Schöne Bescherung von Jürgen Siegmann

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2009 bei Pendragon.
Ort & Zeit der Handlung: Deutschland / Bielefeld, 1990 - 2009.

  • Bielefeld: Pendragon, 2009. ISBN: 978-3865321602. 224 Seiten.

'Schöne Bescherung' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Auch im Bielefelder Polizeipräsidium steht alles im Zeichen des Fests der Liebe. Nur leider lässt die Weihnachtsstimmung die Kriminellen der Stadt kalt. Hauptkommissar Kipp bekommt es in der Adventszeit mit einem Weihnachtsmann auf Abwegen zu tun und klärt Familienstreitigkeiten mit tödlichem Ausgang. Ein Todesfall in der Kunsthalle ist nur schwer zu knacken und für den letzten Mord bleiben ihm nur drei Stunden zur Aufklärung. Aber der schwerste Fall steht dem raubeinigen Ermittler im Heiligabend bevor: das passende Geschenk für seine Frau. Vier spannende und unterhaltsame Geschichten zum Mitraten oder einfach nur zum Lesen. Eine schöne Einstimmung auf die Weihnachtszeit.

Das meint Krimi-Couch.de: »Weihnachtsgeschäft« 32°

Krimi-Rezension von Wolfgang Franßen

Der eigentliche Fall in diesem Weihnachtskrimi besteht für den Hauptkommissar darin, ein Geschenk fürs Fest zu finden. Klaus Kipp beginnt früh mit der Suche. Am 1. Advent glaubt er fündig geworden zu sein. Eine Lampe. Nur leider wird das Geschäft von einem Weihnachtsmann überfallen und das Geschenk geht dabei zu Bruch. Die Verstrickung dreier weiterer Weihnachtsmänner wird mit der Verve eines Jugendbuchs abgewickelt, und damit kein Zweifel bleibt, die Lösung in einem extra Kapitel angehängt.

Uns erwarten nicht gerade ausgetüftelte Fälle. In Agatha Christie-Manier versammelt Kipp am Ende die Verdächtigen um sich, um sie auf den kleinen Fehler in ihrem Ablauf aufmerksam zu machen. Da reicht eine Münze aus Irland, die der Kommissar selber in Umlauf gebracht hat, um einen Verbrecher seiner gerechten Strafe zuzuführen. Frei nach dem Motto Fünf Freunde und …oder TKKG. Krimirätsel für Erwachsene.

Fluss mit vier Buchstaben

Siegmann strengt sich an, leicht zu erzählen, humorvolle Dialoge zu verwenden, damit hinter jedem Fall ein Augenzwinkern auftaucht. Wir alle wissen: »Advent, Advent, ein Kerzlein brennt. Erst eins, dann zwei, dann drei, dann vier, dann steht Weihnachten vor der Tür.« Und so komponiert Siegmann im Altbekannten vier Fälle entlang der zeitlichen Vorgabe. Lebenswege werden zu Papier gebracht, auf die der Autor an der Oberfläche mit dem Holzhammer auf ihre Abgründe einschlägt.

Sprachlich auf dem Niveau, dass Räume altern, Einrichtungsgegenstände seit Jahrzehnten mit einem Raum verwachsen sind, der Weihnachtsmann mit Rauschebart und dickem Bauch »Überfall« und »Ho Ho Hoooh« brüllt. Während der arme Hauptkommissar an einer Weihnachtsallergie leidet.

Schließlich darf man den Überblick bei dem hohen Tempo nicht verlieren. Man will ja mitraten. Entsprechend simpel muss der Aufbau sein. So wie bei Kreuzworträtseln, bei denen es gilt, die Buchstaben nach Zahlen zu einem Lösungswort zusammen zu setzen. Fehlt ein Buchstabe, halb so schlimm, das Lösungswort kennt jeder, auch wenn es nicht vollständig ist. Ansonsten helfen Hauptkommissar Kipp und seine Kollegen.

Der Spartenkrimi

Nach dem Weihnachtskrimi irgendwann der Osterkrimi, der Fastnachtskrimi oder der Krimi zum Mauerfall. Was Regionalkrimis auf unsägliche Weise kultivieren, indem sie allein darauf abzielen, von Käufern in Köln, Frankfurt, Augsburg oder der Eifel wahrgenommen zu werden und diesen Dunstkreis nie verlassen, treibt der Spartenkrimi wie bei »Schöne Bescherung« nun an Spezialisierung weiter auf die Spitze. Er wird saisonal auf den Büchertischen auftauchen und zwischen Weihnachten und Neujahr in der Versenkung verschwinden.

Wer kauft im Februar noch einen Weihnachtskrimi? Und der Leser, der nicht Enid Blyton-Anhänger ist?

Schöne Bescherung wird wohl das Schicksal vieler Weihnachtsgeschenke erleiden: Einmal ausgepackt, verliert das Parfüm an Zauber. Die wenigsten werden am Ende herausfinden, wie der Hauptkommissar zu seinem Weihnachtsgeschenk kommt.

Vier Fälle in vier Wochen. Das hält außer Kipp niemand aus.

Wolfgang Franßen, Dezember 2009

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