Wer hat Angst vorm bösen Wolf von Karin Fossum

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1997 unter dem Titel Den som frykter ulven, deutsche Ausgabe erstmals 2000 bei Piper.
Ort & Zeit der Handlung: Norwegen, 1990 - 2009.
Folge 3 der Konrad-Sejer-Serie.

  • Oslo: Cappelen, 1997 unter dem Titel Den som frykter ulven. 254 Seiten.
  • München; Zürich: Piper, 2000. Übersetzt von Gabriele Haefs. ISBN: 3-492-04040-3. 319 Seiten.
  • Augsburg: Weltbild, 2001. Übersetzt von Gabriele Haefs. ISBN: 3828968783. 319 Seiten.
  • München; Zürich: Piper, 2001. Übersetzt von Gabriele Haefs. ISBN: 3-492-23325-2. 319 Seiten.
  • München: Piper, 2003. Übersetzt von Gabriele Haefs. ISBN: 3-492-23857-2. 319 Seiten.

'Wer hat Angst vorm bösen Wolf' ist erschienen als HardcoverTaschenbuch

In Kürze:

Zwischen Nacht und Morgen flüchtet Errki, der Stimmen hört, aus der psychiatrischen Anstalt von Finnemarka. Als man die alte Halldis Horn erschlagen auf ihrem einsamen Anwesen findet, wird er des Mordes verdächtigt. Konrad Sejer jedoch glaubt nicht an Errkis Schuld. Aufmerksam und beharrlich geht er allen Spuren nach. Doch allein der verwahrloste dreizehnjährige Kannick, ein talentierter Bogenschütze, scheint zur Aufklärung beitragen zu können.

Das meint Krimi-Couch.de: »An einigen Stellen würde man sich mehr Kriminalfall wünschen« 52°

Krimi-Rezension von Wolfgang Weninger

Er ist krank, sagen die einen. Er ist verrückt sagen die anderen. Eerki hört die Stimmen, die ihn treiben. Fort aus der Anstalt, hinaus ihn den Wald, dort hin, wo keine Menschen sind, dort hin, wo er ungestört in sich hinein horchen kann, wo er mit sich ins Reine kommt.

Finnemarka ist ein kleines norwegisches Dorf. Weit ab vom Ort, wo der Wald beginnt, lebt die alte Halldis Horn in ihrem Häuschen, allein, seit ihr Mann vor acht Jahren bei einem Traktorunfall verunglückt ist. Aber sie lebt nicht mehr lange, denn jemand schlägt ihr mit einer Hacke den Schädel ein. Und Eerki war in der Nähe des Tatorts. Ein Junge aus einer Besserungsanstalt, der mit Pfeil und Bogen auf Krähenjagd war, hat die alte Frau auf der Schwelle ihres Hauses gefunden und Eerki gesehen.

Kommissar Sejer geht zur Arbeit. Er kommt an der Bank vorbei. Ein junger Mann mit schwarzem Aktenkoffer fällt ihn auf, der den Blick gesenkt auf die Bank zu und ihn sie hinein geht. Er dreht um und folgt dem Mann in die Bank. Nichts Auffälliges und so verlässt er das Geldinstitut wieder. Dann fällt darin ein Schuss und wenig später rast der Gangster mit einer Geisel in einem weißen Renault Megane davon.

Sejer und sein Kollege Skarre haben nun zwei Fälle gleichzeitig am Hals. Der Dorfpolizist Gurvin ist zur Aussage über Eerki bei Kommissar Sejer. Dieser sieht sich das Videoband der Überwachungskamera aus der Bank an. Und Gurvin erkennt auf einen Blick, dass die Geisel niemand a anderer als Eerki ist.

Kommissar Sejer sucht die Betreuerin Eerkis in der Psychiatrischen Klinik auf. Frau Doktor Struel fasziniert den Kriminalisten. Und vor allem bestärkt sie Sejer in seinen Zweifeln, ob Eerki wirklich der Täter ist. Jener Eerki, der seine Mutter als Achtjähriger durch einen Unfall verlor und jetzt als Geisel mit einem Bankräuber irgendwo ihn den Weiten der norwegischen Wälder verschwunden ist.

Karin Fossum, 1954 in Sandefjord (Norwegen) geboren, hat einen subtilen Thriller geschaffen, der weniger von Action und Kriminalistik lebt, als von Psychen und Psychosen. Immer wieder wirft sich die Frage auf, wo die Grenze zwischen normal und abnormal verläuft. Die Ermittlungsarbeit steht weitgehend im Hintergrund, denn der Leser wird gefesselt von der gemeinsamen Flucht des Ganoven und Eerki, die bisweilen scheinbar auf der selben Wellenlänge schwimmen, aber immer wieder an ihre Grenzen stoßen. Wer ist hier eigentlich verrückt?

Frau Fossum zerpflückt auch das Seelenleben aller anderen Beteiligten. Wie aus den Nordlandkrimis mittlerweile gewöhnt, dreht sich alles um die Frage des Warum im Tun der handelnden Personen. Es ist nicht die Tat an sich, die hier zur zentralen Frage erklärt wird, sondern die Wurzeln des realen und irrealen Denkens in der Vergangenheit lassen den Fortgang der Handlung fast zwingend erscheinen. Bis zum bitteren Ende bewegen den Leser die verworrensten Gehirngespinste, die schlussendlich einen logischen, aber unbefriedigenden Ausgang bringen.

Dabei ist die Sprache durchaus gelungen, wenn gleich sie gelegentlich doch zu sehr ins (blutrünstige) Fabulieren gerät. An einigen Stellen würde man sich dann doch etwas mehr Kriminalfall wünschen und etwas weniger Wiederholungen psychotischer Phasen. So richtig am Ausgang des Geschehens interessiert ist man erst nach etwa einem Drittel der 320 Seiten, bis dahin plätschern die Handlungsfäden eher belanglos nebeneinander her.

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SteffiSch zu »Karin Fossum: Wer hat Angst vorm bösen Wolf« 24.02.2011
Ein wirklicher Krimi ist es nicht, aber ein beeindruckendes Psychogramm. Der Charakter von Erkki hat mich sehr berührt. Außerdem ist es sehr authentisch geschrieben. Es kam mir selten eine Darstellung einer psychisch kranken Person unter, die der Realität gerecht wird. Ich bin sehr positiv überrascht und kann sagen, dass dies nicht mein letztes Buch von Fossum ist.
simsa zu »Karin Fossum: Wer hat Angst vorm bösen Wolf« 23.12.2007
Dies ist mein erstes Buch von Karin Fossum und ich bin leider nicht ganz so begeistert.

Ihr Schreibstil gefällt mir zwar, leider konnte ich irgendwie keinen Zugang zu der Person Errki finden.

Insgesamt hat es mich leider nicht fesseln können, aber ich werde mich mal an weitere Bücher der Autorin wagen.
mase zu »Karin Fossum: Wer hat Angst vorm bösen Wolf« 17.12.2007
Dem Namen dieses Buches ist es leider zu verdanken, dass ich so lange gezögert habe, es zu lesen.
Für mich eines der Besten von Fr. Fossum. Ein psychologisches Meisterwerk, hinter dem sich die US-Kollegen verstecken können. Wer wissen will, wie Menschen ticken, ist bei diesem Buch richtig.
Frank zu »Karin Fossum: Wer hat Angst vorm bösen Wolf« 17.06.2007
Mehr Psychogramm als Krimi - als solches aber großartig, äußerst spannend dazu. Erkki, Morgan und Kannick begleiten mich noch immer, obwohl ich das Buch längst zuende gelesen habe. Einen Schönheitsfehler hats's aus meiner Sicht allerdings: Das Liebeserwachen des Herrn Sejer ist überflüssig, ein Psychogramm zuviel. Dennoch: Sehr gutes Buch!
Marion zu »Karin Fossum: Wer hat Angst vorm bösen Wolf« 29.03.2006
ich bin mir nicht ganz sicher, aber ich glaube, dieses hier ist das bisher beste von karin fossum. wie sie erkki beschreibt bleibt einfach wirklich haften. auch alle anderen personen bekommen durch ihren stil eine tiefe und präsenz, die in erinnerung bleibt. sicher sind wir weit entfernt von einem typischen krimi - es gibt hier auch keine action. die spannung ist eine, die aus dem bauch heraus kommt und sich nicht durch nägelbeissen definiert.
das buch wird für mich von erkki und morgan und deren sich entwickelnder beziehung bestimmt.
sejer und skarre wurden eher am rand der geschichte positioniert, was der erzählung in diesem fall sehr gut tut.
Marie Claire zu »Karin Fossum: Wer hat Angst vorm bösen Wolf« 28.09.2005
Es ist ein sehr gutes Buch!

Es ist mit Herz und Kopf geschrieben. Es ist grausam, spannend und anpruchsvoll.

Die meisten Krimis sind voll mit psyschischkranken Figuren. Hier wird das Thema nochmal aufgenommen aber die Beschreibung und die Handlung sind super gelungen!

Nur zu empfehlen!
Ruki zu »Karin Fossum: Wer hat Angst vorm bösen Wolf« 10.11.2004
Wer hat Angst vorm bösen Wolf habe ich im Original gelesen. Da ich in Norwegen lebe und die Sprache beherrsche. Ich persönlich finde, dass dieses Buch das Beste von Karins Werken ist. Besonders Errki war mir wirklich ans Herz gewachsen. Die Figuren waren einfach liebenswert. Die Geschichte ist von Anfang an spannend und lässt keine Wünsche offen! Den som fykter ulven ist nur zu empfehlen.
Dr.Sanati zu »Karin Fossum: Wer hat Angst vorm bösen Wolf« 03.10.2004
Ein psychologisch und weniger kriminalistisch spannender Roman, bei dem der eigentliche Mord im Hintergrund steht. vielmehr ist die sich langsam entwickelnde Beziehung zwischen dem (kranken ?) Errki und (gesunden ?) Morgan interessant. Ich habe die Gespräche zwischen den beiden genossen. Ein beachtliches Werk, das ich jeder Zeit weiterempfehlen kann.
Fritz T. zu »Karin Fossum: Wer hat Angst vorm bösen Wolf« 08.01.2004
Wie schon "Stumme Schreie" hat mich auch dieses Buch auf besondere Weise berührt, denn Karin Fossum versteht es brilliant, die drei Figuren zu entwickeln und sie gleichzeitig in den finalen Strudel zu ziehen. Und wer kann schon dieses Ende vorhersehen? Unbedingt lesen!
Daniel Lienhard zu »Karin Fossum: Wer hat Angst vorm bösen Wolf« 01.05.2003
Ein phantastiches Buch (es war mein erstes v. Karin Fossum) Mit Mankell etwas vom Besten, was ich überhaupt je gelesen habe.
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