Sündenherz von Julie Parsons

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2003 unter dem Titel The guilty heart, deutsche Ausgabe erstmals 2004 bei Droemer.
Ort & Zeit der Handlung: Irland / Dublin, 1990 - 2009.

  • London: Macmillan, 2003 unter dem Titel The guilty heart. 389 Seiten.
  • München: Droemer, 2004. Übersetzt von Doris Styron. 428 Seiten.
  • Augsburg: Weltbild, 2005. Übersetzt von Doris Styron. ISBN: 3828976433. 428 Seiten.
  • München: Knaur, 2006. Übersetzt von Doris Styron. ISBN: 978-3-426-62947-5. 428 Seiten.

'Sündenherz' ist erschienen als HardcoverTaschenbuch

In Kürze:

Owen Cassidy, acht Jahre alt, dichtes blondes Haar, hellblaue Augen – spurlos verschwunden mitten in Dublin an Halloween 1991. Alle dachten, Owen würde draußen mit seinem besten Freund spielen. Aber dann kommt heraus, dass die beiden sich gestritten haben und Owen weggelaufen ist. Am helllichten Nachmittag. Und zu Hause ist er nie angekommen. Owens Verschwinden stürzt seinen Vater Nick in tiefe Schuld. Denn statt sich um seinen Sohn zu kümmern, hatte er den Nachmittag im Bett verbracht – bei der Nachbarin. Und diese Affäre kostet ihn seine Familie, seine Frau, sein Glück. Ruhelos flieht er nach Amerika, zieht von Stadt zu Stadt, von Job zu Job, versucht verzweifelt zu vergessen. Vergeblich. Zehn Jahre später kehrt er nach Irland zurück, um sich endlich seiner Vergangenheit zu stellen und herauszufinden, was sich tatsächlich ereignet hat, damals, an diesem Tag im Herbst. Doch alles kommt ganz anders. Nick gerät in eine Welt des Schreckens, von der er nichts, aber auch gar nichts geahnt hatte …

Das meint Krimi-Couch.de: »Ängste und Empfindungen werden glaubhaft dargestellt« 59°

Krimi-Rezension von Peter Kümmel

»Julie Parsons hat ein sublimes Talent, Angst aufzubauen« wird »Die Welt« auf dem Einband zitiert. Dieses Zitat kann ich in dieser Art und Weise absolut nicht nachvollziehen. Zu Beginn des Romans »Sündenherz« liegt das Verbrechen – so es sich überhaupt um eines handelt, denn das weiß der Leser zunächst nicht – bereits zehn Jahre zurück. Und die Angst der Beteiligten hat sich seit dieser Zeit in Resignation und Hoffnungslosigkeit verwandelt. Sehr ausführlich, doch für meinen Geschmack viel zu ausführlich, weit über die Hälfte des Buches hinaus lässt die Autorin die Betroffenen gedanklich das Geschehene verarbeiten und zu begreifen versuchen. Dabei zeigt sie psychologisch sehr einfühlsam auf, dass man mit dem Verlust eines Kindes nicht fertig werden kann, dass auch die Zeit nicht darüber hinweghelfen kann. Die Opfer – und es gibt in diesem Buch einige, die man als solche bezeichnen kann – verändern sich durch einen solchen Schicksalsschlag zwangsläufig. Und diese Veränderungen stellt die Autorin sehr gut und überaus detailliert dar.

Den Eingangssatz möchte ich also eher abgeändert formulieren in: »Julie Parsons hat ein sublimes Talent, die Ängste und Empfindungen ihrer Figuren glaubhaft darzustellen.«

Eine zufriedene und glückliche Familie waren die Cassidys vor 10 Jahren – der 8-jährige Owen und seine Eltern. Seine Mutter Susan, Ärztin in einer Kinderklinik, stellt den Beruf über das Familienleben. Dort erlebt sie täglich schwerkranke Kinder und leidet mit ihnen. Doch sie ist zufrieden so, wie es läuft, denn Owens Vater Nick, ein Kinderbuchautor, arbeitet zu Hause und hat demzufolge genügend Zeit, sich um den Sohn zu kümmern. Zur Unterstützung ist auch noch das Au-pair-Mädchen Marianne da.

Doch an diesem schicksalhaften Halloweentag vor zehn Jahren fühlt sich offenbar keiner für den kleinen Owen zuständig. Die Mutter arbeitet, das Au-pair-Mädchen vergnügt sich mit dem Sohn der Nachbarn und der Vater schließlich liegt mit einer anderen Nachbarin im Bett. Währenddessen spielt Owen mit seinem Freund, und dies ist das letzte, was man von ihm gesehen hat, denn seitdem ist er wie vom Erdboden verschluckt.

Durch die nun folgenden Ermittlungen wird natürlich der Seitensprung des Vaters – nicht sein einziger – bekannt und zwischen gegenseitigen Schuldvorwürfen und Schuldbekenntnissen zerbricht die Ehe der Cassidys. Nick verschwindet nach Amerika, wo er ruhelos von Stadt zu Stadt zieht.

Zehn Jahre nach diesem verhängnisvollen Tag löst das überraschende Wiedererkennen eines Nachbarmädchens einen Sinneswandel bei Nick aus. Er will zurückkehren, um die Ereignisse von damals endgültig zu verarbeiten. Er muß jetzt Klarheit darüber haben, was wirklich geschehen ist.

Zwischen Orten und Zeiten springt die Autorin hin und her, als gäbe es überhaupt keine Barrieren. Gegenwart und Vergangenheit verschmelzen zu einer einzigen Zeit des Leides und erst sehr langsam erfährt der Leser, welche Ereignisse überhaupt zu diesem Zustand geführt haben.

Sämtliche Beteiligten werden dabei so greifbar und glaubhaft – hauptsächlich mit ihren Schwächen – dargestellt, dass man mit ihnen fühlen und leiden kann. Spannung kommt dabei jedoch kaum auf. Irgendwann wird man es Leid, sich ausschließlich mit den Gefühlen der Charaktere zu beschäftigen und wartet darauf, dass etwas passiert. Nun, um es vorweg zu nehmen, man wartet nicht vergebens, auch wenn es sehr lange dauert. Doch man hat den Eindruck, dass Julie Parsons plötzlich merkt, wie ausführlich sie das Buch begonnen hat, und es nun ebenso eilig hat, zum Ende zu kommen. Ein kurzes und furioses Finale wird so knapp gehalten, dass man sich mehr selber denken muß, als überhaupt beschrieben wird.

Die Autorin hat sicherlich viele Stärken, hauptsächlich in der Darstellung von Charakteren und insbesondere deren Gefühle, wobei sie Klischees fast vollständig vermeidet, dazu einen ausgewogenen angenehm zu lesenden Schreibstil. Auch der relativ einfach gestrickte Plot wird gut aufgebaut. Doch dies genügt nicht, um einen rundum zufriedenstellenden Kriminalroman zu verfassen. Denn am Spannungsaufbau und am geschickten Auflösen der geknüpften Fäden muß sie noch kräftig arbeiten.

Ihre Meinung zu »Julie Parsons: Sündenherz«

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Gülli zu »Julie Parsons: Sündenherz« 30.08.2011
Ich fand das Buch im allgemeinem schön , da man sich sehr gut in die Personen hineinversetzen konnte, dadurch kam es alles sehr echt rüber .
Doch fast das ganze Buch handelte nur von den Gefühlen der Personen .
Was mir weniger gefallen hatte war , dass das Ende sehr kurz und nicht spannend warEin Pyschothriller ist nicht wirklich .
Trotzdem kein schlechtes Buch,
B. Rombacher zu »Julie Parsons: Sündenherz« 02.06.2009
Nachdem ich mich durch das Buch gequält habe, halte ich die Bezeichnung Krimi bzw. Psychokrimi als total überzogen. Immer diese Zeitsprünge, die man überfliegen kann ohne dabei was zu versäumen. Bis die Autorin feststellt dass irgendwann mal Schluß sein muss und sie alles ins Finale hineinpackt mit einem trivialen Ende. Ein Buch das ich nicht weiterempfehlen würde.
NickSch zu »Julie Parsons: Sündenherz« 16.05.2008
Ich fand die Geschichte etwas abgedroschen. Auserdem war das ganze zu vorhersehbar beschrieben. Auch diese ganze Zeit Sprünge von gestern und heute haben den Leser irritiert. Ich habe das Buch quergelesen und war nicht sonderlich von dem Ausgang überrascht.
Kein Buch das ich empfehlen werde
Heaven23 zu »Julie Parsons: Sündenherz« 07.03.2008
ich fand Sündenherz eigentlich recht durchwachsen. Das Thema vom verschwundenen Kind eigentlich schon recht ausgelutscht, hat die Autorin daraus jedoch was wirklich gutes zu Stande gebracht ! Auf jedenfall leswenswert !
cinx zu »Julie Parsons: Sündenherz« 17.09.2007
obwohl das Thema doch auch mittlerweile etwas abgegriffen scheint und für meine wenigkeit, die wechsel von gegenwart und vergangenheit etwas weniger erscheinen könnten, fand ich es inhaltlich erstaunlich gut. zwar wirkt es an manchen stellen etwas fade und aus der luft gegriffen, doch fängt sich die autorin meist zum ende eines kapitels. ich würde es nicht als unbedingt lesenswert beschreiben, da julie parson auch schon besseres geschrieben hat.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
cinx zu »Julie Parsons: Sündenherz« 17.09.2007
obwohl das Thema doch auch mittlerweile etwas abgegriffen scheint und für meine wenigkeit, die wechsel von gegenwart und vergangenheit etwas weniger erscheinen könnten, fand ich es inhaltlich erstaunlich gut. zwar wirkt es an manchen stellen etwas fade und aus der luft gegriffen, doch fängt sich die autorin meist zum ende eines kapitels. ich würde es nicht als unbedingt lesenswert beschreiben, da julie parson auch schon besseres geschrieben hat.
Gold zu »Julie Parsons: Sündenherz« 26.06.2006
Super Buch und eine klasse Geschichte.
Dieses Buch verkörpert alles
(Dramatik,Hoffnung einfach alles)
Wer sagt das dieses Buch nicht lesenswert ist hat doch keinen Geschmack.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
BR zu »Julie Parsons: Sündenherz« 05.06.2006
obwohl ich zur zeit sehr beschäftigt bin und ich nicht wirklich muße zum lesen hatte, habe ich dieses buch nicht mehr aus der hand gelegt. es ist klar geschrieben, lässt jedes mutterherz höher schlagen und beeinflusst kurzfristig die eigenen gedanken im umgang mit der aussenwelt. ich habe es sehr gerne gelesen und empfehle es als lesenswerten thriller weiter. BR
1 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Helmut Ast zu »Julie Parsons: Sündenherz« 02.04.2006
Sündenherz ist ein rausgequältes Stück mit einem zwar interessanten,
wichtigen, aber aufgesetzten Thema.
Ein Thriller oder Krimi war es denn nun auf keinen Fall, und auch die subtil angesetzte Täterdarstellung war irgendwie noch verwirrend und nicht klar, vorhersehbar und wenig anregend, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen.
Also: Trotz hochgelobter Einführung - kein Thriller und auch keine gekonnt thematisierte Darstellung.
Habs abgelegt und für spätere Interessenten mit dem Vermerk belegt: Lohnt das Aufschlagen nicht, eine Enttäuschung.
Helmut Ast Heiligenstadt
karla zu »Julie Parsons: Sündenherz« 07.02.2006
Am Anfang irritierte mich die Springerei zwischen den Zeiten doch ziemlich, kam aber dann ganz gut zurecht. Ich denke, daß J. P. es ganz gut gelungen ist die Ängste, die Problematik sowie die Hilflosigkeit der Beteiligen das das Thema mit sich bringt dazustellen. Mein Verdacht bezüglich des Täters den ich relativ bald hatte zum Schluß (den ich ziemich spannen fand) bestätigt. Alles in allem, fand ich das Buch ganz o.k.

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