Dunkler Schlaf von Karin Fossum

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1998 unter dem Titel Djevelen holder lyset, deutsche Ausgabe erstmals 2002 bei Piper.
Ort & Zeit der Handlung: Norwegen / Oslo, 1990 - 2009.
Folge 4 der Konrad-Sejer-Serie.

  • Oslo: Cappelen, 1998 unter dem Titel Djevelen holder lyset. 232 Seiten.
  • München; Zürich: Piper, 2002. Übersetzt von Gabriele Haefs. ISBN: 3-492-04223-6. 262 Seiten.
  • München; Zürich: Piper, 2003. Übersetzt von Gabriele Haefs. ISBN: 3-492-23979-X. 262 Seiten.
  • München; Zürich: Piper, 2012. Übersetzt von Gabriele Haefs. ISBN: 978-3-492-27388-6. 262 Seiten.

'Dunkler Schlaf' ist erschienen als HardcoverTaschenbuch

In Kürze:

Ein neuer packender Psycho-Thriller der norwegischen Autorin Karin Fossum. Ihre Romane um den wortkargen Kommissar Konrad Sejer wurden mit allen wichtigen Krimipreisen ihres Landes ausgezeichnet. Diesmal befassen sich der Kommissar und sein Assistent Skarre mit dem mysteriösen Verschwinden eines 18-jährigen jungen Mannes. Die beiden tappen lange Zeit im Dunkeln, denn der einzige Zeuge schweigt, und den entscheidenden Hinweis einer scheinbar verwirrten alten Frau nimmt Skarre nicht ernst …

Das meint krimi-kouch.de: »Ein Meisterwerk der Erzähltechnik« 90°Treffer

Krimi-Rezension von Peter Kümmel

Kein Kriminalroman wie jeder andere. Die wichtigsten Fakten sind dem Leser sehr schnell bekannt. Die Handlung ist sehr einfach gestrickt, es passiert eigentlich recht wenig. Und doch hat Karin Fossum es geschafft, aus diesen Minimalismen eine unglaubliche Spannung zu erzeugen, die sich fast unmerklich immer mehr steigert, so daß das Buch zum echten Pageturner wird.

Ausnahmsweise möchte ich hier gar nichts zum Inhalt des Buches sagen, denn damit würde ich schon zuviel vorweg nehmen.

Die Charakterstudien von Karin Fossum sind eine wahre Meisterleistung. Aus immer wieder wechselnden Betrachtungsweisen bringt sie die Personen der Handlung dem Leser nach und nach immer näher. Dabei verknüpft sie sehr geschickt die Gedanken der einzelnen Figuren mit der Handlung. Lange Absätze, die die Charaktere, ihr Leben, ihre Ansichten sowie ihr soziales Umfeld beschreiben, wechseln sich ab mit Dialogen, die oftmals scheinbar unwichtig erscheinen, doch für das komplexe Verständnis überaus wichtig sind. Es wirkt dabei sehr ungewöhnlich – ist jedoch überaus wirksam -, dass sie dabei eine Person in der Ich-Form erzählen lässt, die anderen Abschnitte jedoch aus neutraler Sicht in der 3. Person geschrieben sind. Auch der Wechsel von kurzen Gedanken mit Rückblenden, das direkte Ansprechen des Lesers durch die Erzählerin oder Szenen, die wie einzelne Bilder auftauchen, machen das Buch zu einem Erlebnis. Daß aus all diesem Stückwerk ein harmonisches Ganzes entsteht, dem der Leser in jeder Phase problemlos folgen kann, zeugt von den schriftstellerischen Qualitäten der Norwegerin.

Karin Fossums eigentlicher Protagonist und Serienheld, Kriminalkommissar Konrad Sejer, 1,97 m groß, Witwer mit Tochter und Enkel, ruhig und überlegen wirkend, und dessen junger Kollege Jacob Skarre nehmen fast nur eine Nebenrolle ein. Die eigenlichen Stars des Romans sind diejenigen, deren Existenz kaum wahrgenommen wird. Die, die ihr Leben so vor sich hin leben ohne Illusionen und ohne Perspektiven. So wie die 60-jährige Irma, von ihrem Mann verlassen, die zwar gelegentlich von ihrem Sohn besucht wird und mit einer Freundin ab und zu etwas unternimmt, dennoch zeit ihres Lebens einsam ist. So wie Andreas und Zipp, die beiden Freunde, gerade mal 18 geworden und doch noch richtige Kinder. Beide absolut unterschiedliche Typen, verbringen sie ihre gesamte Freizeit zusammen mit wenig Geld, trinken Bier und schauen sich miteinander Videos an. Zur Not muß auch mal die Handtasche einer alten Frau dran glauben, wenn gar kein Geld mehr da ist.

Sämtliche Charaktere sind so vielschichtig, dass die übliche Täter-Opfer-Unterteilung hier komplett wegfällt. Es ist kaum besser darstellbar, wie die Täter selber zu Opfern werden oder auch die Opfer zu Tätern. Und zum Schluß gibt es nur noch Opfer. Karin Fossum vermag es auf subtile Weise besser als die oft hochgelobten schwedischen Autoren aufzuzeigen, woran es in der skandinavischen Gesellschaft krankt.

Ihre Meinung zu »Karin Fossum: Dunkler Schlaf«

Helfen Sie anderen Lesern, indem Sie einen Kommentar zu diesem Buch schreiben und den Krimi mit einem Klick auf die Säule des Thermometers bewerten. Und bitte nehmen Sie anderen Lesern nicht die Spannung, indem Sie den Täter bzw. die Auflösung verraten. Danke!

Marion zu »Karin Fossum: Dunkler Schlaf« 29.03.2006
es kommt oft wie es kommen muss: hab hier über karin fossum gelesen und beschlossen, schnellstens ein buch von ihr zu kaufen. und: prompt am gleichen abend beim zigarettenkaufen am stand entdeckt (dabei hatte ich gar nicht gesucht - das buch hat sich mir richtiggehend aufgedrängt). was sonst? ausserordentlich begeistert. vom stil, vom aufbau, von der geschichte ... sehr beeindruckend. was mir auch gut gefällt: hier findet man mal ein wirklich sympathisches ermittlerteam ohne grossartige traumata. das ist auch mal ganz entspannend.
mase zu »Karin Fossum: Dunkler Schlaf« 14.06.2005
Sehr bewegender Krimi über menschliche Abgründe. Die unterschwellige Brutalität kam beim Lesen selbst nicht rüber. Erst als ich das Buch aus der Hand legte und darüber nachdachte, wurde mir das Ausmaß der Grausamkeit und der Kälte bewusst.

Auch sehr interessant: Die Erzählerin (Ich-Perspektive) ist nicht die Gute, sondern die Böse, die den Leser sogar aktiv anspricht. (Damit habe ich nichts verraten – man weiss es von Anfang an!)
Barbara Fleck zu »Karin Fossum: Dunkler Schlaf« 03.05.2005
Ich weiß nicht, was alle an diesem Buch finden - es ist total vorhersehbar, die Kommissare bleiben farblos im Hintergrund, die alte Frau lässt sich langweilig-schnell als verrückt abtun - einen "Pageturner" stelle ich mir anders vor!
0 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Daniel (17) zu »Karin Fossum: Dunkler Schlaf« 23.01.2005
Kein Wunder, dass dieser einzigartige Roman weder von der Redaktion noch von den Lesern bisher auch nur eine einzige negative Kritik bekommen hat. Ein großartiges Buch!
In den Bewertungen stört mich nur ein wenig, dass sofort Vergleiche zu schwedischen Autoren (insbesondere Mankell) gezogen werden, die letztlich hinfällig sind. Mankell und Fossum sind beide auf ihre Weise absolut klasse und ich weiß, dass dies zwar mein erster, nicht aber mein letzter Roman von ihr gewesen ist! Besser kann man das so schwierige Thema Einsamkeit, das in der Gesellschaft ja fast tabu ist, nicht rüberbringen. Fantastisch!
Dr.Sanati zu »Karin Fossum: Dunkler Schlaf« 13.10.2004
Wiederum ein Meisterwerk von Karin Fossum. Ein hervorragender Kriminalroman, deprimierend, traurig und düster,jedoch durchaus realistisch. Ein sozialkritischer Roman,der nachdenklich macht. Die glänzende Erzählweise der Autorin ist einzigartig. Das einzige, was mich in dieser Geschichte etwas störte, waren die vielen Zufälle, die dem Glanz dieses Buches lediglich kleine Kratzer verpassen konnten. Insgesamt sehr empfehlenswerte Literatur.
Karin zu »Karin Fossum: Dunkler Schlaf« 03.09.2004
Auch dieses Buch von Karin Fossum hat mich wieder ausserordentlich beeindruckt. Einfach genial........Man darf wirklich vorher nicht zuviel verraten..........selbst lesen!!
K. Fossum hat ihren eigenen Stil und dieser ist grandios.
Frape zu »Karin Fossum: Dunkler Schlaf« 02.09.2004
Ich bin sehr froh, dass in der obigen Rezension kein Wort über den Plot fällt - denn der ist so vielschichtig und dabei doch so einfach, dass jedes Reden darüber ihn zerstört. Mich hat die Geschichte sehr berührt und aufgewühlt. Meiner Meinung nach gehört dieser Krimi in jede Sammlung anspruchsvoller Literatur.
William zu »Karin Fossum: Dunkler Schlaf« 04.03.2004
ein wunderbares Buch, fein und liebevoll geschrieben und sehr spannend, aufgebaut auf der Geschichte und nicht auf Brutalität
Ina zu »Karin Fossum: Dunkler Schlaf« 17.02.2004
Eines der besten Bücher, die ich je gelesen habe. Das Buch hat mich total mitgerissen. Danch musste ich zwar schwer Schlucken, aber das ist auch der Sinn des Buches.
Der Schreibstil ist hervorragend! Ich kann Karin Fossums Bücher mit dem besten Gewissen weiterempfehlen.
Otto Quaing zu »Karin Fossum: Dunkler Schlaf« 17.01.2004
Ein unglaublich spannender und einfühlsamer Roman. Man wird mitgerissen und erlebt das Geschehen persönlich mit. Zwischendurch weglegen geht nicht!

Dies sind nur die ersten 10 Kommentare von insgesamt 16.
» alle Kommentare anzeigen

Ihr Kommentar zu Dunkler Schlaf

Hinweis: Fragen nach einem fertigen Referat, einer Inhaltsangabe oder Zusammenfassung werden gelöscht.

Seiten-Funktionen: