Cop Town - Stadt der Angst von Karin Slaughter

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2014 unter dem Titel Cop Town, deutsche Ausgabe erstmals 2015 bei Blanvalet.

  • New York: Delacorte Press, 2014 unter dem Titel Cop Town. 544 Seiten.
  • München: Blanvalet, 2015. Übersetzt von Klaus Berr. ISBN: 978-3-7645-0551-6. 544 Seiten.
  • [Hörbuch] München: Random House Audio, 2015. Gesprochen von Nina Petri. Gekürzte Lesung. 6 CDs.

'Cop Town - Stadt der Angst' ist erschienen als TaschenbuchHörbuchE-Book

In Kürze:

Eine Stadt in Angst. Ein Killer, der Cops tötet. Zwei Frauen, die ihren Mann stehen. Atlanta, 1974: Kate Murphy fürchtet, dass ihr erster Tag beim Police Department gleichzeitig ihr letzter sein könnte. Denn ein Killer terrorisiert die Stadt – seine Opfer sind ausschließlich Cops. Und als würde das nicht reichen, machen auch Kates männliche Kollegen ihr den Job zur Hölle: Eine weibliche Polizistin zählt in ihren Augen keinen Cent. Zum Glück ist Kate nicht allein. Auch ihre Partnerin Maggie Lawson spürt, wie die Stimmung unter den männlichen Kollegen kippt. Ihnen ist jedes Mittel recht, um den Killer zur Strecke zu bringen. Und plötzlich befindet sich Atlanta im Ausnahmezustand – denn die Cops beginnen eine brutale Menschenjagd und werden so gefährlich wie der Killer selbst.

Das meint Krimi-Couch.de: »Im Schützengraben des Polizeialltags – Zwei neue Ermittlerinnen in Atlanta« 76°

Krimi-Rezension von Almut Oetjen

Atlanta, Georgia, im November 1974. Das bislang letzte Opfer eines Copkillers ist Don Wesley, der Partner von Jimmy Lawson. Jimmy beansprucht für sich Freiraum, um den Serienkiller fassen zu können. Deshalb hat er etwas dagegen, dass ihm der Neuling Kate Murphy an die Seite gestellt wird. Kate arbeitet daraufhin mit Jimmys Schwester Maggie Lawson zusammen. Maggie ist eine erfahrene Polizistin, die aus einer Copfamilie stammt. Außer ihrem Bruder arbeitet derzeit auch ihr Onkel Terry im Department. Dennoch ist sie täglich Ressentiments ausgesetzt und hat mit ihren sexistischen Kollegen zu kämpfen. Kate und Maggie haben nicht viel gemeinsam, nähern sich auf der Straße jedoch in kürzester Zeit einander an. Kates Mann ist im Vietnamkrieg gefallen. Sie kommt aus einem privilegierten gesellschaftlichen Umfeld. Ihre Kollegen machen sich über sie lustig, sie wird Opfer von Machogehabe und physischen Übergriffen. Aus Sicht der männlichen Kollegen sind Frauen allenfalls für die Polizeiarbeit geeignet, wenn sie Falschparker aufschreiben oder Sekretariatsarbeit leisten. Als ein weiterer Polizistenmord geschieht, begeben sich die Männer des Atlanta Police Department auf eine Menschenjagd. Maggie und Kate gehen auf Distanz und versuchen auf andere Weise, den Copkiller zu fassen.

Homophobie, Sexismus und Rassismus

Die Gegenwartshandlung von Cop Town spielt im November 1974, beansprucht vier Tage, von Montag bis Mittwoch und den achten Tag, den Montag der Folgewoche, verteilt auf zwischen einem Prolog und Epilog untergebrachten vierunddreißig Kapiteln. Innerhalb der erzählten Gegenwart gibt es Rückblenden.

Slaughter verpasst Cop Town damit in etwa den gleichen Zeitrahmen (vier Tage und eine Woche später) wie dem vorhergehenden Roman Bittere Wunden, der eine ähnliche Geschichte erzählt, die zwischen 1974 und 1975 in Atlanta spielt, und in dem sie einen Themenkomplex beschreibt, den sie nun wieder aufnimmt und stärker in die Tiefe entwickelt. Auch sind die Hauptfiguren nun andere, nicht mehr Will Trent, seine Ex Angie, seine Liebe Sara. Das Ermittlerpaar heißt hier Kate Murphy und Maggie Lawson, womit Slaughter erstmals zwei weibliche Polizisten in den Mittelpunkt der Erzählung stellt.

Das Atlanta Police Department wirbt seit kurzer Zeit um Frauen im Polizeidienst, die deshalb Exotinnen sind und kein leichtes Leben haben. Ganz oben in der informellen Hierarchie stehen die weißen Männer, gefolgt von schwarzen Männern, und ganz unten befinden sich die Frauen. Sexismus, Rassismus, und das Spektrum dessen, was heute als politisch inkorrektes Verhalten bezeichnet wird, ist der Alltag, dem sich insbesondere die Frauen als Opfer ausgesetzt sehen.

Kate, die ihr altes Leben hinter sich lassen will, gerät bereits an ihrem ersten Diensttag in schwierige und unangenehme Situationen. Sie zweifelt schnell daran, dass sie den Job überhaupt längere Zeit durchzustehen vermag, soll heißen, ob sie am zweiten Arbeitstag wieder in der Dienststelle erscheinen wird. Aber sie will sich dann doch durchbeißen. Sie muss implizite Initiationsriten durchlaufen, um von ihren männlichen und weiblichen, vor allem den weiblichen, Kollegen akzeptiert zu werden. Nicht viele von ihnen geben ihr überhaupt eine Chance. Kate ist eine komplexe Figur, deren Persönlichkeit wir durch ihr Handeln puzzleartig zusammensetzen. Sie wird eingeführt als eine kleine Person, der die Uniformhose zu lang ist, die Schuhe zu groß sind und deren Kopf unter der Polizeimütze verschwindet. Kurz: sie sieht lächerlich aus und bekommt dies auch zu spüren. Es gab zu dieser Zeit noch keine Uniformen für Frauen.

Maggie gehört zum Blue Blood, das Blau der Uniform fließt in ihrem Blutkreislauf, weil sie einer Copfamilie entstammt. Ihr Onkel ist ihr Vorgesetzter und nicht gerade glücklich damit, dass eine Frau aus der Familie bei der Polizei arbeitet. Sie ist seit ein paar Jahren dabei, hat aber noch immer mit den männlichen Vorurteilen und Ablehnungen zu kämpfen. Ihr Onkel legt nicht einmal Wert auf ihre Meinung zu einem Fall. In der Zusammenarbeit mit Maggie bekommt Kate schnell mit, dass es viele ungeschriebene Regeln gibt, an die sie sich halten muss, wenn sie überhaupt bestehen will.

Slaughter führt die beiden Frauen geschickt in die Handlung ein und nimmt sich Zeit, sie im Dienst wie auch privat differenziert zu beschreiben. Darüber hinaus gelingt es ihr, das zeitgenössische Atlanta so darzustellen, dass man sich ein Bild von der Stadt machen kann. Es mag für Leser und Leserinnen einen Mehrwert bedeuten, den von Slaughter beschriebenen Sexismus in den USA der 1970er Jahre, der so oder ähnlich charakteristisch für westliche Gesellschaften war, mit heutigen Formen und Qualitäten von Sexismus zu vergleichen.

Karin Slaughter erzählt in Cop Town eine spannende Geschichte über einen Copkiller im Atlanta Mitte der 1970er Jahre und bettet die polizeilichen Ermittlungen in einen hässlichen Alltag, der bestimmt ist durch Rassismus, Sexismus und Homophobie, durch politische und soziale Unruhen. Ihr bislang bester Roman, ein Einzelwerk ohne ihre bekannten Serienfiguren.

Almut Oetjen, Dezember 2015

Ihre Meinung zu »Karin Slaughter: Cop Town - Stadt der Angst«

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Michael Hammer zu »Karin Slaughter: Cop Town - Stadt der Angst« 12.07.2017
Ein langweiliges, klischeehaftes Buch - viel zu dick aufgebläht. Die Dialoge sind teilweise saublöd. Immer wieder fallen obszöne Ausdrücke, gegen die ich eigentlich nichts habe, wenn sie irgendwas zum Stil etc. beitragen. Hier sind sie völlig unnötig und zu sehr "gestellt".
Schade um die Zeit, die man für diesen Schmöker verschwendet - vom Geld ganz zu schweigen. Kaufen Sie sich für das Geld lieber eine Currywurst und eine große Portion Pommes mit Mayo - dann haben Sie eher Geschmack bewiesen.
Wirklich ein blödes Scheißbuch !
Sky zu »Karin Slaughter: Cop Town - Stadt der Angst« 10.07.2016
Das war mein erstes Buch von Karin Slaughter und ich bin begeistert! Ich persönlich mag ihren Schreibstil sehr gerne. Was mir an dem Buch sehr gut gefällt ist, dass auch das zwischen Schwarzen und Weißen in den 1970er dargestellt wird, was das Buch noch um einiges interessanter macht! Ein anderer Aspekt der mich auch gut gefällt ist die Spannung und die Auflösung, vor allem das Ende Spricht mich sehr an. Ich kann das Buch nur weiterempfehlen!
claudi-1963 zu »Karin Slaughter: Cop Town - Stadt der Angst« 30.05.2016
Eine furchtbare Mordserie geht in Atlanta um wir schreiben das Jahr 1974. In der Stadt werden kurz hintereinander mehrere Polizisten kaltblütig erschossen. Zeitgleich beginnt Kate Murphy ihren Dienst bei der Atlanta Police, nach dem sie vor kurzem ihren Mann in Vietnam verloren hat. Kate ist in einer gutsituierten, jüdische Familie groß geworden und hofft jetzt endlich Arbeit bei der Polizei zu finden. Nachdem Tod der vielen Polizisten fürchtet Kate das sie ihren ersten Tag nicht überleben wird, ist aber trotzdem hoch motiviert.
Jedoch 1974 war die Emanzipation noch nicht so weit und so musste sie als Frau besonders kämpfen. Unter ihren Kollegen kommt es dann auch zu machohaftem Getue, aber auch ihre schwarzen Kollegen müssen unter den rassistischen Provokationen arbeiten.Als ein weiterer Polizist getötet wird beginnt für die anderen im einem unkontrollierten Rausch die Jagd nach dem Täter. Auch Maggie Lawson die aus einer Polizeifamilie kommt hat mit Vorurteilen in der Familie aber auch im Beruf zu kämpfen. Sie wird mit Kate zusammen zur Patrouille eingeteilt, obwohl auch sie keine Sympathie für Kate hat. Die beiden sehen ihre Chance und mit viel gegenseitigem Vertrauen gehen sie alleine auf die Suche nach dem wahren Mörder.

Meine Meinung:
Hier erlebe ich Karin Slaughter mit einem ganz anderen eigenen Stil. Hingegen der sonstigen Bücher die ja meistens mit den gleichen Ermittlern arbeiten ist dieses Buch was besonderes.
Sie schreibt hier von den Zeiten als die Frauen sich noch sehr schwer taten in der Berufswelt aber auch zu Hause, nichts mit Emanzipation. Und selbst die Konkurrenz unter den Frauen die in richtige Feindlichkeit und Hass ausartet hat mich echt erschreckt.
Aber auch der Rassismus der 1974 sicher noch stärker war kommt hier zur Geltung. Das Buch lässt sich sehr gut lesen, was ja bei Karin Slaughter nicht schwer ist. Für mich ist sie einer der besten Thriller Autorin. Ein Roman von zwei starken Frauen die unterschiedlicher nicht sein könnten im gewalttätigen Cop Town.
Das sie selbst aus Atlanta stammt merkt man an den detaillierten Schilderungen. Das Cover besticht durch die stechenden Augen und auf den ersten Seiten gibt es einen kleine Skizze mit den wichtigsten Orten der Handlung. Höchstnote von mir für diesen brillianten Thriller.
Oldman zu »Karin Slaughter: Cop Town - Stadt der Angst« 19.02.2016
Die Handlung des Buches findet nur an ganz wenigen Tagen statt, im Mittelpunkt stehen 2 Polizistinnen, eine davon fängt ganz neu an, und es entwickelt sich eine etwas verquere weibliche Buddy-Story. In den 70er Jahren möchte man als Bürger in Atlanta, vermutlich stellvertretend für alle amerikanischen Großstädte, keinem Polizisten begegnet sein, denn diese werden durch die Bank als versoffen, rassistisch und gewalttätig dargestellt. War und/oder ist das amerikanische Realität? Kann schon sein, erscheint mir aber etwas zu dick aufgetragen. Die Geschichte ist spannend geschrieben, einige Logiklücken bleiben, aber aufgrund seines Tempos und der sehr gradlinigen Erzähltechnik ein lesbarer Krimi, den ich dieser Vielschreiberin so nicht zugetraut hätte.
Andrea Franke zu »Karin Slaughter: Cop Town - Stadt der Angst« 22.01.2016
Ein sehr spannender und interessanter Roman. Auf jeden Fall. Die Sprache ist extrem vulgär, was aber wohl den Raum der Handlung und der Gesellschaft einigermaßen widerspiegelt.Bin sehr überrascht über das beschriebene Ausmaß an Rassismus und Sexismus in der Mitte der Siebziger!
Das Buch hatte mich so in den Bann gezogen, dass ich gegen Ende die Nacht durchlesen musste. Ich habe einige der schönsten erotischen Szenen gelesen, die mir je untergekommen waren.Die Übersetzung ist nicht so gut. Man merkt eilige, schludrige Arbeit. Oder was ist bitte ein eingetrockneter "Klumpen Sirup" auf der Tischplatte? Das zieht sich durch den gesamten Text.Die Sprache (Ich kann nur für die deutsche Übersetzung sprechen) ist unschön und holprig. Es war trotzdem ein Leseerlebnis. Empfehlung für Leute, die auf spannende Krimis stehen.
Edith Sprunck zu »Karin Slaughter: Cop Town - Stadt der Angst« 23.11.2015
Dieser Thriller ist ein packendes Meisterwerk von Karin Slaughter. Er ist nicht nur sehr spannend sondern auch mit Tiefgang ausgestattet. Eine Serie von Polizistenmorden ist aufzuklären. Dies allein birgt jede Menge Zündstoff und Spannung in sich. Aber mindestens ebenso aufwühlend ist die ausgezeichnete Darstellung des durch und durch verrohten Polizeiapparates in Atlanta Anfang der 70ger Jahre. Ihren Schilderungen gemäß wird er dominiert von weißen Männern, deren positives Gefühlsleben kastriert ist. Gnadenlos jagen sie alles, was nicht in ihr Weltbild passt. Dazu gehören vor allem Homosexuelle. Schwul zu sein ist für die meisten schlimmer als einen Mord zu begehen. Aber auch Juden und Farbige gehören zu den von ihnen Geächteten. Ein weiteres, sehr gut heraus gearbeitetes Thema ist die Rolle der Frauen in diesem Apparat zur damaligen Zeit. Drei Frauen werden bei der Aufklärung des Falles besonders hervorgehoben. Da ist Maggie, deren Bruder und Onkel mit ihr zusammen arbeiten, besser gesagt: an ihr vorbei arbeiten, da sie in ihren Augen als Frau nichts bei der Polizei zu suchen hat. Für sie erschwerend hinzu kommt ihre innerhalb der Familie gewachsene Rolle. Ein ganz anderes Kaliber ist der Lockvogel Gail, die ein breites Spektrum an Verhaltensweisen aufzeigt: brutal, roh, nuttig, aber auch menschlich und mitfühlend, vor allem mit besonders großem Kampfgeist ausgestattet. Und da ist Kate, ganz neu in der Truppe, von Haus aus eher verwöhnt. Sie erlebt als "Frischling" einen nicht enden wollenden Horrortrip, wird sie doch gleichermaßen von Frauen und Männern attackiert und "angemacht". Ihre Gefühlswelten, die daraus wachsen, werden mit großem Talent beschrieben.Berauschend ist insgesamt die milieu-identische, kraftvolle Sprache, mit der Karin Slaughter den Leser die Arbeit bei der Polizei hautnah miterleben lässt. Der Ausnahmezustand ist hier die Normalität. Sehr spannend, aufschlussreich und tiefschürfend.
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