Kühlfach zu vermieten von
Buchvorstellung und Rezension
Bibliographische Angaben
Originalausgabe erschienen 2010
bei dtv.
Ort & Zeit der Handlung: Deutschland / Köln, 1990 - 2009.
Folge 3 der Pascha-und-Gänsewein-Serie.
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München: dtv, 2010.
ISBN:
978-3423212564. 288 Seiten.
'Kühlfach zu vermieten' ist erschienen als
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In Kürze:
Eine Hitzewelle rollt über Köln. Die Leute sterben wie die Fliegen und die Stadt weiß nicht mehr, wohin mit den Leichen. Da hat der profitgierige neue Leiter des Rechtsmedizinischen Instituts eine folgenschwere Idee: Er will Kühlfächer an Bestattungsunternehmen vermieten. Ab sofort hält das Chaos Einzug in die sonst so geordnete Welt von Rechtsmediziner Dr. Martin Gänsewein: Unbefugte gehen am RMI ein und aus, Leichen oder Teile von ihnen verschwinden und dubiose Obduktionsbefunde bei anonymen Toten häufen sich. Daher beauftragt Martin den prollig-nervigen Geist Pascha, der Sache auf den Grund zu gehen. Das passt dem gerade gar nicht, wo er doch auf Liebespfaden wandelt.
Köln leidet unter einer unerträglichen Hitzewelle, die zahlreiche Todesopfer fordert. So kommt es, dass der Gerichtsmediziner Dr. Martin Gänsewein zunehmend verzweifelt. Eine Leiche verschwindet spurlos aus dem Rechtsmedizinischen Institut in Köln, einer anderen Leiche wird unerhörter Weise einfach die Haut abgezogen. Seit der unbeliebte neue Chef Forch auf die Idee kam, zur Rentabilitätssteigerung des RMI leer stehende Kühlfächer an Bestattungsinstitute zu vermieten, geht es drunter und drüber. Auch der neu eingestellte Nachtwächter Viktor kann nicht verhindern, dass Leichen verschwinden oder vertauscht werden. Martin ist fest entschlossen der Polizei zu helfen und bei der Aufklärung der mysteriösen Vorkommnisse zu helfen und bitte ausgerechnet einen Geist um Hilfe. Pascha, einst im echten Leben ein kleinkrimineller Autoknacker, steht seit gut einem halben Jahr in »Kontakt« mit Martin, dem einzigen Menschen, mit dem er sich über Gedankengänge austauschen kann. Doch Pascha hat gar keine Lust sich in irgendwelche Mordermittlungen hinein ziehen zu lassen, denn er ist frisch verliebt in Irina, Viktors hübsche Enkelin.
Jutta Profijt hatte eine großartige Idee, als sie den Geist Pascha zum Leben erweckte. Diese führte immerhin schon zu einer Nominierung für den Friedrich-Glauser-Preis in 2010 für ihren Debütroman Kühlfach 4, aus dem einst Pascha entwich. Zum Schrecken von Martin, denn der ehemalige Autoknacker ist ein nerviger Proll sondergleichen, der nicht selten in den ungünstigsten Momenten auftaucht und Martin in schier unmögliche Situationen treibt. Sehr zum Leidwesen von dessen Freundin Birgit, die von Paschas Existenz natürlich nichts ahnt und daher mehr als einmal über Martins Verhalten irritiert ist. Zum Beispiel dann, wenn die gemeinsame Wohnungssuche immer wieder schief geht, da Martin verzweifelt nach einer Lösung sucht, um Pascha loszuwerden. Ihm graut vor der Vorstellung, bei trauten Zweisamkeiten von dem Geist heimlich beobachtet zu werden.
Pascha ist eine ständige Quasselbude mit – wie erwähnt – prolligem Verhalten. Entsprechend ist seine Ausdrucksweise. Schönheitschirurgen sind Tittenklempner, Polizeiautos sind Blaulichtschaukeln und eines seiner Lieblingswörter ist »endsöde«. Der schmale Grad zwischen lustiger Unterhaltung und Trashliteratur wird so eben gemeistert. Ja, sehr kurzweilig ist das neue Abenteuer zu lesen, wenngleich der Krimiplot natürlich darunter zu leiden hat. Der Klamauk geht vor.
»Ich beobachtete einen Arzt in weißem, gestärktem Kittelchen, der offenbar der Hupenmeister war. Er empfing eine Tussi nach der anderen in seinem Besprechungszimmer, die T-Shirts, Blusen oder Tops wurden sorgfältig auf einen bereitstehenden Hocker gelegt, die BH-Verschlüsse geöffnet, und dann tat die Schwerkraft ihr schreckliches Werk. Gut, bei manchen tat auch die Schwerkraft nichts, weil Gravitation nur auf etwas wirken kann, das vorhanden ist.«
Im Vordergrund stehen Martins und Paschas »Privatleben« (was bei Pascha natürlich rein platonisch ist), wobei die seltsamen Vorgänge im RMI ebenfalls einen ordentlichen Platz einnehmen. Die Ermittlungen so sie stattfinden, übernimmt natürlich der Geist, da er ja zweckmäßiger Weise überall hinfliegen kann, um Leute zu beobachten, ohne Gefahr zu laufen selber entdeckt zu werden. So einfach kann man es sich als Autor/in machen. Die Auflösung selber ist keine Offenbarung, dafür ist die Anzahl in Frage kommender Tatverdächtiger zu überschaubar. Gleichwohl gibt es noch (womöglich) die ein oder andere kleinere Überraschung. Apropos Überraschung: Das »Highlight« des Romans war für mich dessen Ende, genauer gesagt, das Ende des Epilogs. Sehr originell!
Jörg Kijanski, Januar 2011
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