Der Vogelgarten von Julia Wallis Martin

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1988 unter dem Titel The Big Yard, deutsche Ausgabe erstmals 1999 bei Diana.
Ort & Zeit der Handlung: Großbritannien / England / Manchester, 1990 - 2009.

  • London: Hodder & Stoughton, 1988 unter dem Titel The Big Yard. 350 Seiten.
  • München; Zürich: Diana, 1999. Übersetzt von Mechthild Sandberg-Ciletti. ISBN: 3828400256. 350 Seiten.
  • München: Heyne, 2000. Übersetzt von Mechthild Sandberg-Ciletti. ISBN: 3-453-17192-6. 350 Seiten.
  • München: Diana, 2011. Übersetzt von Mechthild Sandberg-Ciletti. ISBN: 978-3-453-35550-7. 351 Seiten.

'Der Vogelgarten' ist erschienen als HardcoverTaschenbuch

In Kürze:

Roly Barnes wohnt zusammen mit Hunderten von exotischen Finken in einem gewaltigen Vogelgarten in einem heruntergekommenen Abbruchviertel von Manchester. Roly kümmert sich um den zwölfjährigen Brogan Healey, der allein in der alten Wohnung seines Vaters wohnt. Was Brogan nicht weiß, ist, dass Roly in zwei Fällen verdächtigt wird, in denen 12jährige Jungen von der Bildfläche verschwanden …

Das meint Krimi-Couch.de: »Für Fans englischer Krimiliteratur ein Erlebnis« 85°Treffer

Krimi-Rezension von Jörg Kijanski

Manchester, Oktober 1997: Parker, Detective Superintendent bei der Polizei von Greater Manchester, erhält von seinem Mitarbeiter DI Warrender die Nachricht, dass der 12-jährige Gary Maudsley verschwunden ist. Er wurde das letzte Mal unweit jener Stelle gesehen, an der vor fünf Jahren der damals ebenfalls 12-jährige Joseph Coyne verschwand. Ein Augenzeuge wollte Coyne kurz vor seinem Verschwinden zusammen mit Douglas Byrne gesehen haben, der bereits wegen Kindesmissbrauch im Gefängnis gesessen hat, doch dieser bestritt dies vehement. Bis heute fehlt von Coyne jede Spur.

Parker und Warrender suchen erneut Byrne auf , doch auch dieses Mal will er nichts mit der Sache zu tun haben, bestreitet Gary Maudsley zu kennen. Parker lässt von ihm notgedrungen ab, beschließt jedoch ihn fortan unter Bewachung zu stellen. Einige Tage später findet ein Waldarbeiter in einem abgelegenen Waldstück südlich von Manchester die Überreste eines menschlichen Skeletts unter denkwürdigen Umständen. Erst die Obduktion der Leiche bestätigt Parkers Befürchtung, dass es sich um den vermissten Joseph Coyne handelt. Viel schlimmer wiegt jedoch der Umstand, dass die Gliedmaßen vom Rumpf abgetrennt wurden.

Parker gerät immer mehr unter Erfolgsdruck und Ratlosigkeit. So beschließt er aufgrund eines Artikels in einer Polizeizeitung den Kriminalpsychologen Hanson einzuschalten, doch dieser denkt gar nicht daran, von London nach Manchester zu fahren. Schließlich gibt es noch andere Experten und so beugt er sich erst Parkers Druck als dieser Hanson droht, seinen Berufsverband über dessen unprofessionelle Haltung zu informieren. Während Hanson und Parker zunächst mühsam zusammen finden ergibt die Überwachung Byrds, dass dieser sich wiederholt mit einem der Polizei unbekannten Mann trifft: Roland Barnes. Dieser bewohnt rechtswidrig ein kurz vor dem Abbruch stehendes Haus, an das er in eine riesige Vogelvoliere angebaut hat. Als Parker ihn auf seinem Grundstück besucht trifft er dort zu seiner Verblüffung auf Brogan Healey, einen ebenfalls zwölfjährigen Jungen. Da sich die Indizien gegen Barnes mehr und mehr verstärken, versucht Parker den kleinen Jungen von Barnes fernzuhalten, doch Brogan sieht in ihm seinen einzigen Freund …

Eigentlich ist alles klar und dennoch ist Der Vogelgarten ein besonders intensiver Page-Turner

Spannung im klassischen Krimisinn kommt bei Der Vogelgarten nicht auf. Von vornherein ist klar, wer hinter dem grausamen Mord von Joseph Coyne steckt und welches Schicksal vermutlich auch Gary Maudsley erleiden wird. Der pädophilie Dämon heißt Roland Barnes, der von dem gleich veranlagten Byrd und einem Händler namens Moranti unterstützt wird. Die Spannung, die dieser vortreffliche Roman auf nahezu jeder Seite auszulösen vermag, dreht sich vor allem um die Frage, ob es dem Duo Parker/Hanson gelingen wird, den jungen Brogan rechtzeitig vor der ihm drohenden Gefahr zu warnen bzw. ihn von Barnes zu schützen.

Weitschweifender Erzählstil mit überzeugenden Charakterstudien

Dies erscheint keineswegs sicher, denn obwohl Parker den Jungen eindringlich ins Gewissen redet und Barnes Grundstück unter ständiger Überwachung steht, fühlt sich Brogan immer wieder zu »seinem einzigen Freund« hingezogen. Hier glänzt die Autorin mit einer eindringlichen Schilderung der familiären Situation des Jungen, die erklärt, warum es Männer wie Barnes immer wieder schaffen, an kleine Jungen scheinbar problemlos heranzukommen. Brogans Mutter starb vor zwei Jahren und der stark zur Gewalt neigende Vater hatte nichts Besseres zu tun als zu einer Nachtclubtänzerin zu ziehen. Seinem Sohn schickt er einmal die Woche Lebensmittel, ansonsten lebt Brogan allein im Haus seiner Eltern und ist auf sich allein gestellt. Dass mit einer solchen Lage ein Zwölfjähriger nicht klar kommt liegt nahe, ebenso wie einige andere (vor allem sozialkritische) Fragen.

Aber auch die übrigen Charaktere werden intensiv beschrieben, so etwa der klinische Psychologe Hanson, der vor allem deswegen nicht nach Manchester reisen möchte, da er hier viele Jahre seines Lebens verbracht hat. Erinnerungen an seinen geliebten Mathematiklehrer werden wach, der eines Tages zur allgemeinen Verblüffung verhaftet wurde, nachdem er seine Frau mit einem Hammer erschlug. Oder an seine Frau Lorna, die ihn für einen anderen Mann von heute auf morgen einfach sitzen lies. Natürlich wird ebenfalls (um nur noch eine weitere Figur zu nennen) der Vergangenheit Roland Barnes Rechnung getragen, die wie fast immer in solchen Fällen das reinste Desaster war.

Für Fans von Minette Walters, Andrew Taylor und Co. mehr als nur ein Versuch wert

Julia Wallis Martin ist eine großartige Erzählerin, die ihre Geschichten ähnlich ausschweifend erzählt wie beispielsweise eine Minette Walters oder ein Andrew Taylor. Seitenlang wird der über die Jahre zugewachsene Colbourne-Forrest, in dem die Leiche des Joseph Coyne gefunden wird, beschrieben. Wesentlich mehr Platz geht für den Titel gebenden Vogelgarten drauf, in dem hunderte von Finken leben und mittendrin in totaler Verwahrlosung der gejagte Triebtäter. Dumm nur, dass Vermutungen und Wissen allein nicht ausreichen, es müssen halt auch die nötigen Beweise her und genau daran scheitert es, während sich die Schlinge um Brogans zärtlichen Hals immer enger zieht, ohne dass dieser davon etwas ahnt.

Die Verbrechen selbst werden immer erst im Nachhinein beschrieben, beispielsweise durch die Übermittlung der Obduktionsergebnisse. Dadurch wird die Brutalität der Tat zwar keineswegs geschmälert, aber zumindest ist man nicht wie bei anderen Werken live dabei, wenn der Mörder zur Säge oder was auch immer greift. Der Vogelgarten ist ein immens eindringlich geschriebener Roman, der trotz der klaren Ausgangslage jederzeit zu fesseln versteht und beste englische Krimikost mit einem nicht ganz alltäglichen Plot bietet.

Jörg Kijanski, November 2008

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Alexandra zu »Julia Wallis Martin: Der Vogelgarten« 30.10.2008
Da ich das Buch geschenkt bekommen habe und eigentlich nochkeine Erfahrung mit englischen Krimis hatte, war ich recht misstrauisch, doch beim Lesen und mitfiebern, machte es richtig Spaß das Buch zu lesen, zu grausam fand ich es eigentlich nicht, für mich gerade richtig, doch am Schluß leider etwas langatmig. Unnütz fand ich auch die Zwischengeschichte mit Hanson und seiner Frau, warum er wie in dem Hotel gewohnt hat, dass mal sein Haus war und wie er warum mit seiner Frau getrennt lebt und sich fühlt, daß hat mich mal garnicht interessiert und hat meiner Ansicht nach auch nichts zum Sinn und der Handlung des Buches beigetragen.
Alles in allem fand ich es aber lesenswert.
dorrit zu »Julia Wallis Martin: Der Vogelgarten« 28.01.2008
Das Buch sollte "Der Hühnerstall heißen": Ein dümmlicher Ermittler ohne Ermittlungen und viel Gelaber, ein zur Mitarbeit gezwungener Psychologe-Profiler, der dann nichts sagen und nichts tun darf und dann doch mitlabert. Der Haupttäter mehrfach laufen gelassen, Hausdurchsuchungen, bei denen nichts gesucht und gefunden wird ( noch nicht mal die bunten Vögelchen im dunklen Wandschrank). Im Alkoven keine Spuren usw., usw. Auch die misshandelte Ehefrau fehlt nicht und der von einem Flittchen von Ehegattin seelisch dahin dämmernde Ehegatte (der Psychologe).
Ein geschmackloses Buch, in dem ein brisantes Thema schlampig und vordergründig "gethrillt" herunter geschrieben ist. Am geschmacklosesten ist die Widmung "Für meinen Sohn". Also Jungchen, Finger wech von böse Onkels.
Steffi0303 zu »Julia Wallis Martin: Der Vogelgarten« 16.09.2007
Ich finde das Buch äußerst Spannend, doch auch mir ging es noch tagelang nach, nachdem ich es zu Ende gelesen hatte...
Wer zart beseidet ist, sollte dieses Buch nicht lesen, da es mit Kindern zu tun hat, ist es wirklich nix für schwache Nerven.
petra2302 zu »Julia Wallis Martin: Der Vogelgarten« 10.09.2007
ein schrecklich, schauderhaftes buch. nach dem ich es gelesen hatte ging es mir noch tagelang nach. ich konnte das buch erst wieder hinlegen, nach dem es ausgelesen war.
psychlogich sehr durchdacht, superspannend, gänsehauteffekt.dieses buch wäre den lesern zu empfehlen, die vom "kindersammler"entäuscht waren.
von mir 100°.
Andreas zu »Julia Wallis Martin: Der Vogelgarten« 10.10.2003
Gut geschriebener Roman von JWM mit jeder Menge Psychologie und Spannung während fast der gesamten Story. Nur das Ende kam mir etwas zu langatmig vor. Deshalb auch nur 75 Grad !
kaktus zu »Julia Wallis Martin: Der Vogelgarten« 25.09.2003
Ein origineller Plot. Gekonnt umgesetzt. Spannend von der 1. bis zur letzten Seite.
Eva Kirchheim zu »Julia Wallis Martin: Der Vogelgarten« 25.09.2003
Holzschnittartige Psychologie, zuviel Moral und wenig Spannung
Anja Schade zu »Julia Wallis Martin: Der Vogelgarten« 08.07.2003
Ein dichtes, spannend geschriebenes psychologisch gut durchdachtes Buch!!!
95 grad
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