Wilsberg und die dritte Generation von Jürgen Kehrer

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2006 bei Grafit.
Ort & Zeit der Handlung: , 1990 - 2009.
Folge 17 der Wilsberg-Serie.

  • Dortmund: Grafit, 2006. ISBN: 978-3-89425-327-1. 224 Seiten.

'Wilsberg und die dritte Generation' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Felizia Sanddorn, eine Journalistin, die ein Buch über die dritte Generation der RAF schreiben will, verschwindet spurlos. Ihr Vater wendet sich an Georg Wilsberg und beauftragt den Privatdetektiv, sie zu suchen. Ein Hinweis führt nach New York. Dort trifft Wilsberg eine ehemalige Terroristin, die Wilsbergs Auftraggeber besser kennt, als dieser es wahrhaben will. Recherchiert Felizia in Wirklichkeit die Geschichte ihres Vaters? Und was für eine Geschichte ist das: War der Vater ein überzeugtes RAF-Mitglied oder ein Agent des Verfassungsschutzes? Bevor Wilsberg die Wahrheit herausfinden kann, bekommt sein Auftraggeber eine Kugel in den Kopf. Und der münstersche Privatdetektiv soll den Sündenbock abgeben. Im Deutschen Winter wird Wilsberg klar, dass nicht nur die RAF, sondern auch ihre Jäger Leichen im Keller vergraben haben. Und dass er sich gewaltig anstrengen muss, um mit heiler Haut aus der Geschichte herauszukommen.

Das meint krimi-couch.de: »Der bislang beste Wilsberg!« 86°Treffer

Krimi-Rezension von Thomas Kürten

Schlecht steht es ja nicht unbedingt um Georg Wilsberg. 5.000,- Euro Anzahlung eines besorgten Vaters für die Suche nach seiner vermissten Tochter. Aber Felizia Sanddorn ist Journalistin, die bei der Recherche in einem pikanten Milieu plötzlich von der Bildfläche verschwunden ist. Denn über die so genannte »dritte Generation« der RAF ist wenig bekannt.

Peter Fahle hatte wenig Kontakt zu seiner Tochter. Angeblich, weil er in Amsterdam sein Geld mit einem Internet-Rotlichtimperium verdient. Tatsächlich scheint Fahle aber selbst in die Machenschaften der Terroristen verstrickt gewesen zu sein. Wilsberg fährt nach Düsseldorf und sieht sich in der Wohnung und am Arbeitsplatz von Felizia Sanddorn um. Dann schickt Fahle ihn nach New York, wo eine Ex-Terroristin wohnt, zu der Felizia Kontakt gesucht haben soll. Eine echte Spur findet Wilsberg aber auch hier nicht.

Ein paar Pensionäre werden nervös

Kaum zurück im beschaulichen Münster, steht der Verfassungsschutz vor Wilsbergs Tür. Er soll seine Nachforschungen im RAF-Milieu unterbinden. Das jedoch weckt Wilsbergs Instinkte erst recht. Er eilt zum nächsten Treffen mit seinem Auftraggeber, kommt allerdings zu spät: Fahle hat eine Kugel im Kopf und dummerweise wird der Tatort so arrangiert, dass alle Spuren auf Wilsberg als Täter weisen. Erst nach Tagen kommt Wilsberg wieder auf freien Fuß und er setzt seine Suche in den Reihen des deutschen Verfassungsschutzes fort. Denn dort scheint eine Riege rüstiger Pensionäre alles andere als erfreut über die Schnüffeleien des Münsteraner Privatdetektivs.

»Wilsberg und die dritte Generation« ist ein ausgereifter, ausgewogener und gewohnt schwungvoll erzählter Roman, der bislang beste aus der Feder von Jürgen Kehrer. Und auch im inzwischen siebzehnten Kriminalfall sind in der Figur Georg Wilsberg noch keine Abnutzungserscheinungen zu bemerken. In unverminderter Frische folgt man dem ehemaligen Rechtsanwalt und Antiquar auf Spurensuche. Hinzu kommt ein äußerst brisant von Kehrer konstruiertes Stück deutscher Geheimdienstgeschichte, dessen großes Potenzial der Autor voll abschöpfen kann.

Gerne nehme ich bei den älteren Wilsberg-Romane das Wort »Krimileinchen« in den Mund. Hier wäre das absolut unangebracht. Zwar hat auch dieser Roman nicht mehr als 200 Seiten, aber die sind mit Handlung vollgestopft, während auf humoristische Einlagen weitgehend verzichtet wird. Die packt Kehrer inzwischen lieber restlos in die TV-Auftritte seines Protagonisten. Er versäumt es auch nicht, die Figur ganz langsam und allmählich weiter zu entwickeln. Den Kontakt zu Pia Petry – die Figur von Autorenkollegin Petra Wührt, mit der Wilsberg seinen 16. Fall gemeinsam löste – nimmt er noch einmal auf und lässt ihn in Missverständnissen versanden. Somit dürfte auch eine Neuauflage der gelungenen Co-Produktion aus 2005 unwahrscheinlicher werden. Aber einen Wilsberg in Höchstform kann man auch als ewigen Single immer noch sehr gut vertragen.

Ihre Meinung zu »Jürgen Kehrer: Wilsberg und die dritte Generation«

Helfen Sie anderen Lesern, indem Sie einen Kommentar zu diesem Buch schreiben und den Krimi mit einem Klick auf die Säule des Thermometers bewerten. Und bitte nehmen Sie anderen Lesern nicht die Spannung, indem Sie den Täter bzw. die Auflösung verraten. Danke!

Kai Laukemper zu »Jürgen Kehrer: Wilsberg und die dritte Generation« 11.03.2008
Hallo, habe eine Lesung von Jürgen Kehrer im Zug von Münster nach Enschede gehört und war begeistert. Ich als 17 Jähriger dachte jetzt kommt etwas, was mich weniger Interessiert. Doch ich fand es klasse. Werde mir das Buch aufjedenfall Bestellen. Liebe Grüße Kai
0 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Andreas Odendahl zu »Jürgen Kehrer: Wilsberg und die dritte Generation« 07.02.2008
Auch ich fand dieses Buch absolut genial! Als ausgewiesener Wilsberg-Fan muss ich dem Buch Höchstnoten ausstellen. Ich weiß nicht, ob ich es auch als das beste Buch bisher bezeichnen würde... Dafür mag ich die alten Bücher zu gerne. Aber es ist sicherlich eines der Besseren! Besonders seine ungewohnte Ernsthaftigkeit macht aus ihm etwas Besonderes im Wilsberg-Kontext.

Witzig, wie diese Rezension von der Wirklichkeit eingeholt wurde. Vor ein paar Wochen hab ich den zweiten Wilsberg/Petry-Roman ausgelesen...

ode.
0 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Ihr Kommentar zu Wilsberg und die dritte Generation

Hinweis: Fragen nach einem fertigen Referat, einer Inhaltsangabe oder Zusammenfassung werden gelöscht.

Seiten-Funktionen: