dabei getötet.
Anschließend machen wir die Bekanntschaft von Lydia Delgado. Sie hat eine siebzehnjährige Tochter. Ihr Freund berichtet ihr von Pauls Tod. Offensichtlich hat Lydia ihn gekannt und nicht in bester Erinnerung: „Ich hoffe nur, er hat gelitten.“
Paul hatte also anscheinend auch eine dunkle Seite. Als Claire ein Video mit expliziten Gewalt- und bizarren Sex-Szenen auf Pauls Computer entdeckt, weiß sie bald nicht mehr, wer dieser Mann eigentlich war, mit dem sie ihr Leben geteilt hat. War Paul schon immer pervers?
Claire begibt sich auf eine gefährliche Suche nach der Wahrheit und gerät immer mehr in ein tödliches Netz aus Lügen, in das auch die Polizei verstrickt zu sein scheint. Während wir Lydias und Claires Geschichte folgen, werden immer wieder Tagebucheinträge eingestreut, die von Julias Vater geschrieben wurden, an seine wunderschönen Mädchen.
Karin Slaughter hat ihren neuen Thriller spannend in Szene gesetzt mit vielen falschen Fährten und unerwarteten Wendungen bis zum dramatischen Showdown. Aber es geht auch recht brutal zu. Sprachlich anspruchslos und auf primitive Weise unterhaltsam.
„Pretty Girls“ ist einer dieser typischen amerikanischen Standard-Thriller mit Schockeffekten. Das war mir oft „too much“. Ich habe es lieber, wenn ich meine Fantasie spielen lassen kann. Detaillierte Beschreibungen, wie der Täter seine Opfer foltert und quält, brauche ich nicht.

Fazit: Packend erzählter Psychothriller mit Happy End-Garantie.
c-bird zu »Karin Slaughter: Pretty Girls« 01.12.2015
Ein Thriller, der starke Nerven braucht!

Atlanta, im März 1991. Nach einer Feier verschwindet die 19jährige Julia spurlos. Während die Familie alles daran setzt Julia zu finden, glaubt die örtliche Polizei eher an eine Ausreißertheorie und die Ermittlung werden entsprechend halbherzig geführt. Eine Leiche wurde nie gefunden, die Ehe der Eltern zerbricht an den Folgen des Verlustes der Tochter und auch die Schwestern können kaum mit dem Schmerz des Verlustes umgehen.
Nun 24 Jahre später ist erneut ein Mädchen verschwunden. Die 16jährige Anna Kilpatrick scheint Teil einer Mordserie zu sein. Zeitgleich entdeckt die frisch verwitwete Claire Scott in den Hinterlassenschaften ihres Mannes auf dem Computer Snuff-Pornos. Filme, auf denen junge Mädchen brutal gefoltert, vergewaltigt und schließlich ermordet werden. Eines der Opfer weist eine gewisse Ähnlichkeit zu der verschwundenen Anna auf. Doch was hatte ihr Mann mit diesen Filmen zu tun? Waren die zwanzig Jahre Ehe nur eine Farce? Bei ihren Ermittlungen stößt Claire auf ein Netz von Lügen und Grausamkeiten.

Um es gleich vorweg zu nehmen. Das Buch ist einfach der Hammer!
Wer die Thriller von Karin Slaughter kennt, der weiß eigentlich auf was er sich einlässt. Die Autorin ist eine Meisterin darin, Spannung und Gänsehautfeeling zu erzeugen, aber auch schockierende Elemente mit einzubauen. Dabei geht es auch mal blutig und sehr grausam zu.
Es beginnt mit zwei Handlungssträngen, die sich recht bald miteinander verbinden und zu einem werden. Dazu gibt es noch Tagebucheinträge des Vaters, in denen er sehr emotional seine Sicht der Dinge schildert. „Pretty Girls“ ist schon von Beginn an sehr fesselnd. Die Autorin versteht es wirklich den Leser in ihren Bann zu ziehen. Die Handlung ist so faszinierend und unglaublich, dass man nach Beenden eines Kapitels direkt schon nach dem nächsten giert. Und selbst wenn man glaubt, dass es gar nicht mehr heftiger kommen könnte, legt Karin Slaughter noch eine Schippe drauf. Extrem spannend geschrieben, auch wenn es brutale und gewalttätige Szenen darin gibt.
Die Perspektiven wechseln zwischen den einzelnen Protagonisten (hier kann ich leider nicht allzu viel verraten ohne den Lesespaß zu beeinträchtigen). Es gibt dramatische Wendungen, die den Leser sehr überraschen. Wer sind die Guten und wer die Bösen? Fragen, die erst zum Ende hin beantwortet werden.
Zu dem Buch gibt es übrigens noch eine Vorgeschichte. „Tote Blumen“ erzählt über das Verschwinden Julias im März 1991. Ich persönlich habe diese Vorgeschichte ( noch!! ) nicht gelesen und kam dennoch problemlos mit „Pretty Girls“ zurecht.

Insgesamt war „Pretty Girls“ für mich definitiv das Thriller-Highlight des Jahres. Ein rasanter und doch recht harter Thriller, der starke Nerven braucht. Unglaublich spannend geschrieben, für mich eines der besten Werke von Karin Slaughter!
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