Stumme Schreie von Karin Fossum

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2000 unter dem Titel Elskede Poona, deutsche Ausgabe erstmals 2001 bei Piper.
Ort & Zeit der Handlung: Norwegen, 1990 - 2009.
Folge 5 der Konrad-Sejer-Serie.

  • Oslo: Cappelen, 2000 unter dem Titel Elskede Poona. 273 Seiten.
  • München; Zürich: Piper, 2001. Übersetzt von Gabriele Haefs. ISBN: 3-492-04362-3. 317 Seiten.
  • Augsburg: Weltbild, 2002. Übersetzt von Gabriele Haefs. ISBN: 3828970664. 317 Seiten.
  • München; Zürich: Piper, 2002. Übersetzt von Gabriele Haefs. ISBN: 3-492-23702-9. 317 Seiten.
  • München; Zürich: Piper, 2003. Übersetzt von Gabriele Haefs. ISBN: 3-492-23858-0. 317 Seiten.
  • München; Zürich: Piper, 2004. Übersetzt von Gabriele Haefs. ISBN: 3-492-24110-7. 317 Seiten.

'Stumme Schreie' ist erschienen als HardcoverTaschenbuch

In Kürze:

Dieser Roman führt in die Abgründe der menschlichen Natur – Kommissar Konrad Sejer sieht sich mit dem schockierenden Fall einer verstümmelten Frauenleiche konfrontiert. Ihr langes Haar liegt im Gras wie eine schwarze Schlange. Es gibt nur wenige Stellen auf dem seidigen Stoff ihres fremdartigen, blaugrünen Kleides, die nicht von Blut getränkt sind – und trotz all seiner Erfahrung fällt es Kommissar Sejer schwer, die Fassung zu bewahren. Ihre dunkelhäutigen, zarten Füße stecken in goldenen Sandalen, und niemand hier scheint die Tote zu kennen. Warum ist sie so schrecklich mißhandelt worden, und was tat sie in dem abgelegenen Flecken Elvestad? Eine Mauer des Schweigens umgibt Sejer, bis jemand den ersten Fehler macht: Einar Sund, der einen fremden Koffer in dem dunklen Wasser eines Waldsees verschwinden lassen will.

Das meint Krimi-Couch.de: »Ein leiser Krimi mit literarischem Anspruch«

Krimi-Rezension von odile

Gunder Jomann hat einen geheimen Traum. Mit 51 Jahren beschliesst der unauffällige Landmaschinenverkäufer aus Elvestad endlich zu heiraten. Dazu muss er weit reisen, denn der einsame Junggeselle wünscht sich eine Ehefrau aus Indien. Und Gunders Traum erfüllt sich. Er begegnet der Kellnerin Poona, verliebt sich und heiratet sie.Das Paar beschliesst in Norwegen zu leben. Nur ungern fliegt Gunder allein nach Europa zurück, doch Poona verspricht, ihm bald zu folgen.

Jomann fiebert der Ankunft seiner Frau entgegen und schmückt liebevoll das Haus für ihre Ankunft. Als es endlich soweit ist, passiert das Unfassbare. Marie, Gunders jüngere Schwester und der einzige Mensch, der ihm ausser Poona nahe steht, verunglückt mit dem Auto und fällt ins Koma. Ihr Bruder eilt zu der Schwerverletzten in die Klinik. Zuvor beauftragt er schweren Herzens den zuverlässigen Taxifahrer Kalle Moe Poona vom Flughafen abzuholen. Doch dieser kann die Inderin trotz gründlicher Suche nicht finden, weder am Flugplatz noch in Elvestad.

Am selben Abend erschüttert eine schockierende Meldung die Bevölkerung. Nahe Elvestad wurde die grausam entstellte Leiche einer jungen Frau gefunden. Höchstwahrscheinlich handelt es sich bei der Ermordeten um eine Ausländerin.

Hauptkommissar Konrad Sejer und sein Team stehen vor einem Rätsel. Niemand scheint das Mordopfer zu kennen oder zu vermissen. Und warum wurde die Tote so brutal misshandelt?

Hauptkommissar Konrad Sejer überzeugt als seriöser, nachdenklicher Ermittler. Für den ruhigen Witwer, Anfang Fünfzig, steht seine Arbeit im Mittelpunkt. Von seinen Vorgesetzten und Kollegen respektiert und geschätzt, wirkt er immer souverän. Sejer verfügt über psychologisches Fingerspitzengefühl, er begeht keine Fehler und hält die Fäden stets in der Hand.

Privat wirkt der Kommissar ziemlich einsam. Mit seiner Freundin, der Psychiaterin Sara, lebt er nicht zusammen. Doch da gibt es Kollberg, Sejers zehnjährigen Hund. Als die Gefahr droht, dass der treue Vierbeiner stirbt, reagiert der Polizist emotioneller als ihm lieb ist. Die Angst seinen treuen Hund zu verlieren setzt Sejer sehr zu und veranlasst den zurückhaltenden Kommissar seine sonst gut gehütete gefühlvolle Seite zu zeigen.

Bei den Ermittlungen wird der Hauptkommissar von seinem jüngeren Kollegen Jacob Skarre unterstützt. Die beiden sind im Privatleben befreundet und bilden ein sympathisches und effektives Gespann.

Gleich auf der ersten Seite lernt der Leser einen mutmasslichen Mörder kennen und stellt sich auf einen konventionellen Krimi ein. Doch Karin Fossum erfüllt diese Erwartungen nicht. Sie erzählt vielmehr eine Geschichte, langsam, ja fast bedächtig.

Sie berichtet vom einsamen Gunder, der in die Ferne reist, um die Liebe zu suchen. Von Marie, die ihrem Bruder alles Glück wünscht und unfreiwillig eine Katastrophe auslöst. Von Linda Carling, dem lebenshungrigen Teenager, der nach Aufmerksamkeit giert und sich dadurch in Lebensgefahr bringt. Vom Wirt Einar Sunde, der Tag und Nacht in seiner Kneipe schuftet, um seine Prunkvilla abzubezahlen und den seine Frau verlassen wird.

Karin Fossum versteht es hervorragend, ihre Figuren zum Leben zu erwecken. Mit ausgeprägtem psychologischen Einfühlungsvermögen beschreibt die Autorin, was ihre Protagonisten bewegt, was sie fühlen und warum sie so handeln, wie sie es tun. Fossums Blick für Details und ihr Talent für Milieubeschreibungen lassen ihre Romangestalten so realistisch erscheinen, dass der Leser glaubt, sie persönlich zu kennen.

Treffend beschreibt die Norwegerin die scheinbar eingeschworene, kleine Dorfgemeinschaft, die sich gegenüber Aussenstehenden abschottet. So, wie man sie überall finden könnte. Doch dann beginnt jemand aus Geltungssucht zu reden, ein anderer begeht eine grosse Dummheit und schon bröckelt die Solidarität und die Polizei kommt ins Spiel.

Hauptkommissar Sejer fragt sich, was einen bisher unauffälligen Menschen zum brutalen Totschläger werden liess. Beharrlich geht er allen Spuren nach und vermittelt dem Leser stets die Gewissheit, dass er letztlich den grausamen Mordfall aufklären wird. Einfühlsam bewegt er schliesslich den verstörten Täter dazu, ihm seine »Bilder« von der Tat zu beschreiben. Er entlockt dem Mörder das Motiv und löst so den Fall, obwohl Fossum bei Skarre leise Zweifel aufkommen lässt.

»Stumme Schreie« ist alles andere als ein Action-Krimi. Die Spannung entwickelt sich langsam, zu Beginn fast zögerlich, aber stetig. Im Mittelpunkt stehen Gefühle, zwischenmenschliche Beziehungen und Verwicklungen, keine spektakulären Wendungen. Das Grauen kommt hier auf leisen Sohlen, aber unerbittlich und bedrohlich.

Die scheinbare Idylle eines kleinen norwegischen Dorfes wird durch einen überaus brutalen Mord und eine grausam entstellte Leiche für immer zerstört.Dabei verzichtet Karin Fossum wohltuend auf Klischees. Weder spielt das beliebte und in diesem Fall naheliegende Motiv Fremdenhass eine entscheidende Rolle, noch werden die Dorfbewohner als einfältige, beschränkte Hinterwäldler dargestellt.

Auch die Hauptperson erweist sich als atypisch für einen Krimi. Weder der Täter, noch das Opfer oder der Ermittler stehen im Mittelpunkt des Geschehens. Die Geschichte beginnt und endet mit Gunder, dem einfachen Landmaschinenverkäufer. Ihn lässt die Autorin während der 4 Wochen, die der Roman umspannt, ein wahres Wechselbad der Gefühle durchleben, vom höchsten Glück bis zur tiefsten Depression. Und diese Emotionen beschreibt sie so glänzend, dass der Leser jederzeit mit dem geschlagenen Mann mitfühlt. Doch Karin Fossum gewährt ihrem Roman ein halbwegs versöhnliches Ende und ihrem Helden immerhin einen kleinen Hoffnungsschimmer.

Wie meinen Ausführungen sicherlich zu entnehmen ist, hat mir das Buch ausgezeichnet gefallen. Fiel es mir anfangs noch leicht, den Roman aus der Hand zu legen, so wurde das mit dem Fortgang der Geschichte immer schwieriger.

Wer leise Kriminalromane mit literarischem Anspruch schätzt, findet hier geeigneten Lesestoff!

Das meinen andere:

»Der beste norwegische Kriminalroman der Saison« (Dagbladet)

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Klaus zu »Karin Fossum: Stumme Schreie« 08.10.2010
Stumme Schreie ist der 5. Roman aus der Konrad Sejer Reihe. Ich habe alle in der richtigen Reihenfolge gelesen. Mir persönlich hat er am besten von allen gefallen!

Die Charaktere wurden von Karin Fossum sehr gut dargestellt. Eine Geschchte, wie das Leben sie schreiben könnte. Realitätsnah. Berührend. Jeder kann zum Mörder werden, davon bin ich überzeugt.

Die Schilderung der Verhöre von Sejer mit dem Verdächtigen wurden klasse geschreiben. Einfühlsam, neugierig auf das Geschehene.

Am Ende hätte Fossum vielleicht bezüglich des Mordes etwas konkreter werden können. An Poonas Gefühlen läßt ihr Brief an ihren Bruder hingegegen keine Zweifel offen.

Der beste Sejer-Roman bisher, ich freue mich schon auf die nächsten!
johanna zu »Karin Fossum: Stumme Schreie« 13.05.2010
Kein Krimi der "üblichen" Sorte. Hier dreht einer durch und tötet, ein anderer verliert
die Liebe seines Lebens. Die Figuren, die Handlung und die Dialoge sind typisch für Karin Fossum. Keine ewig langen Ermittlungerdialoge, es wird nicht hektisch um die Ecke geschielt, um gleich zu schießen.
Ursache und Wirkung menschlicher Dramen
sind ihre Stärke.
Berührend und empörend.
Manuela Bombis zu »Karin Fossum: Stumme Schreie« 05.04.2010
Ich bin ein Fan von Karin Fossum, allerdings hat mir "Stumme Schreie" von allen Büchern am wenigsten gefallen. Ich bin mir nicht sicher, ob soviel Realität der Leser wirklich mag. Ein Buch soll doch eine Geschichte sein mit einem Anfang und einem Ende. Mich haben die offenen Fragen am Ende extrem gestört, so dass ich mich geärgert habe, das Buch überhaupt gelesen zu haben. Solche Geschichten lesen wir doch alle täglich in der Zeitung, hören sie in den Nachrichten. Ob es dann auch noch solche Bücher geben muss, da bin ich mir nicht sicher. Ich hoffe nicht, dass sie soetwas wieder schreibt, hoffe nicht, dass sich die Änderung ihres Schreibstils an einem heimlichen Idol anlehnt.
ceol zu »Karin Fossum: Stumme Schreie« 10.08.2009
Das Buch Stumme Schreie konnte ich kaum aus der Hand legen. Bis auf einige Längen bei den Verhören des mutmaßlichen Möders fand ich es überaus spannend. Karin Fossum hat eine leise und eindringliche Erzählweise, die mir sehr gut gefällt. Die Darstellung der Charaktere ist ausgesprochen plastisch - fast so, als hätte man sie persönlich kennengelernt.
Das offene Ende stört mich in diesem Fall nicht: so ist es halt manchmal im Leben - es gibt keine hundertprozentige Lösung!
Elisabeth K. zu »Karin Fossum: Stumme Schreie« 16.07.2009
Mir hat das Buch sehr gut gefallen. Schon nach wenigen Seiten wusste ich, das lese ich bestimmt weiter! Die Geschehnisse im Buch sind sehr interessant geschrieben und die Persönlichkeiten wurden sehr genau und realistsich dargestellt. Die Handlung hat mich sehr berührt und die anschließende Aufklärung hat mir sehr gut gefallen, da ich mir immer wieder unsicher war, wer jetzt wirklich der mörder war. Das Ende blieb leider offen, ich hätte gerne noch gewusst wie die Gechichte mit dem Skarre ausgegangen wäre. Dieser Teil (Beziehung Linda zu Skarre) hat mich zwar etwas verwirrt, weil er meiner Meinung nach nichts mit der eigentlichen Handlung zu tun hatte, dennoch war er nicht besonders störend, sondern trug eher zu meinem wachsenden Interesse bei. Somit finde ich, ist dieses Buch nur zu empfehlen! Tolle Geschichte!
L. Dross zu »Karin Fossum: Stumme Schreie« 10.10.2007
Also ich finde das Buch ganz spannend und ich hoffe das ves euch auch so geht denn das Buch ist das Beste was ich gelesen habe und etwas zu

-KARIN FOSSUM-
Ich finde es einfach klasse wie sie sich in die Arbeit hineinstürtzt denn es ist ja nicht leicht so etwas zu schreiben oder verfassen denn man braucht viel Gedult und vor allem Fantasie
Christian Sch. zu »Karin Fossum: Stumme Schreie« 02.09.2006
Ich halte "Stumme Schreie" für recht medioker.

Für mich hat ein Roman noch keine literarische Qualität, nur weil er sich von den Genrestereotypen entfernt.
Im Gegenteil: Weil Fossum der klassischen Krimistruktur, auf die sie teilweise verzichtet, keine schlüssige, eigene entgegensetzt, wirkt die Komposition beliebig auf mich.

An die ereignislose Haupthandlung ("Frau wird ermordet; der früh als Verdächtiger Ausgemachte wird bearbeitet, bis er am Ende gesteht") werden mit dünnen Nägeln Nebenhandlungen gezimmert, die die Hauptgeschichte nicht einen Deut weiter bringen.
Wir erfahren ausführlich von einer Frau, die im Koma liegt, von einem kranken Hund und von einem Mädchen, daß sich in einen Polizisten verliebt und fragen uns: Warum wird mir das alles erzählt? Schließlich nehmen diese Exkurse das bißchen Spannung, das beim Einen oder Anderen aufgekommen sein mag, wieder heraus und von einer zusätzlichen Bedeutungsebene kann bei diesen belanglosen Geschichtchen auch nicht die Rede sein.

Auch die Zeichnung der Charaktere finde ich übrigens nicht so gelungen, wie andere Rezensenten hier. Nur weil der Bodybuilder auch mal etwas Originelles von sich gibt, ist er noch lange kein plastischer Charakter.

Das offene Ende, das hier schon "beklagt" wurde, ist mir auch aufgestossen. Nicht, daß dieser Stilgriff generell schlecht wäre; aber was bezweckt Karin Fossum damit? Ein moralisches Urteil, das damit in die Hände des Lesers gelegt würde, ist es nicht. Es ist auch nicht zu erwarten, daß der Mörder in einer Fortsetzung dieses Romans sein Unwesen weitertreibt...

Summa summarum: Ob als Krimi oder als genreloser Roman gesehen, dieses Werk ist meiner Meinung nach weder besonders unterhaltsam noch erinnerungswürdig. Selbst die schlechteren von Mankell, mit dem Fossum ja öfters verglichen wird, machen da einen wesentlich solideren Eindruck.
0 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Axel Willmann zu »Karin Fossum: Stumme Schreie« 10.04.2006
Es war mein erstes Buch dieser Autorin. Ich hatte zuvor aber eine Verfilmung im ZDF gesehen. Im Ergebnis teile ich die Zustimmung in den Kritiken. Allerdings läßt das Ende halt alles offen. Für die Täterschaft von Mode spricht, dass ein weißer Saab gesehen worden ist. Gleichwohl sollte Linda das unterscheiden können.
Marion zu »Karin Fossum: Stumme Schreie« 29.03.2006
grossartiges buch. vorwiegend aus der sicht von gunnar jomann, der sich in indien eine frau fürs leben sucht. leider verschwindet diese gleich nach ihrer ankunft ohne dass gunnar sie nochmals lebend zu sehen bekommt.... und taucht als verstümmelte frauenleiche wieder auf. versöhnlich daran ist, dass gunnar letztendlich den beweis bekommt, dass sie ihn aus liebe (oder einem sehr der liebe nahen gefühl) geheiratet und gefolgt ist.
der schluss bleibt etwas offen (oder doch nicht?) - eigentlich kann man sich nicht sicher sein, ob und warum der verdächtige tatsächlich der mörder ist. doch konrad sejer ist sich sicher, was mir eigentlich schon reicht.
das buch lebt vorwiegend von seiner schönen, ruhigen, dichten erzählweise.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Danilo zu »Karin Fossum: Stumme Schreie« 04.05.2005
Super Buch, aber wer ist der Mörder? Da lese ich 300 Seiten und bin genauso schlau wie vorher...
Das Buch war sehr spannend und fesselnd. Hätte mir ein klares Ende gewünscht. Hoffe, es gibt eine Fortsetzung.

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