Evas Auge von Karin Fossum

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1995 unter dem Titel Evas øye, deutsche Ausgabe erstmals 1997 bei Piper.
Ort & Zeit der Handlung: Norwegen / Oslo, 1990 - 2009.
Folge 1 der Konrad-Sejer-Serie.

  • Oslo: Cappelen, 1995 unter dem Titel Evas øye. 295 Seiten.
  • München; Zürich: Piper, 1997. Übersetzt von Gabriele Haefs. ISBN: 3-492-03907-3. 367 Seiten.
  • München; Zürich: Piper, 1998. Übersetzt von Gabriele Haefs. ISBN: 3-492-22705-8. 367 Seiten.
  • München; Zürich: Piper, 2000. Übersetzt von Gabriele Haefs. ISBN: 3-492-23091-1. 367 Seiten.
  • München; Zürich: Piper, 2001. Übersetzt von Gabriele Haefs. ISBN: 3-492-26019-5. 367 Seiten.
  • München; Zürich: Piper, 2003. Übersetzt von Gabriele Haefs. ISBN: 3-492-23859-9. 367 Seiten.

'Evas Auge' ist erschienen als HardcoverTaschenbuch

In Kürze:

Eine packende Kriminalgeschichte mit einem raffinierten psychologischen Hintergrund: Karin Fossum lässt eine junge Frau in den Mahlstrom eines Verbrechens geraten, bei dem sie aus reiner Neugier Zeugin geworden ist. Nachdem Eva einmal der Versuchung des schnellen Reichtums nachgegeben hat, gibt es für sie kein Entrinnen mehr.

Das meint Krimi-Couch.de: »zu psychologisch, um ein breites Publikum wirklich zu fesseln« 66°

Krimi-Rezension von Sabine Reiss

Die Leiche von Egil Einarrson wird aus dem Fluss gefischt und das etwa ein halbes Jahr nach seinem Verschwinden. Entdeckt wird sie von Eva Magnus, allerdings meldet sie den Fund aus dem Leser (noch) unerklärlichen Gründen nicht. Kommissar Sejer und seinem Kollegen Karlsen fällt auf, dass Einarrson kurz nach dem Mord an der Prostituierten Maja Durban verschwunden ist. Außerdem hielt er sich oft in einer Kneipe auf, die gerade mal 300 m von Majas Wohnung entfernt liegt. Punkt. Mehr zum Inhalt wird an dieser Stelle nicht verraten, wird jedoch im folgenden bei der Bewertung offengelegt.

Leider verrät der Klappentext mal wieder viel zu viel und das in so wenigen Worten. Enttäuschend! Bitte auf keinen Fall vorher lesen.

Dieses Buch ist verwirrend. Man merkt es zunächst nicht während des Lesens, da hier alle Fakten mit den eigenen Ahnungen auf merkwürdige Weise verschwimmen. Man weiß im Rückblick kaum mehr, was man von wem erfahren hat, was man sich selbst denkt und was dem Leser wirklich mitgeteilt wird. Wenn ich jetzt so also (nach der Hälfte des Buches) über die Handlung nachdenke und diese wirren Gedanken für die Zusammenfassung des Inhalts ordne, fällt mir auf, dass unheimlich viele Zufälle dafür sorgen, dass Kommissar Sejer Eva Magnus befragt. Noch weiß man nicht genau, was mit Eva los ist, außer dass die Geschichte abwechselnd aus Sicht von Eva und Sejer erzählt wird (allerdings nicht in Ich-Form) und Eva also eine Rolle spielen MUSS.

Sie war die letzte, die Maja Durban vor ihrem Tod noch lebend gesehen hat. Kommissar Sejer kam schon damals etwas komisch vor, aber er war machtlos. Bei den neuen Ermittlungen will er sich mit ihr nochmals befassen und besucht ihren geschiedenen Mann. Dort erfährt er beiläufig, dass Eva die Leiche von Einarrson gefunden hat. Zumindest erzählte ihm dies seine kleine Tochter und Eva konnte es vor ihrem Exmann nicht leugnen. Aber Sejer weiß, dass sie lügt, ihr (angeblicher) Anruf bei der Polizei ist nicht aufgenommen worden. Zweiter Zufall: Bei der Befragung der Witwe von Einarrson kommt heraus, dass er sein Auto verkaufen wollte und zwar an eine Frau. Allerdings ist der Zettel mit dem Namen verschwunden, wird aber dann durch den Sohn des Toten wiedergefunden. Wie gut, dass sich Sejer mit dem Kleinen so gut angefreundet hat, dass dieser ihm vertraut und kleine Dinge ausplaudert, die sonst nie ans Licht gekommen wären. Sejer besucht also den Mann, dessen Telefonnummer auf dem Zettel steht und es stellt sich heraus, dass es Evas Vater ist. Vielleicht ist das Wort Zufall hier auch fehl am Platz, schließlich muss die Polizei allen Spuren nachgehen, allerdings basiert alles weitgehend auf Ahnungen von Sejer, andere Spuren werden gar nicht groß verfolgt, z.B. hätte man die Kollegen des Opfers nochmals befragen können, mit denen er immer unterwegs war etc …Es kommt einem ein wenig unrealistisch vor, dass die Ermittlungen so einseitig sind.

Die sprunghafte Erzählweise der Handlung ist eigentlich problemlos zu bewältigen. Zunächst wird die Geschichte nach Auffinden der Leiche von Egil Einarrson erzählt – jeweils aus Sicht der beiden Protagonisten. Ziemlich genau in der Mitte des Buches kommt es aber dann zu einem Bruch bei der Zeit: Eva wird von Sejer mit aufs Revier genommen und nun beginnt die Geschichte am Anfang. Und dann weiß man schon bald, auf was alles hinausläuft, natürlich nicht konkret (wer hat nun wen wie ermordet etc.), aber doch in hinreichendem Maße, so dass die anfangs erzeugte Spannung nicht mehr groß aufrecht erhalten werden kann – schade. Wenn ein Autor eine solche (wechselnde) Erzählweise wählt, dann muss er damit rechnen, dass die Spannung leidet, es sei denn, es handelt sich um Einschübe, die so mysteriös sind, dass sie die Spannung noch schüren (wenn z.B. bei "Das Lied der Sirenen" von Val McDermid der Mörder selbst zu Wort kommt).

Der Krimi gewinnt an Pluspunkten durch die Figur von Kommissar Sejer, die verwirrende Erzählweise der Autorin sowie die psychologischen Momente, der Plot ist allerdings zu einfach gestrickt um zu begeistern. Evas Auge ist ein Buch, dass sicherlich Fans der skandinavischen Krimiliteratur bzw. von psychologischen Kriminalromanen ans Herz zu legen wäre, es ist jedoch zu psychologisch, um ein breites Publikum wirklich zu fesseln.

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wullschleger erich zu »Karin Fossum: Evas Auge« 03.10.2006
Gut geschrieben. Zeitweise verliert sich aber die Handlung in zuvielen Details. Zudem gleicht sich die sonst doch sehr schöne Skandinavische Landschaft der düstern Handlung des Buches an.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Andreas zu »Karin Fossum: Evas Auge« 04.01.2005
nach bisher positiven Erfahrungen mit skand. Kriminalautoren war mein erstes Buch von K. F. leider für mich eine Enttäuschung. Die Spannung der Geschichte nimmt nach ca. der Hälfte des Buches durch die Rückerzählung dramatisch ab, man kennt bereits nach ca. 50S den Mörder, die Lösung des Falles beruht eher auf Zufälle und die gesamte Geschichte wirkt sehr oberflächlich und überhaupt nicht vielschichtig. Kriminalistischer Spürsinn fehlt ebenfalls komplett.
Helli zu »Karin Fossum: Evas Auge« 09.07.2004
Das war mein erster skandinav. Krimi aus der Reihe "midsommer Tode" von Welt bild und hat mir sehr gut gefallen. Obwohl ich auch Eva sehr mochte, erschien sie mir bissweilen als eine Tranfunzel mit ihrem künstlerisch verkanten Talent. (Unter Umständen hätte ich mir allerdings ein Bild von ihr gekauft). Zu mir würde das auch passen - nachts in der Scheisse sitzen. Vor solchen DIngen fehlt mir der Ekel - allerdings kann ich keinen Hummer mehr erriechen!
Rolf Flückiger zu »Karin Fossum: Evas Auge« 11.03.2004
als Erstling absolut spannend, sehr empfehlenswert, Fossum ist eine gute Alternative zu Mankell oder Nesser, hat meiner Erwartungen übertroffen!
iris zu »Karin Fossum: Evas Auge« 02.12.2003
hervorragend geschrieben. Eva Fossum gelingt es in ihrer Reihe immer neue Erzählstrukturen zu konstruieren und zu verfolgen sowie interessante und stichhaltige Profile aufzubauen, ohne in platte Psychologismen zu fallen. Für mich derzeit eine der besten Krimiautorinnen.
Andrea zu »Karin Fossum: Evas Auge« 13.06.2003
Das erste Buch von Karin Fossum, das ich gelesen habe. Hat mir sehr gut gefallen, den Wechsel der Perspektive fand ich spannend, so konnte ich bis zum Schluß gut verfolgen, wie sich alles abgespielt hat (habe da bei anderen Krimis manchmal meine Probleme!). Kommissar Sejer könnte allerdings meiner Ansicht nach noch ein paar Ecken und Kanten vertragen, er ist einfach zu nett.
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