Ich sehe was, und das ist tot von Karen Sander

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2015 bei Rowohlt.
Folge 3 der Georg-Stadler-und-Liz-Montario-Serie.

  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 2015. ISBN: 978-3-499-26992-9. 416 Seiten.
  • [Hörbuch] Berlin: Argon, 2015. Gesprochen von Oliver Siebeck. ISBN: 3839814065.

'Ich sehe was, und das ist tot' ist erschienen als TaschenbuchHörbuchE-Book

In Kürze:

Du wirst Dir wünschen, es wäre nur ein Film.
Ein anonymer Anruf führt Kommissar Georg Stadler zu einem merkwürdigen Tatort: In einem leerstehenden Fabrikgebäude entdeckt er eine Blutlache, daneben einen zersprungenen Spiegel und ein Rasiermesser. An die Wand hat jemand einen seltsamen Code gesprayt. Wenige Tage später wird in einem Hotelzimmer eine Leiche gefunden, wieder wirkt der Tatort inszeniert. Wie eine Filmkulisse. Geht es um Snuff-Videos? Stadler bittet Liz Montario, Spezialistin für Täterbotschaften, um Hilfe. Noch bevor sie auf eine Spur stoßen, gerät Stadler selbst in den Fokus der Ermittlungen …

Das meint Krimi-Couch.de: »Die alte Geschichte mit den vielen Köchen« 70°

Krimi-Rezension von Sabine Bongenberg

Neben den alten Geschichten über die berühmte Spinne in der ebenso berühmen Kokospalme gibt es weitere moderne Legenden, zu denen der »Snuff-Movie« gehört. Darunter ist ein Film zu verstehen, der einen realen Mord beinhaltet. Über derartige Filme drehen sich diverse Gerüchte und Behauptungen – tatsächlich hat aber noch niemand ein derartiges Machwerk gesehen.

Karen Sander setzt in ihrem dritten Fall um den Ermittler Georg Stadler und die Profilerin Liz Montario diese alte »Legenden-Regel« außer Kraft. Beschäftigt sich die Polizei zunächst nur mit den möglichen Schauplätzen und den Kulissen begangener Morde, so verdichten sich zusätzlich die Hinweise darauf, dass es offensichtlich nicht allen genügt, Lieblingsszenen bei gelegentlichen DVD-Abenden zu betrachten. Neben diesen ohnehin schon aufreibenden Ermittlungen krachte es aber auch zusätzlich im Gebälk des bisher soliden Ermittlerteams. Georg Stadler sieht sich plötzlich weiter in dem Geschehen involviert als er es ursprünglich erwartet hat. Der Feind agiert nicht nur in der Außenwelt sondern hat auch schon Eingang in sein unmittelbares Umfeld gefunden.

Anlass zur größten Kritik gibt zunächst der gewollt spannungsgebundene Auftakt der Handlung. Da bereits im Klappentext festgehalten wird, dass die Polizei in einem leerstehenden Fabrikgebäude eine Blutlache nebst zersprungenem Spiegel und Rasiermesser mit einem an die Wand gesprühten seltsamen Code entdeckt, wird hier sicherlich kein Geheimnisverrat betrieben. Nur sollte dann auch die Frage gestellt werden, wieso dieses Szenario als bedeutender Einstieg gewählt wird. Polizeibeamte, die auf eine derartige Kulisse stoßen würden, würden sich vermutlich kurz umsehen und dann – mangels Leiche – das Ganze mit der Vermutung »da haben Kinder gespielt« abtun. Schön natürlich, dass sich die Polizei in Karen Sanders Buch für einen anderen Weg entscheidet. Andererseits scheint die Polizei hier auch nicht wirklich viel zu tun zu haben, wenn sie sich ernsthaft mit einer derartigen Spurenlage auseinandersetzt.

Insgesamt ist das auch der Punkt, an dem Sanders flüssig laufender Roman gelegentlich hakt. Stark sind jeweils die Szenen, die das zwischenmenschliche Miteinander des Ermittlerteams mit allen seinen Verflechtungen aber auch Verwirrungen beschreiben. Zusätzliche Spannungsbögen gelingen der Autorin mit den Verstrickungen um Georg Stadler. Er wird selbst zum Gegenstand der Untersuchungen, weisen doch viele Indizien darauf hin, dass der Ermittler selbst alles andere als eine weiße Weste aufweist. Im Kontrast dazu wirken dagegen die Handlungen um die Aufklärung der Mordserie arg konstruiert. Inwieweit sich Filmliebhaber oder kranke Gemüter tatsächlich dazu hinreißen lassen, berühmte Mordsequenzen nachzustellen und dabei weder vor Freund noch Feind noch Familie halt zu machen und als Begründung einen einzigen auslösenden Moment in ihrer Vita anzuführen, sei dahingestellt. Nicht überzeugend dargestellt, ist auch die Spurensuche der Ermittler, wirken die jeweiligen Hinweise auf die nächsten Morde doch sehr schemenhaft und die dazu präsentierten Lösungen eher zufällig.

Generell bildet die Geschichte der Filmmorde zwar den Hauptaufhänger und vordergründig auch den Dreh- und Angelpunkt der Geschichte. Im Hinblick auf die Spannung des Buches muss dieser Strang aber vor Nebenhandlung um Stadler’s Verwicklungen zurücktreten. Hier hätte sich Sander auch darauf verlassen können, dass das Interesse der Leser auch für die persönlichen Verstrickungen ihrer Roman-Akteure ausreicht. So bleibt aber insgesamt der Eindruck, dass die Autorin verschiedene Genres bedienen wollte, sich aber insgesamt im Geflecht der verschiedenen Geschichten verlor.

Ein gut aufgebautes und schlüssig agierendes Team ist durchaus in der Lage, eine spannende und gut erzählte Geschichte um seine internen Verstrickungen und Bedrohungen aufzubauen. Die reißerischen und teilweise schwer ernstzunehmenden Verstrickungen um moderne Legenden dienen hier nur dazu, ein ohnehin recht ansehnliches Gericht geschmacklich zu überfrachten. Hier hätte sich der Leser gelegentlich tatsächlich »einen Koch weniger gewünscht«.

Sabine Bongenberg, Februar 2016

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Lafleur zu »Karen Sander: Ich sehe was, und das ist tot« 08.05.2016
Nun ... der dritte Band hat meiner Meinung nach, sowohl einen positives Aspekt, aber auch einige negative Aspekte. Der positive Aspekt ist, dass die Handlung wesentlich interessanter ist, als im 2. Teil und somit an der Spannung des 1. Teils _etwas_ anknüpfen kann. Bei den Mordfällen hat sich die Autorin wirklich etwas Außergewöhnliches einfallen lassen.
Was mir leider gar nicht gefallen hat, sind gewisse Aspekte und Details, die die Story total unglaubwürdig machen. Beispielsweise die Romanze zwischen dem Kommissar und der Mörderin. Das passt von Beginn an nicht wirklich und bleibt bis zum Ende ein großes Fragezeichen. Aber auch einige weitere Details wirken sehr unüberlegt und kurios.
Nichtsdestotrotz bin ich gespannt, ob es einen 4. Teil der Serie gibt. Denn was die privaten Turbulenzen der Ermittler_innen betrifft, hat Sander auf den letzten Seiten durchaus nochmal Spannung aufgebaut.
Britta zu »Karen Sander: Ich sehe was, und das ist tot« 28.10.2015
Schade,schade!
Leider schafft es Karen Sander immer weniger
tatsächliche Spannung zu erzeugen.
Schon im zweiten Buch fängt sie an , sich um die Charaktere Liz,Georg und Miguel so intensiv zu kümmern ...das der "THRILL" auf der Strecke bleibt.
In diesem Buch hab ich manchmal das Gefühl gehabt LINDENSTRASSE zu lesen.
Mord und Spannung kommen sooo kurz das es auch mit 30 Seiten geklappt hätte!!!
Einfach nur sehr enttäuschend...das 1 Buch war echt gut fand ich ...aber jetzt hat selbst ne Minette Walters MEHR AKTION !
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